Keine Spuren hinterlassen in Kambodscha

Fernziele müssen sich oft den Vorwurf gefallen lassen, dass allein der Flug dorthin das Klima schädigt. Dieser lässt sich auch nicht wirklich leugnen. Kambodscha ließe sich natürlich auch über Land- oder Schiffswege erreichen, doch dafür fehlt den meisten Urlaubern die Zeit. Wer sich also entscheidet zu fliegen, sollte so lange wie möglich vor Ort bleiben, so oft es geht in die lokale Wirtschaft einzahlen zum Beispiel mit Restaurantbesuchen oder Einkäufen und mindestens genauso oft in nachhaltigen Unterkünften nächtigen. In vielen Ländern sind diese unter Dachverbänden organisiert, andere muss man suchen, wie die „4 Rivers Lodge“ in Kambodscha. Auf dem Fluss Tatai mitten im Dschungel sind auf recyclebaren Plattformen zwölf schwimmende Zeltunterkünfte entstanden. Im Inneren der Zelte stehen Möbel die allesamt aus Wasserhyazinthen gemacht wurden. Die architektonische Herangehensweise sorgt dafür, dass die Natur hier nach Abbau der Lodge nach kürzester Zeit wieder zu ihrem ursprünglichen Zustand zurückkehren könnte. Ein Großteil der Angestellten stammen aus dem nächsten Dorf, das somit nachhaltig wirtschaftlich von der Lodge profitiert, ohne selbst ökologische Einschnitte befürchten zu müssen.

4Rivers Floating Lodge oder zum Verbund

Ecolodges Asia

Sanfte Mobilität im Alpendorf

Nicht alle Alpendörfer sind direkt mit der Bahn zu erreichen und leiden besonders zur Hauptsaison unter der Autobelastung. Der kleine Ort Werfenweng im Tennengebirge südlich von Salzburg hat sich deswegen bereits vor zehn Jahren das sogenannte Samo-Konzept einfallen lassen. Samo steht für sanfte Mobilität und funktioniert in Werfenweng folgendermaßen: die Gäste, die mit dem Auto anreisen, lassen dieses im Werfenwenger Hochtal stehen und erhalten im Gegenzug die Möglichkeit auf eine nachhaltige Flotte vor Ort zugreifen zu können. Darunter sind biogasbetriebene Großfahrzeuge für die ganze Familie (bis 7 Sitzplätze), Elektro-Autos, zahlreiche Fun-E-Fahrzeuge wie Elektroscooter oder Segways. Aber auch Langlaufski oder Schlitten können kostenfrei bezogen werden. Werfenweng ist alpenweit Vorreiter mit diesem Konzept. Drei Viertel aller Hotels im Ort machen mit und zwei Drittel der Gäste nutzen das Angebot bereits. Inzwischen haben sich 27 Orte in den Alpen zwischen Slowenien und Frankreich zu den sogenannten

"Alpine Pearls"

zusammengeschlossen und versuchen ähnliche Modelle wie das von Werfenweng umzusetzen.

Alle Angebote aus Werfenweng im Überblick:

www.werfenweng.eu

Klimafreundlich an der Nordsee

Die ostfriesische Insel Juist hat sich für die Zukunft so einiges vorgenommen. Bis zum Jahr 2030 möchte man hier CO2-neutral leben. Wären dafür nur die Insulaner selbst zuständig, hätten sie ihr Ziel wahrscheinlich bereits erreicht. Es sind die fast 100.000 Besucher im Jahr, die allein durch ihre Anreise 8000 Tonnen Kohlendioxid produzieren. Deswegen haben sich die Juister, die größtenteils vom Tourismus leben, ein Konzept überlegt, wie sie gemeinsam mit ihren Gästen bis 2030 ihr gestecktes Ziel erreichen. Pensionen und Hotels bieten Pauschalreisen mit der Bahn an, die mit Strom aus regenerativen Quellen fährt. Wer dennoch auf das Auto nicht verzichten möchte, muss zwar nicht zu Hause bleiben, wird aber um eine Kompensationszahlung gebeten. Jeden Donnerstag bieten die Restaurants der Insel den sogenannten Veggie-Tag an, denn auch ein reduzierter Fleischkonsum hilft auf dem Weg zur Klimaneutralität. In den Sommermonaten zwischen Juni und September soll die Kinderuni auch die jüngsten Gäste für ein nachhaltiges Leben sensibilisieren. Mit diesem weitgreifenden Konzept wurde die Die Nordseeinsel Juist als eine der ersten Tourismusregionen Deutschlands CSR-zertifiziert und hat ganz nebenbei noch viel Natur, Strände und friesische Gemütlichkeit zu bieten.

Alle Angebote auf Juist im Überblick: www.juist.de

Sozial nachhaltige Hotels in Augsburg und Wien

Bei nachhaltigen Reisen geht es nicht nur um Klimafreundlichkeit, sondern auch um den sozialen Aspekt. Den haben zwei Hotels in Augsburg und Wien besonders wertvoll aufgegriffen, indem sie Flüchtlinge integrieren. Im Augsburger Domviertel ist aus einem leerstehenden Haus mit viel Liebe und Arbeit von Künstlern, Kirche sowie Anwohnern das

"Grandhotel Cosmopolis" entstanden. Seit 2015 leben hier Flüchtlinge und Hotelgäste unter einem Dach. Café, Bar und Rosengarten sind Treffpunkte für alle Bewohner, im Foyer sitzen schwäbelnde Augsburger neben Touristen aus Tokio, syrischen Kindern, Schülerpraktikanten und Familienvätern aus Tschetschenien oder Eritrea. Ein etwas anderes Konzept hat "Magdas Hotel" (Bild) in der Wiener Laufbergergasse. In dem stylischen Hotel, nicht weit von der Donau entfernt, arbeiten neben fünf Hoteliers auch 20 Flüchtlinge, die zwar in Österreich Asyl bekommen haben, aber keine Chance auf dem Arbeitsmarkt hatten. Sie verwalten die Rezeption, bedienen im hauseigenen Restaurant oder managen kleinere Events und Tagungen.

Mehr Infos zum Grandhotel Cosmopolis:

www.grandhotel-cosmopolis.org

Mehr Infos zu Magdas Hotel: www.magdas-hotel.at

Ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig durch Schweden

Das skandinavische Land lässt sich bestens per Zug und Fähre erreichen. Schweden selbst verfügt über ein gut ausgebautes Fernbus-Netz. Für nachhaltige Unterhaltung vor Ort, sorgen die fast 80 Anbieter, die sich inzwischen unter dem Qualitätssiegel für Ökotourismus "Naturens Bästa" versammelt haben. Ziel ist es, Reisen zu fördern, die verantwortlich mit der Natur umgehen und das Wohlergehen der lokalen Bevölkerung unterstützen. Ob mehrtägige Wanderungen im Muddus-Nationalpark mit Rentierhirten oder Kajaktouren durch die Stockholmer Schären, die Palette der Angebote ist breit gefächert und die Anbieter verteilen sich im ganzen Land.

Alle Anbieter mit dem Siegel Naturens Bästa:

www.naturensbasta.se

Lokal und nachhaltig schlemmen

Auch wenn die irische Küche nicht den besten Ruf genießt, hat man sich in Irland selbst nicht davon abbringen lassen, einen nachhaltigen "Food-Trail" anzulegen und dieser wurde 2015 auch gleich von der Europäischen Kommission zur Förderung nachhaltiger Tourismusmodelle zur "European Destination of Excellence" ausgezeichnet. Der Burren Food Trail führt durch die karstige Landschaft im Nordwesten des County Clare. Hier erlebt man Irland in seiner ursprünglichsten Form: Weiden werden von Mooren und karstigen Steinformationen durchzogen, die irische See umspült die mächtigen Klippen. Hier, wo die umliegende Landschaft Kultur, Musik und Essen sehr prägt, haben Besucher die Möglichkeit Bauern und Fischer kennenzulernen, deren Produkte in Restaurants oder Pubs zu kosten und die Vielfalt der irischen Landschaft nicht nur mit den Augen zu entdecken, sondern auch mit dem Gaumen. Zudem werden Kochseminare oder kleine Konzerte angeboten. Wer The Burren, wie die Iren diesen Teil des Landes nennen, nachhaltig erkunden möchte, hat neben ausgedehnten Wanderungen auch die Möglichkeit das E-Bike zu nehmen oder die Küste mit einem Kajak entlang zu paddeln. An den sogenannten Burren Food Trail Mondays zwischen April und Oktober finden an verschiedenen Orten kleine Festivals rund um das Thema Ernährung und Musik statt.

Alle Infos zum Food Trail:

www.burren.ie

Nachhaltig durch die Uckermark

Mit dem Konzept "Ferien fürs Klima" wurde der Tourismusverband Uckermark 2013 Sieger des Bundeswettbewerbs "Nachhaltige Tourismusregion". Die Gegend im Nordosten Brandenburgs gehört zu den am dünnsten besiedelten in Deutschland, mehr als die Hälfte steht unter Naturschutz. Innerhalb der Uckermark hat sich ein Netzwerk von rund 30 Betreibern gebildet, die alle klimafreundlich und nachhaltig wirtschaften. So kompensieren sie beispielweise ihre CO₂-Emissionen mit Investitionen in die Wiedervernässung von Moorflächen. Unter den Mitgliedern des Netzwerkes sind auch Öko-Unterkünfte und Campingplätze sowie Gutshäuser, die auf regionale Küche achten. Alle Städte der Region sind ans Nahverkehrsnetz der Bahn angebunden, drei touristische Buslinien ermöglichen es auf das eigene Auto zu verzichten und das Naturparadies Uckermark so nachhaltig wie möglich zu entdecken.

Alle nachhaltigen Anbieter in der Uckermark:

www.tourismus-uckermark.de

Sauberes Saarland

In der südöstlichsten Ecke des Saarlandes, an der Grenze zu Frankreich, versteckt sich ein Naturjuwel – das UNESCO Biosphärenreservat Bliesgau. Wertvolle Streuobstbestände, artenreiche Wiesen und Wälder sowie die von der Blies durchzogenen Auenlandschaften sorgen für einen einzigartigen Lebensraum vieler seltener Pflanzen- und Tierarten. Das Bliesgau ist hervorragend angeschlossen und einfach ohne Auto zu bereisen. Zwei Regionalbahn- und eine Stadtbahnstrecke binden das Biosphärenreservat an die umliegenden Städte Homburg, Saarbrücken, St. Ingbert und Zweibrücken an. Innerhalb des Bliesgaus verbindet der für seine Umweltfreundlichkeit bereits ausgezeichnete "Biosphärenbus" Städte, Unterkünfte und Ausgangspunkte für Freizeitaktivitäten. Fünf Premiumwanderungen zwischen acht und sechszehn Kilometern stehen im Bliesgau zur Auswahl. Etwas mehr Action verspricht das Floßbauseminar. Unter Anleitung eines Försters wird ganz in der Tradition der saarländischen Holzflößer ein Baum gefällt, ein Floß gebaut und damit die Blies befahren – stärkt nicht nur den Teamgeist sondern auch die Sensibilität für nachhaltige Forstwirtschaft.

Alle Infos zum Bliesgau selbst:

www.biosphaere-bliesgau.eu

Anmeldung und Infos zum Floß-Seminar: www.saarpfalz-touristik.de

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