Karneval weltweit Die Welt ist jeck!

Rio und Rheinland sind karnevalistischen Hochburgen, doch es gibt weit mehr Orte, an denen gefeiert wird. Pünktlich zum Beginn der "fünften Jahreszeit" stellen wir fünf Feste weltweit vor, die sich lohnen
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Farbenfroh und maskiert geht es im bolivianischen Oruro zu

Heute fällt in Deutschland der Startschuss zur "fünften Jahreszeit". Die Karnevalisten von Rhein und Neckar bringen sich schon einmal in Stimmung, und auch in Brasilien tanzen sich ab jetzt die Samba-Schulen warm. Doch auch anderorts gibt es Karneval, der oftmals traditioneller und schöner gefeiert wird als in den karnevalistischen Hochburgen. Wir stellen fünf Orte vor, die sich für innovationssuchende und erstmalige Karnevalisten weltweit lohnen.

Oruro – Bolivien

Bereits im Oktober holen die Straßenverkäufer in ganz Bolivien die bunten folkloristischen Masken unter der Ladentheke hervor. Denn in Bolivien fiebern viele dem bunten Treiben in der Provinzstadt Oruro entgegen. Die sonst eher schläfrige Stadt lebt vom Bergbau, im Februar jedoch erwacht sie und wird für einige Tage zum Zentrum des südamerikanischen Landes. Auf 3700 Metern Höhe ziehen die Einheimischen mit prachtvollen handgefertigten Masken und Kostümen durch die Straßen. Die zentralen Tage sind von Karnevalssamstag bis Rosenmontag. An jedem der drei Tage gibt es Festtagsumzüge, die jeweils einer Gottheit gewidmet sind. Der Karneval in Oruro ist fest verankert in der bolivianischen Gesellschaft und eines der ältesten Karnevalsfeste der Welt, dem bereits die Inkas frönten. Seit 2001 steht er auf der UNESCO-Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit. Wer hier mitfeiern möchte, sollte sich so früh wie möglich um eine Unterkunft kümmern, denn Oruro ist zum Karneval ausgebucht, auch die Überlandbusse sind voll und steigern ihre Preise um 100 Prozent. Da Oruro nur 230 Kilometer von der Hauptstadt La Paz entfernt liegt, ist auch ein Tagesausflug möglich. So spart man sich zumindest die Unterkunftssuche. Termine und Bilder zur Einstimmung hat das Portal "Oruro Carnaval".

São Vicente – Kapverdische Inseln

Die afrikanische Inselgruppe vereint die kulturellen Einschläge Südamerikas und Afrikas. In der zweitgrößten Stadt Mindelo auf der Insel São Vicente findet jedes Jahr zur Karnevalszeit ein rauschendes Fest statt. Mit wenig Geld aber viel Kreativität und Hingabe verkleiden sich die Inselbewohner dann farbenfroh. Getanzt wird den ganzen Tag, und die kulturelle Nähe zu Brasilien lässt sich nicht verleugnen. Auch auf São Vicente duellieren sich die Samba-Gruppen mit aufwendig geschmückten Wagen, unter denen der schönste prämiert wird. Die mehrstündige Parade findet in den Nachmittagsstunden des Karnevalsdienstags statt. Danach wird die halbe Nacht durchgefeiert - zu den rhythmischen Klängen von Samba und Morna, jener kapverdischen Musik, die mit der Sängerin Cesária Évora international bekannt wurde. Touristen sind immer herzlich willkommen, sich mit in das Getümmel zu stürzen. Und tun gut daran, sich von der Feierfreude der Einheimischen anstecken zu lassen. Die Haupttage des kapverdischen Karnevals sind von Karnevalssamstag bis Aschermittwoch. In Mindelo findet die größte Parade statt. Wer etwas ruhiger feiern möchte, dem sei die Insel São Nicolau ans Herz gelegt. Alle Informationen zu den Festivitäten in Mindelo gibt es auf der eigenen Facebook-Seite.

Solsona – Spanien

Der spanische Karneval hat viele Facetten. Eine besondere Rolle nimmt jedoch die katalanische Kleinstadt Solsona ein. 35 Jahre nach dem offiziellen Karnevalverbot durch Franco legte man hier als Erstes den kulturellen Maulkorb ab und feierte 1971 ein ordentliches Karnevalsfest mit allen Traditionen und Bestandteilen. Dazu gehört in Solsona auch eine kritische Rede des König Karneval, unter der strengen Hand Francos ein wirkliches Wagnis. Heutzutage lässt es sich entspannter feiern. Die Parade wird bestimmt von großen Pappmascheefiguren, die hier Giganten genannt werden. Sie sind mal Karikaturen bekannter Persönlichkeiten, mal sehen sie einfach nur witzig aus, ähnlich wie die Figuren auf den Rosenmontagszügen in Düsseldorf oder Köln. In Solsona verzichtet man auf Wagen, hier werfen sich die Einwohner die Hülle aus Pappmaschee gleich selber über. Offizielle Hymne des Karnevals von Solsona ist das Lied "El Bufi". Wer sich also vorbereiten möchte, sollte dies zumindest mitpfeifen können. Die feierfreudigen Katalanen sind insgesamt neun Tage karnevalistisch unterwegs. Rund 40 Veranstaltungen finden an den Festtagen statt, wie beispielsweise der Kostümwettbewerb der Kinder. Die genauen Termine und alle Veranstaltungen werden auf der offiziellen Tourismusseite von Solsona bekannt gegeben.

Ptuj – Slowenien

Die älteste Stadt Slowenien ist ebenfalls jeck! Ptuj, ehemals Pettau, wird jedes Jahr zur Karnevalszeit das Zuhause von großen zotteligen Gestalten mit langen roten Zungen und Hörnern, den sogenannten Kurenten. Hinter diesen freundlich gesinnten Unwesen verstecken sich die Anwohner der umliegenden Dörfer, die nach Einbruch der Dunkelheit durch die mittelalterlichen Gassen Ptujs bis zum Rathausplatz ziehen. Dort wird dann zum Tanz gebeten. Jedes der zotteligen Wesen hat um die Hüfte mehrere Kuhglocken, sodass es recht laut werden kann, und das soll es auch, schließlich gilt es, die Wintergeister und alles Schlechte zu vertreiben. Die Kostüme sind Handarbeit: Entweder man bastelt selbst oder bestellt bei Herrn Klinc, der die einzige Masken-Werkstatt der Stadt betreibt. Nach dem allabendlichen Umzug wird in Zelten weitergefeiert, die in der Stadt verteilt stehen. Der Karneval von Putj dauert rund zehn Tage und ist einer der urigsten in Europa. Traditionell findet er zwischen Mariä Lichtmess und Aschermittwoch statt. Die abendlichen Umzüge finden bereits Karnevalssonntag ihr Ende. Die Burg von Ptuj zeigt in einer Dauerausstellung die prachtvollsten Kurenten-Kostüme und erklärt deren Bedeutung. Alle Termine gibt es online unter: www.kurentovanje.net.

Port of Spain - Trinidad und Tobago

In der Karibik lässt man es zur Karnevalszeit richtig krachen. An Rosenmontag und Karnevalsdienstag verwandelt sich die Stadt Port of Spain in eine bunte Parade. Der Karneval ist für die Inselbewohner das wichtigste Fest des Jahres. Ein Sprichwort besagt, dass die Trinidader, wenn sie nicht gerade Karneval feiern, sich auf die zwei Festtage vorbereiten. Die prächtigen Kostüme sind aus Federn und Edelsteinen gefertigt, die Tanzgruppen bewegen sich zu den Klängen der traditionellen Calypso-Musik durch die Straßen, bevor sie sich für die ebenfalls sehr beliebten Limbo-Wettbewerbe versammeln. Beim Feiern verliert man auf Trinidad keine Zeit: der Rosenmontag wird bereits um 4 Uhr morgens eingeläutet mit dem sogenannten J’Ouvert-Umzug. Im Morgengrauen ziehen die Bewohner als Dämonen, Monster oder Teufel durch die Straßen. Sie mögen zwar gruselig aussehen, aber die karibischen Klänge sorgen für beste Stimmung. Alle Termine und Informationen zum Karneval auf Trinidad liefert das Fremdenverkehrsamt.

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