Neuseeland-Informationen aus dem GEO-Themenlexikon
Aotearoa, Land der langen weißen Wolke, wie die Maori, die Ureinwohner Neuseelands, ihr Land nennen, umfasst die beiden rund 1600km südöstlich von Australien gelegenen Hauptinseln sowie eine Reihe kleinerer Inseln, darunter Stewart Island und die Chatham Islands. Die Kermadecinseln sind unbewohnt, ebenso die subantarktischen Antipodes Islands, Auckland Islands, Bounty Islands, Campbell Island und Snares Islands.
Überseeisches Territorium Neuseelands sind die Tokelau Islands; Niue und die Cookinseln sind assoziierte Gebiete mit Selbstverwaltung.
Das Staatsgebiet umfasst insgesamt 270534Quadratkilometer. Davon entfallen fast 99% auf die Nordinsel und Südinsel genannten Hauptinseln, die durch die rund 35km breite Cookstraße getrennt sind. Die Nordinsel ist mit 114597 km² etwa so groß wie Bayern und Baden-Württemberg, die Südinsel mit 151757km² wie Bayern und Österreich zusammengenommen. Mit rund 4,1Mio. Einwohnern leben in Neuseeland aber gerade einmal halb so viele Menschen wie in Österreich.
Bewegter Untergrund, zahlreiche Vulkane Neuseeland liegt im Bereich des zirkumpazifischen Gebirgsgürtels über einem kompliziert strukturierten, geologisch aktiven Grenzbereich zwischen der Indisch-Australischen und der Pazifischen Platte. Daher sind die Hauptinseln durch junge Gebirgsbildungen und auf der Nordinsel durch anhaltende vulkanische Tätigkeit sowie durch häufige Erdbeben, die jedoch im Allgemeinen wenig Schaden anrichten, gekennzeichnet. Sowohl die Nord- als auch die Südinsel sind überwiegend gebirgig, wobei die Gebirge der Nordinsel niedriger und stärker gegliedert sind.
Die Nordinsel besteht in ihrem Zentralbereich aus einem vulkanischen Hochland mit den Vulkanen des Mount Ruapehu (2797m), des Mount Egmont (2518m), des Mount Ngauruhoe (2287m) und des Mount Tongariro (1967m) – Ruapehu und Ngauruhoe sind ständig aktiv – und zahlreichen postvulkanischen Erscheinungen wie Thermalquellen und Geysiren. Im Vulkangebiet liegt auch der 606km² große Lake Taupo, einer der größten Kraterseen der Erde und gleichzeitig größter See Neuseelands. An das zentrale Hochland schließt sich im Osten ein bis zu 1750m hoher Gebirgszug an, der die Nordinsel von Süden nach Nordosten durchzieht. Im Westen und Süden grenzen Bergländer an. Diese sind von zahlreichen kleineren Flüssen zerschnitten; größere Flüsse gibt es in Neuseeland nicht, ist doch kein Punkt des Landes mehr als 110km vom Meer entfernt.
Die Südinsel wird fast in ihrer ganzen Länge von den Neuseeländischen Alpen durchzogen, die nach Nordwesten steil zur Tasmansee abfallen und sich nach Südosten zu weiten Ebenen abdachen. Insgesamt 18 Gipfel der jungen, stark vergletscherten Gebirgskette erreichen Höhen von mehr als 3000m ü.M.; der höchste von ihnen – und zugleich der höchste Berg Neuseelands – ist der 3754m hohe Mount Cook, den die Maori Aoraki, »Wolkenbohrer«, nennen. Zusammen mit dem Tasmangletscher, mit 29km Länge und bis zu 9km Breite der größte der 360 Gletscher, ist er in den 699km² großen Mount-Cook-Nationalpark einbezogen. Die durch die Erosion der Gletscher während der Eiszeit ausgehobelte Täler der Neuseeländischen Alpen wurden infolge des nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstiegs überflutet. Dadurch entstand im Südwesten der Insel das Fjordland mit insgesamt 14 großen Fjorden, das mit 12000 km² Neuseelands größten Nationalpark bildet. Nach Osten breitet sich die von den Schwemmlandebenen im Süden durch Bergländer getrennte Canterburyebene aus, ein weiter fruchtbarer Schwemmfächer der Gebirgsflüsse.
Getrennt durch die 26km breite Foveauxstraße ist der Südinsel im Süden Stewart Island vorgelagert, mit 1746km² und etwa 500 Einwohnern die drittgrößte Insel Neuseelands.
Kiwis und Keas, Kaninchen und Kängurus Neuseeland war im Mesozoikum Teil des aus Australien, Afrika, Südamerika, Indien und der Antarktis bestehenden Südkontinents Gondwana, der vor rund 150Mio. Jahren zu zerbrechen begann und gegen Ende des Mesozoikums vollständig in die heutigen Kontinente zerfiel. Seit dieser Zeit ist Neuseeland von anderen Landmassen isoliert, und daher konnten sich zahlreiche Tier- und Pflanzenarten entwickeln, die heute nur auf den neuseeländischen Inseln vorkommen.
So sind etwa 35% der Flechten, Moose und Farne, etwa 85% der Blütenpflanzen und sämtliche Nacktsamer endemisch. Für die Vegetation Neuseelands ist neben einer Nord-Süd-Gliederung eine ausgeprägte Höhenstufendifferenzierung charakteristisch. Im Norden der Nordinsel finden sich Mangroven und subtropischer immergrüner Regenwald. In den warmfeuchten Tieflandgebieten der Nordinsel herrschen immergrüne Lorbeer-Koniferen-Wälder vor. Hier wachsen unter anderem Palmen, die Kaurifichte, mit bis zu 50 m Höhe der größte einheimische Baum, und bis zu 10m hohe baumförmige Farne. Die höheren Lagen der Südinsel sind von immergrünem temperiertem, von der Scheinbuche dominiertem Regenwald bestanden, die Flachländer des trockeneren Ostens von steppenähnlichem Grasland, vorwiegend mit Tussockgräsern.
Ursprünglich waren drei Viertel der Landesfläche bewaldet, heute bedecken Wälder mit heimischem Baumbestand nur noch ein knappes Fünftel Neuseelands – zwischen 1870 und 1920 wurden zur Schaffung von Weideflächen große Areale von den europäischen Einwanderern gerodet. Um der fortschreitenden Bodenerosion entgegenzuwirken, hat man erfolgreich begonnen, die Hochländer vor allem im Innern der Nordinsel mit der kalifornischen Montereykiefer aufzuforsten.
Auch die neuseeländische Fauna war vor der Besiedlung stark endemisch geprägt. Von zwei Fledermausarten abgesehen gab es keine Säugetiere, aber dafür war für die Vogelwelt eine große Mannigfaltigkeit kennzeichnend. Größte Vögel waren die Moas, strau- ßenähnliche, flugunfähige Laufvögel, von denen einige Arten über 3m groß waren. Noch vor Ankunft der Europäer wurden sie von den Maori ausgerottet. Viele andere flugunfähige Arten sind ebenfalls stark bedroht, so die Kiwis und der Kakapo oder Eulenpapagei sowie der Takahe, eine mit den Purpurhühnern verwandte Rallenart, die als ausgestorben galt und erst 1948 wieder entdeckt wurde. Besonders die eingeführten Säugetiere – Ratte und Hund von den Maori sowie Iltis, Marder, Katze, Fuchs oder Igel von den Europäern – sind eine große Gefahr für die Bestände dieser Tiere. Streng geschützt ist die einige kleine Inseln vor der Küste der Nordinsel bewohnende Brückenechse – als letzte Art einer seit der Triaszeit bekannten Kriechtierordnung ein »lebendes Fossil«.
Zu den tierischen Neubewohnern Neuseelands zählen heute Nutztiere wie Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine, außerdem zahlreiche, häufig auch als Nutztiere gehaltene Hirscharten, Gämsen, Kaninchen, mehrere Känguruarten und der Fuchskusu, ein in Australien heimischer, dem Opossum ähnlicher Kletterbeutler.