Campen im Garten

Campen im Iran oder in Transsylvanien? Victoria Webbon macht es möglich. Auf ihrer Website Campinmygarden.com verzeichnet sie private Gärten, deren Besitzer gerne Campinggäste empfangen

Als William und Kate ihre Verlobung bekannt gaben, hatte Victoria Webbon eine Idee: Was wäre, wenn all die Hochzeitstouristen nicht in überteuerten Hotels übernachten müssten, sondern einfach in London zelten würden? Ganz günstig im Garten anderer Leute. Campinmygarden.com war geboren und ging gerade rechtzeitig zur königlichen Hochzeit online. Seither betreibt die passionierte Camperin Victoria Webbon diese einzigartige Community. Und die wächst stetig. Den letzten großen Zuwachs verzeichnete sie im Sommer, als wegen der Olympischen Spiele in London die Hotelpreise ins Unermessliche stiegen. Auch Menschen, die sich eigentlich nicht als Camper bezeichnen würden, will Victoria Webbon ansprechen. "Man muss natürlich offen sein für Neues. Aber, wer eine günstige Unterkunft sucht und die Möglichkeit, tolle Menschen kennenzulernen, für den gibt es eigentlich keine bessere Option."

Weltweit findet man auf campinmygarden.com mehr als 500 Gärten. In Großbritannien, den Niederlanden und Belgien hat man die größte Auswahl, in Deutschland trauen sich dagegen bisher nur wenige, ihren Garten an Camper zu vermieten. Dafür gibt es Angebote in Bolivien, auf den Philippinen oder im Iran, und Victoria Webbon verspricht, dass alle Gärten geprüft werden, bevor sie auf der Website veröffentlicht werden dürfen. Bäcker iulian lädt bespielsweise auf seinen Bauernhof in Transsylvanien ein und bietet sogar Zelt und Wohnwagen an. Und dazu kann man gleich noch einen Brotbackkurs belegen.

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Von "Bamping" bis "Glamping" offeriert die Plattform Camp in my garden alle Outdoor-Schlafmöglichkeiten

Von "Bamping" bis "Glamping"

Die einfachen Angebote laufen unter dem Stichwort "Bamping" (Basic Camping). Hier kann man oft umsonst nächtigen, manchmal sogar auf einem Acker. Normalerweise zahlt man zwischen zwei und zehn Euro pro Nacht. Wer etwas mehr Geld ausgibt, kann in den Genuss von "Glamping" (glamouröses Campen) kommen. Hier zählt meist die Ausstattung. Neben einem gepflegten Garten im Zentrum einer Stadt kommen WLAN, Strom, Toilette, Dusche, Feuerstelle oder Frühstück dazu. Die meisten Gartenbesitzer präsentieren ihr Grün auf Fotos und beschreiben, was die Gäste bei ihnen erwartet. Auch wenn es verlockend aussieht, blind buchen sollte man trotzdem nicht. Ähnlich wie beim Couchsurfing lohnt eine kurze Kontaktaufnahme. So kann man schnell klären, was es auf dem Garten-Campingplatz zu beachten gibt.

Wer mitmachen will, muss sich registrieren. Der Service ist kostenlos – auch für die Gartenbesitzer, und deren Motivation ist ganz unterschiedlich. Manche wollen sich ein bisschen was dazu verdienen und vermieten teils luxuriöse Zelte für bis zu 50 Euro die Nacht. Die meisten Angebote aber sind so wie das von Frank Huber aus Freiburg. Er freut sich vor allem über nette Gäste aus aller Welt und bietet einen "schönen ruhigen Garten mit viel Sonne und genügend Platz für 2-3 Zelte" für etwa sechs Euro pro Nacht. Bleibt nur noch die Frage, warum vor allem die Briten so überzeugte Garten-Camper sind. Dafür hat Victoria Webbon eine Erklärung: "Wahrscheinlich, weil wir in so einem kleinen Land mit so vielen Menschen leben. Da fällt es manchmal schwer, sich der Natur nahe zu fühlen, und Camping bietet uns genau das."

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