Kanada-Informationen aus dem GEO-Themenlexikon
Die landschaftliche Gliederung entspricht im Wesentlichen dem Schema der USA, des südlichen Nachbarn, mit dem es außerdem im Nordwesten eine Grenze zu Alaska gibt. Im Osten liegen die Ausläufer der Appalachen, eines sehr alten Gebirges, das überwiegend aus Hügeln oder nur wenige Hundert Meter hohen Bergen besteht. Die höchste Erhebung ist der Mount Jacques Cartier auf der Halbinsel Gaspé mit 1268 Metern. Im Westen durchziehen die Kordilleren das Land von Süden nach Norden. Der Mount Logan, der sich nahe der Grenze gegen Alaska erhebt, erreicht 5959m und ist der höchste Berg Kanadas. Zwischen den Gebirgszügen in Ost und West erstrecken sich die Inneren Ebenen.
Bei einem Blick auf die Karte zeigt sich sofort eine landschaftliche Besonderheit Kanadas: die Hudsonbai. Dieses Binnenmeer gehört zum Arktischen Mittelmeer. Es ist 1500km lang und bis zu 830km breit. Im Norden der Hudsonbai beginnt der Kanadisch-Arktische Archipel, eine Inselgruppe, die sich weit ins Nordpolarmeer fortsetzt und insgesamt 1,3Mio.km² umfasst. Weite Teile des Archipels sind vergletschert. Eine Besonderheit ist der Kanadische Schild, der sich rund um die Hudsonbai erstreckt und mit seiner Geologie fast die Hälfte des kanadischen Territoriums prägt. Er besteht aus sehr altem Gestein, man hat hier Fossilien entdeckt, die mindestens 2 Mrd. Jahre alt sind. Landschaftlich präsentiert sich der Kanadische Schild als leicht gewellte Ebene mit Höhen zwischen 200 und 600 Metern.
Ziel für Wasserfreunde Während der Eiszeiten war nahezu die gesamte Fläche des heutigen Kanada vergletschert. Die Kältezeitalter haben bis heute sichtbare Spuren hinterlassen: Die Eisstauseen, die beim Schmelzen der Gletscher entstanden, waren die Eltern der heutigen Seenkette, die Kanada von Süden nach Norden zwischen Hudsonbai und Kordilleren durchzieht. Zu den größten Seen gehören der Große Bärensee (31328km²) sowie der Große Sklavensee (28568km²) und der kleinere Winnipegsee (24387km²). Alle drei Seen zählen zu den größten der Erde, der Winnipegsee belegt immer noch Rang 13. Außerdem hat Kanada Anteil an den Großen Seen. Etwa ein Drittel dieser größten zusammenhängenden Süßwasserfläche der Erde gehört zu Kanada. Die vielen Zigtausend Seen machen insgesamt fast 8% der Fläche des Landes aus.
Viele der Gewässer sind nahezu unberührt. Es sind Paradiese für Naturfreunde: Ornithologen werden die reiche Vogelwelt bewundern – Seetaucher und Kanadagans sind beispielsweise Nationalsymbole. Angler können mit reichem Fang rechnen: Regenbogenforelle, Flussbarsch, Renke und verschiedene Hechte finden sich in großer Zahl. Die nördlicheren Gewässer, wie der Große Bärensee, sind ärmer an Fischen, da es hier einfach zu kalt ist und die Seen bis zu neun Monaten zugefroren sind.
Auch an Flüssen ist Kanada außergewöhnlich reich; etwa die Hälfte des Landes wird durch Flüsse entwässert, die in die Hudsonbai münden. Der längste von ihnen ist der Churchill River mit 1609 Kilometern. Er ist viele Male aufgestaut und für die Energieversorgung der Region außerordentlich wichtig. Der längste Fluss Kanadas ist der Mackenzie. Diesen Namen trägt er allerdings erst, wenn er aus dem Großen Sklavensee austritt. Mit seinen Quellflüssen kommt er auf 4241km von der Quelle des Finlay River bis zum großen Mündungsdelta ins Nordpolarmeer. Der für den Verkehr und die Wirtschaft des Landes wichtigste Fluss ist jedoch der Sankt-Lorenz-Strom, der die Großen Seen mit dem Atlantik verbindet. Er ist 1200km lang, und sein Mündungstrichter, der in den Sankt-Lorenz-Golf führt, erreicht eine Breite von 150 Kilometern.
Paradies für Baum und Tier Artenreicher Mischwald bestimmt im Südosten die Vegetation. Hier gedeihen u.a. Ulme, Fichte, Tanne und Ahorn – Letzterer der Nationalbaum Kanadas. Die einst mit Gras bestandene Prärie der Inneren Ebenen ist inzwischen weitgehend Kulturland: Getreidefelder und Weiden prägen die weiten Landschaften. Die südlichen Gebirgsregionen sind dicht bewaldet, überwiegend mit Nadelwäldern. Der weitaus größte Waldreichtum aber findet sich im borealen Nadelwaldgürtel, der Kanada in weitem Bogen über 6000km von Neufundland bis Alaska durchzieht. Fichten, Lärchen, Tannen, aber auch Birken gedeihen bis hoch in den Norden hinauf. Insgesamt sind zwischen 80 und 90% des Landes bewaldet.
Die weiten Wälder sind Lebensraum einer vielfältigen Tierwelt. Wölfe und Bären leben hier in großer Zahl. Elche und Biber gehören zu den Tieren , die als nationales Symbol gelten. Im südlichen Kanada kommen Dickhornschafe vor, die größte Schafart Nordamerikas. In der Prärie, aber auch in den Wäldern ist der Bison heimisch. Durch strenge Schutzauflagen konnte der stark gefährdete Bestand in Naturreservaten nicht nur stabilisiert, sondern ausgeweitet werden. 1890 fast ausgerottet, gibt es in Nordamerika heute wieder 50000 dieser großen Wildrinder, die 1,90 hoch und rund 3m lang werden.
Ein Lebensraum ganz besonderer Art ist der kalte Norden. In der Waldtundra leben das Karibu genannte nordamerikanische Rentier, Polarfuchs und der überaus seltene Moschusochse, der auch noch in der Tundra vorkommt. Die Arktis schließlich, die weite Eiswüste des hohen Nordens, wird unter anderem von Eisbär, Robbe und Walross bewohnt. Die Gewässer sind sehr fischreich.