Australien-Informationen aus dem GEO-Themenlexikon
einen ganzen Kontinent umfasst. Dieser Kontinent ist zwar der kleinste der sieben Kontinente, mit rund 7,7Mio. km² ist er aber immer noch doppelt so groß wie sein einstiger Nachbar, der indische Subkontinent. Bis vor etwa 100Mio. Jahren waren Australien und Indien benachbarte, in der Nähe des damaligen Südpols gelegene Teile des Großkontinents Gondwana, dem auch Afrika, Südamerika und die Antarktis angehörten. Gegen Ende des Mesozoikums, des Erdmittelalters, zerfiel Gondwanda in die heutigen Südkontinente; Indien driftete nach Norden auf Eurasien zu, Australien machte sich in nordöstlicher Richtung auf den Weg.
Seit dieser Zeit, vor etwa 65Mio. Jahren, ist der Kontinent von den übrigen Festländern isoliert – zumindest heute noch, denn in einigen Millionen Jahren wird Australien mit Neuguinea und den indonesischen Inseln kollidieren.
Australien liegt beiderseits des südlichen Wendekreises, den Indischen Ozean im Westen und Süden, die Korallensee und die Tasmansee – beides Randmeere des Pazifischen Ozeans – im Osten und das Australasiatische Mittelmeer, ein Nebenmeer des Pazifik, im Norden. Von Westen nach Osten erstreckt sich das australische Festland über 4100km, die größte Nord-Süd-Erstreckung beträgt 3680Kilometer. Der Kontinent umfasst das Festland und die Inseln Tasmanien, die Furneaux Islands, die Hunter Islands und King Island im Süden, die Inseln in der Torresstraße im Norden sowie eine Reihe kleinerer Inseln vor der Westküste.
Diese Inseln und das australische Festland bilden zusammen den föderativen Staat Australien. Das Commonwealth of Australia, der Australische Bund, setzt sich aus den sechs Bundesstaaten New South Wales, Victoria, Queensland, South Australia, Western Australia und Tasmania, die jeweils eine eigene Regierung haben, sowie aus zwei Bundesgebieten mit einem abweichenden Status, dem Northern Territory und dem Australian Capital Territory mit der Bundeshauptstadt Canberra, zusammen. Dazu kommen noch einige externe überseeische Territorien wie die Kokosinseln, die Weihnachtsinsel oder die Norfolkinsel.
Am wenigsten gegliedert und am ältesten Australien ist mit einer mittleren Höhe von 350m ü.M. nicht der niedrigste Kontinent (Europa ist im Mittel nur 300m hoch), aber er ist der am wenigsten gegliederte. Durch die auf große Entfernungen nur geringen Höhenunterschiede ist er weit und gleichförmig. Der Westen der Landmasse besteht fast ausschließlich aus einem ausgedehnten Plateau von durchschnittlich 300m ü.M., über das nur einige wenige höhere Tafelländer und Bergrücken bis 1500m emporragen, etwa das Kimberleyplateau im Norden, die Hamersley- und Darlingketten im Westen sowie die Macdonnellkette und das Musgravegebirge im Osten. Zwischen dem westaustralischen Tafelland und der Großen Australischen Bucht im Süden liegt die ausgedehnte verkarstete Kalksteinfläche der Nullarborebene.
Den zentralen Teil des Kontinents bildet ein Tiefland, das im 12mu.M. gelegenen Eyresee seinen tiefsten Punkt erreicht. Mit einer Fläche von rund 10000km² gilt der Eyresee als größter See Australiens; er enthält jedoch nur selten Wasser, die meiste Zeit präsentiert er sich als ausgetrocknete Salzpfanne.
Das östliche und südöstliche Küstengebiet wird in seiner gesamten Länge von mehr als 3000km von den Hochebenen und Gebirgsrücken der Great Dividing Range, dem ostaustralischen Randgebirge, durchzogen, das sich auf der Insel Tasmanien fortsetzt. Im Norden markiert der Bartle Frere mit 1611m die höchste Erhebung, im Süden – in den Australischen Alpen – liegt der Mount Kosciusko, mit 2230m. Auf Tasmanien erreicht der Mount Ossa, der höchste Berg des Kontinents, 1617Meter.
Diese geomorphologische Dreigliederung Australiens ist das Abbild des unterschiedlichen geologischen Aufbaus und der Entwicklung dieser Großeinheiten.
Das westliche Plateaugebiet, der westaustralische Schild, besteht überwiegend aus präkambrischen Gesteinen, deren Erzreichtum wirtschaftlich von großer Bedeutung ist. Das zentrale Tiefland wird aus jungen quartären und tertiären Ablagerungen gebildet, die mächtige poröse Sandsteine aus dem Mesozoikum überdecken. In diesen sind große Mengen Grundwasser gespeichert, das in Form von mehr als 18000 artesischen Brunnen an die Oberfläche tritt und einem Teil der zentralaustralischen Tiefebene den Namen Großes Artesisches Becken eingetragen hat. Die Great Dividing Range am Ostrand des Kontinents entstand während des Karbons, etwa zur gleichen Zeit wie die europäischen Mittelgebirge, wurde aber im Tertiär nochmals angehoben, gekippt und in einzelne Schollen aus Gebirgsketten und Hochebenen zerbrochen.
Wald am Rand der Schüssel Aufgrund seiner großräumigen Reliefs – Australiens Oberfläche hat die Form einer großen, flachen Schüssel – sind etwa 60% des Landes abflusslos. Fast nur in den Gebirgsketten des Ostens führen die Flüsse ständig Wasser. In der südöstlichen Tiefebene speisen sie das Stromsystem des Murray und seiner Nebenflüsse Darling und Murrumbidgee River, die mit 2570, 2720 und 2541km die längsten Flüsse Australiens sind.
Im zentralen Teil Australiens herrschen Wüsten und Halbwüsten wie die Große Sandwüste im Nordwesten oder die Große Victoriawüste im Süden vor, die von Dünen, steinigen Flächen, Salzseen und Salztonebenen geprägt sind. Zum Rand des Kontinents hin gehen diese in Trockensavannen, Gras- und Buschland über. Wälder sind im Wesentlichen auf die Gebirge des Ostens und als Regenwälder auf die Küstengebiete Nord- und Ostaustraliens beschränkt; die tropische Nordküste ist von Mangroven gesäumt.
Todesottern, Seewespen und ein Kaninchenzaun Die Vegetation des australischen Kontinents bildet ein eigenes Florenreich: 85% von etwa 12000 Pflanzenarten sind endemisch, kommen also ursprünglich nur hier vor. Charakteristisch sind die verschiedenen Eukalyptus-, Akazien- und Kasuarinenarten sowie der Flaschen- und der Grasbaum, für die Wüstenregionen sind das Spinifexgras, die Myrtenheide oder die Salzmelde typisch.
Auch die Tierwelt nimmt eine Sonderstellung ein. Die meisten der ansonsten weit verbreiteten Tiergruppen fehlen; die Fauna ist durch das Vorkommen zahlreicher primitiver Arten gekennzeichnet. Mit Ausnahme von Meeressäugern, Fledermäusen und einigen kleinen Nagetieren gibt es keine plazentalen Säuger; das Gros der australischen Säugetiere sind Beuteltiere mit rund 130 Arten, darunter Kängurus mit mehr als 50 Arten und Kletterbeutler, zu denen auch der Koala zählt, mit über 40 Arten. Sie sind sehr formenreich und haben sich fast alle Lebensbereiche erschlossen. Mit dem Schnabeltier und dem Ameisenigel finden sich hier außerdem die letzten lebenden Vertreter der primitiven Kloakentiere.
Zahlreiche Tierarten Australiens sind heute in ihrem Bestand gefährdet. Dazu zählt, neben vielen Beuteltieren, auch der Emu. Noch 1932 gab es so viele Emus, dass eine Eliteeinheit der australischen Armee den Auftrag erhielt, sie zum Schutz des Farmlandes zu dezimieren. Doch nach acht Monaten musste sie ihre Niederlage eingestehen: Man hatte gerade einmal zwölf Emus erlegt – mit ihren bis zu 60 Stundenkilometern schnellen Sprints hatten die australischen Strauße die Soldaten immer wieder abgehängt.
Außergewöhnlich artenreich ist die Vogelfauna mit Emu und Leierschwanz, dem auch Lachender Hans genannten Kookaburra und mit mehr als 300 Papageienarten, unter ihnen der Kakadu und der Wellensittich.
Weniger geschätzte Vertreter der australischen Fauna sind das bis zu 9m lange Leistenkrokodil, ein in den Küsten- und Brackwasserregionen Nordaustraliens lebendes Salzwasserkrokodil, sowie die einheimischen Schlangen. 60% gehören zu den Giftnattern, so die aggressive Todesotter, der Taipan, die Schwarz- und die Tigerotter. Insgesamt gibt es rund 80 für den Menschen gefährliche Schlangen, von denen 20 tödlich giftig sind. Nicht sonderlich beliebt sind auch die Spinnen, wenngleich nur drei der 1400 Arten gefährlich werden können: die Schwarze Witwe und zwei Arten der Trichternetzspinnen.
Zu einer tödlichen Gefahr für Badende kann die zu den Würfelquallen zählende Seewespe werden: Der »box jellyfish« macht in den Sommermonaten die tropischen Küstengewässer im Norden Australiens unsicher. Die Berührung mit seinen Nesselzellen verursacht auf der menschlichen Haut Blasen und Schwellungen und kann unter Umständen zu Krämpfen oder gar Atem- und Herzstillstand führen. Der Seewespe wegen müssen häufig Strände gesperrt werden, sofern keine Sicherheitsnetze für ungefährliches Baden sorgen. Ebenfalls äußerst gefährlich ist der Steinfisch, ein Meister der Tarnung, der in Gestalt und Färbung einem bewachsenen Stein ähnelt. Seine Rückenstacheln enthalten ein Gift, das beim Menschen innerhalb von zwei Stunden zum Tod führen kann. Eine potenzielle Gefahr für Badende und Taucher stellen auch die Haie dar, die in den Gewässern rund um Australien mit 100 Arten vertreten sind. Allerdings sind Haiangriffe auf Menschen äußerst selten.
Zu den ältesten »Neueinwanderern« unter den Tieren Australiens zählt der Dingo, eine verwilderte primitive Form des Haushundes, der vermutlich vor 10000 Jahren mit einer Welle von Einwanderern von Südostasien als Haushund eingeführt wurde. Die Europäer brachten zahlreiche Nutztiere mit. Viele von ihnen, darunter Pferde, Esel, Dromedare und Wasserbüffel, wilderten aus und bevölkern heute das Outback, das kaum besiedelte Landesinnere. Die in der Mitte des 19.Jh. eingeführten Kaninchen, die sich bis heute stark vermehren, haben sich zu einer großen Plage entwickelt. Bekämpfungsversuche wie der zwischen 1901 und 1908 gebaute 2000km lange »rabbit fence« (rabbit proof fence), der die Tiere vom Farmland aussperren sollte, sind nur mäßig erfolgreich.