Helle Flächen überbelichten

„Es sieht aus wie Sand, ist aber eine Art feingemahlener Gips: Das White Sands National Monument erstreckt sich über 25 Kilometer, eine als Naturreservat geschützte Dünenlandschaft in der Chihuahua-Wüste. Wir kamen am Morgen hin. Unser Cabrio habe ich dort abgestellt, um dem Betrachter des Bildes einen unmittelbaren Größenvergleich zu bieten, und die Wolke stand perfekt passend darüber. Bei solch hellen bis weißen Flächen (auch Schnee) muss man eine bis zwei Blenden überbelichten. Am besten manuell, ohne Automatik.“

Geduld und Improvisation

„Blick von El Paso auf das mexikanische Ciudad Juárez (r.). Allein das Lichtermeer wäre ein lohnendes Foto. Doch ich entdeckte das Pärchen, das Selfies mit Blitz schoss – ein hübscher Effekt in meiner Langzeitbelichtung (10 Sekunden, Blende 11, ISO 400).“

Regenwolken? Super!

„Regen und Wolken – cool! Das war mein erster Gedanke, als wir am Artist’s Point im Monument Valley eintrafen. Schlechtes Wetter ist oft gutes Fotowetter; es ermöglicht ganz andere, spannende Bilder. Ich stand eine Stunde hinter dem Auto, wurde patschnass – und erwischte endlich den erhofften Moment.“

Plakativ sein!

Wer sich ein Bild von einer Landschaft machen und nicht nur eine Postkarte knipsen will, sollte eigene Blickwinkel finden. Das Foto vom Ford Point im Monument Valley bekommt durch das Schild eine Ebene dazu und erzählt eine kleine Geschichte.

Spot an, mit Taschenlampe

„Die Tankstelle in der Mojave-Wüste in Kalifornien ist eine Pilgerstätte für Fans amerikanischer Architektur. Das Motel ,Roy’s‘ ist geschlossen, doch Café und Tankstelle waren geöffnet, als wir ankamen. Es hat unseren Reiseplan ein paar Stunden durcheinandergeworfen, doch hier musste ich einfach warten, bis ich das legendäre Werbeschild im richtigen Licht erwischte. Fotografiert mit 21-mm-Objektiv, 15 Sekunden, Blende 8. Das Schild habe ich mit einer Taschenlampe weich ausgeleuchtet.“

Das vorhandene Licht nutzen

„Mit den Hühnern aufzustehen halte ich für völlig überbewertet. Ich folge lieber dem Tag und seinen Ereignissen. Meine Bilder will ich mit dem vorhandenen Licht gestalten.“

Eine Frage des Standpunktes

„Landschaften ohne Menschen finde ich langweilig. Da muss jemand vorkommen, der sie genießt, etwas in ihr tut. Und ich selbst, der Fotograf, durch meinen Standpunkt.“

Mehr wissen, mehr sehen

„Hobbyfotografen haben oft Angst, den richtigen Moment zu verpassen, die angeblich ideale Konstellation von Licht, Landschaftsformen und Menschen. Meistens ist die Angst unberechtigt. Der Fotograf sollte sich nicht von den Umständen abhängig machen, er soll sie nutzen. Wie das geht? Durch Vorbereitung. Auch vor einem Urlaub recherchiere ich, suche Bilder im Netz, mache mich ortskundig. So sehe ich mehr, kann Situationen besser einschätzen. Das macht mich lockerer und sicherer beim Fotografieren.“

Der Fotograf

Hauke Dressler, 47, arbeitet seit fast 30 Jahren als Reise- und Reportagefotograf, seit 2005 auch für GEO SAISON. Er produziert jedes Jahr mehrere Geschichten und Titel.

GEO Reise-Newsletter