Schräge Angelegenheit

Allein die Fahrt nach Onekotan gestaltete sich als schwierig. Meterhohe Wellen, Treibeis und ein Sturm machten dem Team zu schaffen

Wegsuche

Um den Vulkan zu erreichen, benötigten die Drei neun Tage, da sich angedachte Routen immer wieder als Sackgassen herausstellten

Täuschende Witterung

Die sonnigen Momente waren auf Onekotan rar gesät, meistens mussten sich die drei Extremsportler durch Sturmböen und Schneeverwehungen kämpfen

Fellige Begleiter

Neugierige Füchse waren die einzigen Lebewesen, denen das Team während der Expedition auf Onekotan begegneten

Treibender Untergrund

Von den Einheimischen auf dem Festland hatten sie gehört, dass der See um den Vulkan komplett gefroren sei, als sie dort ankamen, gab es nur einen schmalen Abschnitt Eis und der war alles andere als komplett

Objekt der Begierde

Auf der anderen Seite des Wassers liegt der Vulkan, den sich die drei Skisportler vorgenommen hatten. Mit einem nicht zugefrorenen See hatten sie allerdings nicht gerechnet

Im Sprung

Doch auch dieses Hindernis haben sie am Ende gemeistert, indem sie die schmale zugefrorene Stelle überquert haben

Gesamterlebnis

Die stürmischen Tage und Nächte, die ständige Kälte und die Umwege, all das waren wichtige Etappen, die am Ende das Gesamterlebnis Onekotan ausmachten

Das Team

Nicht nur die drei Sportler waren auf der Insel, sondern auch Filmer und Stringer. Das Team von links nach rechts: Jonas Blum - Fotograf, Simon Thussbas - Kamera und Regie, Matthias Haunholder, Phil Meier, Matthias Mayr, Rinat - Stringer und Übersetzer (kniend)

Die Skisportler Matthias Haunholder, Matthias Mayr und Phil Meier stießen eher zufällig über die Insel Onekotan. Sie gehört zum russischen Kurilenarchipel und liegt mitten im unberechenbaren Pazifik irgendwo zwischen Russland und Japan. Es war nicht nur die Abgeschiedenheit, die die drei Extremsportler für die Insel brennen ließ, sondern vielmehr ihre einzigartige Beschaffenheit. Auf der unbewohnten Onekotan steht ein schneebedeckter Vulkan in einem See. Diesen Vulkan zu erklimmen und auf seinen Flanken abzufahren, wurde zum Traum der Drei. Im April 2015 war es dann so weit. Sie flogen in den äußersten Osten Russlands, um von dort aus nach Onekotan aufzubrechen. Warum ihr Vorhaben bereits in der Hafenstadt Petropawlowsk gefährdet war und was die Insel ihnen abverlangte, erzählt Matthias Haunholder im Interview. Entstanden ist der Film "Onekotan – The Lost Island", der bei der diesjährigen European Outdoor Film Tour gezeigt wird.

GEO.de: Wie seid ihr überhaupt auf die Insel Onekotan gestoßen?

Matthias Haunholder: Das Ganze hat eigentlich 2012 begonnen, da waren wir gemeinsam in Neuseeland. Dort hat ein Freund von uns beim Surfen auf Google Earth diese Insel entdeckt. Es gab nur ein paar Fotos, die hauptsächlich von der ISS stammen. Onekotan liegt in einer unwirklichen Landschaft, mitten im Pazifik und beheimatet einen Krater, der mit Wasser gefüllt ist. Aus diesem See ist abermals ein Vulkan entstanden, sodass dieser Vulkan mitten im Wasser steht, das gibt es so in dieser Form nicht so häufig. Dass zudem dort noch Schnee liegt, war für uns das i-Tüpfelchen. Seit diesem Zeitpunkt hatten wir das eigentlich immer im Hinterkopf, da die Formation der Insel einfach so beeindruckend ist. Den wirklichen Entschluss, Onekotan zu bereisen, haben wir im Frühjahr 2014 gefasst. Ein Jahr später waren wir dort.

Wie habt ihr diese Reise geplant?

Matthias Haunholder: Als allererstes war es für uns natürlich wichtig herauszufinden, ob es überhaupt eine Chance gibt, die Insel zu erreichen. Dann hat uns vor allem die Witterung interessiert, denn Onekotan ist Teil der russischen Kurilen, die zwischen Russland und Japan in rauer See liegen. Es war also fraglich, ob die Wetterverhältnisse so eine Expedition überhaupt zulassen würden. Als diese beiden Prämissen geklärt waren, ging es an die Detailplanung: welches Equipment?, wie viel Essen?, Logistik ...

Als ihr in Russland angekommen seid, gestaltete es sich dann doch recht schwierig, Onekotan überhaupt zu erreichen, oder?

Matthias Haunholder: Ja, definitiv. Es gab nur ein einziges Boot im Hafen von Petropawlowsk, das überhaupt bereit war, uns dort hinzufahren. Hätten wir keinen Kapitän gefunden, der seinem Team und seinem Schiff die beschwerliche Fahrt zugetraut hätte, wäre das Projekt gestorben, bevor es richtig begonnen hätte. Ich muss dazu sagen, dass die See im Frühjahr dort sehr gefährlich ist, es gibt immer wieder Stürme, entsprechend hohe Wellen und Treibeis. Um diesen Teil des Pazifiks zu befahren, benötigt das Boot eine Mindestlänge von 40 Metern. Wir waren dann entsprechend froh, als wir ein Boot mit der erforderlichen Größe gefunden hatten mitsamt einem Kapitän, der bereit war, uns zu fahren.

ONEKOTAN - THE LOST ISLAND - Official Trailer

Was haben die Einheimischen vor Ort zu eurem Vorhaben gesagt?

Matthias Haunholder: Sie waren sich eigentlich geschlossen einig, dass es eine kranke Idee ist. Allerdings kannten die wenigsten Einheimischen diese Insel persönlich. Die, die sie kannten, haben uns vor den ungemütlichen Verhältnissen gewarnt. Allerdings haben wir dann vor Ort rausgefunden, dass einige der Informationen, die wir von den Einheimischen erhalten hatten, nicht korrekt waren. So war der See, in dem der Vulkan steht, beispielsweise gar nicht komplett zugefroren, sondern nur an einer schmalen Stelle, was es uns fast unmöglich gemacht hat, den Vulkan überhaupt zu erreichen.

Was war euer erster Eindruck von Onekotan?

Matthias Haunholder: Wir haben die Insel vom Schiff aus entdeckt und das Erste, was ich gedacht habe, war: Da liegt ja kaum Schnee. Besonders die Steilküste und die Strände waren schneefrei. Das hat uns etwas gewundert, denn in Petropawlowsk lagen bereits am Hafen vier Meter Schnee. Als wir dann auf der Insel ankamen, wurden wir freundlich empfangen. Die See war relativ ruhig für die Verhältnisse dort und die Sonne schien. Das hat sich dann aber bereits in der ersten Nacht drastisch geändert.

Bei 120 Stundenkilometer Wind, Schneeverwehungen und einer ungünstigen Ausgangslage habt ihr immer wieder versucht, den Vulkan zu erreichen. Gab es zu irgendeinem Zeitpunkt Zweifel an dem Projekt?

Matthias Haunholder: Nein, Zweifel hatten wir eigentlich nie. Wir wussten immer, dass wir es irgendwie schaffen würden. Es war natürlich ein hartes Brot. Der ständige Sturm hat uns sehr viel Energie gekostet. Das Plateau in Richtung Vulkan schien fast unendlich, und unter den Bedingungen den ganzen Tag mit den Skiern unterwegs zu sein, war schon sehr aufwendig. Hinzu kam, dass wir ein Zeitfenster von zweieinhalb Wochen hatten, in dem wir unser Vorhaben umsetzen mussten. Länger hätten unsere Vorräte nicht gereicht. Und wir haben am Ende ja fast die komplette Zeit benötigt, um von dem Vulkan abzufahren. Geschafft haben wir es an Tag 11.

Was war das für ein Gefühl, als ihr endlich abgefahren seid?

Matthias Haunholder: Die Abfahrt an sich war eigentlich nur das i-Tüpfelchen. Die ganzen Herausforderungen, die wir in der Zwischenzeit gehabt haben, waren so intensiv und für uns zusätzliche Gipfelstürme, wenn man so möchte. Als wir dann auf dem wirklichen Gipfel standen, war es natürlich ein unglaubliches Gefühl. Die Abfahrt selbst war jetzt nicht so, wie wir das gewöhnt sind mit feinstem Puderschnee, aber sie war dennoch eine Genugtuung.

War die Abfahrt denn den Aufwand wert?

Matthias Haunholder: Definitiv. Man muss das als Gesamterlebnis betrachten. Es war für jeden Einzelnen von uns eine Weiterentwicklung und eine ständige Grenzerfahrung. Sicherlich eine Reise, die wir unser Leben lang nicht mehr vergessen werden.

Infos zu dem Film "Onekotan"

Hintergründe und Trailer gibt es auf der offiziellen Webseite der "European Outdoor Filmtour" zu sehen. Die Tour startet am 9. Oktober 2015 und wird unter anderem in Deutschland, Österreich und der Schweiz Station machen

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