Charity-Reisen: Urlaub für einen guten Zweck

Mit Wasser bepackt durch Deutschland, im Rollstuhl nach Rom und paddelnd über den Atlantik. Auf Charity-Reisen gilt nur eines: Geld und Aufmerksamkeit für eine gute Sache zu sammeln

Der Trip ist keine Kaffeefahrt: auf dem Motorrad von London nach New York – 3 Kontinente, 14 Länder, 115 Tage und rund 30 000 Kilometer unterwegs. Doch die Hollywood-Stars Ewan McGregor ("Star Wars") und Charley Boorman ("Excalibur") geben nicht aus Abenteuerlust Gas, die VIP-Motocyclisti fahren für Unicef. Deshalb werden sie von mehreren Reporter-Teams begleitet, in den Medien erscheinen Berichte über ihren "wilden Ritt um die Welt", und eine Vielzahl von "Long Way Round"-Produkten werden vermarktet – Bücher, Filme, T-Shirts, Soundtracks. Ein nicht unerheblicher Teil der Einnahmen geht an die Hilfsorganisation.

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Für Unicef in Afrika: Hollywood-Stars Ewan McGregor (re.) und Charley Boorman

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Hamburger Wasserträger des FC St. Pauli

Sich zu engagieren ist hip. Veranstalter, die Charity-Reisen anbieten, verzeichnen einen Nachfrageboom. Das gilt auch für Portale wie exploreandhelp oder travelbeyond , bei denen man Ferien buchen und spenden kann. Immer wieder berichten Zeitungen von Menschen, die reisen, um auf einen Notstand aufmerksam zu machen. Wer kein Star ist, muss sich allerdings einiges einfallen lassen, um aufzufallen: Spendenaufrufe gibt es viele. Erst ein ambitioniertes Vorhaben schafft Öffentlichkeit – auch wenn es manchmal danach aussieht, als ginge es um einen Wettbewerb skurriler Reisearten. So scharen sich Reporter um Antonia Bolingbroke-Kent und Jo Huxter, als sie sich aufmachen, Geld für Nervenkranke zu sammeln. Die Engländerinnen fahren von Bangkok nach Brighton – mit einem pinkfarbenen Tuk-Tuk. 20 PS hat so ein Dreirad, das in asiatischen Städten als Taxi dient. Drei Monate planen die jungen Frauen für die rund 20 000 Kilometer und brausen gut gelaunt ihrem ersten Motorschaden entgegen. Der Grat zwischen Tragik und Komik ist schmal.

Manche Reise für den guten Zweck wird durch Selbstüberschätzung zur Survivalnummer. Für die Sache aber sind sogar schlechte Nachrichten gut: Der Überlebenskünstler Rüdiger Nehberg etwa, mit 74 ein Veteran unter den Weltverbesserern, galt vor neun Jahren für Wochen als verschollen. Im Einsatz für die von Vertreibung bedrohten südamerikanischen Yanomami-Indianer überquerte er in einem Einbaum-Floß, das aus einer 350 Jahre alten Tanne bestand, den Atlantik. Sein einziges Hilfsmittel, ein Satelliten-Telefon, war defekt. Als Nehberg nach 25 Tagen wieder auftauchte, war das vielen Medien eine Meldung wert und brachte dem Anliegen der Yanomami viel PR. Vor allem: Sie bekommen ein Reservat zugestanden.

Charity-Reisen und ihr Ausgang

Im Rollstuhl über die Alpen

Von Hamburg nach Rom, Höchstgeschwindigkeit 12 km/h. Mit seiner Rolli-Tour zum Papst will der Schwerbehinderte Joachim Friedrich auf den Pflegenotstand in Deutschland aufmerksam machen. Nach 67 Tagen und einem leichten Unfall fährt der von drei Helfern und einer TV-Reporterin begleitete 70-Jährige im Vatikan vor und erhält eine Audienz bei Benedikt XVI.

Von Bangkok nach Brighton

Mit ihrer Aktion "Tuk to the road" unterstützen Antonia Bolingbroke-Kent und Jo Huxter die Organisation Mind, die sich für psychisch Kranke einsetzt; Jo Huxter selbst erkrankte während des Studiums an einer schweren Depression und ließ sich mehrere Jahre in einer psychiatrischen Klinik behandeln. "Ting Tong" (thailändisch für verrückt) nennen die beiden ihr Tuk-Tuk, schreiben während ihrer Reise einen Blog über Achsbrüche und hilfsbereite Trucker, veröffentlichen ein Buch und sammeln mit ihrer PR-Aktion gut 40 000 Pfund ein.

Deutschland mit dem Tshukudu

"Wasser! Marsch" – unter diesem Motto schieben 20 Läufer für den Verein Viva Con Agua ein kongolesisches Lastenfahrrad aus Holz – ein Tshukudu – 1055 Kilometer von Hamburg nach Basel, um Spenden für Brunnen in Nicaragua zu sammeln – die Globalisierung bringt auch Charity-Aktivisten auf erstaunliche Ideen. Dank prominenter Unterstützung durch Spieler des FC St. Pauli und Bands wie Fettes Brot und Wir Sind Helden kommen mehr als 40 000 Euro zusammen.

Flugrekord mit Luftballons

Um auf die Lage der Fernfahrer Brasiliens aufmerksam zu machen, startet Pater Adelir Antonio de Carli zu einem Flugrekord – und geht an 1000 heliumgefüllten Ballons hängend in die Luft. Doch der Wind frischt auf, der Padre verschwindet. Drei Monate später findet man seinen Leichnam. Ambivalenz des Schicksals: Durch das Unglück gehen auch die Nachrichten über die Trucker-Misere um die Welt.

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