Böhmisches Bäderdreieck

Reisebericht

Böhmisches Bäderdreieck

Reisebericht: Böhmisches Bäderdreieck

Reise ins böhmische Bäderdreieck Marienbad- Karlsbad - Franzensbad im April 2018

Anreisetag

Marienbad

Keine Bildinformationen verfügbar

Die Anreise nach Marienbad haben wir von Hamburg aus mit dem ICE via Nürnberg gehabt. Ab Nürnberg sind wir dann mit einem Regionalexpress bis ins tschechische Cheb, früher Eger, unmittelbar an der deutschen Grenze gefahren. Hier mussten wir dann noch einmal in einen Expresszug nach Marienbad umsteigen. Die ganze Anreise hat ungefähr sieben Stunden gedauert, war aber durchaus sehr angenehm. In der Region selber kommt man gut und sehr günstig mit öffentlichen Verkehrsmitteln vorwärts. Wir waren ohne Auto unterwegs und es ging sehr gut. In Marienbad hatten wir eine Ferienwohnung, aber da Marienbad der günstigste der drei Orte ist, kann man hier auch für faire Preise in Hotels unterkommen.
Marienbad ist der Ort im Bäderdreieck der am nächsten zur deutschen Grenze gelegen ist und meiner Meinung nach am gemütlichsten und entspanntesten wirkt und ist. Da sich der Ort an nur einer Zufahrtstrasse entlang in ein Tal herein zieht kann man sich hier auch nicht so leicht verlaufen. Ab dem Bahnhof Marienbad fährt am besten mit dem O-Bus (12 Kronen wenn man im Bus mit Kreditkarte zahlt) in den Ort.
Wir haben am Anreisetag Abends dann unseren ersten Bummel durch Marienbad gemacht, zu den Kolonaden um uns einen Trinkbecher zu holen und durch den Kurpark bzw. den Ort an sich. Der Ort ist sehr schön saniert worden, aber man sieht stellenweise noch leerstehende Hotels und Häuser, das stört aber nicht und fällt nicht sehr stark auf, es ist sogar zum Teil auch ganz gut so, denn dadurch behält der Ort noch ein wenig seinen Charme und ist nicht so stark in russischer Hand wie Karlsbad.



Marienbad

Keine Bildinformationen verfügbar


Ausflug nach Tepla

Kloster Tepla

Keine Bildinformationen verfügbar

Ein sicherlich sehr lohnenswerter Ausflug führt von Marienbad zum Kloster Tepla. Vom Bahnhof Marienbad aus fährt alle zwei Stunden eine Regionalbahn in Richtung Karlsbad nach Tepla. In Tepla angekommen geht man rechts die Straße entlang ungefähr zwanzig Minuten in Richtung Kloster Tepla. Das Kloster an sich ist eines der wichtigsten Klöster in Tschechien gewesen und einer der Äbte des Klosters war maßgeblich mit daran beteiligt Marienbad zu erschaffen! Er erkannte zusammen mit einem Arzt die heilende Wirkung der Quellen im Moorgebiet auf dem heute Marienbad liegt und baute es zu einem Kurort aus. Er fiel allerdings bei seinen nicht sehr weitsichtigen Mitbrüdern in Ungnade und hat die Vollendung seines Werkes leider nicht mehr als Abt erlebt. Das Kloster war bis zum Beginn der deutschen Besetzung der Tschechischen Republik im zweiten Weltkrieg in Betrieb und durchweg von Prämonstratenser belebt. Diese wurden im zweiten Weltkrieg aus dem Kloster vertrieben und die Gebäude dienten während der Zeit der SS als Kaserne und Gefängnis. Nach der Befreiung Tschechiens wurde das Kloster dem Staat übergeben und diente dann lange Jahre der Armee als Kaserne und weiterhin als Gefängnis, lediglich die Kirche war wieder zu besichtigen. Nach der politischen Wende wurde das Kloster dem Orden wieder zurück gegeben und seitdem wird es mit Spendenhilfe wieder aufgebaut und saniert. Heute kann man wieder einige Teile des Klosters besichtigen - allerdings nur im Rahmen einer Führung - so zum Beispiel die Bibliothek und die Klosterkirche. Hier allerdings zwei kleine Hinweise zu der Besichtigung: Die Führungen finden überwiegend in tschechischer Sprache statt, als Deutscher bekommt man allerdings ein Heft mit sehr gut gemachten Erklärungen zu den einzelnen Räumen ausgeliehen. Das zweite ist das es im ganzen Klostertrakt den man besichtigen kann, einschließlich der Kirche, extrem kalt ist. Aber ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall! Und in der Gaststätte am Parkplatz des Klosters, ich meine nicht das Klosterhotel, kann man sich dann bei guten und günstigen Essen an einem Kamin wieder aufwärmen und anschließend noch ein wenig durch die Klosteranlage schlendern.
In den Ort Tepla an sich muss man nicht gehen, da er meiner Meinung nach absolut keine Sehenswürdigkeiten bietet.



Kloster Tepla

Keine Bildinformationen verfügbar


Ausflug nach Karlsbad und Loket

Karlsbad

Keine Bildinformationen verfügbar

Von Marienbad aus sind wir dann wieder mit dem Regionalzug über Tepla nach Karlsbad aufgebrochen. Karlsbad ist der mondänste und bekannteste der drei Kurorte. Ob er allerdings der schönste ist, das sei dahin gestellt. Von Marienbad kommend kommt man am Regionalbahn - und Busbahnhof von Karlsbad an, einem häßlichen Bau aus der sozialistischen Zeit. Von hier aus läuft man dann ungefähr zehn Minuten durch das "günstige" Karlsbad in Richtung Kurzentrum. Das zeiht sich dann rechts und links an den Ufern der Tepla entlang. DIe Tepla mündet hier in die Eger von der ich gleich in anderem Zusammenhang noch berichten werde. Karlsbad an sich gehört zu den berühmtesten und traditionsreichsten Kurorten der Welt, neben Baden-Baden zum Beispiel, und hier haben schon Kaiser, Könige und viele Prominente Erholung gesucht. Besonders beliebt ist und war Karlsbad schon immer bei reicheren Russen. Zur Zarenzeit hing das damit zusammen, dass hier gerne die russischen Zaren gekurt haben, während der sozialistischen Ära einige Mitglieder des Politbüros und heute eben reiche russische Familien. Dieses merkt man auch im ganzen Stadtbild, da hier vieles auf kyrillisch geschrieben ist. Das Kurviertel von Karlsbad zieht sich allerdings wirklich beeindruckend und sehr schön in das Tal der Tepla hinein und hat mit den vielen Hotels und prächtigen Bauten durchaus einen Charme, den man sich nicht entziehen kann. Am bekanntesten in Karlsbad ist sicherlich das Grandhotel Pupp, eines der nobelsten Hotels der Welt. Hier findet auch heute noch alljährlich ein Ball statt auf dem sich der Adel aus ganz Europa trifft. Beeindruckend ist auch die Fontäne vor dem Brunnenhaus im Zentrum des Kurviertels die aus eigener Kraft und nur durch eigenen Druck in den Himmel schießt. Da hier in Karlsbad die Quellen - im Gegensatz zu Franzensbad und Marienbad - warme bis heiße Quellen sind, dampft es im ganzen Ort einschließlich der Tepla, was ganz speziell morgens und an kühleren Tagen eine interessante Atmosphäre schafft.
Da uns der Ort an sich ein wenig zu mondän war und wir noch Lust auf Mittelalter hatten, haben wir uns gegen Mittag noch auf den Weg nach Loket (Ellebogen) gemacht. Loket ist mit dem Bus ungefähr eine halbe Stunde Fahrzeit von Karlsbad entfernt. Die Burg und die Stadt liegen beeindruckend auf einem Felsen oberhalb eines Bogens der Eger und sind einfach wunderschön. Die Altstadt ist komplett erhalten und diente unter anderem bei dem James Bond Film Casino Royal als Kulisse, weswegen heute auch einige Touristen mehr hierher reisen. Aber auch wer nicht wegen James Bond hierher reist wird beeindruckt sein von der romantischen Atmosphäre und der Ruhe die Loket ausstrahlt. Es lohnt sich auf jeden Fall einmal auf die Brücke, die über die Eger führt zu gehen und von da aus den Blick auf die Burg zu genießen. Wir sind von Loket aus dann mit dem Zug via Cheb zurück gefahren nach Marienbad. Der Blick vom Bahnhof aus auf die Stadt ist atemberaubend! Tipp: Unbedingt hinfahren!!!!



Karlsbad

Keine Bildinformationen verfügbar


Franzensbad und Cheb

Franzensbad

Keine Bildinformationen verfügbar

Wieder per Expresszug ging es von Marienbad nach Franzensbad. Da der Ort via Cheb erreichbar ist, sind wir zuerst dorthin gefahren. Franzensbad ist der kleinste der Kurorte und sehr schön angelegt. Von dem zentral gelegenen Kurpark aus erreicht man praktisch alle Teile des Ortes, der diesen Park kreisrund umschließt. Das Bad ist etwas nobler als Marienbad, was man auch an der Atmosphäre und der recht puppenstubenhaften Sanierung merkt, aber weniger "abgehoben" als Karlsbad. Es gibt hier einige schöne Straßenzüge mit Restaurants, Kaffees und schönen, kleinen Geschäften und überall im Park verteilt die entsprechenden Quellen. In Franzensbad sind es auch Glaubersalzquellen, also Achtung beim trinken - der Wirkung wegen, und zusätzlich ist Franzensbad auch ein Moorbad, sprich hier gibt es auch verschiedene Möglichkeiten Moorkuren zu machen.
Von hier aus sind wir dann zurück nach Cheb, früher Eger , gefahren. Der Bahnhof ist ein typisch sozialistisches Bauwerk, das aber durchaus seinen Charme hat. Von hier aus läuft man ungefähr zehn Minuten in Richtung der wiederaufgebauten Altstadt, die letzten paar hundert Meter entlang des im Straßenpflaster eingelassenen Band der Geschichte der Stadt. Eine originelle Idee bei der ein Metallband in der Mitte der Fußgängerzone verläuft in dem wichtige Daten der Stadtgeschichte auf deutsch und tschechisch vermerkt sind. Der Marktplatz von Eger und die umgebenden Straßen sind nach dem zweiten Weltkrieg größtenteils wieder aufgebaut worden, das aber so gut das der Charme der Altstadt erhalten geblieben ist. Es ist ein durchaus schönes Städtchen, das man nicht links liegen lassen sollte!



Franzensbad

Keine Bildinformationen verfügbar


Pilsen

Pilsen

Keine Bildinformationen verfügbar

Von Marienbad aus ist auf jeden Fall ein Besuch in Pilsen sehr empfehlenswert. Pilsen ist regelmäßig per Bahn erreichbar, die obendrein auch sehr günstig ist. In Pilsen sind der Platz der Republik mit der Sankt Bartholomäus Kathedrale, der Pestsäule und den umliegenden Gebäuden sehr sehenswert. Der Platz der Republik ist einer der größten Stadtplätze Europas. Interessant sind hier auch die sehr modern und mit Gold belegten Brunnen! Ein Highlight sind sicherlich die Synagogen der Stadt. Die Große Synagoge ist die fünftgrößte Synagoge weltweit und hat eine fantastische Akustik. Sie hat die Shoa überstanden, da sie zwischen Häusern gebaut wurde und somit von den Nazis nicht zerstört werden konnte. Sowohl von innen als auch von außen zeigt dieses Gebäude ein selbstbewußtsein der jüdischen Gemeinde, welches zu Zeiten des Baus längst nicht selbstverständlich war. Die Türme der Synagoge sind weithin sichtbar. Etwas versteckt in einem Hinterhof findet sich auch noch die Alte Synagoge, welche wesentlich kleiner ist, aber nicht minder Sehenswert. Hier befindet sich auch das sehr beeindruckende Holocaustmahnmal der Stadt. In der Ruine eines Nebengebäudes wurden Kieselsteine verlegt auf denen die Namen der ermordeten Juden Pilsens geschrieben sind.
Ich finde Pilsen ist eine sehr schöne Stadt, die es durchaus mit Prag aufnehmen kann und nicht umsonst auch schon europäische Kulturhauptstadt war. Der Altstadtkern ist zwar nicht riesig, aber dafür beeindruckend und mit Gebäuden aus unterschiedlichen Epochen inklusive Jugendstil bestückt. Wer also in Marienbad ist, der sollte auf alle Fälle einmal in den Expresszug Richtung Praha steigen und in Pilsen aussteigen!



Pilsen

Keine Bildinformationen verfügbar


Wandern rund um Marienbad

Am Stinker

Keine Bildinformationen verfügbar

Marienbad ist ebenfalls eine wunderbare Wanderregion. An der fast perfekten Ausschilderung der Wanderwege kann sich so manch eine Region in Deutschland ein Beispiel nehmen. Wir haben uns für zwei Wanderungen entschieden. Die erste führte uns zum Hochmoor Stinker und die zweite, wesentlich kürzere zum Bohemian Park oberhalb von Marianske Lazne.
Die Wanderungen hatten jeweils Ihren Ausgangspunkt im Stadtzentrum am Hotel Bohemian. Die Wanderung zum Stinker setzt allerdings etwas Ausdauer und sehr gutes und wasserfestes Schuhwerk voraus, da es im zweiten Teil der Wanderung ab der Pfarrquelle durch Moorgebiet geht und da auch nicht über Bohlenwege! Der Stinker ist ein Hochmoor an dem warme Quellen aus dem Boden aufsteigen welche sehr stark riechen und brodeln. Im Prinzip ähnlich wie kleine Geysire. Es ist schon sehr beeindruckend zu sehen, welche Kräfte die Natur so hat und wie sie sich ihren Weg schaffen. Die Wanderung zum Stinker und wieder zurück nach Marienbad ist ohne Pausen mit rund vier Stunden zu veranschlagen. Stellenweise etwas Trittsicherheit und wie gesagt wasserfestes Schuhwerk sind auf jeden Fall von Nöten!
Ebenfalls sehr empfehlenswert ist die Kurzwanderung von Marienbad hoch auf das Plateau oberhalb des Ortes und der Besuch des Bohemian Parks. Der Park zeigt verkleinerte, sehr detailreiche Nachbauten von berühmten Gebäuden aus der ganzen tschechischen Republik. Ist schon sehr interessant, wenn auch vom Eintritt her nicht ganz preiswert. Neben dem Park liegt ein Hotel in dem schon King George untergebracht war! Von dort oben aus kann man im Sommer mit der Seilbahn retour fahren nach Marienbad oder wie wir - da die Seilbahn nicht fuhr - per Bus. Die Wanderung runter führt durch ein sehr schönes Tal, was sich sicherlich auch lohnt. Diese kurze Wanderung bekommt man - wenn man den Park aus lässt - locker in zwei Stunden bewältigt. Diese Wanderung ist für alle Altersklassen geeignet und setzt keine Trittsicherheit oder ähnliches voraus!



Wanderung Bohemian Park

Keine Bildinformationen verfügbar

Teilen auf

Kommentare

  • Blula

    Hier bin ich gerne mitgewandert, zumal mir auch einige Orte wohlbekannt sind. Ein schöner Erlebnisbericht.
    LG Ursula

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Böhmisches Bäderdreieck 5.00 1

Beliebte Community-Inhalte: AustralienNorwegenThailandVietnamItalienBarcelonaIndien ReiseführerIndien Tipps