Survival-Trip: Allein im Wald

Er verbringt Tage und Nächte im Wald. Allein und ohne Ausrüstung. Sein Trinkwasser filtert er mit einer Socke und abends röstet er Maden über dem Feuer. Polizist Kai Sackmann über sein Survival-Programm

GEO-SAISON: Wohin geht es in den Ferien?

Kai Sackmann:

Wahrscheinlich fahren meine Frau und ich mit Zelt und Rucksack nach Island oder Irland.

GEO-SAISON: Wie ungewöhnlich für Sie: das Zelt, der Rucksack, die Gesellschaft Ihrer Frau

Kai Sackmann: Das stimmt. Eigentlich bevorzuge ich es, allein und ohne Ausrüstung zu reisen. Vor kurzem war ich fünf Tage im Siebengebirge und habe in einer Höhle gewohnt. Da hatte ich nur meine Wanderstiefel, einen leichten Overall und ein T-Shirt dabei. Früher hätte ich noch ein Messer und ein Erste- Hilfe-Päckchen mitgenommen, das brauche ich aber schon lange nicht mehr. Ein Faustkeil aus Stein und Heilkräuter tun es auch.

GEO-SAISON: Was steht auf Ihrem Speiseplan? Kai Sackmann: Zum Beispiel Beinwell, eine wichtige Pflanze. Ihre Wurzel enthält Stärke und liefert Kraft. Wenn ich Milzkraut sehe, haue ich richtig rein. Es schmeckt nicht so bitter wie vieles andere in der Natur. Ackersenf gibt eine scharfe Note. Spitzwegerich heilt und desinfiziert. Mit dem stopfe ich mir gern die Taschen voll.

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Sackmann trinkt aus der Socke

GEO-SAISON: Warum kein Wild, Sie hausen schließlich im Wald? Kai Sackmann: Ja, theoretisch könnte ich mit Pfeil und Bogen jagen. Aber ich will den Schaden, den ich in der Natur anrichte, so gering wie möglich halten. Schließlich mache ich das ja nur zu meinem Vergnügen. Außerdem wäre es Wilderei, und ich lege Wert auf ein gutes Verhältnis zu den Förstern. Jagen kann ich nur, was langsamer ist als ich. Grashüpfer zum Beispiel.

GEO-SAISON: Wie schmecken die? Kai Sackmann: Ganz gut. Ein wenig nach Nuss. Man sollte aber vor dem Verzehr ihre Hinterbeine abknipsen. Sie könnten einem sonst im Hals stecken bleiben. Satt wird man davon nicht. Man muss schon den ganzen Tag Pflanzen und Insekten in sich hineinstopfen, will man überleben. Wer Feuer hat, kann Maden rösten. Eine echte Delikatesse. Pflanzenmaden schmecken süßlich-milchig, Fleischmaden nach dem Tier, das sie bewohnen. Regenwürmer enthalten hochwertiges Eiweiß, knirschen aber beim Kauen. Nur Angeber sagen, dass sie gut schmecken.

GEO-SAISON: Wo übernachten Sie, wenn Sie keine Höhle finden? Kai Sackmann: Dann baue ich eine Waldläuferhütte. Ich lehne einen langen Ast schräg an einen Baumstamm und baue ein Gerüst aus kleineren Ästen drumherum. Darüber lege ich Reisig und polstere das Innere mit Farn aus. In manchen Survival- Handbüchern gibt es Anleitungen für regelrechte Bungalows, das ist nicht mein Ding. Die Hütte darf auch nicht zu groß sein, denn meine Heizung ist mein Körper.

GEO-SAISON: Warum setzen Sie sich diesen Strapazen aus? Kai Sackmann: Ich will wissen, wie unabhängig ich mich von der Konsumgesellschaft machen kann und bin gern allein mit der Natur.

GEO-SAISON: Wie machen Sie Feuer? Kai Sackmann: Gar nicht. Feuersteine gibt es fast nie, und Stöckchenreiben funktioniert eher selten. Mein Prinzip lautet: Ich hab nichts. Also nehme ich auch kein Feuerzeug mit. Sehr viel wichtiger ist sauberes Wasser. Dafür habe ich einen Filter ausgedacht.

GEO-SAISON: Sie brechen also Ihr Prinzip? Kai Sackmann: Nein, das tue ich nicht. Den Filter baue ich vor Ort. Ich ziehe eine Socke aus, stopfe Kieselsteine, Grashalme, Sand und Kohle hinein und lasse das Wasser durch den Strumpf in meinen Mund laufen. Kohle finde ich zum Beispiel in einem Baum, in den der Blitz eingeschlagen hat. Mit ihr kann man sich gegen Insektenstiche einreiben oder die Zähne putzen. Kohle ist auch ein gutes Mittel gegen Durchfall. Gegen Mücken hilft zur Not eine Schlammpackung. Können Sie sich vorstellen, wie man nach zwei Wochen aussieht und riecht …?

GEO-SAISON: Sie sind immer schmutzig und glücklich nach Hause heimgekehrt? Kai Sackmann: Einmal hatte ich fürchterliche Magenkrämpfe. Ich konnte mich gerade noch bis zur nächsten Tankstelle schleppen. Keine Ahnung, was ich da gegessen habe.

GEO-SAISON: Sie sind Polizist. Was sagen die Kollegen zu dem Hobby?

Kai Sackmann: Fragen Sie in meiner Bundesgrenzschutz-Einheit mal nach Sacki. Mich kennen alle. Ich bin kein Einzelgängertyp.

GEO-SAISON: Und Ihre Frau? Wie gefallen ihr die Waldaufenthalte? Kai Sackmann:

An meine Ausflüge hat sie sich gewöhnt. Sie fährt mich raus und holt mich nach ein oder zwei Wochen wieder ab. Zu Hause steckt sie mich dann zuerst in die Badewanne, und danach gibt sie mir einen Kuss.

Das Buch von Kai Sackmann: Die Nahrung aus der Natur - Essbare Wildpflanzen und Wildfrüchte

ISBN 3-8311-2223-7, 210 S., 15,30 Euro www.sacki-online.de

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