Chile-Informationen aus dem GEO-Themenlexikon
»Loca geografía« Eine »verrückte Geografie« attestiert man diesem schmalen, lang gezogenen Land, das fast 4300km lang, aber durchschnittlich nur 188km breit ist – an der engsten Stelle sind es sogar nur 90 Kilometer. Am breitesten ist es ausgerechnet im unwirtlichen Süden: über 400km vom Pazifik bis zum Atlantik.
Die extreme Nord-Süd-Erstreckung über fast 38 Breitengrade – das entspricht der Entfernung von Berlin bis zum Tschadsee in Nordafrika – bringt es mit sich, dass dieses Land so viel landschaftliche Abwechslung bietet wie kaum ein anderes Land der Erde: von der randtropischen Wüste über das Mediterrangebiet und die feuchtgemäßigte Zone bis zu den Grassteppen und Gletschern Patagoniens.
Land der Vulkane Aus geologischer Sicht gehört Chile zu den jungen Gebieten der Erde. Die den südöstlichen Pazifik einnehmende Erdkrustenplatte, die Nazca-Platte, taucht vor der chilenischen Küste unter die Südamerikanische Platte ab und hat dadurch die Gebirgsbildung der Anden und einen intensiven Vulkanismus bewirkt. Auch die häufigen Erdbeben, die eine latente Gefahr darstellen, sind darauf zurückzuführen.
Chile liegt damit an einer der unruhigsten Nahtstellen der Erdkruste. Etwa 10% der bekannten aktiven Vulkane der Erde befinden sich auf chilenischem Gebiet. Besonders im Norden konzentrieren sich die Eruptionszentren und die höchsten aktiven Vulkane der Erde: der Lhullaillalo (6739m), der Parinacota (6330m) sowie, schon auf argentinischem Gebiet, der Nevado Ojos del Salado mit 6880Meter.
Vor der Küste gibt es große submarine Vulkanketten; von diesen ragen der Juan-Fernandez-Archipel sowie die Inseln San Ambrosio und San Felix empor. Im Herzen des Pazifik, auf dem Mittelozeanischen Rücken, gehören Sala y Gomez und die Osterinsel zum chilenischen Staatsgebiet. In der Antarktis beansprucht das Land einen Sektor, der mit 1,25Mio.km² gut eineinhalbmal so groß ist wie Chile selbst.
Morphologische Dreigliederung von Ost nach West Charakteristisch für die Oberflächengestalt des südamerikanischen Landes ist die Längsgliederung. Die majestätische Gebirgskette der Anden schließt das Land nach Osten vom übrigen Kontinent ab. Dem Hochgebirge sind im Westen Senken vorgelagert, die im Norden die Gestalt von Hochbecken haben und im mittleren Chile das Große Längstal bilden, in dem 90% der Bevölkerung wohnen. Westlich der Senkenzone erstreckt sich die Küstenkordillere, der nur schmale Küstenstreifen vorgelagert sind. Im Süden weist sie niedrigere Höhen auf und löst sich in Inseln und Halbinseln auf. Das Große Längstal ist dort nur noch untermeerisch vorhanden.