Finnland: Schärenlandschaft

Gleich 90 Prozent der Fläche Finnlands fallen unter das Jedermannsrecht, das nicht nur für Finnen gilt. Nur in Naturschutzgebieten und Vogelgewässern zu Nistzeiten gibt es Einschränkungen.

Die Schärenlandschaft bildet ein wahres Labyrinth aus Inseln, Halbinseln, Flüssen, Buchten und Seen. Im Schärenmeer vor der Küste West- und Südfinnlands liegen rund 20.000 Inseln, manche davon so groß wie Dörfer mit Wäldern und Wiesen, manche nur kleine Felsformationen – das sind mehr als in jedem anderen Archipel der Welt. Die ausgefranste Küstenlinie bietet gleich tausende Kilometer möglicher Zeltplätze, individuelle Ausgangslager für Kajaktouren und Tagesausflüge, etwa zum Bengtskär, dem höchsten Leuchtturm Skandinaviens.

Seenland Saimaa

Am größten See des Landes im Nordosten findet jeder sein Plätzchen, selbst zur Hochsaison. Die anliegenden Wälder sind dermaßen weitläufig, dass man schnell für sich ist. Jede Lichtung bietet neue landschaftliche Überraschungen, etwa kleinere Seen samt Insellabyrinth, in dem sich Ringelrobben blicken lassen. Im Herbst und im Winter zeigt sich das Nordlicht. Wer nicht ganz den Anschluss zur Zivilisation verlieren will, kann auf Campingplätze und Hütten ausweichen – wo es dann auch die traditionelle Sauna gibt. In der Nähe liegt das Städtchen Savonlinna mit Marktplatz, finnischer Küche und Kulturevents. In den Nationalparks auf ausgewiesene Gebiete achten.

Finnisches Lappland

Eher etwas für Fortgeschrittene und Survival-Fans ist das Wildzelten in einer der letzten Wildregionen Europas, dem Lappland. Die Weite und Einsamkeit der Gegend ist von rauer Schönheit, aber nicht zu unterschätzen. Elche, Wölfe, Bären streifen durch die Natur. Die beste Zeit zum Zelten liegt zwischen August und September, dann ist es noch mild, der Schnee geschmolzen und die Landschaft trocken. Nach dem ersten Frost gibt es weniger Mücken. Ausflüge starten am besten in der Hauptstadt des nordfinnischen Lapplands, Rovaniemi. Von dort aus beginnt die Polarkreis-Wanderregion mit markierten Wegen, wie dem Mäntyvaara-Pohtimolampi, der entlang malerischer Flüsse, Seen, Sumpf- und Hügellandschaften führt. Hier gibt es eine Übersicht mit ausgewiesenen Wegen, Wildhütten und Feuerstellen: www.etiatinen.fi

Norwegen: Der Geirangerfjord

Bis zu zwei Tage auf unkultiviertem Land, nicht weniger als 150 Meter Abstand zum nächsten Haus, so lautet die Regel in Norwegen. In den wilderen Gegenden bedürfen auch längere Aufenthalte keiner Sondergenehmigung – es sei denn, es handelt sich um empfindliche Gebiete, etwa einen jungen Wald.

Der Geirangerfjord gehört zum Unesco-Welterbe und weist eine extreme Topografie auf. Die schmale Bucht ist von umso höheren Bergen umringt, die bis zu 1400 Meter hohen Gipfel sind fast das ganze Jahr mit Schnee bedeckt. Das zieht zwar viele Touristen an, Wildzelten ist in der Umgebung aber trotzdem möglich, etwa oberhalb des Ortes Geiranger auf der Passhöhe. Dort plätschert der Gletscherfluss, die Steinwannen mit sonnenerwärmtem Wasser laden zum Baden ein. Von hier aus blickt man über den Fjord, zu den meisten Aussichtspunkten führen Straßen.

Dovrefjell

Weites, grasbewachsenes Hügelland, die Schneekuppen am fernen Horizont, weidende Moschusochsen: Diese Landschaft erinnert mit seiner Western- und Lagerfeuerromantik eher an den US-Staat Montana als an die hügelige Weite Zentralnorwegens. Nicht weit von hier erheben sich die höchsten Berge der Lands, gleich nach den gewaltigen Jotunheimen. Schöne Orte zum Zelten sind etwa der Bergkamm bei Engan oder im Vinstradalen, das auch per Mautweg erreichbar ist. Es gibt kaum ausgetretene Pfade, dafür sind die Routen zwischen den Schutzhütten weit. Als Startpunkt für Abenteuer bietet sich die Stadt Kongsvold an.

Lofoten

Türkisfarbenes Wasser, weiße Strände, hohe Klippen, und das im hohen Norden. Die Lofoten bieten mit ihren 80 Inseln eine große Auswahl an Stränden, in deren Sand und Grasnarben Heringe halten – das Inland ist dafür gerne mal zu felsig. Für ein Lagerfeuer findet man reichlich Treibholz, auf Wanderungen lässt sich etwa die Kvalvika-Bucht oder der Bunes-Sandstrand am arktischen Ozean erkunden. Trotz ihrer Lage im hohen Norden sorgt der Golfstrom für ein mildes Klima auf der Inselgruppe. Beachten: An den besser besuchten Küsten wie Eggum, Unstad oder Utakleiv kostet das Zelten eine geringe Gebühr, auch wenn dort kein Campingareal abgesteckt ist. Wenn der Regen nicht aufhören will, kann man leicht in komfortablere Einrichtungen mit Küche wechseln.

Schweden: Im Umkreis von Stockholm

Auch in Schweden gilt: Nationalparks eher meiden, da hier nur an ausgewiesenen Plätzen übernachtet werden darf – auch schön, aber streng genommen kein Wildzelten. Daher am besten zwei, drei Stunden aus den größeren Städten rausfahren und man findet schnell Spots, die man nur für sich hat.

Selbst von Stockholm aus genügen ein, zwei Stunden Zugfahrt und die schönsten Zeltspots liegen vor einem. Nahe der Stadt verlaufen gleich mehrere Wanderwege, darunter der wohl bekannteste, der 1000 Kilometer lange Sörmlandsleden, der an dieser Stelle durch den Tyresta-Nationalpark führt. Mit seinen vielen Alternativrouten und Abzweigungen ist der Pfad ein guter Start- und Anhaltspunkt, um Abgeschiedenheit zu finden und bei Bedarf wieder auf die Hauptroute zu wechseln, die an Schutzhütten, Städten und Kulturgebieten vorbeiführt. Die nördliche Alternative dazu ist der Upplandsleden.

Schwedisches Lappland

Hier gilt ähnliches wie für das finnische Lappland, für Einsteiger in die Wildnis ist der häufig beschrittene Wanderweg Kungsleden geeignet, von dem man nach Herzenslust abweichen kann. Entlang der Route gibt es Wanderhütten, Bootsverbindungen und kleine Geschäfte.

 

Höga kustenleden im Västernorrland

Es gibt kaum imposantere Kulissen, an denen man die Zeltheringe in den Boden rammen kann. Über 127 Kilometer führt der Höga kustenleden durch das Weltnaturerbe-Gebiet Höga Kusten in Ostschweden zwischen Hornöberget und Varvsberget. Wanderer schreiten hier durch weite Wälder, Berge und Täler, immer der Küstenlinie entlang, von deren Klippen man über die Ostseeküste des Bottnischen Meerbusens blickt. Die Natur präsentiert sich immer anders: Ständig bilden sich neue Insel- und Halbinselformationen, die wie riesige Schildkröten aus dem Wasser ragen. Der Weg ist in 13 Etappen unterteilt, jeweils ist eine Übernachtung eingeplant. Wer nicht immer das Zelt aufschlagen will, findet Unterstände und Hütten, teils mit Ofen.

Schottland: Sandwood Bay

Der Land Reform Act 2003 und der Scottish Outdoor Access Code von 2005 erlauben in Schottland das freie Zelten, ähnlich wie das skandinavische Jedermannsrecht. Es gibt vereinzelte Ausnahmen wie die Ostseite des Loch Lomonds von März bis Oktober. Auch manche Nationalparks, Naturschutzgebiete, Jagdgebiete und landwirtschaftliche Flächen sind tabu. Diese Fälle sind jedoch generell gut ausgeschildert. Es sollten sich nur keine größeren Gruppen bilden, da diese die Natur zu sehr belasten. Fahrzeuge dürfen bis zu 15 Meter von der Straße entfernt geparkt werden, dennoch: besser dafür abgesteckte Flächen nutzen, von dort aus wandert es sich meist problemlos zu den schönsten Wildzelt-Spots.

Wildcampen mit Lagerfeuer und Meeresrauschen am Sandwood Bay in Sutherland: Nach vier Meilen Wanderung durch hügeliges Sumpfland erstreckt sich an der Nordwestspitze Großbritanniens der gelbe Sandstrand Sandwood Bay, kurz vor Cape Wrath. Von Klippen umgeben, tost hier glasklares Wasser vor rauem Felspanorama und lädt zum Surfen ein. Das Auto stell man am besten vorher am John Muir Trust Car Park in Blairmore ab.

Glen Nevis

Das Glen Nevis liegt direkt im Herzen der Highlands – und ist dennoch leicht zugänglich. Hier überragen die höchsten Berge Großbritanniens die Schlucht, die in eine Hochebene mit alpinen Wiesen übergeht. Das Panorama perfekt machen die Steall Falls, an denen das Wasser 120 Meter in die Tiefe stürzt und unten einen Fluss mit natürlichen, flachen Planschbecken bildet. Von Fort William aus schlängelt sich die Straße das Glen hoch bis zum Upper-Falls-Parkplatz, dort ist der 20-minütige Wanderpfad zum Glen Nevis unverfehlbar.

Loch Beinn a’ Mheadhoin

Glen Affric ist eines der schönsten schottischen Talebenen, eingebettet zwischen Pinienwald und Berglandschaft. Zahlreiche kleine Inseln ragen aus dem Loch Beinn a’ Mheadhoin, die man auf einem Schwimm- und oder Kanuausflug erkunden kann – oder warum nicht gleich das Zelt auf einer von ihnen aufschlagen, um richtig abgeschieden zu sein? An den Feuerstellen sitzt man auf alten Baumstümpfen und schaut in den Sternenhimmel, den es so nur in der freien Natur gibt.

Deutschland: Naturpark Pfälzer Wald

Hierzulande ist das Wildzelten generell verboten, die Toleranzbereiche und Bußgelder sind im Vergleich zu anderen Ländern jedoch moderat. Außerdem gibt es rechtliche Grauzonen, die etwa das Biwakieren, ein sporadisches Zelt, erlauben. Anders sieht das bei Naturschutzgebieten aus: Wer im hochsensiblen Gebiet zeltet, kann mit Strafen von bis zu 5000 Euro rechnen. Doch es gibt auch in Deutschland kleine Regionen, in denen man nach Herzenslust sein Zelt aufschlagen darf.

Zum Beispiel im Pfälzer Wald. Sandsteinfelsen, weitläufige Wälder, mittelalterliche Dörfer, Felsriffe und Bergkuppen: abseits der Hütten und Wanderwege darf man hier wild zelten. Ermöglicht hat das 2009 der Verein Südliche Weinstraße e. V. in Zusammenarbeit mit Landesforsten, Gemeinden und Privatbesitzern. Kleiner Dämpfer: Wildcamper müssen sich vorher anmelden und vorgesehene Plätze nutzen – die sind dafür aber schön abgelegen und nur zu Fuß, höchstens mit dem Fahrrad erreichbar. Weitere Infos dazu gibt es hier: www.trekking-pfalz.de

Nationalpark Sächsische Schweiz

Zugegeben, richtiges Wildzelten geht auch hier nicht, die Bedingungen sind aber nah dran – und die einzigartigen Schluchten, Berge und Felsnadeln der Sächsischen Schweiz sind diesen Kompromiss wert. Im zum Teil tschechischen Nationalpark ist das sogenannte Boofen erlaubt, eine Tradition, die auf sächsische Bergsteiger zurückgeht, die früher an bestimmten Plätzen frei übernachteten. 57 dieser Stellen sind offiziell ausgewiesen, hier gibt es eine Liste: www.nationalpark-saechsische-schweiz.de

Brandenburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern

Brandenburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern: In diesen drei Bundesländern begegnet man Wildcampern etwas toleranter und gestattet ihnen eine Nacht in unkultivierter Landschaft, sofern sie unmotorisiert unterwegs sind. Im betreffenden Brandenburger Gesetzestext heißt es: „Fuß-, Rad-, Reit- und Wasserwanderer dürfen abseits von Zelt- und Campingplätzen für eine Nacht Zelte aufstellen, wenn sie privatrechtlich dazu befugt sind und keine besonderen Schutzvorschriften entgegenstehen.“ Grundsätzlich darf man hier also auf öffentlichem Land zelten. Wichtig: Vorher genau recherchieren und im Zweifel nachfragen.

GEO Reise-Newsletter