Siegreicher Irrtum in Australien:

Die erhobene Hand mit zwei zu einem "V" gespreizten Fingern - das Zeichen für Sieg und Frieden, stimmt's? In Australien und auch in England wird diese Geste vermutlich nicht zu einem friedlichen Siegeszug führen. Vor allem dann nicht, wenn der Handrücken dabei nach vorne zeigt. Down Under bedeutet das nämlich so viel wie hierzulande ein ausgestreckter Mittelfinger - eine heftige Beleidigung.

Unglückliche Bescherung in Brasilien: Wer als Reisender zu einem fröhlichen Abendessen unter Brasilianern eingeladen wird, kann sich glücklich schätzen. Ein farbenfroher Blumenstrauß als Gastgeschenk öffnet dabei Türen und Herzen. Ob die mitgebrachten Blumen aber ihren Zweck erfüllen und für eine freundschaftliche Atmosphäre sorgen, hängt von deren Farbe ab. In Brasilien sollten ein Gast unbedingt auf lilafarbene Arrangements verzichten, denn diese Farbe steht hier als Symbol für Tod und Unglück.

Akademische Viertelstunde in Chile: Zu Einladungen und Verabredungen kommt man in Chile oder Spanien am besten...zu spät! Denn Pünktlichkeit ist in den meisten Regionen völlig unüblich und würde womöglich für eine unangenehme Überraschung sorgen. Verspätungen von einer Viertelstunde sind an der Tagesordnung und kein Grund zur Ungeduld. Aber Achtung: Von Region zu Region ist das durchaus unterschiedlich.

Puschen fürs Örtchen in Japan: Auf die Frage, wo es in japanischen Wohnungen zur Toilette geht, stößt man vermutlich auf den Hinweis: "Da, wo die Pantoffeln vor der Tür stehen." Wer dann an seinen Sprachkenntnissen zweifelt, sollte wissen: In Japan zieht man sich für den Gang auf das Örtchen spezielle Toiletten-Pantoffeln an, die man danach wieder vor der Klotür auszieht. Die Toilette gilt in Japan nämlich als unreiner Ort und man vermeidet so, den Rest des Hauses mit seinen Füßen zu verschmutzen. Wer besonders findig ist, macht es wie die Japaner und kommt rückwärts aus der Toilette. So stehen die Pantoffeln für den nächsten Besucher direkt richtig herum.

Unterschwellige Begrüßung in Russland: In vielen Ländern muss man sich über eine korrekte Begrüßung viele Gedanken machen - verbeugen oder Wangenküsschen geben? In Russland gibt man sich, wie auch bei uns, meist die Hand - ganz einfach. Doch es ist unbedingt zu vermeiden, dies über einer Türschwelle zu tun. Denn nach einem russischen Aberglauben bringt das großes Unglück über das Haus und die Familie.

All you can eat in China: Aus Höflichkeit neigt mancher Reisende dazu, auch unappetitliche und absonderliche "Leckerbissen" unter den wohlwollenden Blicken der Gastgeber vollständig zu verspeisen. Froh, den Teller endlich geleert zu haben, erwartet den tapferen Genießer in China jedoch statt der Erlösung ein ordentlicher Nachschlag - denn im Reich der Mitte bedeutet ein geleerter Teller, dass der Hunger nicht gestillt wurde. Nur ein halbvoll zurückgelassener Teller suggeriert dem Gastgeber "Ich bin satt".

Gemeine Begrüßung in Griechenland: Manchmal bleibt es für Reisende fast unergründlich, warum sie auf aggressive oder ablehnende Reaktionen treffen - hatte man dem Kellner des netten Fischrestaurants von gestern Abend doch nur freundlich zugewinkt. Aber Vorsicht! In Griechenland ist das Zeigen der offenen Handfläche, wie zum Beispiel beim Winken, eine schwere Beleidigung. Als besonders beleidigend wird diese Geste wahrgenommen, wenn dazu beide Hände verwendet werden.

Mit freundlicher Empfehlung in England: Engländer sind wirklich ausgesprochen freundlich: Höflich wird sich stets danach erkundigt, wie es dem Gegenüber geht. Als Reisender freut man sich da natürlich zu berichten: "Ach ja, die Anreise war sehr anstrengend, aber die schöne Unterkunft tat meinem Gemüt dann wieder gut ...". Wenn man dann verwirrte Blicke oder ein mildes Lächeln erntet, sollte man sich nicht wundern. Denn für Engländer ist die Frage "How do you do?" nicht mehr als eine simple Begrüßungsfloskel – und keine ernst gemeinte Frage. Richtige Antwort wäre ein kurzes "Fine, thanks. And how are you?"

Heilige Hauptsachen in Südostasien: Zugegebenermaßen empfinden auch viele Kinder in Deutschland diese Geste als unangenehm: das Tätscheln des Haupthaars. In weiten Teilen Südostasiens, zum Beispiel in Indonesien, sollte diese gut gemeinte Geste jedoch unbedingt vermieden werden. Denn der Kopf gilt hier als das reinste und heiligste Körperteil des Menschen. Berührungen wie diese verletzen und beschmutzen die Seele der Kinder - dem Glauben nach. Ebenso sollte man auch nie mit den Füßen, dem unreinsten Körperteil des Menschen, in Richtung anderer Menschen sitzen. Schon gar nicht, wenn die Füße dann auf Mönche zeigen! Beachtet werden sollte diese Regel zum Beispiel bei einem Besuch der unzähligen Tempel in Asien, bei dem man häufig auf dem Boden Platz nimmt.

Selbst angerichtet in Neuseeland:

Unverschämtheit, die Gäste am Nebentisch trinken ihre selbst mitgebrachten Getränke. Sollte man sich da nicht bei der Kellnerin beschweren? Lieber nicht! Denn in vielen Restaurants in Neuseeland (und Australien) bringt man seine alkoholischen Getränke selber mit. Die sogenannten BYO ("Bring your own") haben nämlich keine Alkoholausschank-Lizenz und gestatten ihren Gästen daher eine bestimmte Auswahl an Getränken selbst mitzubringen. Kenner legen daher vor dem Besuch eines solchen Restaurants einen Zwischenstopp im Supermarkt ein.

Einbahnstraße für Frauen in Saudi-Arabien: Als selbstbestimmte Reisende möchte "frau" ihrem Reisepartner natürlich auch gerne einmal das Steuer des Autos aus der Hand nehmen. Es muss ja nicht immer der Mann fahren. Doch in Saudi-Arabien sollte Sie das Zepter lieber ihm überlassen. Denn Frauen ist es in diesem Land nach wie vor nicht gestattet, ein Fahrzeug zu führen. Also: Beine hochlegen und die Fahrt genießen!

Der rechte Weg in Indien: Dass man in Indien vielerorts mit den Händen seine Speisen zu sich nimmt, wissen viele Reisende bereits. Aber warum ernten sie trotzdem Unverständnis, wenn sie sich an dieser traditionellen Verhaltensweise orientieren? Hier haben es vor allem Linkshänder nicht leicht, denn diese als unrein geltende Hand ist beim Essen tabu. Das ist vor allem dann zu bedenken, sobald mit mehreren Personen von einem großen Teller gegessen wird - wie in vielen Restaurants üblich.

Unsittliches Zeichen in Südeuropa: Es gibt viele Wege seine Zustimmung und Begeisterung auszudrücken, doch nicht alle führen zum Ziel. Vielerorts zeigt man mit den zu einem Kreis geformten Fingern, dass man einverstanden ist; gerade Taucher kennen diese Geste auch als Zeichen für "alles in Ordnung".

In Spanien und anderen südeuropäischen Ländern gilt das Symbol allerdings als eine sehr obszöne Geste, die mit Vorsicht zu genießen ist.

Saubere Manieren in Singapur: Schön ist, dass auf Singapurs Straßen besonders auf Sauberkeit geachtet wird. Ungewohnt ist jedoch für viele Reisende, dass sorglos auf die Straße gespuckte Kaugummis oder weggeworfene Zigaretten mit empfindlichen Strafen geahndet werden. Bis 2004 war das beliebte Kaubonbon in Singapur sogar ganz verboten. Heute darf man mit einem ärztlichen Rezept Kaugummis wieder zum Zwecke der Zahnpflege vom Apotheker kaufen.

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