China-Informationen aus dem GEO-Themenlexikon
Die Landfläche fällt in drei deutlich gegeneinander abgesetzten Stufen vom hoch gelegenen Westen zu den Ebenen im Osten ab. Das Hochland von Tibet und Qinghai ist die größte zusammenhängende Hochfläche der Erde mit einer Durchschnittshöhe von 4500m; nur im Norden ist zwischen Kunlun Shan, Altun Shan und Nan Shan das wüstenartige Qaidambecken mit Höhen um 2700m eingesenkt. Östlich davon liegt der Qinghai Hu, der größte See Chinas, ein abflussloser Salzsee; er liegt in einer Höhe von 3200m, ist bis zu 38m tief und bedeckt–je nach Wasserstand–eine Fläche zwischen 4200 und 5000 Quadratkilometern. Im Südwesten und Süden wird das Hochland von Tibet vom Transhimalaja und Himalaja begrenzt. Im Himalaja, an der Grenze zu Nepal, erhebt sich der Mount Everest, mit 8850m ü.M. der höchste Berg der Erde. In Richtung Südosten fällt das Hochland mit dem Hengduan Shan zum Yunnan-Guizhou-Plateau hin ab.
Die zweite Landstufe, 1000–2000m ü.M., umfasst neben dem Yunnan-Guizhou-Plateau mit seinen Turm- und Kegelkarstlandschaften das nördlich davon gelegene Sichuanbecken am Jangtsekiang, das wegen des verbreiteten roten Sandsteins auch »Rotes Becken« genannt wird, eine der am dichtesten besiedelten Regionen Chinas. Im Norden gehören die Lössebenen, die Steppen und Wüsten (Gobi) der Inneren Mongolei, im Nordosten der Gebirgszug des Großen Chingan zu dieser Stufe. Im Nordwesten liegen in Sinkiang das Dsungarei- und das Tarimbecken mit der Wüste Takla-Makan; beide werden durch den Tienschan voneinander getrennt, in dessen östlichen Ausläufern die Turfansenke liegt, mit 154m u.M. eine der am tiefsten gelegenen Landflächen der Erde. Nord- und Südchina werden durch das Qinlinggebirge, einen östlichen Ausläufer des Kunlun Shan, getrennt.
Die dritte Landstufe bildet den am dichtesten besiedelten und wirtschaftlich am intensivsten genutzten Teil Chinas; sie erstreckt sich bis an die pazifische Küste und reicht von der nordostchinesischen Ebene der Mandschurei über die vom Unterlauf des Hwangho durchströmte »Große Ebene« und das Tiefland am Mittel- und Unterlauf des Jangtsekiang bis zum bis 2000m hohen südostchinesischen Bergland.
Die großen Ströme Asiens Weitgehend unabhängig von der Laufrichtung der Gebirge ist das Gewässernetz der von Westen nach Osten fließenden Ströme Amur, Hwangho, Jangtsekiang und Xi Jiang ausgebildet; mit großen Bogen und vielen Änderungen der Laufrichtung haben diese Flüsse zum Teil gewaltige Durchbruchstäler geschaffen (z.B. die Jangtseschluchten). Der rund 6000km lange Jangtsekiang ist nach dem Amazonas und dem Nil der drittlängste Strom der Erde. Er entspringt im Kunlun Shan im Nordosten Tibets, formt in Mittelchina die faszinierenden Jangtseschluchten und mündet nördlich von Schanghai in das Ostchinesische Meer. Der Hwangho (4845km lang) strömt in tief eingeschnittenen Tälern durch die Lössgebiete des Nordens. Der rund 2100km lange Xi Jiang ist der Hauptfluss Südchinas; er bildet gemeinsam mit verschiedenen anderen Flüssen eine Deltamündung, deren Hauptarm der Perlfluss (Zhu Jiang) ist, in das Südchinesische Meer.
Die nach Süd- und Südostasien fließenden Ströme Indus, Brahma- putra, Salween und Mekong folgen jedoch der jungen Gebirgsfaltung des Himalaja und seiner Ausläufer. Da die Verteilung des Oberflächenwassers regional und jahreszeitlich extrem unterschiedlich ist, war die Entwicklung der Wasserbautechniken seit jeher eine zentrale Aufgabe der chinesischen Zivilisation.
Der Gelbe Fluss – der »Sorgenfluss« Der Hwangho, der »Gelbe Fluss«, entspringt im Nordosten des Hochlands von Tibet und strömt in großen Windungen am Südrand der Gobi und um das Ordos-Plateau herum in die Große Ebene. Von allen Flüssen der Erde hat der Hwangho die höchste Schlammführung. Seine gelbe Farbe rührt von den Sinkstoffen her, die er auf seinem Lauf durch die Lössprovinzen Gansu, Shaanxi und Shanxi aufnimmt – jährlich fast 1 Mrd. m3 – und im Unterlauf in der Großen Ebene ablagert oder ins Meer führt. Dadurch liegt der eingedeichte Fluss stellenweise bis zu 10m über dem benachbarten Land; er hat wiederholt in der chinesischen Geschichte sein Umland verheerend überschwemmt und seinen Lauf mehrfach verlegt. Seine Mündung in das Gelbe Meer lag manchmal nördlich und manchmal südlich der Halbinsel Shandong.
Seit 1949 wurden umfangreiche Regulierungsbauten durchgeführt, die neben der Energiegewinnung auch der Flussschifffahrt dienen. Um die Verschlammung einzudämmen, wurden Uferbefestigungen errichtet und Wälder am Oberlauf aufgeforstet. Im Hwanghobogen liegt die Wiege der chinesischen Kultur (6.–4. Jahrtausend v. Chr.), die durch die besonderen Probleme, die dieser »Sorgenfluss« den Menschen breitete, seit jeher vom Wasserbau geprägt war.
