Vietnam-Informationen aus dem GEO-Themenlexikon
nFlüsse prägen Landschaftsräume Das Land lässt sich in drei Großräume gliedern: Tongking (Baˇc Bô), Annam (Trung Bô) und Cochinchina (Nam Bô), die von Norden nach Süden aufeinander folgen. Tongking besteht zu drei Vierteln aus Gebirgen, die das Kernland des Nordens, ein weites Becken mit dem Tongkingdelta, einrahmen. Das Delta ist das Mündungsgebiet des Roten Flusses, der, von China kommend, über 495km durch Vietnam fließt. Seinen Namen verdankt er seiner Rotfärbung, die von dem mitgeführten fruchtbaren Schlamm herrührt. Der Rote Fluss verursacht regelmäßig Überschwemmungen, die zwar den Schlamm auf den Feldern verteilen, aber sehr häufig auch katastrophale Ausmaße annehmen.
Auch Cochinchina im Süden wird von einem Fluss geprägt: Hier ergießt sich der Mekong in einem über 70000km2 großen Delta in das Südchinesische Meer. Das Wasser des Flusses hat von der Quelle im Hochland von Tibet über mehr als 4500km ganz Hinterindien von Norden nach Süden durchquert. Der Mekong tritt nur selten über die Ufer, da der See Tonle Sap in Westkambodscha, der über den gleichnamigen Fluss mit dem Mekong in Verbindung steht, als ein natürliches Ausgleichsbecken wirkt und während der Regenzeit große Mengen Wasser aufnimmt.
Zwischen Cochinchina und Tongking liegt Annam, die schmale Mitte Vietnams. Prägend für die Landschaft sind die Berge und Hochländer der Annamitischen Kordillere, die nach Osten steil zu schmalen Küstenebenen abbrechen. Die Kordillere ist überwiegend zwischen 500 und 1000m hoch. Nach Süden nimmt die Höhe zu und erreicht im Ngoc Linh 2598 Meter. Höchster Berg des Landes ist aber mit 3142m der Fan Si Pan im Nordwesten von Tongking.
nUnerschlossene Regenwälder Weite Teile der Gebirge sind von tropischem Regenwald bedeckt. Oberhalb von etwa 1300m geht die Vegetation in Laubwälder, schließlich in Misch- und sodann in Nadelwälder über. In den windgeschützten Randgebieten der Becken oder in tieferen Gebirgslagen gedeiht Monsunwald mit Pflanzen, die in der Trockenzeit ihre Blätter abwerfen. Die Becken und Deltagebiete besitzen nahezu keine natürlich gewachsene Vegetation mehr. Sie sind von Kulturland geprägt. An den Küsten gibt es aber noch vereinzelt Mangrove.
Insgesamt ist nur noch ein Viertel des Landes bewaldet. Hintergrund des Waldschwundes sind einerseits die Abholzung aus wirtschaftlichen Gründen, andererseits die Spätfolgen des Vietnamkrieges: Die US-Amerikaner haben stark wirkende Entlaubungsmittel über den Regenwäldern versprüht, um dem Vietcong Rückzugsräume zu nehmen. Das Gift hat viele Wälder vernichtet und wirkt bis heute im Boden nach.
Die verbliebenen Regenwälder sind so dicht und unerschlossen, dass sie immer wieder für Überraschungen sorgen: 1988 entdeckte man Exemplare des ausgestorben geglaubten Rhinoceros sondaicus annamiticus, einer Unterart des Javanashorns, 1992/93 wurden mit dem Vu-Quang-Rind und dem Pseudonovibos spiralis neue Wildrindarten gefunden, und 1996 sichtete man Edwardsfasane, die bis dahin ebenfalls zu den verschwundenen Arten gezählt wurden.