Weltreise In 10 Tagen um den Globus

Christoph Karrasch trieb der Gedanke, die Welt als einen Urlaubsort zu begreifen, in 10 Tagen um die Welt. Seine digitalen Fans und Follower entschieden über die Route und stellten ihm Aufgaben vor Ort
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Ein tolles Ende der kurzen aber intensiven Reise bescherrte der Sonnenuntergang über Kapstadt

GEO: Du bist in 10 Tagen um die Welt gereist und hast in einer großen Social-Media-Aktion sowohl die Route als auch Aufgaben vor Ort von Deinen Facebook-Fans sowie Blog-Lesern bestimmen lassen. Warum nur zehn Tage?

Christoph: Das hab ich mich zwischendurch auch gefragt, #10Tage war ohne Frage anstrengend. Ich fand es spannend herauszufinden, was man von der Welt sehen kann, wenn eine Umrundung nicht länger als ein normaler Urlaub dauert. Welches Bild bekommt man von ihr? Welche Erinnerungen setzen sich fest, wenn ich heute in südostasiatischen Wasserfällen bade, morgen mit afrikanischen Stammeshäuptlingen tanze und übermorgen eine Nacht in New York durchfeiere. Mein Wunsch war es, die Erde einmal nicht in Kontinente zu unterteilen, sondern sie für zehn Tage als einen großen Urlaubsort zu begreifen und zu erleben.

GEO: Was waren Deine fünf Stopps und die jeweiligen Aufgaben?

Christoph: Das einzige, was ich vorher festgelegt habe war, dass ich einen Ort pro Kontinent besuchen werde. Den Rest habe ich meinen Followern überlassen. Jeder hatte die Möglichkeit, seine persönliche Traumroute um die Welt zu kreieren, und die meist genannten Orte auf jedem Kontinent bildeten letztlich die Route: Lima, Las Vegas, Auckland, Kathmandu und Kapstadt. Im zweiten Schritt habe ich mir Aufgaben für die Orte geben lassen – und da war wirklich alles dabei: Meerschweinchen essen, in einer Show in Las Vegas auftreten, halbnackt den Haka der neuseeländischen Maori tanzen, etwas Gutes tun...

GEO: Hattest Du Zeit dich in dem jeweiligen Land einzufinden, oder hat es sich eher angefühlt wie ein großer Vergnügungspark?

Christoph: Zeit zum Eingewöhnen gibt es bei so einem Trip natürlich nicht wirklich. Da ich als Reisejournalist aber häufig unterwegs bin, komme ich an neuen Orten in der Regel recht schnell klar. Trotzdem: Der Vergleich mit einem Vergnügungspark passt ganz gut, jeder Ort war ein komplett neues Fahrgeschäft, eine neue Achterbahnfahrt.

GEO: Wie hast Du dich auf diese kräftezehrende Reise vorbereitet?

Christoph: Äpfel, Kiwis, literweise frischgepresste Säfte – ich habe vorher versucht, mein Immunsystem auf Vordermann zu bringen. Es ist zwar auch in jedem normalen Urlaub blöd, krank zu werden. Aber bei dieser intensiven, durchgetakteten Reise mit vielen, langen Flügen, trockener Klimaanlagenluft, Temperaturschwankungen von 15 bis 30 Grad von einem auf den anderen Tag durfte nichts schiefgehen. Ohne zu viel aus dem Buch vorwegzunehmen – geklappt hat es letztlich doch nicht. In Las Vegas hat es mich so richtig aus den Latschen gehauen, sodass die Reise kurz vor dem Abbruch stand.

GEO: Hast Du die Challenges immer erst vor Ort in Angriff genommen oder hattest Du Vorbereitungszeit? Wie hast Du es beispielsweise geschafft in eine Show auf dem Strip in Las Vegas zu kommen?

Christoph: Es ging mir bei den Aufgaben weniger darum zu schauen, wie schnell ich bei einer Challenge von 0 auf 100 komme. Die Anfrage für den Vegas-Auftritt bei dem deutschen Magier Jan Rouven hatte ich zum Beispiel schon vor der Reise gestellt. Insgesamt war es mir wichtiger, eine große thematische Bandbreite zu schaffen. Ich fand es total spannend zu sehen, welche Themen und Ideen meinen Followern wichtig sind oder in welchen Situationen sie mich gerne einmal sehen wollen. Durch diese Interaktion über meine Social-Media-Kanäle hat die Reise eine Vielfalt bekommen, die sie vermutlich nicht gehabt hätte, hätte ich das alles allein geplant.

GEO: Du bist nur mit Handgepäck durch sämtliche Klimazonen gereist, wie hat das geklappt?

Christoph: Hm, geht so... Die Handgepäckregeln der Airlines sind teilweise ziemlich unterschiedlich. Einige erlauben zwölf Kilo, andere aber nur sechs oder sieben Kilo. Das heißt, mein Plan, keine wertvolle Zeit am Gepäckband zu verschwenden, hat sich so einige Male in Luft aufgelöst, weil ich meinen Koffer doch aufgeben musste.

GEO: Welche Station hat Dich am meisten beeindruckt, überrascht?

Christoph: Kathmandu war ganz sicher das faszinierendste Ziel von #10Tage. Solche Orte sind der Grund, warum ich überhaupt reise. Kaum etwas ist mit den Strukturen vergleichbar, die wir von zu Hause kennen. Abenteuerlich verknotete Stromleitungen über der Fahrbahn, provisorische Autowerkstätten am Straßenrand, die schlechte Stadtluft, der Verkehr... Ich bin immer wieder fasziniert wie das, was auf den Straßen passiert, überhaupt funktionieren kann und beeindruckt, dass am Ende des Tages doch alle an ihrem Ziel anzukommen scheinen. Umso geschockter war ich in den letzten Tagen und Wochen über die furchtbaren Bilder nach dem Erdbeben. Ich war während meines Aufenthalts in einem Waisenhaus südlich von Kathmandu untergekommen. Gesundheitlich geht es dort glücklicherweise allen gut, aber die Gesamtsituation ist nach den Ereignissen dennoch kritisch.

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"Tue was Gutes" lautete eine der Aufgaben in Nepal. Die Kinder eines kleinen Waisenhauses in Kathmandu musikalisch zu unterhalten, lässt sich als gute Tat werten

GEO: Dein skurrilstes Erlebnis unterwegs?

Christoph: Für Neuseeland war es der Wunsch meiner Follower, mich in die Kultur der Maori einführen zu lassen – unter anderem mit dem berühmten Kriegstanz Haka. In einem Kulturzentrum in Rotorua stand ich plötzlich halbnackt – nur mit einem Baströckchen bekleidet – auf einer Bühne, habe "Ho" und "Ha" gerufen, mir auf die Brust geschlagen und meinem imaginären Feind unmissverständlich klar gemacht, dass ich ihn nach dem Kampf verspeisen werde. Das hatte ich so im Vorfeld sicher nicht erwartet.

GEO: Wie bist du mit dem Jetlag umgegangen?

Christoph: Da ich an jedem Ort grundsätzlich eine Menge Programm hatte, bin ich meistens gut durch den Tag gekommen. Trotzdem geht so eine Zeitreise um die Welt natürlich nicht spurlos an einem vorbei. Es gab da schon die ein oder andere unbequeme Nacht im Flugzeug. Immerhin: Ich bin nach Westen – sprich gegen die Zeit – geflogen. In diese Richtung hat man in der Regel weniger Probleme mit der Zeitverschiebung als andersherum.

GEO: Würdest Du es nochmal so machen?

Christoph: #10Tage ist ganz sicher kein Urlaubsmodell der Zukunft, nein. Auch nicht für mich selbst. Die Vorbereitung ist immens und die Reise selbst wahnsinnig kräftezehrend. Wenn ich das nächste Mal zehn Tage Urlaub habe, werde ich wahrscheinlich lieber mal wieder an den Gardasee fahren.

GEO: Aus der Reise entstanden ist das Buch „#10Tage – In zehn Tagen um die Welt“, kannst Du kurz erklären, was die Leser erwarten wird?

Christoph: In #10Tage erzähle ich von dem aufregendsten und anstrengendsten Abenteuer meines Lebens. Es geht um die Trockenübungen während der Vorbereitungsphase, um Gedanken, Gefühle und Strapazen während des Trips, um adrenalinreiche Basejumps aus 200 Metern Höhe, Paragliding über dem Pazifik und einen spektakulären Messertrick in der Zaubershow in Vegas. Es geht aber auch um zufällige, intensive Begegnungen mit beeindruckenden Menschen und bissigen Tieren, Augenblicke an wunderschönen Orten wie dem Tafelberg in Kapstadt und letztlich die Feststellung, dass es viel weniger darauf ankommt, wie viel Zeit wir haben, sondern darauf, was wir mit ihr anstellen. Und in zehn Tagen kann man wirklich eine ganze Menge anstellen!

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Alle Erlebnisse von Christoph gibt es in seinem Buch "#10 Tage", das am 08. Mai 2015 bei Ullstein extra erscheint, nachzulesen

Informationen zu Christoph Karrasch

Alle Informationen zu Buch, Lesungen und dem Autor gibt es auf der Webseite www.10tage.com

Christoph Karrasch betreibt seit Jahren den Reiseblog vonunterwegs.com, der besonders von seinen Videos lebt
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