Madagaskar-Informationen aus dem GEO-Themenlexikon
Küsten und Hochland Naturräumlich gliedert sich Madagaskar in eine bis etwa 100km breite Küstenebene im Westen, ein zentrales Hochland im Inselinnern und einen etwa 20km schmalen Küstenstreifen im Osten. Mit Ausnahme der Nordwestküste sind die weithin von Korallenriffen begleiteten Küsten kaum durch Buchten gegliedert und daher für die Schifffahrt wenig zugänglich.
Das 800 bis 1600m hohe Hochland ist aus präkambrischen Gneisen und Graniten aufgebaut, denen vulkanische Massive aufgesetzt sind, wie das 2658 m hohe Andringitra-Massiv im Süden des Landes, das 2643m hohe Ankaratra-Massiv in der Mitte und das Tsaratanana-Massiv mit dem 2876m hohen Maromokotro, dem höchsten Gipfel Madagaskars, im Norden.
Nach Westen taucht der kristalline Sockel vergleichsweise flach und weiträumig unter eine mehrere Tausend Meter mächtige Schichtfolge mit Gesteinen vorwiegend mesozoischen Alters ab. Die östliche Abdachung des Gebirges ist dagegen kurz und steil. Die 800km lange, nahezu schnurgerade Ostküste ist eine Ausgleichsküste mit zahlreichen Lagunen, die untereinander durch den über 600km langen Canal des Pangalanes verbunden sind. Entsprechend seiner asymmetrischen Morphologie entspringen die Hauptflüsse Madagaskars wie der Betsiboka und der Mangoky, mit 560km der längste Fluss, in den Hochländern nahe der Ostküste und fließen nach Westen. Je nach der jahreszeitlich bedingten Wasserführung sind sie zum Teil schiffbar. Die Flüsse der Ostabdachung sind kurz und durch zahlreiche Wasserfälle und Stromschnellen gekennzeichnet. Größter See ist der 220km² große Alaotrasee im Norden der Insel.
Einzigartige Flora und Fauna Ursprünglich zwischen Afrika, Indien und der Antarktis inmitten des Gondwanakontinents gelegen, entstand Madagaskar, als dieser Großkontinent zerbrach und seine Bruchstücke, die heutigen Südkontinente, gegen Ende des Mesozoikums auseinander zu driften begannen. Seit dieser Zeit ist Madagaskar isoliert, sodass sich eine ganz eigenständige Tier- und Pflanzenwelt mit zahlreichen endemischen, nur hier vorkommenden Arten entwickeln konnte.
Allerdings ist die natürliche Vegetation durch den Menschen stark verändert worden. Der tropische Regenwald im Osten, an der Nordwestküste und in den höheren Gebirgslagen ist auf ein Zehntel seines einstigen Areals reduziert, der Laub abwerfende Trockenwald des Hochlandes und der Westabdachung ist bis auf kleinere Reste in eine artenarme Savanne verwandelt worden. Lediglich die Dornstrauchsavannen im trockenen Südwesten haben ihren ursprünglichen Charakter halbwegs bewahrt.
Die eigentümliche Tierwelt der Insel wird in der Tiergeografie als eigene madagassische Subregion aufgefasst. Von den etwa 240 Amphibien- und 330 Reptilienarten sind 95% endemisch – treten also nur in Madagaskar auf, darunter allein 38 der 66 Chamäleonarten. Auch bei den Vögeln sind etwa 60% der hier vorkommenden Arten endemisch. Zu den Endemiten unter den Säugetieren gehören die Tanreks oder Madagaskarigel, primitive Insektenfresser, die mit rund 30 Arten unterschiedliche ökologische Nischen besetzt haben, und verschiedene Schleichkatzen und die Halbaffen als die namhaftesten Vertreter der madagassischen Fauna.