Russland-Informationen aus dem GEO-Themenlexikon
Das europäische Russland Kernland des europäischen Russland ist die von der Wolga durchflossene Osteuropäische Ebene. Ihre ausgedehnten Niederungen werden von flachwelligen Höhenrücken unterbrochen, die nur an wenigen Stellen über 200m aufsteigen. Der nördliche Teil ist stark von den letzten Eiszeiten geprägt. Nahe der Grenze zu Finnland liegt der Ladogasee, dessen Wanne durch Gletscher ausgeschürft worden ist. Mit einer Gesamtfläche von 17700km² ist er Europas größter Süßwassersee. Nach Nordwesten schließt sich der Baltische Schild mit den seenreichen Ebenen und Bergländern Kareliens und der Halbinsel Kola an. Im Süden geht das Tiefland in die Kaspische Senke über, die bei Astrachan mit 28m unter dem Meeresspiegel ihren tiefsten Punkt erreicht. Zwischen dem Kaspischen und dem Schwarzen Meer verlaufen die Gebirgszüge des Großen Kaukasus mit dem vergletscherten 5642m hohen Elbrus, der höchsten Erhebung Russlands. Nach Osten wird die Osteuropäische Ebene vom 2000km langen Uralgebirge begrenzt. Die parallelen Gebirgsketten verlaufen entlang des 60. Längengrads und bilden die geografische Grenze zwischen Europa und Asien.
Jenseits des Ural Östlich des Ural liegen Sibirien und Russlands Ferner Osten, Regionen schier unermesslicher Weite, unberührter Natur und unwirtlicher Lebensbedingungen. Das Westsibirische Tiefland, das sich von dem steilen Ostabfall des Ural bis zum Fluss Jenissej erstreckt, gehört mit seinen weiten, von Ob und Irtysch durchströmten Sumpflandschaften zu den ausgedehntesten Tiefländern der Erde. Im Süden wird das Tiefland vom ganzjährig schneebedeckten Altai begrenzt, im Norden bildet das Nordpolarmeer die natürliche Grenze. Zwischen Jenissej und Lena liegt das Mittelsibirische Bergland mit weiten Hochflächen zwischen 500 und 700m, die von vielen Tälern und Schluchten zerfurcht werden. Die südliche Begrenzung bilden der Ostsajan und die Gebirgslandschaft Transbaikaliens mit dem 31500km² großen Baikalsee, dem tiefsten und wasserreichsten Binnensee der Erde.
Nach Norden geht das Bergland in das Nordsibirische Tiefland über. Östlich von Lena und Aldan schließt sich das Ostsibirische Gebirgsland mit seinen verzweigten Gebirgsketten an, das im Tscherskijgebirge mit 3147m seine höchsten Höhen erreicht. In Südostsibirien erstrecken sich die hohen Gebirge des Fernen Ostens. Zum Pazifischen Ozean wird der Gebirgsgürtel durch das Korjakengebirge und die Halbinsel Kamtschatka mit ihren zahlreichen aktiven Vulkanen abgeschlossen. Der stark zergliederten fernöstlichen Küste sind zahlreiche Inseln vorgelagert, u.a. die ebenfalls vulkanreichen, unwirtlichen Kurilen und das waldreiche Sachalin, mit 76400km² die größte russische Insel.
Zahlreiche Vegetationszonen Die arktischen Inselgruppen liegen zum größten Teil im Gürtel der polaren Kältewüsten, ebenso der Norden der Halbinsel Taimyr und Teile des Anadyrberglands. Hier können nur Tiere überleben, die sich den extremen Bedingungen angepasst haben wie Walrosse, Robben, Eisbären und verschiedene Seevögel. Entlang der gesamten Nordmeerküste erstreckt sich die Tundra, der Bereich der ewigen Frostböden, wo die Vegetationsperiode nur wenige Monate dauert. Hier wachsen Flechten, Moose, Zwergsträucher, sommergrüne Halbsträucher und zähe Gräser – Nahrung für Polarfüchse, Schneehasen, Murmeltiere, Lemminge und Schneehühner. In den Sommermonaten ziehen auch Rentiere, Wölfe und Vögel von Süden her in dieses Gebiet.
Die Waldtundra mit Birken, Lärchen und Kiefern bildet den Übergang zur Taiga, die sich vom Weißen Meer an der Nordostküste Skandinaviens bis zum Ochotskischen Meer, einem Nebenmeer des Pazifiks, erstreckt. Die Taiga, die auch als borealer Nadelwald bezeichnet wird, ist das größte zusammenhängende Waldgebiet der Erde. Zwei Drittel von ihr liegen im Bereich des Dauerfrostbodens und bestehen in erster Linie aus Fichten, Lärchen, Tannen und Kiefern. Sie bietet u.a. Bär, Elch, Hase, Biber und Eule Lebensraum. Im westlichen Teil Sibiriens grenzt der Nadelwald an Steppen, im europäischen Teil und im Amurgebiet an sommergrüne Laubwälder.
Südlich der Taiga schließt sich ein breiter Steppengürtel an: zuerst die Baumsteppe, dann waldfreie Wiesen- oder Grassteppen. Wegen der fruchtbaren Schwarzerdeböden wurden die Grassteppen mit ihrer ursprünglichen Pflanzenwelt wie Schwingelgras, Kammschmiele oder Steppendistel vielfach in Ackerland umgewandelt. Damit wurde den meisten Steppentieren der Lebensraum entzogen. Die Saiga-Antilope ist teilweise in die sich nach Süden anschließenden Halbwüsten ausgewichen; der Bestand gilt aber dennoch als stark gefährdet.
Belastete Umwelt Russland ist einer der größten Umweltzerstörer der Welt. Drei Viertel der Bewohner leben in Gebieten mit sehr hoher Luftverschmutzung, hervorgerufen in erster Linie durch die Schadstoffemissionen der großen Industriebetriebe. Der Eintrag ungeklärter Abwässer gefährdet die Gewässer und führt zu einer hohen Schadstoffbelastung des Trinkwassers. Ebenso bilden die zum Teil maroden Erdölleitungen durch ihre Ölverseuchung eine Gefahr für das Grundwasser, die besonders in den nördlichen Regionen wegen der geringen Regenerationsfähigkeit gravierende Schäden nach sich ziehen. Als Folge der ausgedehnten Monokulturen und einer Ausweitung der Anbauflächen ist eine Degeneration der Böden in den südlichen Landesteilen festzustellen. Eine große Gefahr für die Umwelt besteht zudem in der radioaktiven Verseuchung durch die überalterten Kernkraftwerke, die zahlreichen Atommülldeponien und die auf Nowaja Semlja durchgeführten Kernwaffenversuche.