Alaska

Nach mehrtätigen Vorbereitungen in Anchorage, der größten Stadt Alaskas, verlassen wir die Zivilisation Richtung Osten, um die ersten unserer geplanten 36.000 Kilometer in Angriff zu nehmen. Beschneite Bergkuppen, weite Flussläufe, Karibus und der Boreale Nadelwald prägen das Landschaftsbild auf dem Glenn Highway (Bild), der förmlich uns zu gehören scheint. Dieser Idylle kann auch das nächtliche Schlottern im Zelt nichts anhaben, im Gegenteil. Schnee im Sommer – wo kann man das sonst schon erleben?

Kanada

Mit jedem Kilometer gen Süden scheint die Luft ein bisschen wärmer zu werden. Das scheint auch den Schwarzbären zu gefallen. Sechs von ihnen kreuzen unseren Weg allein an einem Tag auf dem Cassier Highway. Die weniger bekannte Nord-Süd-Achse, die sich im Westen Kanadas durch die dichten, unendlich scheinenden Nadelwälder schlängelt. Wir tun es Meister Petz gleich und versuchen uns an einem der zahlreichen türkisfarbenen Seen rund um Whistler, im Fischen – mit Erfolg. Mittlerweile ist auch schon ein bisschen Badevergnügen drin!

Mainland USA

Einen größeren landschaftlichen Abwechslungsreichtum als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten hat keine andere Etappe auf dieser Reise zu bieten - und kein Strassenabschnitt mehr Roadtrip-Feeling als der Highway 101 entlang der amerikanischen Westküste. Der Unterschied zwischen dem Staat Washington, der noch sehr an Kanada erinnert, und der gezeigten Szenerie aus der Wüste Utahs könnte nicht kontrastreicher sein. Wir bekommen die Gelegenheit in Mitten des Monument Valleys unser Nachtlager aufzugschlagen. Am Lagerfeuer werden wir in ausschweifenden Gesprächen in konservative amerikanische Sichtweisen und die angeblich zahlreichen Todesgefahren unserer nächsten Destination, Mexiko, eingeführt

Mexiko

Von den Räubergeschichten der Amerikaner doch etwas verunsichert und mit nur limitierten Sprachkenntnissen im Gepäck, durchqueren wir in Laredo, Texas das Tor nach Lateinamerika. Unsere Bedenken relativieren sich sehr schnell. Bis an die Zähne bewaffnetes Militär und Polizei stoppen uns regelmässig – jedoch aus reiner Neugierde, die wir stets mit lehrreichen ersten Gesprächen auf Spanisch zu befriedigen versuchen. Auf der geschichtsträchtigen, landschaftlich atemberaubenden aber leider auch etwas zu touristischen Yucatan-Halbinsel hört auch das auf. Wir entspannen uns an den Stränden von Playa del Carmen von den Reisestrapazen und besuchen eine Maya-Ruine nach der anderen, wie hier Tulum

Belize

Viel mehr bildliche Eindrücke als ein landestypischer, farbenfroher Schulbus auf den Strassen der ehemaligen britischen Kolonie, haben wir nicht mit der Kamera eingefangen. Das hat einen Grund - die meiste Zeit verbachten wir auf der Koralleninsel Caye Caulker und die technische Ausrüstung blieb am Festland. Schade, denn den karibischen Flair und das Schnorcheln rund um das berühmte Great Blue Hole wären doch ein paar Bilder wert gewesen

Guatemala

Genau am Tag unseres geplanten Grenzübertritts wählt Guatemala einen neuen Präsidenten. Wir warten mögliche Unruhen ab und reisen einen Tag später ins Land ein. Das Bild ändert sich schlagartig und die bittere Armut des Landes wird in all seinen Facetten deutlich. Als wir in einem Dorf auf ein Floss warten um einen Fluss zu überqueren, bildet sich eine Menschentraube um unser Gefährt. Ein Auto mit ausländischem Kennzeichnen und Fahrern – ein seltener Anblick für die lokale Bevölkerung. Wir entscheiden uns, den Kindern ein Spanisch-Englisch-Wörterbuch zu schenken, auf das sie hastig deuten. Mit einer unglaublichen Neugier verschwinden sie und setzen sich in einem Kreis um das Buch, als ob sie noch nie ein solches in den Finger gehalten hätten. Ein gleichzeitig bewegender aber auch trauriger Moment. Die von dichtem Regenwald, Gebirgen, Seen und vor allem Vulkanen geprägte Landschaft aber gehört zu den schönsten unserer Reise. Das altertümliche Antigua Guatemala (Bild) sticht dabei durch seinen kolonialen Charme und seine Einbettung in Mitten aktiver Vulkane besonders heraus

El Salvador

Wie bereits in Guatemala gilt es in El Salvador die größeren Städte bestenfalls zu meiden. Ein Einheimischer riet uns die Strände im Süden zu besuchen, denn El Salvador gilt bei Surfern bereits als Geheimtipp. Die Küstenortschaft El Tunco hält dieses Versprechen und bietet eine geniale Strandatmosphäre und viele talentierter Surfer, denen man noch bei Sonnenuntergang, von den zahlreichen Bars aus, beim Ritt in den massiven Wellen des Pazifiks zuschauen kann. Wir befinden diese jedoch für deutlich zu gross, um selber einen Versuch zu wagen

Honduras

Im Hinblick auf die prekäre Sicherheitslage in Honduras tun wir es den meisten Reisenden gleich und durchqueren das Land an einem Tag. Am Zoll in El Amatillo geht es abenteuerlich los. Jeweils fünf Kopien von etwa 15 verschiedenen Dokumenten werden verlangt. Nach erfolgreicher Beglaubigung der Archivhüter geht es auf eine noch abenteuerlichere Fahrt in Richtung Nicaragua. Zahlreichen Dörfern sperren ihren Teil der Straße mit langen Stöcken, um Wegzoll zu verlangen. Wir realisieren schnell, dass dieser Obolus von den Honduranern durch ungebremstes Zufahren, umgangen wird. Dieses Risiko wollen wir nicht eingehen und bezahlen brav die geforderte Maut. Etwas ärgerlich jedoch wieder hinter all den mühsam überholten LKWs und Bussen herzufahren, die die hölzernen Blockaden gelassen durchbrechen. Auch der zweite Grenzübertritt hält eine Herausforderung bereit: den zuständigen Zollbeamten zu finden. Wir erhalten den Tipp, er befände sich meist bei den Essensständen, wo wir den gefrässigen Gesetzeshüter dann auch finden

Nicaragua

Die Region um die Stadt Granada ist ein touristischer Hotspot, der alles zu bieten hat. Die wunderschöne kolonial geprägte Stadt an den Ufern des Lago Nicaraguas selbst, zahlreiche aktive Vulkane direkt vor der Haustür und ein Labyrinth aus Miniinseln, den sogenannten Isletas, direkt der städtischen Küste vorgelagert. Unser Tatendrang kennt an diesem Tag keine Grenzen: wir umrunden den Kraterrand des Volcan Masaya (Bild) unter spontaner Führung eines lokalen Rangers, schwimmen in der Laguna de Apoyo, einem Kratersee, und erkunden bei Abenddämmerung die Inselwelt per Kanu

Costa Rica

Hauptbestandteil unseres Aufenthalts in Costa Rica wäre eigentlich der Corcovado Nationalpark gewesen. Unser kurzfristiger Planungshorizont machte uns jedoch beim Buchungsversuch einen Strich durch die Rechnung. Zwei Monate und nicht zwei Tage im Voraus hätte man sich für die gewünschte Exkursion anmelden müssen. So landen wir eigentlich eher per Zufall in der atemberaubenden Gebirgslandschaft im Zentrum des Landes und dabei am Volcan Poas, der schönsten Vulkanlandschaft der Panamericana. Ein bedeutendes Prädikat auf einer Route, die von Anfang bis Ende auf dem pazifischen Feuerring verläuft

Panama

Für einmal tauschen wir unsere vier Räder gegen Bug und Segel. Zwischen Panama und Kolumbien unterbricht der Darien Gap des ansonsten durchgängig befahrbaren Panamericana einmalig. Ökologische Gründe, astronomische Bau- und Unterhaltskosten, Rebellenpräsenz sowie Bedenken hinsichtlich des vereinfachten Drogenverkehrs nach Norden ließen bisher keine Verbindung zu. Unser Overlander reist per Container und wir mit dem Segelschiff via der San Blas Inseln nach Cartagena. Der Archipel könnte dem Bildschirmschoner-Klischee nicht besser entsprechen: Inseln mit schneeweißen Stränden und teilweise einer einzigen zentralen Palme. Wir landen auf einigen, komplett verlassenen Eiländern und machen mit der lokalen Urbevölkerung, den Kunas, Bekanntschaft. Die Ruhe wird dann von der rauen Überfahrt nach Kolumbien jäh beendet. Im Fünf-Sekundentakt katapultiert und der Wellengang von einer Ecke der Kajüte in die andere

Kolumbien

Wir beschliessen uns nach unzähligen landschaftlichen Highlights in Kolumbien eher auf die so angepriesenen Städte zu konzentrieren. Cartagena, Medellín und Cali bestätigen uns darin. Besonders Cartagena verzaubert uns, eine Stadt, in der altertümliche, europäisch anmutende Architektur auf karibisches Lebensgefühl trifft. In Medellín machen wir ein erstes Mal Bekanntschaft mit den in Südamerika typischen, städtischen Gondelbahnen, die ein touristisches Highlight darstellen, primär aber zu Transportzwecken der Lokalbevölkerung erbaut wurden. Natürlich lässt uns auch die Geschichte des Drogenbarons Pablo Escobars nicht kalt. Wir besuchen sein Grab unweit von Medellín. Als wir dort ankommen, schrubbt sein ehemaliger Leibwächter, wie jeden Tag, den Grabstein und Escobas Bruder Roberto reicht uns die Hand. Dieser verlor aufgrund eines Briefbombenanschlags des Cali-Kartells während seiner langjährigen Haftstrafe einseitig Gehör und Augenlicht. Eine Begegnung mit Gänsehautgarantie

Ecuador

Das Landschaftsbild ändert sich schlagartig. Von jetzt an dominiert das eher spärlich bewachsene Andenhochland. Nach einem längeren Aufenthalt in der Hauptstadt Quito geht es auf einen kurzen Abstecher nach Baños de Agua Santa - als Tor zum Amazonas wieder etwas grüner. Es handelt sich um das Adventure-Zentrum Südamerikas. Rafting, Quadbiking und eine Runde auf der berühmt gewordenen "gefährlichsten Schaukel der Welt" am Casa del Arbol stehen auf dem Tagesprogramm. Der majestätische Vulkan Tungurahua steigert die Dramatik und bietet zusammen mit zahlreichen grasenden Lamas eine absolut klassische Südamerika-Kulisse

Peru

Wenn man an Peru denkt, kommen einem in erster Linie Berge, Inkas und Lamas in den Sinn. Etwas stereotypisch gestaltete sich auch unsere Vorstellung von diesem Land. Entsprechend überrascht waren wir, als wir entlang der gesamten Pazifikküste ausschliesslich Wüste vorfanden – eine zumindest anfänglich willkommene Abwechslung. Um diese Besonderheit auch intensiv und hautnah miterleben zu können, entscheiden wir uns für eine Nacht in Huacachina, einer Oase in Mitten riesiger Sanddünen. Das Abendprogramm wird zu einem regelrechten Adrenalinrausch. Mit dem Buggy rasen wir mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 100km/h durch die scheinbar gänzlich unberechenbare Dünenlandschaft. Der Pilot hat das Gefährt jedoch derart im Griff, dass auch 45 Grad Seitenlagen und Sprünge über Kuppen kein Sicherheitsrisiko darstellen

Bolivien

Alleine zwei Tage auf unwegsamstem Gelände durch die Wüste des Eduardo Avaroa Nationalparks – unsere Wahlroute von Uyuni nach Chile ist die bisher grösste Herausforderung für Fahrer und Gefährt. Belohnt werden wir mit einer surreal wirkenden Mondlandschaft bestehend aus aktiven Vulkanen, Lagunen in allen Farben des Spektrums und abertausenden Flamingos. Die Nacht in der wohl entlegensten Gegend, in der wir uns je befanden, hat etwas Gutes und etwas Schlechtes an sich. Unangenehm gestaltet sich die von uns hoffnungslos unterschätzte Kälte, die auf 4300 Höhenmetern weit unter den Gefrierpunkt liegt, positiv der atemberaubende, kristallklare und tiefschwarze Nachthimmel. Die Milchstrasse, zwei weitere Galaxien und mehrere Sternschnuppen lassen uns vor dem Zelt verharren

Chile

Das grosse Finale unserer Reise hatten wir uns bereits zu Beginn des Roadtrips ganz klar zurechtgelegt – den W-Trek im Torres del Peine Nationalparks im chilenischen Teil Patagoniens. Auf der 80 Kilometer langen aber vier Tage dauernden Route jagt ein Highlight das andere. Schroffe, teilweise stark vergletscherte Bergformationen, Türkise Bergseen, knorrige Lenga-Buchen-Wälder und kalbende Gletscher machen den W-Trek zu einem fantastischen Naturerlebnis. Das Bild zeigt die beiden prominenten Berggipfel, insbesondere den dramatisch geformten Cuerno Principal (rechts), um die sich die W-Route windet

Argentinien

Das letzte Land und gleichzeitig der von uns für landschaftlich am schönsten befundene Abschnitt unserer Reise. Das Bergpanorama in El Chalten schlägt sämtliche bisherige Erfahrungen, obwohl eigentlich nach einem halben Jahr mit beinahe täglichem Kulissenwechsel langsam aber sicher mit einer gewissen Reisemüdigkeit und abnehmender Begeisterungsfähigkeit zu rechnen wäre. Bereits am ersten Abend unternehmen wir eine kleine Wanderung, um den Sonnenuntergang zu verfolgen. Die von den starken Winden Patagoniens grotesk geformten Wolkenformationen, die Lichtverhältnisse und der Vollmond lassen uns bis tief in die Nacht verharren. Die Protagonisten des Panoramas bestehen aus dem turmförmigen Cerro Torre und dem Cerro Fitz Roy. Hinter der Gipfelreihe befindet sich mit dem Campo de Hielo Sur das grösste Eisfeld der südlichen Hemisphäre ausserhalb der Antarktis

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