Indonesien-Informationen aus dem GEO-Themenlexikon
Auf der Insel Borneo grenzt Indonesien an Malaysia, auf Neuguinea an Papua-Neuguinea und auf Timor an Osttimor. Mit einer Landfläche von etwas mehr als 1,9Mio.km² ist Indonesien etwa doppelt so groß wie Deutschland, Frankreich und die Beneluxstaaten zusammengenommen. Dazu kommen noch Territorialgewässer von insgesamt 3,3Mio. Quadratkilometern.
Im Nordwesten trennt die Straße von Malakka den Archipel von Malaysia und Singapur. Im Norden erstreckt sich das Südchinesische Meer zwischen Indonesien und dem asiatischen Festland, die Celebessee liegt zwischen Indonesien und den Philippinen im Nordosten. Timor- und Arafurasee im Süden reichen bis nach Australien, im Westen und Südwesten dehnen sich die Weiten des Indischen Ozeans aus.
Molukken – die Gewürzinseln Zwischen Celebes und Neuguinea liegen die 999 Inseln der Molukken. Sie waren es – und nicht etwa Java oder Sumatra –, die im ausgehenden 15.Jh. die Begierden der europäischen Kolonialmächte im indonesischen Raum weckten, denn bereits im Mittelalter kamen von hier Nelken, Muskat, Pfeffer und andere Gewürze nach Europa. Auf der Suche nach den »Gewürzinseln« landeten die Portugiesen 1511 auf den Molukken. Ihnen folgten die Spanier, die Niederländer und die Briten. Im Kampf um den einträglichen Gewürzhandel, der bis dahin in der Hand indischer und arabischer Kaufleute gelegen hatte, setzte sich die 1602 gegründete niederlän- dische Vereinigte Ostindische Kompanie durch. Mit größter Rücksichtslosigkeit und Brutalität gegenüber Konkurrenten und der einheimischen Bevölkerung wahrte sie über mehr als zwei Jahrhunderte ihr Handelsmonopol – die Gewinne im Gewürzhandel waren seinerzeit astronomisch. Heute werden Nelken, Muskat und Pfeffer überall in den Tropen kultiviert; die Bedeutung des Gewürzanbaus auf den Molukken im Welthandel ist stark zurückgegangen. So exportiert Indonesien mittlerweile kaum noch Nelken. Fast die gesamte Ernte landet in den einheimischen Zigarettenfabriken.
Die Steinzeitinsel Neuguinea ist mit 771900km² nach Grönland die zweitgrößte Insel der Erde. Ihr westlicher Teil gehört als Papua zu Indonesien, die östliche Hälfte bildet den Hauptteil des Staates Papua-Neuguinea. Ihre Ureinwohner, die Papua, sind mit den Melanesiern verwandt, unterscheiden sich von diesen aber durch ihre Sprache. Von melanesischen Einwanderern ins Innere der Insel abgedrängt, leben die Papua seit 3000 Jahren in streng voneinander abgesonderten und sich ständig untereinander befehdenden Stammesverbänden. Als Folge dieser Isolation entwickelten sich Dutzende von unterschiedlichen Sprachen und Dialekten, sodass sich häufig sogar benachbarte Stämme nicht miteinander verständigen können.
Die jahrtausendelange isolierte Lebensweise brachte es mit sich, dass viele der Papuastämme auf einer steinzeitlichen Kulturstufe stehen geblieben sind. Sie leben in Selbstversorgungs- und Tauschwirtschaft, Geld als Zahlungsmittel war bis in die jüngste Zeit unbekannt. Noch heute wird der Brautpreis nicht selten in Schweinen gezahlt. Trotz christlicher Missionierungsbestrebungen hängen die Papua ihren traditionellen animistischen Glaubensvorstellungen an.
Von Vulkanen geprägt, von Erdbeben bedroht Indonesien liegt in einem Bereich, in dem vier große Erdplatten aufeinander treffen: Die Eurasische Platte, die Indisch-Australische Platte, die Pazifische Platte und die Philippinenplatte. Die Bewegungen der Erdplatten haben zum einen die Auffaltung von Gebirgen zur Folge – der höchste Berg ist der 5030m hohe Puncak Jaya im vergletscherten Zentralgebirge von Papua –, zum anderen bewirken Plattenkollisionen aber auch die hohe tektonische Labilität des indonesischen Archipels, die sich in heftigem Vulkanismus, verbunden mit starker Erdbebentätigkeit, äußert. Eine der größten Katastrophen verursachte am 26. Dezember 2004 ein Seebeben vor der Nordwestküste Sumatras, als ein bis zu 15 m hoher Tsunami süd- und südostasiatische Küstenregionen am Indischen Ozean verheerte und schätzungsweise 300 000 Menschen in den Tod riss; am schwersten betroffen waren die indonesischen Provinzen Nordsumatra und Aceh. Mit Ausnahme von Borneo gibt es auf allen größeren Inseln aktive Vulkane. Die mehr als 200 Vulkane bilden die längste geschlossene Vulkanreihe der Erde. Katastrophale Ausbrüche, wie die des Tamboro 1815, des Krakatau 1883 oder des Kelud 1919, fordern immer wieder Tausende oder gar Zehntausende von Todesopfern. Der höchste dieser Stratovulkane ist der 3805m hohe Kerinci auf Sumatra. Auch der größte See Indonesiens verdankt seine Entstehung vulkanischer Tätigkeit: Der 1146km² große, bis 529m tiefe Tobasee in Nordwestsumatra füllt ein vulkanisches Einbruchsbecken.
Bedrohte Tier- und Pflanzenwelt Mehr als zwei Drittel der Landesfläche waren ursprünglich von üppigen tropischen Regenwäldern bedeckt. Sie zählen zu den artenreichsten Florengebieten mit rund 30000 Pflanzenarten. Infolge ungehemmten Holzeinschlags sowie verheerender Waldbrände, die zum Teil durch außer Kontrolle geratene Brandrodungen entfacht wurden, ist dieser in den letzten drei Jahrzehnten zu großen Teilen vernichtet worden. In einigen Regionen, wie auf Java, ist der Regenwald ganz verschwunden und artenarmen Alang-Alang-Grasfluren gewichen.
In höheren Lagen beherrscht immergrüner Nebelwald die Vegetation, oberhalb von etwa 2500m prägen Koniferen die Wälder. In den Tiefebenen Ostsumatras, Borneos und Neuguineas dehnen sich Moor- und Süßwassersumpfwälder mit Sagopalmen aus, an den Flachküsten häufig Mangroven. In Gebieten mit längeren Trockenzeiten sind Monsunwälder mit Laub abwerfenden Arten bestimmend – aus einigen Arten werden wertvolle Edelhölzer gewonnen, darunter Teakholz.
Vielfältig ist auch die indonesische Tierwelt mit mehr als 300 Säugetier- und rund 1500 Vogelarten. Tiergeografisch liegt Indonesien zwischen der orientalischen und der australischen Faunenregion, in dem Elemente beider Gebiete nebeneinander vorkommen und sich durchmischen.
Zur orientalischen Region gehören Leoparden und Tiger, Sumatra- und Javanashorn, der Banteng, ein Wildrind, sowie zahlreiche Affenarten wie der Orang-Utan, die Gibbonarten Siamang und Wau-Wau, Languren, Makaken, Nasen- und Schweinsaffen. Australische Faunenelemente sind verschiedene Kletterbeutler wie Kusus und Kuskuse oder die zu den Kloakentieren zählenden Ameisenigel auf Neuguinea und den östlichen Inseln. Da die meisten Inseln auch während der eiszeitlichen Meeresspiegelabsenkung weder zum asiatischen noch zum australisch-neuguineischen Kontinent Verbindung hatten, gibt es zahlreiche endemische Arten wie Hirscheber, Timorhirsch, Koboldmaki oder Komodowaran.
Insgesamt besitzt Sumatra mit über 200 Säugetier- und 600 Vogelarten auf dem indonesischen Archipel den größten Artenreichtum. Zahlreiche Großtiere sind in ihrem Bestand jedoch stark gefährdet. Dazu gehören das Sumatra- und das Javanashorn, der Banteng sowie der Sumatra- und insbesondere der Javatiger; der Balitiger ist wahrscheinlich bereits ausgerottet.