Auf der Interoceanica (Guajara-Mirim - Porto Velho - Rio Branco - Puerto Maldonado)

Reisebericht

Auf der Interoceanica (Guajara-Mirim - Porto Velho - Rio Branco - Puerto Maldonado)

Guayaramerin

Wo sind wir denn hier gelandet? Also sowas! Gemäss meiner Karte müsste der Flughafen der bolivianischen Stadt Guayaramerin mitten in der Stadt sein, aber hier ist nichts. Wir sind irgendwo im Grünen, der Flughafen besteht nur aus einer geteerten Landebahn. Ein Gebäude hat es zwar auch, aber das mit dem Gebäude ist irgendwie doof, denn es fehlt das Dach. Vielleicht findet darum alles "Open Air" statt: Check-In, Gepäckaufgabe und eben die Gepäckausgabe, die wird direkt auf einer Wiese, also einer Art Vorplatz innerhalb des Zauns erledigt. Alle Passagiere, die das Flugzeug verlassen, laufen über die Wiese zum Parkplatz durch das Tor und somit hinter den Zaun und dort wird gewartet.

Das Flugzeug hat schon lange wieder abgehoben, doch die Gepäckstücke werden immer noch, ja wie soll ich das nennen, in die richtige Position gebracht. Denn der Gepäckausladvorgang ist für uns durchorganisierte Europäer kaum mitanzusehen. Aber auch hier funktioniert eigentlich alles immer vorzüglich, einfach auf die südamerikanische Art.

Drei Handwagen wurden gefüllt und zur Wiese gebracht. Manchmal wird ein Koffer vom Handwagen auf die Wiese gestellt. Dann stellt man in etwas mehr nach links. Später wieder nach rechts, während ein anderer Angestellter das gleiche mit dem nächsten Koffer macht. Dazwischen laufen sie zu den wartenden Passagerien, nehmen Gepäcketiketten entgegen und suchen die entsprechenden Koffer. Geben sie aber nicht heraus, sondern stellen sie ein paar Meter nach links oder eben nach rechts.

Plötzlich unterbrechen die Arbeiter das Abladen beginnen, die Koffer über den Zaun zu hieven und den Passagieren zu übergeben. Die wartenden Passagiere sind total diszipliniert und es geht sehr gesittet zu und erstaunlich schnell vonstatten. Ich will mir das Chaos gar nicht vorstellen, wenn das ein Flughafen in Europa wäre und jeder versucht, seinen Koffer als erster zu kriegen.

Es ist Regensaison. Was tun die, wenn gerade ein Tropenregen über den Flughafen fegt? Aber auch dafür werden die Bolivianer eine Lösung haben.



Flughafen Guayaramerin



Guayamerin - Guajara-Mirim

Das Taxi, anders kommt man vom Flughafen nicht weg, bringt mich und andere Reisende zur Grenze. Dafür müssen wir den ganzen Ort durchqueren und so ergibt sich die Gelegenheit, gleichmal den Ort anzusehen.

Guayaramerim macht einen ordentlichen Eindruck, mit klassischen Plazas und wirkt ganz nett. Auch sehe ich nette Restaurants, was eigentlich nicht erwähnenswert sein sollte. Aber eben. Beim netten Zöllner Stempel in den Pass und ab in so ein kleines Boot. Aber so leicht legt man nicht ab. Zuerst müssen die Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden und die besagen, dass jeder eine Rettungsweste anziehen muss. Das wäre ja weiter kein Problem, nur schaffe ich es tatsächlich, die Rettungsweste nicht richtig anzuziehen. Irgendwie klappt das mit den Schnüren nicht, ich kann mir diese Peinlichkeit bis heute nicht erklären. Seufz. Es wird gewissenhaft kontrolliert, ob alle Rettungswesten korrekt am Körper befestigt sind. Dann geht es los, die paar Minuten auf die andere Seite des Flusses. Mit an Bord brasilianische Girls und das bedeutet, es wird wie wild drauflosgequatscht und gelacht. Die Brasilianer haben es gerne gesellig, laut und lustig. Man muss sie einfach mögen.

Das Ziel heisst übrigens Guajara-Mirim und liegt in Brasilien.



Grenzübertritt



Guajara-Mirim

Man guckt die böse. Brasilianer lieben es zu quasseln, solange sie nicht arbeiten. Im Dienst sind sie erstaunlich wortkarg. Ich habe mich in einem kleinen Hotel in Guajara-Mirim einquartiert. Die dicke Besitzerin sieht keinen Grund meinen Gruss zu erwidern, dafür kann sie so richtig böse blicken. Dann meinte sie, sie hätte kein Zimmer mit AC. Wie wenn ich AC brauchen würde. Aber sie blickt nur böse und da sie nichts sagt, sage ich auch nichts. So stehen wir so da, bis sie schliesslich ihren Satz wiederholt. Also spiele ich halt das Spielchen mit. Ich frage, ob es denn Zimmer ohne AC gibt und sie bejaht. Mehr gibt es dann nicht mehr zu sagen. Sie drückt mir wortlos den Schlüssel in die Hand, zeigt auf den Preis, ich lege die Reals hin und verzieh mich, bevor sie wieder anfängt, mich böse anzuglotzen.

Als ich das Zimmer für die Stadtvisite verlasse, quasselt die Dicke gerade fröhlich mit meiner Zimmernachbarin, einer sehr jungen, schlanken Frau, die ein neues Kleid gekauft hat und die Dicke findet das sehr sexy und fragt sich, ob ihr dieses Kleid auch stehen würde, was die junge Frau herzlich bejaht und da strahlen sie und ich sage lieber nichts. Will nicht böse angeglotzt werden.

Wie die bolivianische Schwester besteht Guajara-Mirim eigentlich nur aus einer langezogenen Strasse. Aber es gibt einen grossen Unterschied. Guayaramerin ist eine Stadt mit allem, was man von einer Stadt erwartet. Das kann man von Gujara-Mirim nicht sagen. Guajara-Mirim ist ein Nest, also so ein richtiges Nest. Nach 15 Uhr sind sämtliche Restaurants geschlossen. Jetzt ist 18 Uhr und bisher haben sie nicht wieder geöffnet. Also nichts mit Essen. So spaziere ich durch den Ort, hier fahren übrigens fast alle Velo, der den Endpunkt der Eisenbahnlinie aus Porto Velho gebildet hatte. Heute stehen noch zwei Dampfloks um den Bahnhof, der ein Museum beinhaltet. Fuhren sie früher noch Touristen ein paar Kilometer nach Norden, fährt heute leider gar nichts mehr.

Schliesslich finde ich doch noch einen einfachen Schuppen in einer Seitengasse, aber hier gibt es nur Bier. Wir sind in Brasilien und so bestelle ich frei nach dem Mott "do it like the locals do" ein Bier. Das tut Paula auch. Paula ist so eine Frau, wie es sie überall in Brasilien gibt. Wo sie sind, herrscht action. Sie sind immer bereit für eine Party, sie sind sehr hübsch und alle mögen sie. Das ist bei Paula nicht anders. Ich habe diese Art von Frauen vorallem in den Zentren kennengelernt, hätte dies aber nie in Guajara-Mirim erwartet. Das Problem dieser Frauen: Sie haben nie Geld. Und so brauchen sie Sponsoren und das geht brasilianisch direkt. "Hallo. Zahlst du mir ein Bier? Ach du kennst mich nicht ich bin Paula. Zahlst du mir eins?" Dabei legt sie sich in Pose und macht ein "du kannst mir doch nicht wirklich etwas abschlagen oder?" - Gesicht.

Diese hier guggt böse. Als ich zum Hotel zurückkehre sitzt sie vor dem Hotel und glotzt grimmig, wie wenn ich ihr ein Stück Kuchen weggefressen hätte. Meinen Gruss erwidert sie nicht. Wenigstens pumpt sie mich nicht um Geld an.



Guajara-Mirim



Guajara-Mirim - Porto Velho

Es geht früh los. Viele Leute sind nicht im Bus, der erstaunlich komfortabel ist. Zu Beginn ist die Landschaft wild, mit viel Wald und ein paar Papageien, die im Himmel davonziehen. Auf den abenteurlichen Brücken, die wir passieren, schwankt der Bus ziemlich und als er auf einer dieser Brücken ziemlich tief nach vorne kippt und schwankt, fällt mir kurz das Herz in die Hose. Aber der Chauffeur hat alles im Griff. Der Bus verzichtet auf Mampf-Halte und kommt sogar viel zu früh in Porto Velho an. Supersache. Die Faustregel, dass die Busse in Brasilien immer eine Stunde länger brauchen, als angegeben, gilt dieses Mal nicht.



Porto Velho



Porto Velho

Porto Velho, also man sagt irgendwie Portu Veliu mag ich vom ersten Moment an. Ich bin natürlich gerne abseits der Touristenrouten. Ich schaue mir alte Fotos an von Porto Velho, damals, als die Eisenbahn gebaut wurde, begann der Wald gleich hinter dem Bahnhof. Eine Siedlung war nicht zu erkennen. Lediglich ein Hafen, ein Bahnhof und Wald, Wald, Wald. Dass Porto Velho in den rund 100 Jahren nach dem Bau der Eisenbahn ziemlich gewachsen ist und Strassen und Häuser die Bäume ersetzten, ist wenig überraschend, dass aber von einem Wald gar nichts mehr zu sehen ist, macht mich doch etwas traurig. Die Stadt ist übrigens erstaunlich hügelig. Also die pfeifengeraden Strassen gehen hoch und runter. Aber ausser dem wirklich schönen Flussufer und den netten Menschen wirkt diese Stadt doch eher unsehenswert.



Porto Velho



Da sind sie! Fantastisch! Ich kann mein Glück kaum fassen. Nein, ich meine damit nicht, dass ich eine wunderbare Kneipe gefunden habe, so eine Kneipe auf einem Floss im Fluss, sondern die Delphine! Und die ziehen vor dem Floss noch schnell ne Show ab. Senkrecht fliegt es aus dem Wasser und ich stehe begeistert am Rand des Flosses. Die anderen Gäste teilen meine Begeisterung nicht. Für sie scheint das so spannend zu sein, wie für uns ein Schwan am Bodensee.

Porto Velho kommt in den Reiseführern schlecht weg. Ich muss da mit voller Insbunst sagen, sie haben recht. Das heisst nicht, dass es in Porto Velho keine netten Ecken gibt. Gefährlich ist es hier schon gar nicht, obwohl das in den hiesigen Büchern immer wieder behauptet wird. Während der Regensaison ist aber der schönste Ort von Porto Velho weniger schön: Der schöne Bahnhof steht meist unter Wasser und die gleich dahinter liegende Promenade am Rio Madeira, bei Trockenzeit ein beliebter Treffpunkt, wird durch Wellblech vor Hochwasser geschützt. Womit man natürlich keinen Blick auf den Fluss werfen kann. Kaum regnet es, steht die ganze Promenade wieder unter Wasser. Erstaunlich ist, wie schnell das Wasser wieder abtrocknet.

Der Bahnhof ist gleichzeitig ein Museum und ein Museumszug, so ein herziger Schienenbus dreht mit mir drin ein paar Runden. Museum und Zugfahrt kosten nichts. Tolle Sache!



Porto Velho



Mein Lieblingsplatz ist die Bar auf dem Floss, also so ein Ponton, wo die Kellnerin ganz im brasilianischen Stil versucht, mit möglichst wenig Worten ihren Dienst zu versehen. Sie ist aber sehr nett, wenn auch äusserst humorlos. Kaum kommen ihre Kolleginnen auf einen Schwatz vorbei, da quasselts drauflos. Vielleicht will der Brasilianer jedem merken lassen, dass er jetzt arbeitet.

In die Bar kommt man auch nicht so einfach. Da sich der Pegel des Rio Madeira zwischen Trocken- und Regenzeit um ganz schön viele Meter verändert, muss auch der Steg zu dieser Bar im Fluss dem Rechnung tragen. Bei Regensaison hängt er durch. Das heisst, die Mitte ist im Wasser und das Ende geht es in die Höhe. So hat man noch ein kleines Abenteuer zu bewältigen. Aber wer nicht zu viel trinkt, schafft es locker rüber ohne nasse Füsse zu bekommen. Sogar mir gelang es, der sonst keine Pfütze auslässt.

Oberhalb des Bahnhofs beginnen die Ausguckpunkte, Mirador genannt. Hier kann man zu netter Musik auf den Fluss runtergaffen. Wirklich gemütlich.

Am Abend ist es heute in Porto Velho herrlich kühl. Doch wer denkt, dass nun die Menschen aus den Häusern kommen, um die Kühle zu geniessen, irrt. In den Strassen ist kaum jemand zu sehen.



Regensaison ...



Porto Velho - Abuna

Auf dem Weg zum Busbahnhof erlebe ich so einen richtigen Tropenregen. Er unterscheidet sich von unserem Regen, indem er einfach nicht mehr aufhört. Über Stunden prasselts runter, aber irgendwie schaffe ich es trotzdem einigermassen trocken zum Busbahnhof, was mich selber überrascht uns so klopfe ich mir zufrieden auf die Schulter.

Busbahnhöfe in Brasilien nerven, weil man sich immer alle Informationen erfragen muss. So gehe ich von Schalter zu Schalter, bis ich bei einer Busgesellschaft mit dem originellen Namen "Verde" ein Ticket bekomme nach Rio Branco, meinem nächsten Ziel. Wunderbar. Der Bus ist zwar nicht so bequem und der Typ vor mir stellt auch gleich mal den Sitz ganz nach hinten, womit es eng wird, aber nun gut. Der Bus ist auch bis auf den letzten Platz belegt. Ich bin aber zufrieden, ging doch ganz gut. Bis uns ein Bus der Busgesellschaft Eucatur überholt. Ein richtig schöner Bus. Man sieht der komfortabel aus und halbleer. Und natürlich! Er fährt auch nach Rio Branco! Grrrr. Miesgelaunt steige ich in Jaci-Parana aus. Denn hier ist der Frühstücksstop und so begutachte ich den Eucatur-Bus, der auch gerade frühstückt. Nach einem Seufzer nutze ich die Gelegenheit, den Ort anzuschauen. An der Strasse gibt es eine ganze Menge Läden, die sich auf Reparaturen von Fahrzeugen spezialisiert haben. Und irgendwie ist die Strasse der Ort. Viel mehr gibt es nicht zu sehen. Er wirkt aber noch recht lebhaft. Rote Erde prägt das Bild.

Bald wird es immer blauer. Also draussen. Weite Landstriche sind überschwemmt, der Rio Madeira-Marmore ist zur Regenzeit stellenweise ein einziger gigantischer See. Links und rechts der Strasse nur Wasser, Aber irgendwie scheint die Strasse trocken zu bleiben. Seltsam.

Irgendwann erreichen wir den Ort Abuna. Ich habe mir da einiges ausgerechnet. Abuna war ein Halteort der Bahnstrecke Porto Velho - Guajara-Mirim. Und da stehen tatsächlich noch alte Lokomotiven mitten im Grünen. Der Ort selber ist sehr klein und scheint vor allem aus baufälligen Hütten zu bestehen.



Einsame Lok in Abuna



Abuna - Rio Branco

Die Brücke ist noch nicht fertig! Yupiieh! Denn jetzt brauchen wir eine Fähre und da ist sie schon. Erstaunlich, wieviele Fahrzeuge auf so eine Fähre passen. So tuckern wir über den Rio Madeira oder Rio Marmore. Ich habe nicht wirklich geschnallt, wo der eine aufhört und der andere anfängt. Möglicherweise hat der Fluss auch einfach zwei Namen.

Wie verlassen den Bundestaat Rondonia und dafür muss man durch eine Art Binnenzoll, wo die Passagierlisten gecheckt werden. Weiter geht es durch den Bundestaat Acre. Hier sieht alles wilder, wenig bevölkert und einfacher aus. Auch ist hier wieder richtig Wald. Noch weiss ich ja nicht, dass das eher Ausnahme als Regel in Acre ist.



Fähre über den Rio Madeira-Marmore



Rio Branco

Da bin ich. In Rio Branco, der Hauptstadt von Acre, das mal Bolivien gehörte und wohl besser dort geblieben wäre, wenn man das Ganze aus Sicht des Dschungels ansieht. Das öffentliche Busnetz kann sich sehen lassen, auch wenn es für einen Aussenstehenden ohne fremde Hilfe wirklich nicht einfach ist, im richtigen Bus zu landen. Aber alle hier sind nett und helfen gerne.

Rio Branco ist irgendwie gemütlicher wie Porto Velho, auch wenn es hier nicht allzuviel zu sehen gibt und der Rio Acre im Vergleich zum Rio Madeira ein Rinnsal ist. Rio Branco ist auch grüner und gleich hinter dem Zentrum beginnen die Wälder. Was aber nicht viel heissen soll in Bezug auf den Zustand des Urwalds in Acre. Am Flussufer hat es ein paar schöne Häuserzeilen und gemütliche Kneipen. Das war es dann aber auch, wenn man den für brasilianische Städte üblichen Palacio dazuzählt.

Am Abend wird am Rio Acre herausgestuhlt und die zahlreichen Kneipen sind gut gefüllt. Ich finde es ganz nett hier.



Rio Branco, Acre



Arbeit macht frei. Das steht da draussen auf diesem Gebäude. Bei näherer Betrachtung ist es ein Museum oder Theater oder Theatermuseum, so genau habe ich das nicht kapiert und derzeit heisst das Thema Holocaust. Rio Branco ist definitiv kein isoliertes Kaff, sondern eine recht moderne, aufgeschlossene Stadt.

Durstig. Eine Wasserflasche wäre schön. Aber an so eine zu kommen ist im Zentrum von Rio Branco gar nicht einfach. Rio Branco ist eine Shopping-Destination. Definitiv. Es wimmelt von Läden. Nur verkaufen die alle Kleider. Einen Supermarkt suche ich vergebens.



Tänzchen in Rio Branco, Acre



Was tut man in einer Stadt in Brasilien, wo man alles, was es zu sehen gibt, gesehen hat?

Richtig, man gönnt sich ein Bierchen. Man will sich ja schliesslich den Einheimischen anpassen. Und dann komtm auch noch der Regen. Herrlich. Die Luft ist frisch, die Temperatur kühl und der Regen prasselt auf das Dach dieser Kneipe. Die Kneipe ist ziemlich voll, aber alle rennen wild durcheinander und klettern auf das kleine Mäuerchen vor der Wand der Bar. Paaah! Brasilianer sind einfach wasserscheu! Also das denke ich, während der Regen immer heftiger wird und den leicht abschüssigen Platz in einen Bach verwandelt. Bald sieht man mich in den Regen rausrennen, schliesslich hänge ich an meinen Flipflops, die da gerade davonschwimmen. Es ist nur ein kurzes, heftiges Gewitter. Und alle sitzen wieder da als wäre nichts geschehen. Und wieder erstaunt es mich, wie schnell hier alles abtrocknet.



Regensaison ...



Rio Branco - Brasilea

Es ist morgens um 6 Uhr und ich warte auf einen Bus der Busgesellschaft Petroacre. Was für ein Name für eine Busgesellschaft. Wie wenn sich irgendetwas, auf dem Petro steht, jemals für die Menschen interessiert hätte. Es ist 6.15 Uhr und ich warte. Grrrr.

Der Busbahnhof von Rio Branco ist auch so ein Geniestreich. Er ist schön. Modern. Zweckmässig. Nur fahren nicht viele Busse ab Rio Branco und die meisten davon morgens um 6 Uhr. Nur sind dann die zahlreichen Shops zu. Es gibt nichts zu kaufen, weder Wasser noch Proviant. Es hat ziemlich viele Menschen, die auf die Busse warten, die alle so gegen 6 Uhr abfahren hätten sollen.

Eigentlich war das nicht mein Plan. Denn es gibt direkte Busse nach Puerto Maldonado. Aber die Strecke nach Peru scheint sehr beliebt zu sein. An brasilianischen Busbahnhöfen verbringt man bekanntlich viel Zeit für die Informationensbeschaffung. Denn Abfahrtszeiten werden grundsätzlich nicht publiziert. Also geht man von Schalter zu Schalter und versucht, denen die Informationen aus der Nase zu ziehen. Bei den direkten Bussen war der Typ gar nicht mehr hinter dem Schalter, warum auch, sondern schlarpte ein bisschen rum. Kommt ein Reisender schlurft er sich zu ihm und sagt ihm, dass die Busse ausgebucht sind.

So blieb mir nicht anderes übrig, als früh aus den Federn zu hüpfen, die 7 Kilometer zum Busbahnhof hinter mich zu bringen und auf den 6 Uhr Bus zu warten. Irgendwann kommt dann die Flotte von Petroacre die da mit alten Bussen jeden Winkel von Acre anfahren. "Mein" Bus von Petroacre ist alt und bietet nichts an Komfort. Keine Toilette, Kühlung verspricht das offene Fenster und nachdem man noch die Frau von Platz 10 gesucht und gefunden hatte, ging es dann endlich los.

Der volle Bus wird immer voller, es hat kaum mehr Stehplätze. Reisende steigen irgendwo im nichts ein und irgendwo im nichts aus. Denn hier ist Fazenda-Land und zwar richtig heftig. Von Wald ist teilweise selbst am Horizont nichts zu sehen, nur Gras, Gras, Gras. Ich bin da schon etwas geschockt. Ich hätte nicht gedacht, dass ausgerechnet hier, fernab der Zivilisation, derart kräftig abgeholzt wurde. Dabei muss man wissen, dass eine Fazenda eine riesige Fläche hat. Und man fragt sich, warum man für die paar Rinder, Pferde, Geissen oder was da sonst noch für Viecher zu sehen sind, eine derart grosse Fläche roden musste.

Die Landschaft ist also so ziemlich unspannend, so richtig eintönig. Frühstück gibt es nach zwei Stunden in einer Lanchonette. Viel gibt es hier nicht. Ein paar Getränke, ein paar Snacks und kein Wechselgeld. Aber für ein kleines Frühstück genügt das vollauf.



Toilettenpause in Acre



Brasilea - Cobija - Epitaciolandia

Wir erreichen die bolivianische Grenze um Epitaciolandia-Cobija-Brasilea. Die Hälfte der Passagiere steigt in Epitaciolandia aus, ja die wollen wohl nach Bolivien weiter. Das tut unser Bus nicht. Er schleicht um die Grenze rum und findet, dass wir jetzt im Nachbarort Brasilea eine Pause machen. Brasilea trumpft mit so einem genialen Busbahnhof auf. Die Parkfelder so angelegt sind, dass es auch der beste Busfahrer nicht schafft, ohne mehrmaliges vor- und zurückmanövrieren in den Busbahnhof reinzukommen. Da stehen wir. 30 Minuten Pause wird verordnet, Wunderbar. Im Busbahnhof gibt es einen kleinen Kiosk. Das war es dann auch. Also ab den Ort erkundigen. Man ist der unspannend. Es gibt nichts zu sehen. Schon wieder so ein Nest. Ich dachte, ein grösseres Nest als Guajara-Mirim kann man gar nicht finden. Falsch gedacht.





Mampf-Stop in Acre



Brasilea - Assis Brasil

Je weiter man sich von Brasilea entfernt, desto mehr Wald ist sichtbar, was nicht viel heissen soll. Der Bus ist wieder pfropfenvoll und man hat das Gefühl, das mehr stehen als sitzen. Aber das Ziel kommt bald in Sicht. Es ist eine lange Fahrt. Sieben Stunden sind wir schon unterwegs, eine brauchts noch, aber was jetzt? Arrg. Jetzt hält doch dieses Gefährt tatsächlich vor einer einfachen Fressbude. Essenszeit! Es gibt Buffet, die Auswahl ist aber bescheiden. Kartoffel, Reis und zweierlei Arten Fleisch. Diese Lanchonette bietet neben einer stinkigen Toilette nicht viel. Sie ist mitten im nichts und die beiden Chauffeure hauen sich nun also Kartoffeln, Reis und Fleisch rein, während die Fahrgäste geduldig warten, bis sie damit fertig sind. Was sein muss, muss sein.

Gut 30 Minuten später ist es soweit und kurz bevor wir Assis Brasil erreichen gibt es noch einmal einen Halt und fast alle steigen aus. Wir sind am brasilianischen Zoll angekommen. Zettel ausfüllen, Stempel rein und da stehe ich. Im Niemandsland zwischen Brasilien und Peru.



Bushaltestelle in Acre



Inapari - Puerto Maldonado

Da stehe ich also. Mitten im Dschungel würd man meinen, nur entspricht das nicht der Wahrheit. Immerhin ist es rechts und links der Strasse grün und voller Sträucher. Wenn man bedenkt, dass man vor wenigen Jahren noch einen Fluss durchwaten musste, um die Grenze überqueren zu können, ist hier nichts mehr von Abenteuer zu sehen.
Irgendwie bleibt mir nichts anderes übrig, als einfach mal Richtung Peru loszulaufen, auf einer Strasse, die zwar im perfekten Zustand ist, aber offenbar keinen grossen Grenzverkehr anzieht. Weder Personenwagen noch Lastwagen. Nach einer solangen Fahrt freue mich mich auf die Bewegung, es sind doch gut über zwei Kilometer bis Inapari, vielleicht sogar drei. Doch was ist denn das? Kaum so richtig Tempo aufgenommen und noch nicht mal den ersten Kilometer in den Knochen, gehts um eine Kurve und dahinter, mitten im Niemandsland ist ein Parkplatz. Und hier warten sie: Minibusse und Taxis, die mich nach Puerto Maldonado bringen wollen und man fragt sich, warum sie nicht gleich hinter dem Zoll warten. Vermutlich wird es dafür grenztechnische Gründe geben.

Und ich muss den Mitpassagieren als Geschenk des Himmels erscheinen, zumindest rede ich mir das ein, denn der Minibus fährt erst los, wenn er voll ist und es braucht noch genau einen Passagier, damit er voll ist und der bin ich. Doch meine Mitreisenden, eine Gruppe Venezuelaner und eine brasilianische Familie lassen sich zu keinen spontanten Freudensprüngen hinreissen, noch zeigen sie sonst irgendwelche Emotionen. Einzig dem brasilianische Vater mit seiner hübschen Frau und der noch hübscheren Tochter huscht ein kurzes erleichtertes Lächeln über die Lippen. Dafür bekomme ich den schlechtesten Platz im Bus. Naja, ich übertreibe. Wer zuletzt kommt, muss nehmen, was noch übrig ist. Es ist bequem hier und meine Mitreisenden angenehm. Alles gut. Das es so schnell weitergeht, trifft mich völlig unerwartet. Ich und der kleine Sohnemann der Venezuelaner strahlen um die Wette.

Der Minibus gibt gleich mal Gas. Es gibt noch einen längeren Stop beim peruanischen Zoll und einen heftigen kurzen Regenschauer.

Auf der peruanischen Seite hat es viel mehr Wald als auf der brasilianischen Seite. Die Fahrt ist landschaftlich einiges interessanter. Irgendwie sah man es hier nicht als nötig an, gleich den ganzen Wald abzurasieren, damit ein paar Nutztiere grasen können. Hier leben sie einfach zwischen den Bäumen. Immer wieder kommt es zu kurzen Regenschauern. Wer unterwegs aussteigen will, dem sind Gummistiefel daher empfohlen. Ausser der Interoceanica bestehen hier sämtliche Strassen aus Erde und bei Regen ist nur Schlamm zu sehen. So wird wohl früher die Interoceanica ausgesehen haben, bevor sie geteert wurde.

Die Fahrt nach Puerto Maldonado ist kurzweilig und schon bald überqueren wir die Brücke über den Rio Madre de Dios. Die Reise ist zu Ende.


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Kommentare

  • Sternensilber (RP)

    Eine ganz schön nasse aber auch abenteuerliche Reise. Sehr schön!
    Viele Grüße
    Anne

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