Allein reisen

Was lange Jahre eher bemitleidend wahrgenommen wurde, ist inzwischen ein gekanntes Bild: Alleinreisende. Orte nur für sich entdecken zu können, hat durchaus Vorteile. Anstatt Kompromisse mit den Mitreisenden schließen zu müssen, besitzt der Alleinreisende die absolute Freiheit über seinen Trip: Lange schlafen und in den Tag hineinleben, statt halbherzig das Sightseeing-Programm der Reisebegleitung mitzumachen - ist schlichtweg kein Problem. Wer allein unterwegs ist und es nicht über die gesamte Reise hinweg bleiben möchte, tendiert außerdem dazu sich öfter auf kleinere Abenteuer einzulassen oder eher mal einer spontanen Idee zuzustimmen. So kann aus dem netten Plausch mit dem Kellner am Mittag spontan eine Führung durch die coolsten Bars der Stadt am Abend werden, die so in keinem Reiseführer zu finden ist, ganz ohne sich um die möglichen Bedenken der Mitreisenden kümmern zu müssen. Genau das scheint das Alleinreisen inzwischen salonfähig gemacht zu haben: Nur weil man alleine losfliegt, bleibt man nicht die gesamten drei Wochen allein und sammelt ganz nebenbei Eindrücke und Erfahrungen, die als bereits geformte Reisegruppe vielleicht nicht möglich gewesen wären.

Einheimische treffen

Wer in die Kultur eines Landes eintauchen und sich bestenfalls nach wenigen Tagen als ein Teil von ihr fühlen möchte, sollte so viel Kontakt wie möglich mit den Einheimischen suchen. Das kann bereits auf der Taxifahrt vom Flughafen beginnen. Anstatt nur die Adresse zu nennen und dann stillschweigend die Fahrt zu verbringen, lohnt es sich die Ortskunde des Taxifahrers zu erfragen. Wo gibt es das beste landestypische Essen seiner/ihrer Meinung nach, wann wird es rund um die Sehenswürdigkeiten etwas ruhiger, welche Stadtteile/Landesteile sollten unbedingt besucht werden? Sie werden schnell feststellen, dass Sie kaum einen Namen, den Sie genannt bekommen, in den gängigen Reiseführern finden werden.

Airbnb wird längst von vielen Reisenden genutzt. Viele buchen allerdings eine ganze Unterkunft und sehen ihren Gastgeber allerhöchstens zur Schlüsselübergabe. Wer ein bisschen mehr vom lokalen Leben mitbekommen möchte, sollte sich also in ein Zimmer in der Wohnung des Gastgebers einmieten und sitzt somit direkt an der Quelle: Fragen stellen ist jederzeit möglich, stimmt die Sympathie werden Sie sich schon bald in den netten Cafés in der Umgebung wiederfinden, oder bei der Großmutter des Gastgebers am Kuchentisch. "Entdeckungen" heißt nun auch der neueste Wurf der bekannten Plattform. Hier bieten Einheimische Aktivitäten in ihrer Heimat an: Von Wanderungen über Kochkurse bis hin zu Besuchen von Underground-Konzerten ist alles möglich. Ein ähnliches Konzept haben auch GetYourGuide und Couchsurfing im Angebot. Beim wem Kultur durch den Magen geht, dem sei die Plattform EatWith ans Herz gelegt. Hier laden Menschen in aller Welt zu sich nach Hause ein, es wir gekocht, gegessen und sich kennengelernt.

Alternative Wege und Sichtweisen wahrnehmen

Wer kennt das nicht, die Hauptattraktion des Urlaubs ist gnadenlos überlaufen, die romantische Vorstellung sie nahezu menschenleer vorzufinden dahin. Doch auch an sehr berühmten Sehenswürdigkeiten lassen sich nicht ganz so bekannte Wege finden, die für ein aufregendes Erlebnis sorgen können. Hier lohnt es sich vorab das ein oder andere Globetrotter-Forum zu wälzen sowie ein wenig Flexibilität vor Ort einzuplanen, die es zulässt, die gängigen Wege zu verlassen. Warum der Aufwand? Das lässt sich gut an der Inka-Stätte Machu Picchu veranschaulichen. Die meisten Besucher, der insgesamt 2500 zugelassenen pro Tag kommen als Tagestouristen aus Cusco. Ihnen bleibt nur ein kurzes Zeitfenster um die Schönheit der majestätischen Ruinenstadt auf sich wirken zu lassen, denn sie sind an die Zugzeiten gebunden. Viele Südamerika-Reisende übersehen eine andere Option, die zwar etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt, aber auch eine lohnende Alternative zum Tagestrip bietet. Wer darauf spekuliert, die imposante Landschaft in Ruhe genießen zu können, sollte statt in Cusco in der Ortschaft Aguas Calientes am Fuße des Machu Picchu unterkommen. Von hier liegt der Haupteingang nur eine Wanderstunde entfernt. Die Tore öffnen zu Sonnenaufgang, wer dann schon oben ist, hat gute Chancen erst mal wenige andere Besucher anzutreffen. Fittere Reisende ohne Höhenangst melden sich nicht nur für den Machu Picchu an, sondern auch gleich noch für den Huayna Picchu (der spitze Berg im Hintergrund). Hier sind nur 400 Touristen am Tag zugelassen und der Berg ermöglicht eine ganz andere Sicht auf die Ruinenstadt.

Kreativ von A nach B kommen

Vom Hotel zum nächsten Ziel dauert es nur 10 Minuten mit der U-Bahn und der Bus fährt sowieso am schnellsten in die Stadt? Es mag abgedroschen klingen, aber manchmal kann der Weg tatsächlich das Ziel sein, und wenn dieser dann auch noch zum eigentlichen Bestimmungsort führt, umso besser. Wer zum Beispiel absichtlich seinen Bus verpasst und sich stattdessen zu Fuß auf den Weg macht, entdeckt garantiert Orte, an denen die Reise ansonsten wahrscheinlich nicht vorbei geführt hätte. Wer längere Strecken wandert, statt die Bahn zu nehmen, macht aus seinem Weg gleich ein zusätzliches Abenteuer und wer trampt, spart nicht nur Kosten, sondern lernt neue Leute kennen, hält womöglich an ungewöhnlichen Stellen und sammelt definitiv Erfahrungen.

Bei der Auswahl des Ziels: über den Tellerrand gucken

Sie haben gehört Schweden sei toll, Kroatien angesagt und Costa Rica ausgefallen. Kaum vor Ort begegnen Ihnen dann doch mehr Touristen als ihnen lieb ist. Wenn Sie gern unbekanntere Orte entdecken und nicht auf eine Destination festgelegt sind, dann lohnt es sich, bei der Auswahl des potenziellen Reiseziels über den Tellerrand zu schauen. Legen Sie sich einen Atlas auf den Tisch und schauen Sie sich die Region an, in der das Ziel liegt, an das Sie ursprünglich gedacht hatten. Sie werden feststellen, dass sich Destinationen finden lassen, die geografisch nicht weit von dem angedachten Ort entfernt liegen, eine ähnliche Flora und Fauna zu bieten haben und von denen Ihnen noch niemand Urlaubsbilder gezeigt hat, denn diese Länder und Regionen liegen im Schatten ihrer bekannten Nachbarn. Wie wäre es zum Beispiel mit Montenegro oder Albanien statt Kroatien, diese Länder liegen ebenfalls am Meer, überzeugen mit einem facettenreichen Hinterland und sind keinstenfalls überlaufen.

Digitale Wegweiser, Bewertungen und Ratgeber ignorieren

Einfach mal abschalten. Das sollte vor allem für das Smartphone gelten. Der ewige Begleiter ist mit zig unbeantworteten E-Mails, verpassten Anrufen und Pushbenachrichtigungen nicht nur ein dauerhafter Stressfaktor auf jeder Reise. Viel zu schnell greifen wir auch dann zum Mini-PC, wenn wir uns wieder einmal den Weg zur nächsten Touristenattraktion weisen lassen wollen oder uns auf die Bewertungen anderer verlassen möchten, wenn es um die schönsten Seen, besten Restaurants und vermeintlichen Shopping-Geheimtipps geht. Wieso nicht einfach mal das Handy im Hotel, Auto oder gleich daheim lassen oder alternativ den Flugmodus ein- und den Digitalstress ausschalten? Alle Reiseführer ignorieren und einfach drauf los! Die eigene Intuition wiederfinden, auf das Bauchgefühl hören und spontanen Gedanken folgen. Wer nicht ganz ziellos durch die Stadt oder Natur wandern will, kann sich an Straßenschildern oder einem neutralen Stadtplan orientieren, (un)gewollte Umwege nehmen und am Ende des Tages doch ganz woanders landen. Wer weiß? Vielleicht finden sich so tatsächlich kulinarische Geheimtipps, ungewöhnliche Läden oder einige Spots unberührter Natur.

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