Griechenland - Insel Thassos / Europas ältester Untertagebergbau ist rund 22.000 Jahre alt

Reisebericht

Griechenland - Insel Thassos / Europas ältester Untertagebergbau ist rund 22.000 Jahre alt

Reisebericht: Griechenland  -  Insel Thassos / Europas ältester Untertagebergbau ist rund 22.000 Jahre alt

Die Insel Thassos besitzt viele Geheimnisse, welche erst nach längerem Studium gelüftet werden können. So ein Beispiel ist diesmal Tzines mit dem ältesten Untertagebergbau Europas. Montanarchäologische Untersuchungen haben gezeigt, dass hier Verwitterungsprodukte der Eisenerze seit Jahrtausenden bergmännisch gewonnen worden waren, um sie als farbstarke rote Pigmente zur Einfärbung zu nutzen.

- Auszüge aus dem Projektbericht in Der Anschnitt, Heft 21, Deutsches Bergbau Museum

Griechenland - Insel Thassos

Europas ältester Untertagebergbau ist rund 22.000 Jahre alt

Die prähistorische Gewinnung roter Farbmineralien / Rotocker aus Eisenoxid in den ehemaligen Bergwerken Tzines und Mavrolakka

Ein Reisebericht, aufgeschrieben von Frank Alms, Herdecke, Deutschland




Die Insel Thassos besitzt viele Geheimnisse, welche erst nach längerem Studium gelüftet werden können. So ein Beispiel ist diesmal Tzines mit dem ältesten Untertagebergbau Europas.

Aus der Literatur versuchte ich mir ein Bild über den damaligen Eisenerzabbau und die Rotockergruben zu machen. Es brauchte zwei Reisen nach Thassos, um vor diesem prähistorischem Schatz zu stehen.
In meinem Stützpunkt, dem Hotel Kavala in Prinos, erhielt ich von Stamatis P. zur Geschichte der Insel einige gute Ratschläge. Bei der Suche im unwegsamen Gelände half mir Babis M. aus Kavala – Karavaggelis. Bei der letzten entscheidenden Tour vor Ort wurde ich von Markus K. aus Gundernhausen unterstützt.
Die Insel Thassos besteht aus kristallinen Gesteinen, welche durch hohen Druck und hoher Umgebungstemperatur in der Erdkruste entstanden sind wie Quarzit, Schiefer, Gneis und vor allem Marmor. Das Grundgebirge weist eine sehr reiche Erzmineralisation auf. Aufsteigende Lösungen aus dem Erdinneren lagerten vor Jahrmillionen die Mineralien nahe der Oberfläche in Spalten, Brüchen und Klüften ab.

Die sogenannten Rotockergruben mit ihren Verwitterungsprodukten aus den Eisenerzen befinden sich in einem Eisen–, Manganvorkommen, welches geologisch in dem unteren Marmorhorizont auftritt. An der Oberfläche wölben sich leicht rotbraun gefärbte Berge bis in rund 400 m Höhe über NN hoch. Die rötlichen Pigmente stammen aus einem Gestein mit einem hohen Eisenoxidgehalt von rund 48%.

Auf der Insel Thassos kommen neben Gold, Bleierze mit einem nutzbaren Anteil an Silber und hervorragendem, rein weißem Marmor auch einige reiche eisenhaltige Erzlagerstätten vor.
Die Silber- und Eisenerzgewinnung fand hauptsächlich im Westen, der Goldabbau nahe der Ostküste und im Norden, der Marmorabbau dagegen im Süden und Nordosten der Insel statt.

Eisenerze wurden bis hin in die 1950er Jahre von griechischen Firmen (z.B. Fa. Chondrodimos, Athen) für die deutschen Kruppstahlwerke abgebaut.

Bis in die 1920er Jahre war es die Minengesellschaft Speidel aus Pforzheim, welche den gesamten Eisenerzabbau auf der Insel betrieb und die Infrastrukturen schaffte (Pachtvertrag 1903 mit Ali Pascha, Sultanat Kavala und 1925 Konzessionen an Fa. Vieille Montagne).
Die Minengesellschaft errichtete die sogenannte „Speidel-Villa“ (Büro und Wohnhaus) in Limenaria und die Anlagen für die nassmechanische Wäsche der Erze sowie die Kalzination (Wasserabspaltung / Karbonate zu Oxiden) der Stückerze in vier gemauerten Schachtöfen. Diese Erze wurden überwiegend aus den nahen etwa 2 km entfernten Tagebauen Vouves gewonnen und schließlich von 1955 bis 1964 aus den nahen Tagebauen von Koumaria, Platania und Koupanada.

Auch wurden die Galmeierden (Zinkerze) und andere Aufbereitungsprodukte in mehreren Drehrohröfen kalziniert.
Die Produkte wurden für Krupp in der Metaliabucht auf Schiffe verladen und abtransportiert. Die Reste der Anlagen sind heute noch deutlich sichtbar am Metalia – Strand bei Limenaria.

Montanarchäologische Untersuchungen haben gezeigt, dass hier Verwitterungsprodukte der Eisenerze seit Jahrtausenden bergmännisch gewonnen worden waren, um sie als farbstarke rote Pigmente zur Einfärbung zu nutzen, die als Rötel oder Rotocker bezeichnet werden.
Das Rot der Pigmente gilt als Farbe des Blutes und des Lebens. Sie soll das Weiterleben nach dem Tod sicherstellen. Der Farbstoff diente früher auch als Dekoration von Sachen, als Medikament bei offenen Wunden und als magisches Material (Regenmachen, Reifefeier zur Aufnahme in den Stand der Vollberechtigten, mythisches Blut) oder als Handelsgut.

Im Vergleich dazu gab es die Rötelgewinnung auch bei den nordamerikanischen Indianern. Auch die Frauen der Himba in Namibia streichen sich den Körper mit einer Paste aus Fett und Rotocker ein. In Australien waren es die Ureinwohner, welche Rotocker aus den Flinders Ranges Bergen holten.

Weitere Reste dieser Bergbautätigkeit findet man auf der Insel Thassos bei Vaftochili (Ockerbergbau 500 m NW von Kalivia), in Raum Rachoni (Ockerbergbau und BleiSilber – Stollen mit gelben erdigen Limonitvorkommen, ein Gemisch verschiedener Eisenoxide und 1 km SO von Skala Rachoni) und bei den stillgelegten Bergwerken Mavrolakka / Tzines.

Aus den Bergwerken Mavrolakka / Tzines wurden gesamt 1,6 Mio Tonnen Erz über Skala Maries für die Georgsmarienhütte (Klöckner) und für die Stahlwerke Vöest verschifft. Der Abbau wurde 1962 eingestellt. Bei Sprengarbeiten 1956 an der Rückwand des Tagebaus Tzines kam eine kleine schwarze Öffnung zu Tage. Auf deren Sohle wurden durch den deutschen Geologen Hermann Jung (Angestellter bei der Firma Chondrodimos, Athen) Hirschgeweih- und Steinartefakte entdeckt.

Bei einer gründlichen Begehung der alten Bergwerke auf Thassos im Zusammenhang mit einem Edelmetallprojekt im Jahr 1982 (Ephorie Kavalla, Max Planck Institut Heidelberg, Deutsches Bergbau Museum Bochum) gab der griechische Geologe Georgios Gialoglu (I.G.M.E) den Hinweis auf die alte Öffnung bei Tzines. Ein DFG Zuschuss ermöglichte 1993 eine 6-wöchige Kampagne zum Abschluss der Ausgrabungen, Vermessung der Grubenhohlräume und die Erstellung des Fundkataloges.

Die erneute Begehung der Höhle 1993 ergab wiederum zahlreiche Funde von Hirschgeweihen. Am Hang über der Höhle fand man weitere Reste von 5 Rötelbergwerken samt verschiedener Schlagsteine. Im gesamten Bergbaurevier von Tzines werden wohl zu früher Zeit 15 – 20 Rotockergruben betrieben worden sein.

Anhand der Funde, Ausgrabungen und Vermessungen stellte sich heraus, dass die zuerst entdeckte Grube von Tzines zu den fundreichsten Gruben überhaupt gehörte. Etwa 800 Funde wurden katalogisiert. Knochenreste, Geweihgezähe und Flintwerkzeuge wurden bei der Uni Tübingen (Prof. Uerpmann) bestimmt. Nach Bestimmung der Hornzapfen von der Saiga – Antilope konnte nun von einem Alter von mindestens 15.000 Jahren für den Bergbau ausgegangen werden.

Ein weiteres Radiokarabon – Datum in der Grube 1, diesmal als AMS an Geweihmaterial durchgeführt, erbrachte ein noch höheres Alter von 20.350 +- 160 Jahren. Dadurch ergibt sich, dass der Rötelbergbau von Tzines etwa vor 22.000 Jahren betrieben worden war.

Damit ist Tzines der älteste Untertagebergbau in Europa.

Tzines ist heute Teil des Geopfades Limenaria – Mavrolakka – Kastro und durch I.G.M.E gekennzeichnet worden.

Die große Zahl von Funden steht in starkem Gegensatz zu den üblichen Beobachtungen in alten Bergwerken und ist auf den schnellen Verschleiß von Hirschgeweihsprossen und Steinen am harten, derben Hämatit zurückzuführen.

Sie offenbaren aber auch mit welcher Mühe und Anstrengung die prähistorischen Bergleute hier bei der Arbeit waren, was wiederum zeigt, wie begehrt der rote Farbstoff gewesen sein musste.

Als Bergleute schufteten damals fast nur Sklaven und Gefangene. Die Urbewohner siedelten in Hütten im heutigen Kalivia und am vorgelagerten Strand, dem damaligen Skala Kastro. Den Ort Limenaria gab es erst am Ende des 19. Jahrhunderts und wurde von den Bewohnern Katro´s gegründet.

Die Insel wurde „regiert“ von dem ältesten Ort der Insel, der westlich von Limenas liegt (die Ausgrabungen reichen bis ins 6 Jahrtausend v. Chr.).
In späteren Jahren konnte die Insel Thassos auf eine vor etwa dreieinhalbtausend Jahren v. Chr. beginnende, hochentwickelte Metallgewinnung zurückblicken und spielt damit eine bedeutende Rolle im ägäischen Bereich. Wahrscheinlich in der ausgehenden Bronzezeit und der frühen Eisenzeit erfolgte eine intensive und bis in die byzantinische Zeit andauernde Erzverhüttung.
Es wurde überwiegend Blei, Kupfer, Silber und Eisen erschmolzen, Metalle, die bei zahlreichen thasitischen Münzprägungen verwendet worden sind. Aufgrund der Untersuchung von Schlackenhalden konnten im Süden der Insel zahlreiche Verhüttungsplätze ermittelt und mittels archäometallurgischer Untersuchungen die Herkunft der eingesetzten Erze bestimmt werden.
Bereits die frühesten auf Thassos stattgefundenen Verhüttungen waren nicht in primitiver Weise in Bodenvertiefungen ausgeführt worden, sondern es kamen relativ große Schmelzöfen von bis zu etwa 1 m Höhe, mit einem Fassungsvermögen von einigen Kilogramm zur Anwendung. Nach Ablauf des Schmelzvorgangs dürften die Öfen zerstört worden sein, so dass nur Ofenkeramikbruchstücke auf den Schmelzplätzen und in den Schlackenhalden auffindbar waren.
Die bisher ältesten auf der Insel erschmolzenen Metallartefakte fanden sich westlich der Akropolis von Kastro auf dem Gräberfeld von Tsiganadika, (liegt zwischen Potos und Theologos). Es handelt sich um Gefäße, deren Löcher mit Blei geflickt wurden. Diese Artefakte stammen aus der Übergangszeit von der ausgehenden Bronzezeit zur frühen Eisenzeit (12. Jahrhundert v. Chr.), sowie aus dem 10. – 8. Jahrhundert v. Chr. Die eingesetzten Bleierze dürften aus den prähistorischen Bergbauen von Vouves und Sotiros stammen, deren Verhüttung in Tsiganadika erfolgte.
Der prähistorische Mensch suchte nicht nach den einzelnen roten Mineralien. Er kannte damals weder Eisenoxid noch Eisen und deren Verarbeitbarkeit. Ihm ging es nur um die rote Farbe. Deshalb ist der vom Hämatit (Fe²O³) abstammende Rotocker nicht das einzige in der Vorgeschichte genutzte rote mineralische Pigment.

Vor allem wurde Zinnober als am intensivsten rot färbendes Material öfter bergmännisch gewonnen. Allerdings sind derartige Gruben nach dem bisherigen Forschungsstand aus einer weitaus jüngeren Zeit. Am bekanntesten ist das Zinnober – Bergwerk von „Suplja Stena“ am Avalaberg bei Belgrad. Dieses soll aus der Bronzezeit stammen.
Vor 22.000 Jahren war die Kaltzeit auf dem Rückzug aus Mitteleuropa nach Norden, der Neandertaler starb aus und der moderne homo sapiens wanderte aus Ostafrika ein, die Menschen wurden erstmals im erweiterten Raum Kleinasiens sesshaft und das Mittelmeer mit der Ägäis hat sich verändert.
Der moderne Mensch löste die „wildbeuterische Lebensweise“ durch Sesshaftigkeit, Ackerbau und Tierhaltung sowie Handel ab. Die ersten Menschen siedelten vor 17.000 bis 12.000 Jahren in kleinen Orten in Kleinasien.
Die wichtigste kaltzeitliche Kultur Europas war neben der des Neandertalers die darauf folgende Gravettien-Kultur auf den Gebieten des heutigen Frankreichs bis zur Ukraine. Sie wurde etwa auf den Zeitraum von vor 28.000 bis 22.000 Jahren datiert. Danach folgten weitere Kulturepochen bis 12.000 v.Chr.
Aufgrund der gewaltigen Wassermassen, die in den Eisschilden / Gletschern gebunden waren, sank während der letzten Kaltzeit der Meeresspiegel auf mehr als 100 Meter unter den heutigen Stand ab. Flache Schelfmeere wie die Nordsee fielen in weiten Teilen trocken. Dadurch vergrößerte sich die Landfläche der Kontinente und Inseln und es entstanden Landbrücken, die es Tieren und Menschen ermöglichten, Gebiete zu erreichen, die später durch den ansteigenden Meeresspiegel wieder voneinander getrennt wurden.
Zum tiefsten Meeresspiegelstand waren in der Ägäis viele der heutigen Mittelmeerinseln mit dem Festland verbunden.
Die Insel Thassos gehörte damals bis etwa 15.000 v.Chr. zum Festland und war somit trockenen Fußes erreichbar.
Der Abbau von Metallerzen, ihre Verhüttung und Weiterverarbeitung bildete einen epochalen Schritt, denn landwirtschaftliche Geräte, Werkzeuge und Waffen aus Metall waren jenen aus Stein, Knochen oder Holz weit überlegen. Mit der Entwicklung neuer Fertigkeiten und Arbeitsmethoden erweiterten die Menschen nicht nur ihr Wissen und ihre organisatorischen Fähigkeiten, sie erwarben zugleich auch wirtschaftlichen Reichtum und gesellschaftliche Macht.

In Europa begann die Bronzezeit vor ca. 4.000 Jahren und endete vor etwa 3.200 Jahren (in Griechenland) bis 2.700 Jahren (in Mitteleuropa). Bedeutend war sie im mykenischen Griechenland.
In Gebrauch war Eisen zuerst bei den Hethitern in Anatolien. Allerdings konnten noch keine ausreichend hohen Temperaturen (über 1.500°C) erzeugt werden, um Eisen vollständig zu verflüssigen. Weich geschmolzene Eisenstücke mussten daher in die gewünschte Form gehämmert werden. Eisen wurde vor allem für Waffen, schwere Werkzeuge und landwirtschaftliche Geräte benötigt.
Das Europäische Mittelmeer ist größtenteils ein Überrest der Tethys, eines großen golfartigen Urozeans, der vom Superkontinent Pangäa umgeben war. Die Kollision der Afrikaplatte (einschließlich der Arabischen Halbinsel) mit dem Südwestrand des damaligen Asiens im mittleren Miozän führte zur Trennung des Mittelmeers vom Indischen Ozean.
Die im östlichen Mittelmeer, auch in der Ägäis, erhaltene ozeanische Erdkruste des westlichen Tethysbeckens ist mit einem Alter von teilweise über 300 Mio. Jahren die älteste der Welt.
Vor etwa sechs Millionen Jahren begann das Mittelmeer auszutrocknen. Vor dem Messinium war das Mittelmeer noch nicht über die schmale Straße von Gibraltar mit dem Atlantik verbunden, sondern über wesentlich breitere Meeresarme, welche einerseits über Südspanien, andererseits südlich des Atlasgebirges führten. Als Folge der plattentektonisch bedingten Kollision Afrikas mit Südeuropa schlossen sich diese Meeresverbindungen. Durch die Isolation des Mittelmeerbeckens verdunstete das Meerwasser zusehends und der Pegel sank. Die sich bildende Salzwüste ist heute im Meeresboden des Mittelmeeres in Form mächtiger Gips- und Salzlager dokumentiert. Einige Jahrtausende später wurde das Becken des Mittelmeers durch einströmendes Wasser aus dem Atlantik über die Straße von Gibraltar wieder gefüllt. Dieser Vorgang spielte sich wohl mehrmals vor sechs bis fünf Millionen Jahren ab. Die Barriere zum Schwarzen Meer wurde etwa 5.600 v. Chr. überschwemmt.

Resumee:

Es kann vermutet werden, dass der aus Afrika eingewanderte homo sapiens teilweise vor 22.000 Jahren in Kleinasien sesshaft wurde. Diese Kultur und Gesellschaft breitete sich rasch in dieser Zeit über die heutige Türkei nach Griechenland aus. Mit Viehzucht und Handel erzielten sie mehr Einfluss und Macht auf andere Gesellschaften. Dazu gehörte auch die Ausbeutung der Rotockerbergwerke auf Thassos und der Handel mit Rötel.




Quellen:
- Speidel Pforzheim
- Projektbericht in Der Anschnitt, Heft 21, Deutsches Bergbau Museum
- Eigene Aufzeichnungen, Fotos
- Wissen.de
- Landkarte Thassos 2014 mit Wanderwegen
- Wikipedia
- A. Conze: Reise auf den Inseln des thrakischen Meeres, Hannover 1860



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