Argentinien-Informationen aus dem GEO-Themenlexikon
Pampa und Patagonien Geographisch lässt sich Argentinien in vier natürliche Großräume einteilen, die eine große landschaftliche Vielfalt aufweisen: vom subtropischen Regenwald bis zur Salzwüste, vom Hochgebirge bis zu endlosen Ebenen.
Über Ost- und Zentralargentinien, am unteren Paraná und am Río de la Plata, erstrecken sich die weiten Ebenen der Pampas. Das fruchtbare Tiefland – das Wort Pampa stammt aus der Ketschuasprache und heißt Ebene – ist eine weit gespannte, geologisch junge Aufschüttungsebene mit ausgedehnten Grasfluren. Nur in der an Uruguay angrenzenden Provinz Entre Ríos – »zwischen den Flüssen« Paraná und Río Uruguay – sind die Pampas hügelig. Im Bergland von Misiones im Nordosten des Landes werden sie von den mit dichtem subtropischen Regenwald bestandenen Ausläufern des Brasilianischen Berglands begrenzt, in der Provinz Corrientes von den sumpfigen Stromauen des »Mesopotamia«, des Zwischenstromlands.
Nach Nordwesten zu schließen sich an die Pampas die von Mulden und sumpfigen Niederungen durchsetzten Ebenen des Gran Chaco an. Im Osten folgt eine Parklandschaft, die nach Norden und Westen zu in subtropische Trockenwälder und Dornbuschsavannen übergeht.
Südlich des Río Colorado grenzen die Pampas an das bis auf 1500m ansteigende Hochland Patagonien, ein karges Tafel- und Schichtstufenland mit tief eingeschnittenen Cañons, das mit buchtenreicher, felsiger Steilküste zum Meer abfällt. Im Süden Patagoniens folgt das unwirtliche, durch die Magellanstraße vom Festland getrennte Feuerland – spanisch Tierra del Fuego. Dazu gehören die 47 000 km2 große, stark vergletscherte Isla Grande de la Tierra del Fuego sowie zahlreiche kleinere Inseln. Etwa ein Drittel des Archipels ist argentinisches Territorium.
Die Anden – Rückgrat Argentiniens Die vierte Großregion, das Gebirgsland im Westen, weist eine große landschaftliche Vielfalt auf. Hier reicht Argentinien bis auf die Höhe der Anden mit dem Aconcagua (6962m ü.M.) als höchstem Gipfel des amerikanischen Doppelkontinents.
Mehr als 50 Vulkane erheben sich hier allein auf argentinischem Gebiet, jedoch zeigt keiner von ihnen – im Gegensatz zu jenen auf der chilenischen Andenseite – derzeit größere Aktivitäten. Wie überall in Südamerika finden sich auch in den argentinischen Anden Bodenschätze wie Kupfer, Blei, Zink, Silber, Gold oder Uran, von denen jedoch erst ein Teil genutzt wird. Zwischen den Ketten der Anden im Nordwesten erstrecken sich die weiten wüstenhaften Hochgebirgsebenen und -becken der Punas. Den Anden im Osten als einzelne isolierte Bergzüge vorgelagert sind die Pampinen Sierren. Das größte dieser lang gestreckten Schollengebirge ist die bis 2883m hohe Sierra de Córdoba. In der Südkordillere bilden die Vulkane Lanín (3376m ü.M.) und Tronador (3554m ü.M.) die höchsten Erhebungen; hier liegen mit dem 2240km² großen Lago Buenos Aires, der zur Hälfte zu Chile gehört, und dem 1414km² großen Lago Argentino auch die größten Seen Argentiniens.
Das wichtigste Flusssystem bildet der 3700km lange Paraná mit seinen zahlreichen Nebenflüssen. Er mündet nördlich von Buenos Aires mit einem bis 70km breiten Delta in den Río de la Plata (spanisch »Silberstrom«) und ist bis ins knapp 500km von der Mündung entfernte Santa Fe von Seeschiffen befahrbar. Der Río de la Plata selbst ist kein Fluss im eigentlichen Sinn, sondern der 300km lange und 50 bis 200km breite gemeinsame Mündungstrichter von Paraná und Río Uruguay. Die aus den Anden kommenden Flüsse sind wegen ihrer sehr schwankenden Wasserführung wenig schiffbar; einige enden in Salzseen des trockenen Binnenlandes.
Ausgedehntes Grasland und wenig Wälder Argentinien ist im Großen und Ganzen waldarm, nur etwa ein Fünftel der Landesfläche ist bewaldet. Auch wenn sich durch menschliche Eingriffe die Waldbestände in der Vergangenheit vermindert haben mögen, sind wegen des trockenen Klimas doch die baumlosen Grasländer der Pampas für den größten Teil des Landes die natürliche Vegetationsform. In den etwas feuchteren Teilen der Pampas im Nordosten überwog ursprünglich eine Süßgräser-Kräuter- Flora, der trockene Südwesten war früher ein Tussock-Grasland. Von der charakteristischen Pampasvegetation ist jedoch nur wenig übrig geblieben. Wegen seines geringen Weidewerts wurde das Pampasgras (pasto duro) vom Menschen weitgehend durch nährstoffreichere europäische Grasarten (pasto tierni) ersetzt.
Zusammenhängende Waldgebiete gibt es am Rand der Anden im Nordwesten mit Regen- und in höheren Lagen Nebelwäldern, in den Südkordilleren mit von Scheinbuchen dominierten Regenwäldern und am Ostrand des Chacos mit immergrünen subtropischen bis tropischen Regenwäldern. Im Chaco selbst finden sich Wälder entlang der Flüsse neben vereinzelten Waldinseln. Die typische Baumart hier ist der Quebracho. Wegen seines sehr harten Holzes mit einem hohem Gerbsäuregehalt wurde er in der Vergangenheit stark dezimiert. Charakteristische Bäume der Gebirgslagen sowohl der Anden als auch des Brasilianischen Berglands sind die Araukarien, bis 60m hohe Vertreter einer altertümlichen Nadelbaumgattung. In den heißeren Trockengebieten Argentiniens sind verschiedene Kaktusarten wie Opuntien sowie Säulen- und Kandelaberkakteen weit verbreitet.
Gürteltiere, Pampashasen, Pumas Die Fauna Argentinien ist sehr mannigfaltig, umfasst sie doch Tiere der tropischen bis subtropischen Regenwälder und Savannen, der Grassteppe der gemäßigten Breiten, des Hochgebirges und der polaren Regionen. In den tropischen und subtropischen Wäldern des Nordens leben – von den unzähligen Insekten-, Spinnen-, Fisch- und Amphibienarten einmal ganz abgesehen – zahlreiche Reptil- und Vogelarten – wie Schlangen und Kaimane bzw. Kolibris, Papageien und Tukane – sowie eine Vielzahl von Säugetieren (u.a. Affen, Pekaris, Jaguare, Tapire und Ameisenbären). In den Savannen und den Pampas sind Gürteltiere weit verbreitet, die ihres wohlschmeckenden Fleisches wegen von den Einheimischen sehr geschätzt werden. Ebenso begehrt ist das Fleisch des Mara, auch Pampashase genannt. Das mit dem Meerschweinchen verwandte Nagetier lebt in den trockenkalten Grasländern Patagoniens. Die Nandus, mit dem Strauß verwandte flugunfähige Laufvögel, sind ebenfalls Bewohner der Pampas. Durch die sich ausbreitende Landwirtschaft wurde der Lebensraum der gesellig in Herden lebenden, bis 1,5m großen Vögel jedoch zunehmend eingeschränkt. Auch der Pampashirsch, das Guanako und die Chinchillas sind aus den landwirtschaftlich genutzten Gebieten weitgehend verdrängt worden. Seltene Andenbewohner sind Kondor und Puma. Im Süden des Landes gibt es stattliche Kolonien von Pinguinen, Albatrossen und anderen Seevögeln; die kalten, subantarktischen Küstengewässer sind Lebensraum mehrerer Robbenarten.