Das Museo Atlantico

Diese 100 Tonnen schwere Mauer erstreckt sich über 30 Meter auf dem Meeresgrund vor den Kanarischen Inseln. Dabei handelt es sich nicht etwa um das Überbleisel einer versunkenen Stadt, sondern um Kunst. Jason deCaires Taylor, ein britischer Künstler, ist für seine detaillierten Unterwasserinstallationen bekannt. Nun hat er das Museo Atlantico auf dem Meeresgrund des Nordatlantischen Ozeans eröffnet. Unter den Ausstellungsstücken befindet sich auch dieses Werk mit dem Titel "El Rubicón". Dabei läuft eine Gruppe von 35 Skulpturen auf einen Eingang in der Unterwasser-Mauer zu – und ist der Rubikon erst einmal überschritten, gibt es kein zurück mehr.

Kritische Kunst

Ab sofort können Besucher aus der ganzen Welt rund 300 Skulpturen unter Wasser bestaunen. In das bläuliche Licht des Meeres gehüllt, transportieren die 12 Installationen unter anderem sehr gesellschaftskritische Botschaften. Ein Werk zeigt zusammengedrängte Menschen auf dem "Floß von Lampedusa" und zielt klar auf die Flüchtlingsproblematik in Europa ab.

Eine deregulierte Welt

Zum Teil bilden die Skulpturen kontrovers diskutierte Themen des Alltags ab, andererseits gibt es auch sehr abstrakte Werke. Darin sieht der Bildhauer das Reizvolle seiner Kunst: "Mein Ziel ist es, eine Verbindung oder Brücke zwischen einer unbekannten Meereswelt und unserer gewohnten Welt an Land zu bilden", erklärt deCaires Taylor. Zur Installation „Dereguliert“ gehört auch dieser Geschäftsmann auf einer Schaukel: Eine Allegorie auf den beinahe spielerischen Umgang großer Firmen mit der Umwelt. 

Der menschliche Kreis

Auf dem Meeresgrund der Bucht Las Coloradas liegen unter anderem auch diese 200 Skulpturen verschiedenster Größen, angehäuft in einem riesigen Kreis: "Der menschliche Kreis".  Bei dem Material aus dem die Installationen gefertigt wurden, handelt es sich derweil um ein umweltfreundlichen, pH-neutralen Beton von hoher Dichte. Dieser dient dazu, ein artifizielles Riff zu kreieren, das dort mindestens über die nächsten 100 Jahre maritimes Leben anlocken soll. 

Das umweltfreundliche Portal

Ein Ziel des Künstlers ist es, den Blick für das bedrohte und wunderschöne Öko-System der Meere zu schärfen. Damit versucht er, dem Menschen den Spiegel vorzuhalten und unsere Abhängigkeit zur Unterwasserwelt zu unterstreichen.

Deutlich wird diese Absicht an dem „Portal“. Der riesige Spiegel reflektiert dabei den Übergang der Meere zu unserer alltäglichen Welt: Die Wasseroberfläche. Errichtet wurde das Portal so, dass sich See-Igel, Tintenfische und andere Meeresbewohner darunter ansiedeln können.

Die Kunst hat Tradition auf Lanzarote

Viele der menschlichen Figuren sind den Guanchen – den Ureinwohnern der Kanarischen Inseln – nachempfunden. DeCaires Taylor ludt daneben auch Einheimische ein, Modell zu stehen. Die Vulkaninsel beschreibt der Bildhauer als wahrliches "Biosphären-Reservat": "Ähnlich wie der Meeresboden scheint die Landschaft mit ihren Vulkanen und dunklen Lavaströmen, aus der Zeit und aus dem Raum gefallen". Und durch das künstlerische Erbe von César Manrique sei "Lanzarote eine essenzielle Referenz für die dreiteile Beziehung von Kunst, Natur und Nachhaltigkeit".

Drei Jahre Arbeit

Beinahe drei Jahre dauert es, bis das "Museo Atlántico" fertiggestellt war. Mit einigem Aufwand mussten die Skulpturen auf dem Meeresgrund platziert werden.

Der Künstler

Ab sofort können Besucher aus der ganzen Welt seine Skulpturen unter Wasser bestaunen: Jason deCaires Taylor. In Grenada und Mexiko gibt es weitere Ausstellungen einiger Unterwasserskulpturen des Künstlers.

Derweil lassen sich seine Werke nur tauchend oder schnorchelnd erreichen. Wer die Ausstellung besuchen möchte, muss eine Tour buchen: Erwachsene Taucher zahlen 12 Euro Eintritt, Schnorchler 8 Euro. Die maximale Aufenthaltszeit im Wasser beträgt eine Stunde und aus Sicherheitsgründen befinden sich ein Schiff und einige Tauchführer vor Ort.

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