Donau Mit dem Kajak bis zum Schwarzen Meer

2000 Kilometer paddelte Thomas Bauer die Donau entlang bis zum Schwarzen Meer. Allein zwischen riesigen Frachtern und durch gewaltige Schleusen - und ohne Kajakerfahrung
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Thomas Bauer

GEO.de: Sie sind 2000 Kilometer in 30 Tagen von Donauwörth bis zum Schwarzen Meer gepaddelt. Wie kommt man auf so eine Idee?

Thomas Bauer: Leider war es kein allzu guter Anlass. Ich stand plötzlich arbeitslos auf der Straße. Und dann hat mir der Gedanke gefallen, ohne Landkarte, ohne Hilfsmittel, mich von einem Fluss führen zu lassen. Eigentlich wollte ich über den Amazonas paddeln, aber da gibt es zu viele Strömungen. Dann habe ich mich für die Donau entschieden und bin losgefahren, ohne vorher jemals in einem Kajak gesessen zu haben.

Wie bitte?

Ja, ich saß zuvor nur zwei Mal in meinem Leben im Kajak. Da war ich etwa sieben Jahre alt und zwar zusammen mit meinem Vater. Dementsprechend linkisch waren die Tage auf dem Fluss.

Wie klappte das Fahren?

So ein Kajak ist eine wahnsinnig kipplige Angelegenheit, wenn man es nicht gewöhnt ist. In den ersten zwei, drei Tagen bin ich immer nur im Zickzack gefahren oder immer im Kreis herum. Wenn eine kleine Welle kommt vom Ufer oder von einem Schiff, dann ist man sehr schnell am Rumkreiseln. Nach einigen Tagen hatte ich jedoch meinen Rhythmus gefunden. Danach bin ich etwa 80 bis 90 Kilometer täglich gefahren.

Sicher waren Sie nicht allein auf der Donau. Mit welchen Schiffen mussten Sie sich den Fluss teilen?

Da sind riesengroße Passagierschiffe unterwegs, aber auch Dampfer und Frachter. Es gab beispielsweise die Schleuse Djerdap, die größte der Donau. Da sah es so aus: Vor mir war ein Passagierschiff aus der Schweiz, dann kam ich und hinter mir ein russischer Frachter. Die Schleuse ging 40 Meter bergab. Da wurde mir ganz schön mulmig zumute.

Sind Sie mal gekentert?

Glücklicherweise nein, nur zwei Mal fast. Einmal kurz vor Regensburg, als ein großer Frachter viel zu dicht an mir vorbeifuhr. Und einmal bin ich in Serbien in einen Sturm geraten. Die Donau sieht dort komplett anders aus als in Deutschland, sie verwandelt sich in eine Flusslandschaft und ist teilweise vier Kilometer breit. Und als ich mitten drin und kein Ufer weit und breit war, kam der Sturm.

Wie haben Sie sich auf die Fahrt vorbereitet?

Ich habe viel gelesen über den Donauverlauf, wo Strömungen sind und Schleusen. Und dann auch mental, dass ich etwa bei Gewitter oder bei anderen Schwierigkeiten rausgehe. Ich neige dazu, viel zu viel zu wollen. Körperlich vorbereitet habe ich mich jedoch nicht.

Dafür haben Sie sicherlich jetzt beachtliche Oberarme?

Der Trainingseffekt war sehr, sehr deutlich spürbar und sichtbar. Die ersten Tage hatte ich jedoch brutalen Muskelkater von dieser ungewohnten Bewegung. Schwierig waren vor allem die 24 Schleusen auf dem Weg. Hier musste man ordentlich gegen die Strömung kämpfen. Die Erfahrung auf meinen Reisen sagt mir jedoch: Das Körperliche macht ein Drittel des Erfolges aus, der Rest ist Kopfsache.

Gab es einen Moment, in dem Sie aufgeben wollten?

Ehrlich gesagt, nie. Ich muss zugeben: Ich bin bekannt für meine Sturheit. Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann mache ich das auch. Es gab zwar fiese kleinere Momente, in denen ich gedacht habe, es könnte jetzt auch mal schöner sein. Etwa als es in Österreich drei Tage am Stück regnete und stürmte. Aber einen Moment, in dem ich wirklich aufgeben wollte, den gab es nie.

Haben Sie Proviant dabei gehabt?

Na klar, vor allem Wasser. Aber das mit dem Gepäck war so eine Sache. Ich wollte einen 80 Liter-Seesack mitnehmen, in mein Kajak passten dann aber nur 30. Ich musste eine Menge aussortieren. Was mich wirklich durch diese Reise brachte, waren Schokolade und Kekse. Oftmals habe ich am Tag drei bis vier Tafeln gegessen. Zum Teil habe ich tagsüber drei bis vier Mal warm gegessen, dann noch die Schokolade obendrauf und trotzdem wog ich am Ende sechs Kilo weniger.

Wo sind Sie nachts untergekommen?

Geplant war, in Gasthäusern zu übernachten, aber ab und zu war ich im Nirgendwo und habe im Zelt geschlafen. Oder einfach an Türen geklopft. Vor allem in Ungarn, in Serbien und Bulgarien, habe ich etwa bei Bauernhöfen geklopft und nach Übernachtungsmöglichkeiten gefragt. Ich bin extrem überrascht und beeindruckt von der Gastfreundschaft und Herzlichkeit. Immer - egal wie ich aussah - wurde mir ein Platz zum Schlafen und warmes Essen angeboten. Ohne diese Hilfe hätte ich es sicher nicht geschafft.

Würden Sie die Tour noch mal machen?

Ja, es war eines meiner schönsten Erlebnisse. Es klingt nach Klischee, aber ich bin wirklich zu einem Flusswesen geworden. Ich habe das auch abends an Land gemerkt, dort waren meine Schritte etwas linkisch und tapsig. Eine Wiederholung der Tour wäre allerdings schwierig, weil ich mein Kajak am Schwarzen Meer an spielende Kinder verschenkt habe.

Interview: Bianca Gerlach

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Thomas Bauer (31) lebt in München und hat nicht nur die Donau bereist. Er pilgerte bereits 2500 Kilometer zu Fuß von Konstanz bis Santiago de Compostela und fuhr mit einer Rikscha durch Südostasien.

Über seine Erlebnisse mit dem Kajak hat er ein Buch geschrieben:

Ostwärts. Zweitausend Kilometer Donau. Mit dem Paddelboot zum Schwarzen Meer. Wiesenburg, 18,90 Euro.

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