Die Griesschlucht im Kiental

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Die Griesschlucht im Kiental

Die Griesschlucht im Kiental: 5 Sterne bei 1 Bewertung

Das erlebten unsere Mitglieder

  • Die Griesschlucht im Kiental: Bewertet mit 5 Sternen
    p4t4r 04.01.10

    Eine wildromantische Köstlichkeit.

    Eine der großartigsten Landschaften des an Naturwundern ohnehin überreichen Berner Oberlandes fristet ein relativ ruhiges Dasein im Schatten der Superlative im benachbarten Lauterbrunnental. Hier läuft der Tourismus noch auf ökologischer Sparflamme und der interessierte Wanderer findet hier noch viele schöne Ort und Momente beschaulicher Einsamkeit.
    Doch nicht nur an Naturwundern hat dieses Tal Einmaliges zu bieten. Auch politisch geschah hier, im wahrsten Sinn des Wortes, Weltbewegendes. Die Sozialistische Internationale mit ihrem Führer Lenin traf sich 1916 in der Abgeschiedenheit dieses Tales und legte hier den Grundstein zur kommunistischen Revolution im zaristischen Russland. Nicht jeder Kientaler ist heutzutage darauf stolz, und in den touristischen Schriften wird diese Begebenheit auch nur noch selten erwähnt.
    Lieber als von der Politik, lässt man sich hier von den fesselnden Großartigkeiten der Natur gefangen nehmen. Vor allem die Schlucht, die von der Hochfläche der Griesalp zum Tschingelsee herunter zieht, versetzt alle Wanderer in verzücktes Staunen. Dazu später mehr.
    Die beinschonendste Art, den Zauber dieses Tales zu erleben, befördert uns mit dem Postbus hinauf zur Griesalp. Zunächst erklimmt man dabei schweißlos eine Talstufe auf der sich der Tschingelsee befindet. Dieser See existiert noch nicht sehr lange. Er entstand durch einen Erdrutsch im Jahre 1972. Seither ist er immer wieder witterungsbedingten Veränderungen ausgesetzt, zuletzt im August 2005, als zahlreiche Murenabgänge die Landschaft dieses Talkessels nachhaltig veränderten. Der See trat über seine Ufer und überschwemmte die darunter liegende Talstufe. Jenseits des Sees scheint das Tal zu Ende zu sein. Doch die Fahrt geht weiter. Sie verläuft anschließend äußerst spannend auf einer der steilsten Bergstraßen (28%) der Welt und gewährt immer wieder kurze und neugierig machende Blicke in den Schluchtverlauf. Hat man eben noch den schmalen Einschnitt der Klamm gesehen, erblickt man nach der nächsten Kurve schon wieder wilde Kaskaden mit weiß leuchtender Gischt. Jede Serpentine lässt den Adrenalin- und Naturalinspiegel im Blut ansteigen und erhöht die Vorfreude auf die Bergabwanderung. Der letzte Teil der Fahrstrecke führt durch Felsgassen. Man fragt sich unwillkürlich, ob diese das Werk des wilden Gamchibaches oder der zahmen Straßenbauer ist. Wessen Werk auch immer das sein mag; insgeheim bewundert man es, auch, weil uns dadurch der Zugang zu den Wundern der Schlucht und zur Griesalp erleichtert wird.
    Auf der Griesalp schließlich kann man sich kurz umsehen. Eine Wanderroute für ziemlich ausdauernde Geher führt von hier via Sefinenfurgge nach Stechelberg im Lauterbrunnental. Der Weg zurück jedoch und vor allem nach unten auf dem Wildwasserweg ist viel weniger schweißtreibend und sehr viel abwechslungsreicher. Bereits der erste Blickkontakt mit dem Bach in der Schlucht ist schon absolut spektakulär. Von einem Steg sieht man auf die oberen Kaskaden. Das Wasser stürzt aus einem engen Kanal, teilt sich kurz und läuft im Fallen wieder zusammen um gleich darauf in einer Röhre zu verschwinden. Bergab blickt man hier in zeitweise trocken liegende Kolke, die vom Bach unterhöhlt wurden. Etwas weiter straßenabwärts führt eine Abzweigung zum Pochtenfall. Es lohnt sich jedoch zunächst, noch ein paar Meter weiter zum Wasserfall des Dündenbaches zu gehen, der linksseitig zu Tale stürzt. Blank poliert wie ein Gletscherschliff leuchten die Felsen im nachmittäglichen Licht und bieten dem Bach einen würdigen Rahmen. Eine Steigerung erfährt man anschließend am mächtigen Pochtenfall des Gamchibaches, der, wiederum aus einer Röhre kommend, in einen wildromantischen Felsenkessel donnert. Hier staubt und gischtet es gewaltig. Je nach Laune und Gesinnung bewegen sich Feen und Geister im Staube der Myriaden von Wassertröpfchen. Beispielhafte Lichteffekte sorgen für die optimale Optik in diesem Naturtheater, an dessen immerwährendem Schauspiel man sich kaum satt sehen kann. Doch die Handlung geht weiter. Gleich darauf sieht man den finalen Sturz des Dündenbaches in die enge Klamm, die dann in den Hexenkessel ausmündet, den man auf einem Steig erreicht. Dieser wilde Bachabschnitt ist auch von der Straße aus einsehbar, doch die kleinen und großen Wunder wie auch die Atmosphäre erfahren und fühlen auch hier nur die Wanderer: die wirbelnden Schwaden, die zahlreichen Auskolkungen, die Wasserlichtbilder und nicht zuletzt das Grollen der drohenden (Puppen-)Hexe schaffen nachhaltige Eindrücke in der Phantasie und im Herzen des Beschauers. Gehörte und erdachte Märchen und Sagen spielen sich im Grunde dieser Schlucht und hinter den ab und an geschlossenen Augen des Wanderers wie im Zeitraffertempo ab. Man glaubt, sich in einem Wachtraum zu befinden, der sich bis zum Schluchtausgang fortsetzt. Einen Teil der Feen und Geister nimmt man mit sich fort und verwahrt sie in seinem Gemüt.
    Die Wanderung dann vom Tschingelsee nach Kiental ist weniger spektakulär. Wer will, kann hier den Postbus nehmen. Doch auch das Weiterwandern, entlang des Gamchibaches, der hier auch Gornerewasser heißt, eignet sich hervorragend zur stimmungsvollen Verdauung erlebter Naturgenüsse.

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