Michigan Central Station, Detroit

In Detroit erzählen viele Gebäude eindrücklich vom Aufstieg und Fall der Stadt – kaum eines wirkt dabei aber so imposant und gleichermaßen deplatziert wie die Michigan Central Station. Detroits ehemaliger Hauptbahnhof wurde bewusst dezentral platziert, da die Stadtplaner sich so eine Aufwertung der umliegenden Randbezirke erhofften. Doch der Aufschwung blieb aus, Detroit rutschte in die Krise. Das 18-Stockwerke-Monument wurde zum Tummelplatz für Sprayer, Vandalen und Junkies. Seit einigen Jahren ist das Gebäude wieder in Privatbesitz, der neue Eigentümer ließ bereits erste Renovierungsmaßnahmen vornehmen. Kostenpunkt allein für den Ersatz der über 1000 kaputten Fenster: 3 Millionen US-Dollar.

Dome Houses, Florida

Wie Ufos ragen mehrere weiße Kuppeln vor dem Cape Romano in Florida aus dem Meer empor. Es sind die Überreste eines privaten Luxus-Feriendomizils, mit denen sich Ölproduzent Bob Lee damals einen Lebenstraum erfüllte: Sein aus sechs Elementen bestehendes Haus war bei Fertigstellung 1982 völlig autark, verfügte über Solarzellen und eine Zisterne und hatte einen Wert von rund 1,5 Millionen US-Dollar. Nur zehn Jahre später wurde es durch Hurrikan Andrew schwer beschädigt, und nach und nach wurde die Lage direkt an der Küste dem Haus immer mehr zum Verhängnis. Heute ist es bereits halb im Ozean versunken.

Leuchtturm Rubjerg Knude, Dänemark

Lange Zeit war der Rubjerg Knude Fyr nicht für Besucher zugänglich. Der Leuchtturm thront auf einer Steilküste an der Nordseeküste Jütlands in Dänemark und ist bereits seit kurz nach seiner Eröffnung im Jahr 1900 regelmäßig von einer Wanderdüne bedeckt. Zeitweise ließ sie ihn fast vollständig im Sand versinken. Viel bedrohlicher ist allerdings die Erosion des unter dem Turm liegenden Felsens. Dennoch wurden Treppenhaus und Aussichtsplattform erst kürzlich aufwändig saniert, um Besuchern einen sicheren Aufstieg zu ermöglichen. Wer den Rubjerg Knude Fyr besuchen will, sollte sich aber nicht allzu viel Zeit lassen: Experten Schätzen, dass er in 10 bis 15 Jahren ins Meer stürzen wird.

Nicosia International Airport, Zypern

Ein verlassener Ort der besonderen Art ist der Geisterflughafen von Nikosia. Während des aufkommenden Zypernkonflikts im Jahr 1974 wurde der Flugbetrieb hier über Nacht eingestellt. Türkische Truppen versuchten, den Hauptstadtflughafen der noch jungen Republik Zypern einzunehmen und die Stadt zu umzingeln. Die UN richtete daraufhin eine mehrere Kilometer breite Schutzzone ein, die den Norden und den Süden der Insel seitdem trennt. In diesem militärischen Sperrgebiet scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Der Flughafen der letzten geteilten Hauptstadt der Welt ist dafür das wohl eindrucksvollste Beispiel.

Château Miranda, Belgien

Wie ein verwunschenes Märchenschloss erhebt sich das Château Miranda – oder auch Château de Noisy – mit seinem großen Uhrenturm und den zahlreichen, verspielten Spitztürmchen aus den belgischen Ardennen. Ein Traum von einem Schloss – der kurz vor seinem Ende steht. Der Besitzer konnte das im Jahr 1907 fertig gestellte Familiendomizil, welches im Zweiten Weltkreig von den Nazis annektiert wurde, finanziell nicht mehr als Wohnsitz tragen. Seit 1991 steht es leer. Eine Einigung mit der Stadt über die weitere Nutzung war nicht möglich – und so wurde im Oktober 2016 damit begonnen, erste Teile einzureißen. Doch die Fans von Château Miranda kämpfen weiter für den Erhalt.

Maunsell Seefestungen, Großbritannien

Diese rostigen Türme sind Teil der sogenannten Maunsell Forts nahe der Liverpool Bay. Während des Zweiten Weltkriegs schufen Marine und Militär Großbritanniens hier mehrere künstliche Plattformen zur Abwehr feindlicher Flugzeuge und Boote. Heute sind lediglich vier der Anlagen noch erhalten. Eine davon: Shivering Sands mit seinen sieben Türmen (Foto). Eine weitere noch erhaltene Anlage ist Rough Tower – besser bekannt als die Mikronation Sealand.

Bannerman Castle, New York

Das Bannerman Castle ist genau genommen gar kein Schloss – sondern ein ehemaliges Waffen- und Munitionslager, bei dessen Bau sich Planer und Arbeiter auf Willen des exzentrsichen Bauherren so richtig austoben durften. Francis Bannerman ließ das Areal auf Pollepel Island am Hudson River, ca. 80 Kilometer nördlich von New York City, im Jahr 1901 bebauen. Es diente als Lager für sein florierendes Geschäft mit Militbedarfs-Überschuss in der Stadt, zusätzlich ließ er auch noch einen Wohnsitz auf der Insel errichten. Doch 1918 starb Bannerman, das Geschäft brach in den 1920ern ein und zahlreiche Brände und Explosionen zerstörten Bannerman Castle im Laufe der Jahre bis auf die Grundmauern.

Eisenbahnfriedhof von Uyuni, Bolivien

Der Eisenbahnfriedhof von Uyuni gilt als der größte seiner Art weltweit. Die Stadt am Rande der Salzwüste Salar de Uyuni profitierte stark vom Bau der ersten Eisenbahnstrecke Boliviens, die dazu diente, Rohstoffe und Metalle aus den Minen des  Landesinneren zu den Hafenstädten am Pazifik zu bringen. In den 1940er Jahren brach die Industrie jedoch zusammen. Seitdem sind rund hundert nicht mehr benötigte Lokomotiven dem Verfall preisgegebenen – der, aufgrund des Klimas, allerdings nur langsam voran schreitet.

Geisterstadt Fengdu, China

Fengdu am Yangtse ist bei den Chinesen als "Geisterstadt" bekannt. Nicht, weil sie eine der Städte ist, die beim Bau des Drei-Schluchten-Damms fast vollständig geflutet wurden – sondern, weil die am Hang gelegenen Tempelanlagen eine Art Tor zur Unterwelt und deren Geistern und Königen symbolisieren. Passend dazu prangt dieses unheilvoll wirkende Gebäude hoch über der Stadt: kein Tempel, sondern ein nicht vollendeter Hotelkomplex.

Bahnhof Canfranc, Spanien

Gerade einmal 550 Einwohner zählt das Dorf Canfranc in den Pyrenäen. Und nur wenige Male am Tag verirrt sich die kleine Regionalbahn aus Saragossa an den Bahnhof des Örchens. Endstation, direkt an der Grenze zu Frankreich. Das palastartige Bahnhofsgebäude mit seinen über einen Kilometer langen Bahnsteigen wirkt heute dramatisch überproportioniert – denn es zeugt von besseren Zeiten. Als es in den 1920ern eröffnet wurde, war Canfranc Grenzbahnhof für eine prestigeträchtige Strecke durch die Pyrenäen, die Spanien mit Frankreich verband. Doch das Ende der goldenen Zwanziger und der Spanische Bürgerkrieg ließen das Mammut-Projekt scheitern. Heute ist Spaniens berühmtester Geisterbahnhof weitestgehend abgesperrt – kann aber auf Anfrage besichtigt werden.

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