Albanien - ein Balkanland zwischen Tradition und kommunistischen Erbe

Reisebericht

Albanien - ein Balkanland zwischen Tradition und kommunistischen Erbe

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Historisches Nationalmuseum



Samstag, 21.4.18 – Ankunft Tirana

im Hotel

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Unsere Reise nach Albanien begann für Kali und mich wieder einmal zu recht früher Stunde. Unser Flug sollte 9.45 Uhr von Berlin Tegel starten, dann in Belgrad zwischenlanden und gegen Nachmittag würden wir schließlich Tirana erreichen.
In Tegel hatte ich einen Parkplatz am Rande des Flughafens gebucht. Ein älterer Herr erwartete uns und brachte uns schnell mit dem Shuttle zum Terminal.Gegen halb 12 landeten wir mit AirSerbia in Belgrad, allerdings nur für einen sehr kurzen Zwischenstopp. Doch die Bilder, die im Flughafengebäude von der Hauptstadt Serbiens zu sehen waren, machten Lust auf mehr. Vielleicht für eine der nächste Reisen.

Mit etwas Verspätung flogen wir dann weiter nach Tirana.
Die Mietwagenübergabe am Flughafen war die unproblematischste und schnellste, die ich je erlebt hatte. Es wurde nur eine Kopie meines Ausweises und Führerscheins gemacht, dann begleitete uns ein Mitarbeiter vor das Flughafengebäude, wo nach wenigen Minuten unser Auto vorgefahren wurde. Die Mitarbeiter selber konnten fast kein Englisch, mit Italienisch konnten sie aber glänzen, wir allerdings nicht. Wir hatten 30 Sekunden um unser Gepäck in den kleinen Skoda Fabia zu verladen und wurden mit den Worten „It’s new.“ verabschiedet. Die Eile begründete sich an der Ausfahrt, denn wer länger als 4 Minuten vor dem Flughafen parkt, zahlt schon umgerechnet 5€, im fünf Minutentakt aufsteigend.

Nach wenigen hundert Metern musste ich kurz anhalten um tief durchzuatmen. Das Ganze war doch etwas stressig gewesen. Erstmal musste ich mich mit dem Auto vertraut machen und wollte trotzdem wissen, ob das Auto irgendwelche Schäden hatte, denn von der Mietwagenfirma hatten wir keine Informationen bekommen. Bis auf einige Kratzer auf der Motorhaube und einem leeren Tank war alles in Ordnung und so fuhren wir weiter Richtung Tirana auf der Suche nach einer Tankstelle.
In der ersten halben Stunde mussten wir den etwas eigenwilligen Fahrstil der Albaner verdauen. Ständig wurde gehupt oder zu rücksichtslosen Überholmanövern angesetzt. Eine dreispurige Straße verwandelte sich in ein fünfspuriges Verkehrsgewühl und der Stärkere gewinnt sowieso. Also gute Nerven brauchte man schon.
Wie wir im Nachhinein feststellen durften, hatten wir uns nicht die beste Gegend für unser Hotel rausgesucht. Alles wirkte hier irgendwie verdreckt und zugemüllt, auf den Straßen fehlten teilweise die Gullideckel, was zu riskanten Ausweichmanövern führte.
Irgendwann erreichten wir unser Hotel, das wir nicht auf Anhieb fanden, da es von außen nur aus einem kleinen Eingang zwischen einem Restaurant und einem Möbelladen bestand. Nach dem zweiten Mal Vorbeifahren stellten wir das Auto kurzentschlossen dahinter auf einen Hinterhof ab, der eine Mischung aus Werkstatt und Parkplatz war und sich später als offizieller Parkplatz des Hotels entpuppte.
Auf unser Klingeln wurde uns Einlass gewährt, eine steile Treppe führte ins Innere. Die Einrichtung des Hotels machte den seltsamen ersten Eindruck wieder wett. Die Räume waren liebevoll hergerichtet, fast schon ein wenig kitschig verspielt, aber echt schön. Wir bekamen das Zimmer "Strauß", jedes Zimmer war nach einem anderen europäischen Komponisten benannt.

Nachdem wir uns ein wenig auf dem Balkon ausgeruht hatten, brachen wir zur Erkundungstour durch Tirana auf. Wir benötigten etwa 20 Minuten zu Fuß in die Innenstadt. Die Gehwege waren mehr schlecht als recht, teilweise sehr verdreckt und so schmal, dass man auf die viel befahrene Straße ausweichen musste.
Doch je näher wir der Innenstadt und dem Skanderbeg-Platz kamen, desto sauberer wurde es, was bestätigte, dass wir nicht die beste Gegend gewählt hatten, aber egal, das Hotel war hübsch.



Skanderbeg Platz



Rundgang durch Tirana

Skanderbeg Statue

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Der Skanderbeg-Platz, benannt nach dem albanischen Nationalhelden Skanderbeg, kann man schon als das Zentrum Tiranas ansehen.
Umgeben wird er vom Historischen Nationalmuseum und dem Kulturpalast mit Oper, die schon sehr kommunistisch anmuten. Des Weiteren befinden sich hier unter anderem die Nationalbibliothek, die Stadtverwaltung, die Et’em-Bey-Moschee mit dem Uhrturm dahinter, die Statue von Skanderbeg und das ehemalige Parlament.

Während ich fotografierte, wurden wir von einem jungen Mann in sehr gutem Englisch angesprochen, wo wir denn herkommen, was wir hier machen und was wir über Albanien und Skanderbeg wissen. Als er merkte, dass unser Wissen recht begrenzt war, stellte er sich als Martin vor, seines Zeichens Fremdenführer, der gerade von einer französischen Gruppe sitzen gelassen worden war und uns nun als seine neuen Begleiter auserwählt hatte und wir wurden ihn auch wirklich nicht mehr los, da wir nicht unhöflich sein wollten, denn eigentlich hatten wir die Stadt alleine erkunden wollen.

Mit Martin, wir nannten ihn später nur noch Tirana-Martin, ging es quer durch die Innenstadt, an einem der ältesten Häuser vorbei, dem Parlament und der noch im Baubefindlichen zukünftig größten Moschee des Landes, die sehr an die Süleymaniye-Moschee in Istanbul erinnert. Der Rundgang führte zur Gerberbrücke (eine osmanische Steinbogenbrücke), zur sehr modernen Pauluskathedrale und dem ehemaligen Enver-Hoxha-Museum, das wie eine Pyramide aussieht, aber aktuell leer steht. Einige mutige Kletterbegeisterte eroberten über die sehr schrägen Flanken des Gebäudes dessen Spitze.
Tirana-Martin konnte mit sehr viel Wissen glänzen, doch durch seinen sehr monotonen Erzählstil wurde es irgendwann schwer zu folgen und da wir auch eher aus Versehen in diese Führung geraten waren, beschäftigten wir uns eh in Gedanken mehr damit, wo und wann das Ganze enden würde und was wir von unserem geplanten Budget opfern müssten.

Auf dem Mutter-Teresa-Platz fand gerade zur abendlichen Stunde ein Motorsportevent statt, was zahlreiche Besucher anlockte, die gerne mit ihren getunten Motorrädern auf kurzer Strecke angaben. Es herrschte ein sehr lebhaftes und buntes Treiben.
Unsere Wanderung durch Tirana endete nach etwa 2 Stunden wieder am Skanderbeg-Platz, der mittlerweile sehr schön beleuchtet war und wir überreichten Tirana-Martin seine 18€ pro Person. Prinzipiell hatten wir jede Menge Informationen bekommen und eigentlich auch alles Wichtige gesehen, aber da die Tour mit Führung unfreiwillig war und die Hälfte des geplanten Budgets für Tirana kostete, hinterließ es bei uns eher einen faden Nachgeschmack.

Die Innenstadt von Tirana machte trotzdem einen guten Eindruck, sehr jung, modern und lebendig.
Wir genossen noch ein wenig die schöne abendliche Stimmung am Platz, bevor wir wieder zum Hotel zurückkehrten.
Unterwegs kauften wir in einem kleinen Laden noch etwas Essbares und ließen den Abend auf dem Balkon ausklingen.



Bulevardi Dëshmorët e Kombit


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Kommentare

  • Blula

    Ich will es mal gleich so sagen, Du hast hier für uns ein touristisch weitgehend unentdecktes Land entdeckt. Oder nein, natürlich hast Du das erstmal für Dich getan, aber Du präsentierst uns hier einen - wiedermal - grossartigen Reisebericht mit - wie von Dir gewohnt - erstklassigen Fotografien. Albanien dürfte tatsächlich für so manchen auch hier in der RC noch ein weißer Fleck auf der Landkarte sein. Man sollte aber am besten nicht zu lange damit warten, dieses Land mit all seinen landschaftlichen und kulturellen Reizen zu bereisen... bevor die Touristen "mehr" werden, nicht wahr?
    Danke für's Miterlebendürfen!
    LG Ursula

  • LunaFeles

    Vielen lieben Dank :) Generell werden die Touris auf dem Balkan mehr aber es geht noch :D

  • SchroedingersKatze

    ....wir müssen wohl beide nochmal hin. Wir hatten nur den Norden, hauptsächlich zu Fuß, erkundet: ab Tirana nach Kruja (dort als Eingewöhnungswanderung die Felswand hoch, sehr schöner Blick über da Städtchen samt Festung, das von Dir ausgelassene Museum ist auch sehr sehenswert), dann nach Skodra (im Gegensatz zu Tirana wirklich verdreckt), über den Komansee, Bajram Curri ins Valbonatal, dort Mehrtagestrekking zur montenegrinischen Grenze und insThethital. Sehr sehenswerte Hochgebirgslandschaft, Gipfel bis 2700 m Höhe. Und Du hast mir Lust darauf gemacht, auch den Süden noch zu erkunden....
    LG Ulf

  • LunaFeles

    Hallo Ulf,
    ja in den Norden wäre ich auch sehr gerne gefahren, aber so viel Zeit hatten wir dann nicht :(
    Es freut mich, dass du dich etwas inspiriert fühlst :D
    LG
    Mandy

  • therese

    Schön, dass Euch Albanien gefallen hat und der Reisebericht vielleicht einige zum Besuch dieses Landes anregt. Durch die Bücher von Ismail Kadare bin ich neugierig auf das Land geworden. Wir haben allerdings eine organisierte Tour gemacht, deshalb haben wir diese schlechten Straßen nicht bemerkt. Die einheimischen Fahrer nehmen sicher Umwege in Kauf. Auf Tirana hätte ich auch gerne verzichtet und an Saranda ist die Lage das Schönste. Aber sonst kann ich Deinem Bericht voll zustimmen. Danke und liebe Grüsse therese


  • LunaFeles

    Danke Therese für deine Rückmeldung :)
    zum Beispiel hat man für die Strecke Korca-Saranda gar keine andere Wahl als die schlechte Hauptverbindung zu nehmen... dazwischen gibt es rein gar nichts :(
    Wie du so schön sagst: Sarandas Lage ist das Schönste... wohl wahr... und die Umgebung ;)

    Viele Grüße :)

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