Treriksøysa - Wanderung zum Dreiländereck N-FIN-RUS

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Treriksøysa - Wanderung zum Dreiländereck N-FIN-RUS

Treriksøysa - Wanderung zum Dreiländereck N-FIN-RUS: 5 Sterne bei 1 Bewertung

Das Dreiländereck von Norwegen, Finnland und Russland, an dem gleichzeitig auch drei Zeitzonen aufeinandertreffen, liegt ungefähr 120 km südlich von Kirkenes unmittelbar am Rand des Øvre Pasvik Nationalparks. Es ist für normale Touristen nur von Norwegen aus zugänglich. Man erreicht das Dreiländereck ab der E6 kurz vor Kirkenes über die 100 km lange, asphaltierte Straße 885 durch das Pasvikdal, 20 km sehr schlechte, nicht asphaltierte Nebenstraße und 5 km Wanderung durch Moor- und Waldgebiet. Im Winter ist das Dreiländereck auch mit Schneemobilen erreichbar.

Das Grenzgebiet wird von norwegischen Soldaten überwacht. Ein Übertreten der Grenze nach Russland und somit auch ein Umrunden der Steinpyramide am Dreiländereck ist strengstens verboten. Es ist auch verboten Gegenstände über die Grenze zu werfen. Zuwiderhandlungen werden geahndet.

Das erlebten unsere Mitglieder

  • Treriksøysa - Wanderung zum Dreiländereck N-FIN-RUS: Bewertet mit 5 Sternen
    debby83 20.07.09

    Abenteuerliche Wanderung zum Ende der Welt – Kneippbad inklusive!

    Zunächst einmal ganz herzlichen Dank an arminhoehner, denn ohne seinen Reisebericht über das Dreiländereck (http://www.geo-reisecommunity.de/reisebericht/129545/1/vre-Pasvik-3-Grenzen-3-Zeitzonen-Norwegen-Finnland-Russland) hätten wir nie vor diesem kuriosen Ort erfahren und wären auf unserer Tour durch Skandinavien niemals auf die Idee gekommen kurz vor Kirkenes in die 120 km lange Sackgasse des Pasvikdals abzubiegen.

    Schon die Autofahrt ist ein kleines Abenteuer, es ist spät abends und regnet schon seit Stunden in Strömen. Die Straße scheint kein Ende zu nehmen und da unsere Straßenkarte (1:400.000) nicht detailliert genug und von Schildern weit und breit keine Spur ist, finden wir erst nach der freundlichen Hilfe eines Polizisten auf die richtige Straße in Richtung Dreiländereck. Wobei von Straße keine Rede sein kann, es handelt sich eher um eine – teils unter Wasser stehende und mit tiefen Schlaglöchern übersäte Schlamm- und Sandpiste. Wir sind froh um unseren Allradantrieb, doch trotz diesem brauchen wir für die Strecke von knapp 20 km über eine Stunde. Das Militär befährt diese „Straße“ mit panzerähnlichen Kettenfahrzeugen. Ich kann – zumindest bei ähnlichen Wetterverhältnissen wie wir sie hatten – niemandem empfehlen diese Strecke mit einem normalen PKW oder Wohnmobil zurückzulegen!

    Auch die Wanderung, die wir aber erst bei gutem Wetter antreten, wird zu einem kleinen Abenteuer. Es ist Ende Mai, der 29. um genau zu sein, und Schnee und Eis sind hier gerade erst getaut. Bereits nach wenigen Metern stehen wir vor einer riesigen Wasserfläche. Zunächst waten wir noch mit unseren Wanderstiefeln durchs knöchelhohe Wasser und ich bin mächtig stolz auf meine gut gepflegten Lederstiefel in denen ich auch ohne Goretex keine nassen Füße bekomme. Doch schon bald steht fest: ohne nasse Füße kommen wir hier nicht weiter. An zwei Stellen, eine davon direkt am Beginn, steht das Wasser fast kniehoch. Aufgeben und zurück zum Auto gehen kommt für mich aber nicht in Frage und damit zumindest die Schuhe von innen trocken bleiben heißt es Stiefel aus, um den Hals gehängt und barfuß hinein in das eiskalte Wasser. Die Lufttemperatur liegt bei ca. 8 Grad, die Wassertemperatur sicher nur knapp über dem Gefrierpunkt. Bereits nach dem ersten Schritt spürt man nichts als Schmerzen und während ich über die unter Wasser liegenden und teils schwimmenden runden, glitschigen Holzstämme balanciere, bin ich heilfroh, dass ich meine beiden Stöcke mitgenommen habe. Ohne diese wäre es mir hier unmöglich das Gleichgewicht zu halten. Außerdem eignen sie sich hervorragend um etwas vorneweg zu stochern und zu testen, wie tief das Wasser oder wie stabil der Moorboden ist. Der Gang durchs eiskalte Wasser ist schmerzhaft, doch ist man wieder auf trockenem Boden angekommen, durchströmt die knallrot angelaufenen und in der Sonne getrockneten Füße und Unterschenkel eine sehr angenehme, unglaubliche Wärme. Wir folgen der blau markierten Schneemobilloipe. Mal auf einem Knüppelweg durch wunderschönes – aber von Wasser überflutetes – Moorgebiet, mal durch schönen Kiefernwald. Dabei versuchen wir uns an die Hinweise des Polizisten und der Infotafeln zu halten und uns möglichst laut zu unterhalten, um die Bären, die hier leben, rechtzeitig von unserer Anwesenheit in Kenntnis zu setzen. Offenbar mit Erfolg, wir sehen auf der gesamten Wanderung außer ein paar Vögeln kein einziges Tier. Der Weg verläuft parallel zur Russisch-Norwegischen Grenze und immer wieder kann man einen Blick auf die farbigen Grenzpfosten erhaschen. Mittlerweile gibt es hier auch einen Zaun und das letzte Stück des Wanderwegs verläuft nicht mehr, wie bei arminhoehner beschrieben, direkt auf der Grenzschneise, sondern einige Meter entfernt direkt am Zaun entlang. Wir haben schon die Befürchtung, dass man vielleicht gar nicht mehr direkt zur Steinpyramide darf, doch als wir diese durch den Zaun erblicken winken uns zwei dort rastende norwegische Grenzsoldaten freundlich zu sich und wir gehen durch ein einfaches Tor durch den Zaun hindurch zur Steinpyramide. Die jungen Soldaten sind sehr nett und freundlich, weisen uns aber nochmals – wie bereits die zahlreichen Schilder – auf die Verhaltensregeln hin. Und so sitzen wir, mal in Finnland, mal in Norwegen – nur wenige Zentimeter von Russland entfernt, das dennoch unerreichbar bleibt – und verspeisen unsere Brotzeit. Ein wenig fühlen wir uns hier, als seien wir am Ende der Welt. An einem Ort wie diesem, wird einem bewusst welch willkürliche, aber machtvolle Linien Staatsgrenzen und Zeitzonen teilweise doch sind. Auf dem Rückweg wartet wieder ein Kneippbad auf uns. Gut 2 Stunden brauchen wir aufgrund der widrigen Wegbedingungen für die 5 km zurück zum Auto.

    Fazit: Eine abenteuerliche Wanderung durch schöne Moorlandschaft zu einem kuriosen Ort, den man nicht alle Tage betritt. Ein tolles Erlebnis, das wir so schnell nicht vergessen werden.

    Hier noch ein paar Hinweise und Tipps für Interessierte:
    Ende Mai ist sicher nicht die ideale Jahreszeit für diese Wanderung, aber machbar ist sie auch dann. Und einen riesengroßen Vorteil gibt es auch: wir sind auf der ganzen Tour keiner einzigen Mücke begegnet. Wer wie wir zu einer ähnlichen Zeit vorhaben sollte, diese Wanderung zu unternehmen, der sollte, wenn er nicht bereit ist, barfuß durchs Wasser zu waten, kniehohe Anglergummistiefel dabei haben. Mit Trekkingsandalen hat man vermutlich auch etwas mehr Halt auf den glitschigen Baumstämmen als barfuß – aber das kalte Wasser bleibt einem auch dann nicht erspart - und es geht auch ohne. Mindestens einen Stock, besser zwei sollte man aber auf jeden Fall mitnehmen, denn auch mit Schuhen sind die nassen Holzstämme des Knüppelwegs teilweise extrem glitschig. Und die Wanderstiefel sollten natürlich wasserdicht sein.

    Ich wünsche allen „Nachahmern“ viel Spaß und gutes Wetter für die Tour und freue mich über jeden weiteren Erfahrungsbericht zu dieser etwas ungewöhnlichen Wanderung.

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