Blühende Fantasie Warum Gartenreisen boomen

Unsere Autorin erklärt, warum immer mehr Reisende gern ins Grüne fahren, mit Gärtnern fachsimpeln und Souvenirs in Gummistiefel packen
Warum Gartenreisen boomen

Der Süden Englands gilt bei Gartenfreunden als eines der beliebtesten Reiseziele

Margeriten in der Wildblumenwiese begutachten und Frühkartoffeln im Gemüsebeet – das geht auch zu Hause. Im ökologischen Mustergarten von Highgrove aber werden sie gepflanzt und gehegt von seiner Königlichen Hoheit Prinz Charles. Oder doch lieber die Baumalleen, Gewächshäuser und adrett gestutzten Hecken von Downton Abbey einem Realitätscheck unterziehen? In der gleichnamigen Fernsehserie ist das sozusagen der Künstlername von Highclere Castle in Hampshire. Auf Gartenreisen geht es schließlich längst nicht mehr nur um englische Rosen und französischen Lavendel. Botanische Führungen sind fein, ein Hauch Glamour ist noch besser. "Auf den Spuren von Agatha Christie" geht es deshalb inzwischen zum berühmten Giftpflanzengarten Torre Abbey in Devon, wo die Schriftstellerin flitterte und sich zu ihren Mordwaffen inspirieren ließ. "Die Gärten der Jane Austen" kommen nicht ohne den originalgetreu restaurierten Cottage-Garten der Autorin in Chawton/Hampshire aus. Denn auch wenn die Kundschaft – fast ausnahmslos über 50 und zu zwei Dritteln weiblich ("Ehemänner werden eher mitgebracht") – allgemein als "dankbar und solide" gelobt wird: Bis zu 70 Prozent sind Wiederholungstäter.

Also muss man sich immer etwas Neues einfallen lassen, selbst im Mutterland des Gartentourismus: "Mit England ist es wie mit dem Fußball im Sport: als Nummer eins nicht tot zu kriegen!", sagt ein Veranstalter. Sportliche Gärtner radeln daher durch den Park von Windsor Castle und stoppen in Südengland an renommierten Gärten wie Wakehurst Place oder Great Dixter. Kreuzfahrer legen für Gartenausflüge in England, Frankreich und Spanien an. Vor Jahren ein Kuriosum, inzwischen schick und eine ernstzunehmende Konkurrenz für Kamelien in Galizien oder blühende Mimosen an der Côte d’Azur: Schneeglöckchen-Touren, natürlich nach England, zum Saisonauftakt im Februar.

Die meisten Gartenfans aber geraten vor allem ins Schwärmen, wenn opulente Privatgärten besucht werden, wo man mit den Besitzern oder wenigstens dem head gardener über Schneckenplage, Clematis-Hybriden und Gierschbekämpfung fachsimpeln kann und möglichst noch zum Tee oder Dinner ins Herrenhaus geladen wird. Da sie bevorzugt auch "mit den Augen stehlen", können sie aus einem Privatgarten von überschaubaren Ausmaßen praktikablere Anregungen mitnehmen als aus Zehn-Hektar-Parks voller Fontänen und Alleen. Was außerdem wichtig ist: Im Bus muss viel Platz sein für Souvenirs. Eine Gartenreise ohne Möglichkeit zum Pflanzenkauf – undenkbar. Als ideale Verpackung haben sich Gummistiefel erwiesen, die der routinierte Gartenreisende sowieso dabeihat. Wie viele sich jährlich aufmachen zu englischen Narzissen, marokkanischen Safranfeldern, japanischen Zen-Gärten oder finnischen Birken, weiß niemand so genau. Denn neben der lukrativen Nische der Veranstalter gibt es noch die riesige Parallel-Reisewelt der Rosen-, Lilien- und Nelken-Vereine, Gartenreisen von Zeitschriften, nur für Frauen oder etwa für Kunden des exquisiten Berliner Blumenladens Tunger-Schnur in Moabit, bei dem auch Angela Merkel kauft. Dass die Kanzlerin an der Irlandreise im September teilnimmt, ist nur ein Gerücht. Die Tour ist trotzdem längst ausgebucht.

Warum Gartenreisen boomen

Klassische Gartenreisende sind fast ausnahmslos über 50 und zu zwei Dritteln weiblich, so eine Studie

Gartenreisen-Anbieter

Baur Gartenreisen: www.hortifina.de

Royal Touristik: www.royaltouristik.de

Dr. Seick: www.seick.com

Ravenala: www.ravenala-touristik.de

Laade Gartenreisen: www.laade-gartenreisen.de

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