Grün reisen Grün reisen: Mitwohnzentrale reloaded

Warum Privatwohnungen für Urlauber eine gute Alternative zum Hotel sind und warum es um deren Vermittler wie Airbnb, 9flats und Wimdu inzwischen einen Börsen-Hype gibt

Selbst ein deutscher Großverlag wollte mitmischen beim next big thing im Tourismus. 70 Millionen Dollar bot der Axel-Springer-Verlag einem jungen US-Unternehmen: Airbnb, das ist die Kurzform für air bed and breakfast, Luftmatratze mit Frühstück. Das Geschäftsmodell: Auf der Website bieten Privatleute ihre Wohnungen oder ein Zimmer für Urlauber an - also Mitwohnzentrale 2.0. Airbnb lehnte das Springer-Geld ab.

Besonders Stadtreisende nutzen das Angebot, vergleichen Fotos, Lage und Beschreibung der annoncierten Wohnungen, loggen sich ein und schließen einen Mietvertrag. Anfangs, so ein Bericht im Wirtschaftsteil der FAZ, war das ein eher mühseliges Geschäft. Doch seit einem Jahr steige die Nachfrage rasant an. Mehr als 100 Millionen Dollar an Kapital hat Airbnb bei großen Geldgebern inzwischen eingesammelt, Analysten beziffern den Wert des kaum drei Jahre alten startups auf mehr als eine Milliarde Dollar. Deshalb treten auch einige Konkurrenten an für das Geschäft mit der Vermittlung von Privatwohnungen: 9flats ist eine Gründung der Macher von Qype, Wimdu wird von den Samwer-Brüdern angeschoben, die diverse Portale nach amerikanischen Vorbildern aufgebaut und verkauft haben. 9flats und Wimdu ähneln Airbnb so sehr, dass sie in der Netzwelt als clones bezeichnet werden. Doch auch die fanden bereits finanzkräftige Investoren.

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Begehrter Schlüssel: Privatwohnungen sind bei Reisenden eine beliebte Alternative zum Hotel

Die Geldgeber spekulieren auf einen Effekt wie bei Ebay. Die Versteigerungsplattform hat viele ähnliche Geschäftsmodelle verdrängt und verdient in aller Welt. Nur die Hoffnung, dass sich einer der Bettenvermittler ein solches Monopol sichert, rechtfertigt Investitionen in Millionenhöhe. Eigentlich sehen Analysten kein großes Geschäft darin, Ferienwohnungen zu vermitteln. Der Umsatz damit liege zum Beispiel in Berlin nur bei etwa drei Millionen Euro im Jahr. Für Reisende sind die neuen Mitwohnzentralen eine gutes Zusatzangebot. Vor allem, wenn einem Urlauber das Gefühl gefällt, in der besuchten Stadtwirklich eine Weile zu leben, den Alltag kennenzulernen, vielleicht sogar die Nachbarn. Allerdings sollte man sich fragen: Mag ich es, in Bett und Bettwäsche eines Fremden zu schlafen? Kann ich mich mit den Reinlichkeitsvorstellungen anderer arrangieren? Wer das bejaht, findet auf den Websites gute, meist günstige Alternativen zum Hotel und trifft auf nette Vermieter (von denen überraschenderweise ein Drittel älter ist als 45 Jahre). Der Vorteil von Hotels: Sie sind in Städten an Wochenenden recht günstig, das Frühstück ist normalerweise im Übernachtungspreis enthalten, und man kann sich beklagen, wenn das Zimmer nicht den Erwartungen entspricht.

Wir suchten für den Herbst nach Wohnungen in Berlin, Airbnb meldete 705 Ergebnisse, mehr als 300 Angebote lagen im Preissegment zwischen 60 und 110 Euro. 9flats listet 210 Ergebnisse auf zu Übernachtungspreisen von 14,50 Euro bis 189 Euro. Wimdu vermittelt 121 ähnlich teure Schlafplätze. Der Durchschnittspreis eines Hotels in Berlin: 76 Euro.

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