Bolivien-Informationen aus dem GEO-Themenlexikon
Der Kernraum des Landes ist das in über 3500m Höhe gelegene Andenhochland, das etwa ein Drittel der Landesfläche umfasst. Die Anden erreichen hier ihre größte Breite. Ihre beiden Hauptketten, die Westkordillere mit dem 6520m hohen Vulkangipfel Nevado Sajama und die Ostkordillere mit dem Illimani, mit 6438m ü.M. der höchste Berg Boliviens, umrahmen den Altiplano, das ausgedehnte, bis zu 200km breite Bolivianische Hochland. Es umfasst eine Reihe von mäßig hohen Rücken oder Ketten begrenzter, vorwiegend abflussloser Becken. Die baumlose Hochlandsteppe des Altiplano, die Puna, geht nach Süden hin allmählich in eine Hochlandwüste mit Salztonebenen über. In ihnen liegt der Salar de Uyuni, mit rund 12 000 km² der größte Salzsee der Erde.
An die Ostkordillere schließen sich die Yungas an, das durch die Quellflüsse des Amazonas- und La-Plata-Systems tief zertalte Bolivianische Bergland an der breiten Ostabdachung der Anden. Der Oriente, das weitgehend ebene, zwischen 300 und 400m ü.M. gelegene Tiefland im Osten, nimmt zwei Drittel des Landes ein. Der größere nördliche Teil liegt im Einzugsgebiet des Amazonas, der südliche Teil im Einzugsgebiet des Paraná ist Teil des Gran Chaco.
Die größten Flüsse Boliviens sind der Río Grande und der Río Beni, Quellflüsse des Amazonas, sowie der Río Pilcomayo, ein Nebenfluss des Río Paraguay. Sie entspringen in der Ostkordillere und sind im Tiefland schiffbar. Der größte See Boliviens, den sich das Land jedoch mit Peru teilen muss, ist der Titicacasee.
Andenkondor und Anakonda So vielfältig wie die geografischen Naturräume, so mannigfaltig sind auch Flora und Fauna Boliviens. Der waldlose Altiplano und die angrenzenden unteren Regionen der Kordilleren bis in Höhen von 4800m sind von Horstgräsern, Zwergsträuchern und Polsterpflanzen bestanden. Im etwas feuchteren Norden um den Titicacasee kommen Süßgräser dazu, im trockenen Süden Sukkulenten. Hier leben Andenkondor, Andenfuchs und Andenhirsch, Guanakos, Chinchillas und der selten gewordene Puma.
Die niederschlagsreiche Ostseite der Anden liegt im Regenstau des Südostpassats und ist bis in 3200m Höhe stark bewaldet. Nach Osten gehen die Berg- und Nebelwälder der Yungas in den immerfeuchten tropischen Regenwald der nördlichen Tiefebene über. Tier- und Pflanzenwelt sind hier von einer unüberschaubaren Vielfalt. Die Fauna reicht von Insekten wie Blattschneiderameisen zu Riesenschlangen wie der Anakonda, von den urtümlichen Faultieren bis hin zum »Herrn des Urwalds«, dem Jaguar. Nach Süden gehen die Regenwälder in Savannen mit Galeriewäldern und schließlich in die Dornbuschsavannen des Gran Chaco über.