Katavi Nationalpark im Südwesten von Tansania

Reisebericht

Katavi Nationalpark im Südwesten von Tansania

Reisebericht: Katavi Nationalpark im Südwesten von Tansania

Einer der abgelegenstenen und besten Nationalparks in Ostafrika, wenn nicht der Beste. Nur 200 Besucher im Jahr und die höchste Wilddichte in Tansania, Afrika so wie es Livingstone gesehen hat.

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Letzter Tag in Katavi

15.6.08, der 4. Tag im Katavi Wildlife Camp.
Nachtrag zur Elephant Shrew: Es ist keine Maus, obwohl der deutsche Name Elefantenspitzmaus war ! Das Tier wird jetzt Sengi genannt und gab den Wissenschaftlern Rätsel auf: Lange Zeit wurden die Tiere als Insektivoren betrachtet und damit als Verwandte des Igels, dann wieder wurden Sie als Verwandte von Hasenartigen oder gar Primaten betrachtet. Es stellte sich aber heraus, des sie eine eigene, afrikanische monophyletische Ordnung darstellen, die man als Afrotheria bezeichnete, Sengis sind damit Verwandte von Elefant, Klippschliefer und Seekuh. Das von uns beobachtete Sengi, Familie Macroscelidea, war aus der Unterfamilie Rhynchocyon , von der es 4 Arten gibt. Sie werden 400-700 gr. schwer, ernähren sich von Insekten und werden selbst von Schlangen, Raubtieren und Raubvögeln verfolgt. Sie sind monogam und tagaktiv, allerdings sahen wir ein Exemplar in der Nacht in der Nähe der Messtents, es jagte sicher dort im Lichtschein nach Insekten. (Quelle: California Academy of Sciences)
Die Nacht war recht kurz, am frühen Morgen hörten wir Löwengebrüll. Wir sind gleich nach dem Frühstück schon vor 8 Uhr losgefahren, wir wollen doch noch Katzen sehen heute. Wir fahren zum Lake Chada, wir sehen dort viele Elefanten, auch 2 Elefantenbabys und immer wieder die anmutigen Giraffen. Giraffen erscheinen mir immer noch wie Fabelwesen, so unwirklich und ihr Fell sieht von Nahem betrachtet aus wie ein sehr wertvoller, alterTeppich ( ich weiss, das ist nicht von mir, aber richtig gut.. ) Einige haben viele Zecken und die Madenhacker reichlich zu fressen. Viele Impalas stehen am Wegesrand, die Weibchen sind oft hochträchtig, aber wo sind die Löwen? In einem Baum beobachten wir eine Gruppe Meerkatzen mit Jungtieren, dann fahren wir weiter. Da macht der Weg eine scharfe Kurve und plötzlich, direkt dahinter, liegen die Löwen am Wegrand. Wir bleiben stehen, aber wir waren zu schnell zu nah an den Löwen, die sind erschrocken aufgesprungen und machen sich auf den Weg in den Busch, es sind 2 Löwinnen mit 4 Einjährigen, die schon so gross wie die Mütter sind. Die Jungtiere laufen voraus und die Mütter sichern nach hinten. Wir können sie noch einige Minuten mit dem Fernglas im dichten Gras sehen, auch sie beobachten uns, Katzen sind neugierig. Dann sind sie verschwunden und es gibt keinen Weg dorthin für uns. Das war überraschend. Zum Lunch zurück ins Camp, es ist erstaunlich was da aus der improvisierten Buschküche alles kommt, das Essen ist wirklich gut hier und abwechslungsreich: Fleisch gibt es immer, Gemüse, Salate, Reis und immer Dessert. Wir sitzen später (fast) nackt auf unserer Veranda, es ist heiss und ich liebe es, den Busch auf der Haut zu spüren. Es ist so ruhig und friedlich. Hans-Peter macht noch ein Nickerchen und ich stelle fest, dass kein Toilettenpapier mehr da ist. Ich mache mich auf den Weg zum Küchenzelt. Keiner ist zusehen, alles schläft. Der Weg zur Küche geht 100 m mitten durch den Busch, die Büsche sind dicht, das Gras hoch und wer weiss, was dahinter sitzt. Ich fühle mich irgendwie beobachtet. Es ein bischen komisch ist mir schon so ganz alleine, ich fang an zu pfeifen und gehe langsam (!!) weiter. Ich denke an die Geschichte, die Manie gestern erzählte: Unlängst saß er mit Gästen im Messtent und wartete aufs Abendessen. Als nach einer Viertelstunde kein Kellner und kein Essen kam, ging der den gleichen Weg wie ich: Da lag ein Rudel Löwen mitten auf dem Weg, das Personal war im Küchenzelt und wartete auf Rettung.....Manie holte das Auto und scheuchte die Löwen weg. ... OK geschafft, ich bin da und am Küchenzelt ist auch niemand. Ich rufe, da taucht ein verschlafener Junge auf und holt mir was ich brauche. Zurück den gleichen Weg, schön langsam, niemals rennen, nur Beute rennt. Deshalb sollte man besser keine kleinen Kinder hierher bringen. Ich hoffe Hans-Peter weiss zu schätzen, was ich für ihn gemacht habe.
Auf dem Gamedrive heute Nachmittag zeigt uns Apollo die braunen Papageien (Poicephalus meyeri) im Wald, die hört man von Weitem, wir suchen wieder nach Leoparden... Auf dem Rückweg in der Katisungaebene treffen wir auf eine über 30 Tiere grosse Elefantengruppe mit vielen Jungtieren, sie stehen rechts und links der Strasse und sind auf dem Weg zurück in den Wald. Wir bleiben stehen, damit wir die Gruppe nicht trennen. Doch ein Teil der Elefanten bleibt dort und wir fahren langsam weiter, aber das hat Ihnen jetzt gar nicht gefallen. Sie sind sehr aufgeregt, nehmen die Jungtiere in die Mitte, die Leitkuh droht uns. Ich sehe, dass sie dem Auto hinterherläuft und sage das Apollo, der bleibt daraufhin stehen, ich frag mich warum ? ( Ich sitze mal wieder hinten). Aber er kennt sie wohl, die Elefantenkuh bleibt jetzt auch stehen, droht noch mal und geht zurück zur Gruppe. Später sitzen wir, wie jeden Abend am Lagerfeuer und es wird erzählt. Es wird nicht richtig dunkel, denn der Mond ist hell und taucht die Ebene in ein weiches Licht. Beim Essen der qualmt der Elefantendung unterm Tisch und es gibt keine Mücken. Alle sitzen am grossen Tisch und freuen sich, dass ich heute morgen Pommes Frites bestellt habe; die sind natürlich handgeschnitzt, dazu gibt es Brathühnchen und frische Salate. Schade das wir morgen schon weg müssen, ich könnte noch bleiben. Ein Junge von der Filmcrew muss morgen weg, um ein Auto nach Ruaha zu bringen, für ein anderes Team, was dort dreht. Das dauert 3 Tage und er muss alleine fahren, wir wünschen im gute Fahrt und drücken die Daumen, das er heil dort ankommt. Alle gehen heute früh schlafen, die afrikanische Nacht geniessen wir noch auf der Veranda, aber bald wird uns kalt und wir gehen unter die Decken.
Übrigens: Katavi ist in der Sprache der Nyamvezi ein dämonisches Wesen, der Häuptling der Wassergeister, er lebt in Steppen und Einöden. man sagt, er ist in 2 Zwillingsbäumen am Rande des Parks zuhause und erscheint in Gestalt eines ungewöhnlichen Menschen oder Tieres, wie zum Beipiel einer Albinogiraffe, die man hier des öfteren sieht.
16.6.08, Abschied von Katavi, Weiterflug nach Mikumi: Foxes Safari Camp Mikumi
Heute Nacht wurden wir um 2 Uhr von sehr lauten Geräuschen geweckt, eindeutig eine Hyäne die sehr nah am Zelt war und noch ein anderes Tier, das wir nicht einordnen konnten: Es schrie voller Angst und war sehr aggressiv, manchmal wie eine Katze, aber doch anders. Das ganze dauerte vielleicht 20 Minuten, es hörte sich wie ein Kampf an. Am Morgen beim Frühstück erzählt uns Manie was passiert ist: Eine Hyäne hat eine Zibetkatze ( Civettictis civetta) gejagt. Diese gehören zur Familie der Schleichkatzen und sind mit den Mungos verwandt. Sie sind waschbärgrosse, nachtaktive Raubtiere mit hundeartigem Gebiss, die jedoch nicht aktiv jagen, sondern einfach fressen was ihnen in den Weg kommt. Das kleine Tier hat sich tapfer verteidigt, aber die Hyäne hat es dann doch erlegt, Manie hat gesehen wie sie es in die Büsche brachte. Wir sind etwas traurig, auch weil wir heute abreisen zu müssen, wir wären gerne noch geblieben. Das Camp und die Atmosphäre hier ist einzigartig, wo man geht und steht gibt es etwas zu sehen, die Tierdichte hier ist erstaunlich, die Zustände fast paradiesisch. Leider nur fast, in der Regenzeit von März bis Mai sind die Camps geschlossen, dann kommen Wilderer vom Tanganyikasee in den Park, die Parkranger sind zu wenige um sie aufzuhalten, ausserdem schlecht bezahlt, so das sie für ein paar Dollar auch mal ein Auge zudrücken. Übrigens: Katavi NP hat , nach dem Arusha NP die grösste Artenvielfalt an Vögeln in Tansania und sicher die höchste Wilddichte. Unser Flug geht um 9 Uhr nach Ruaha, Manie fährt uns wieder zum Airstrip und wir werden von Richard abgeholt mit der kleinen Cessna. Wir verabschieden uns mit dem Versprechen im nächsten Jahr wiederzukommen und sehen dann Katavi noch mal von oben. Die grosse Büffelherde wandert immer noch durch die wasserüberflutete Ebene, wir konnten sie jeden Tag vom Camp aus sehen. Der Flug ist ruhig, denn es ist noch kühl und ich kann mich einfach nicht satt sehen an dieser wilden Landschaft... Irgendwo da unten fährt jetzt der Junge von der Filmcrew, er braucht 3 Tage wofür wir 2,5 Stunden brauchen.



Baumlöwen


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Kommentare

  • GabiKlein

    Eine wunderbare Beschreibung einer traumhaften Safari!
    liebe Grüße
    Gabi

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