Peru-Informationen aus dem GEO-Themenlexikon
Zwischen Pazifik und Amazonas Landschaftlich gliedert sich das Land in drei naturräumliche Großeinheiten: die schmale Küstenebene (Costa) im Westen, das Gebirgsland der Anden (Sierra) und das Amazonasbecken im Osten, das an den Gebirgsflanken Montaña und in der Ebene Selva genannt wird.
Das 2300km lange und im Norden bis 140km breite Küstentiefland zieht sich an der gesamten Pazifikküste entlang und nimmt etwa 12% der Landesfläche ein. Trotz dichten Nebels im Winter ist es eines der trockensten Wüstengebiete der Erde. Dennoch lebt in diesem Landesteil mehr als die Hälfte der peruanischen Bevölkerung.
Das Gebirgsland der Anden, die Sierra, umfasst rund 30% der Fläche Perus. Im Norden gliedern sich die Anden in drei Hauptketten, die West-, die Zentral- und die Ostkordillere; dazwischen liegen Hochtäler und -ebenen. In Zentralperu laufen die drei Gebirgsketten zusammen, um sich nach Süden hin erneut in eine West- und eine Ostkordillere zu verzweigen. Zwischen diesen beiden Gebirgszügen liegt die 3000–4500m hohe innerandine Hochfläche des Altiplano. Der Altiplano geht im Süden in ein abflussloses Becken über, das größtenteils zu Bolivien gehört. In der nördlichen Westkordillere, der Wasserscheide zwischen Atlantischem und Pazifischem Ozean, liegen mit dem 6768m hohen Huascarán und dem 6632m hohen Yerupaja die höchsten Berge Perus; zehn Berggipfel sind hier über 6000m hoch. In ihrem Südteil finden sich zahlreiche noch nicht erloschene Vulkane, etwa der Coropuna (6425mü.M.) und der Ampato (6300mü.M.). Die Ostkordillere ist niedriger und besteht aus mehreren Bergzügen, die von vielen wasserreichen Flüssen in schluchtartigen Tälern nach Osten zum Amazonas durchbrochen werden.
Das Amazonasbecken im Oriente, dem Osten, macht mit rund 58% den größten Teil der Staatsfläche aus. Es gliedert sich in die Osthänge der Ostkordillere, die Montaña, und in das vielfach noch unerschlossene Waldland des Amazonastieflands, die Selva.
Erdbeben und Vulkane Wie alle südamerikanischen Länder entlang der »Cadena del Fuego«, der Feuerkette der Anden, ist auch Peru ständig von Erdbeben und Vulkanausbrüchen bedroht. Ausgelöst werden diese durch die ozeanische Nazcaplatte, die sich am Peru-Atacama-Tiefseegraben unter den südamerikanischen Kontinent schiebt. Durch diesen plattentektonischen Prozess wurde – und wird noch immer – die Erdkruste am pazifischen Rand Südamerikas zusammengeschoben, gefaltet und gehoben. Dieser Vorgang geht einher mit dem Aufbau von Spannungen in der Erdkruste, die sich hin und wieder durch Erdbeben entladen, und der Bildung von Gesteinsschmelzen in der Tiefe, die als Vulkane bis an die Erdoberfläche empordringen können. Die Folge sind häufige, oft verheerende Naturkatastrophen wie das Erdbeben am 31.Mai1970 im Norden Perus, bei dem 70000 Menschen ums Leben kamen.
Viele Flüsse, wenig Wasser Der größte Fluss Perus ist der Amazonas. Dieser entsteht im Nordosten des Landes durch die Vereinigung seiner Quellflüsse Marañón, Huallaga und Ucayali, die alle drei in den peruanischen Anden entspringen. Die meisten der aus den westlichen Anden kommenden, zum Pazifik hin fließenden Flüsse versiegen nach den sommerlichen Niederschlägen, nur zehn von ihnen führen ganzjährig Wasser. Die Flüsse des Altiplano münden größtenteils in den 3812m über dem Meeresspiegel gelegenen Titicacasee, den sich Peru und Bolivien teilen. Der 8300km² große, bis 281m tiefe Titicacasee ist der größte See Südamerikas und gleichzeitig auch der größte Hochlandsee der Erde.
Perus vielfältige Fauna Die Vegetationszonen des Landes und die dort jeweils heimische Tierwelt sind zwar das Abbild der drei deutlich voneinander abgegrenzten Naturräume, doch hat die landschaftliche Vielfalt insgesamt eine Flora und Fauna von einem unvergleichlichen Artenreichtum hervorgebracht.
Die Wüstengebiete der Costa weisen indes nur eine äußerst spärliche Vegetation – Kakteen, Dornensträucher und einige Tillandsienarten – auf. Nur im Bereich zwischen etwa 600 und 1000m ü.M., wo die winterliche Nebeldecke, die Garúa, auf die Randhöhen der Sierra trifft, gedeiht die Lomavegetation aus Kräutern und niedrigwüchsigen Sträuchern. Die Tierwelt beschränkt sich hier auf Reptilien, Skorpione und andere Spinnentiere. Im direkten Küstenbereich finden sich Seevögel wie Pelikane, Kormorane und sogar Pinguine, in den Flussoasen sind häufig Kolibris anzutreffen.
In der weitgehend baumlosen Sierra – nur im Norden finden sich tropische Bergwälder – herrscht eine trockene Büschelgras- und Hartpolstervergetation vor. In dieser kargen Landschaft Kondor, Puma, Pampas- und Andenkatze, Taruka und Pudu, zwei Hirscharten, sowie zahlreiche Nagetiere wie Meerschweinchen und Chinchillas. Am auffäl- ligsten sind wohl die zwei Arten der Neuweltkamele, das Guanako in den trockeneren Berg- und Flachländern und das Vikunja in den höheren Lagen.
Kaum überschaubar ist die Vielfalt von Tieren und Pflanzen in den tropischen Regenwäldern des Amazonasbeckens. Dutzende von Affenarten, Jaguar und Ozelot, Faul- und Gürteltiere, Tapire und Pekaris, Brillen- und Ameisenbären, Papageien und Kolibris, Kaimane und Riesenschlangen, Piranhas und Vogelspinnen gehören zu den auffälligsten. Insgesamt wird die Artenzahl von Tieren und Pflanzen des tropischen Regenwalds auf ein Vielfaches der bekannten Zahl von rund 2Mio. Arten geschätzt.