Coulee, Cataldo & Caldera

Reisebericht

Coulee, Cataldo & Caldera

Reisebericht: Coulee, Cataldo & Caldera

"Hä?", werden sich die meisten da fragen. Hinter diesen Begriffen stehen eindrucksvolle Sehenswürdigkeiten auf dem Weg zu einem Supervulkan. Von Portland nach Moose im Grand Teton Nationalpark, sind es 1635 km. Unterwegs begegneten uns technische Meisterleistungen, geschichts-trächtige Orte und am Ende erwanderten wir die Caldera des ältesten Nationalparks der Welt.

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Beacon Rock



Beacon Rock

Bridge of the Gods

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Anderthalb Stunden vor Sonnenaufgang fahren wir los. Es ist ein langer Weg bis nach Missoula in Montana, wo wir die erste Rast einlegen werden. 1000km an einem Tag, nicht ohne unterwegs einige interessante Sehenswürdigkeiten mitzunehmen.
Beacon Rock im Tal des Columbia River ist der Überrest eines Vulkans, der vor nur 57000 Jahren ausbrach. Was man heute sieht, ist der harte Vulkanschlot, der übrig blieb, als gewaltige eiszeitliche Fluten den Rest des Berges abschleiften.
Gegen Ende der Eiszeit bildete sich ein gewaltiger Schmelzwassersee im Gebiet des heutigen Staates Idaho. Dieser See (Lake Missoula) wurde mehrmals von einer Eisbarriere verstopft. Jedes Mal, wenn das eiszeitliche Schmelzwasser die Barriere durchbrach, ergossen sich gewaltige Wassermassen das heutige Tal des Columbia River hinab. Grosse Teile des Staates Washington und des Willamette Valleys in Oregon wurden damals überflutet. Geologen schätzen, dass in der Zeit vor 15000 bis 13000 Jahren diese Situation mindestens 25 Mal auftrat und die Überflutungen im Mittel 55 Jahre andauerten. Die abfliessenden Wassermassen werden auf 10 bis 17 Kubikkilometer pro Stunde geschätzt, in Spitzen bis zu 60 Kubikkilometer pro Stunde! Das wäre das 13- bis 78-fache der stündlichen Wassermassen, die der Amazonas heute ins Meer ergiesst!



Washington - A Road Movie

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Im Film "Ice Age 2 - Jetzt taut's" wird dieses Ereignis in die Handlung des Films eingebaut.
Vor zwei Jahren bestieg ich den Beacon Rock. Heute sollten wir nur im Morgengrauen daran vorbeifahren, denn sehr viel weiter entfernte Sehenswürdigkeiten harrten unserer.
Zwischen Mt. Hood und Mt. Adams fuhren wir durch die Schlucht des mächtigen Columbia River, verliessen die Schlucht, um einen grossen Bogen des Flusses abzuschneiden und überquerten den Columbia zwischen Ellensburg und Ephrata ein letztes Mal. Unser Ziel war Coulee City. Die Stadt ist ein kleines Nest mit weniger als 600 Einwohnern und existiert erst seit 1907. Bedeutsam wurde der Ort erst durch den Grand Coulee Dam.
In der Mittagshitze kommen wir an. Über 25°C ist für Mitte Mai in dieser Gegend schon ganz schön warm. Wir wussten nicht, dass wir uns 24 Stunden später bereits in die Hitze zurücksehnen sollten, aber dazu später mehr.



Energiegigant



Grand Coulee Dam

Ringschnabelmöwe

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Der Grand Coulee Damm hat eine Schlüsselrolle für die Wasserversorgung im mittleren Einzugsbereich des Columbia River. Der Damm wurde im Jahr 1942 vollendet und ist seit der Eröffnung des Dreischluchten-Staudamms in China „nur noch“ die zweitgrösste Struktur aus Beton weltweit. 9 Millionen Kubikmeter Beton wurden verbaut, der ungefähr 22 Millionen Tonnen wiegt. Es ist schwer, sich diese Mengen vorzustellen, selbst wenn man lustige Vergleiche anstellt.
Mit dem Beton des Staudamms könnte man einen 1,20 Meter breiten Fussweg zwei Mal um die Erde legen. Selbst mit dieser Information kann man den Damm nicht richtig erfassen. Die Länge des Damms beträgt fast eine Meile (1,6km), die Höhe entspricht der eines 46-stöckigen Gebäudes, so hoch wie das Wahrzeichen von Seattle, der „Space Needle“. Durch die Zuflussröhren des dritten Kraftwerks innerhalb des Damms könnten 3 Busse nebeneinander herfahren. Der Damm ist dreimal so schwer wie der viel bekanntere Hoover Dam und die Basis des Damms ist 4,4 mal so gross wie die Basis der Grossen Pyramide in Ägypten. Zumindest die Leser, die schon mal in Seattle oder in Ägypten waren, können nun die Grösse des Grand Coulee Damms einigermassen einschätzen.



Hochspannung

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Der ursprüngliche Damm wurde zur Energiegewinnung und für Bewässerung von Feldern konzipiert. Er wurde zwischen 1933 und 1942 ursprünglich mit 2 Wasserkraftwerken gebaut. Ein drittes Kraftwerk wurde 1974 eingefügt und seitdem ist der Damm das Kraftwerk der U.S.A. mit der grössten Menge an produzierter Energie.
Die grosse produzierte Strommenge kam gerade rechtzeitig, um die Rüstungsindustrie in Seattle für den Gewinn des 2. Weltkriegs im Pazifik anzukurbeln. Zwischen 1967 und 1974 wurde das dritte Kraftwerk gebaut und durch einen Umbau der Turbinen wurde die Leistung auf 6809 MW erhöht. Als Zentralstück des Columbia Basin Project kann der Staudamm Wasser speichern, um bis zu 2700 Quadratkilometer Ackerland zu bewässern.

Der Stausee trägt den Namen von Franklin Delano Roosevelt, des Präsidenten, in dessen Amtszeit die Genehmigung und die Vollendung des Staudamms fiel. Aus den Überflutungsgebieten des Stausees mussten über 3000 Menschen umgesiedelt werden. Darunter waren auch Angehörige der First Nations (früher „Indianer“ genannt), deren alte Stammesgebiete teilweise überflutet wurden.



Kriegsgewinn(l)er



historische Turbinen

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Vorteile des Damms

Bewässerung, das vornehmliche Ziel des Damms, wurde zu Kriegszeiten hintangestellt, weil die Stromproduktion zunächst wichtiger war. Aluminiumhütten in Logview und Vancouver, Washington, Boeing-Fabriken in Seattle und Vancouver, sowie Schiffswerften in Portland profitierten vom Energieangebot. Ab 1943 wurde die Energie auch für die Plutoniumproduktion in Hanford genutzt, die Teil des sehr geheimen „Manhattan Project“ war. Die Nachfrage nach Energie durch die „Hanford Site“ war so gross, dass 2 Turbinen, die in den Shasta-Damm in Kalifornien eingebaut werden sollten, im Jahr 1943 doch in den Grand Coulee Damm integriert wurden.
Von Lake Roosevelt wird in 85 Meter langen und im Durchmesser 3,7 Meter grossen Röhren Wasser zu einem Verbindungskanal des Banks Lake gepumpt. Die 70000 PS starken Pumpen können 45 Kubikmeter pro Sekunde in den Banks Lake pumpen, der eine Aufnahmekapazität von 882 Millionen Kubikmetern hat. Von einem gut gefüllten Banks Lake könnte ich also locker 88 Millionen Jahre lang Trinkwasser beziehen... Zur Zeit bewässert dieses Columbia Basin Project etwa 2700 qkm Land mit einem möglichen Potential für weitere 2000 qkm. Mehr als 60 verschiedene Feldfrüchte werden innerhalb des Projekts angebaut und in alle 50 Staaten verkauft.



Schalttafel

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Elektrizität

Der Grand Coulee Dam beherbergt heute 4 verschiedene Kraftwerke mit 33 Turbinen. Die zwei ursprünglichen Kraftwerke haben 18 Generatoren und drei Zusatzgeneratoren mit einer Gesamtkapazität von 2280 MW. Das dritte Kraftwerk enthält 6 Generatoren mit 4215 MW installierter Kapazität. Drei Zusatzgeneratoren im dritten Kraftwerk haben einen Nennleistung von 600 MW und eine Maximalkapazität von 690 MW, das die addierte Kapazität des gesamten Damms auf 7079 MW heraufschraubt. Die Generatorpumpen für den Zufluss zum Banks Lake verbrauchen 600 MW an Energie, wenn sie Wasser in den Banks Lake pumpen. Der Grand Coulee Dam produziert 21 TWh Elektrizität pro Jahr, das entspricht 2397 MW pro Stunde. Um meinen JÄHRLICHEN Energiebedarf zu decken, benötigt der Grand Coulee Dam etwa 1,5 Sekunden. Die Energieeffizienz beträgt 35%.
Ein Schmankerl am Rande: durch die grössten Turbinen könnten 3 Omnibusse NEBENEINANDER herfahren! Die vielen Zahlen haben mir nicht soviel gesagt wie diese bildliche Vorstellung.



Strange Forest

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Einflüsse auf Umwelt und soziale Konsequenzen

Der Damm hatte schwere negative Auswirkungen auf örtliche Stämme der First Nations, deren traditioneller Lebensstil sich um Lachs und das umgebende Buschland drehte. Weil keine Fischtreppe eingebaut wurde, blockiert der Grand Coulee Dam Fischwanderungen auf 1770 km Flusslänge. Königslachs (Chinook), Regenbogenforelle (Steelhead), Blaurückenlachs (Sockeye), Silberlachs (Coho) und Neunaugen (Lamprey) können nun das obere Becken des Columbia River nicht mehr erreichen. Die Ausrottung der Laichgründe hält nun die Spokane und andere Stämme von ihrer „first salmon ceremony“ ab.
Der Grand Coulee Dam überflutete 85 qkm Flussniederung, wo Ureinwohner über tausende von Jahren gelebt und gejagt haben. Sie mussten ihre Siedlungen und die Begräbnisstätten verlegen, wodurch viele archäologisch bedeutsame Artefakte zerstört wurden. Die Verlegung der Friedhöfe startete im September 1939, die Angaben über die Anzahl der verlegten Gräber schwanken zwischen 915 (Bureau of Reclamation) und 1388 (Howard T. Ball, der die Verlegung überwachte). Stammesfürsten meldeten weitere 2000 Gräber im Jahr 1940 an, aber das Bureau of Reclamation arbeitete nicht weiter an den Gräbern und so wurden sie bald von Wasser bedeckt. Der Ort Inchelium, Washington, Heimat von etwa 250 Colville Indianern, ging unter und wurde umgesiedelt und Kettle Falls, alte Fischgründe der First Nations, wurde ebenfalls ein Raub der Wellen. Die mittlere Zahl von 600000 gefangenen Lachsen pro Jahr sank (natürlich) schlagartig auf null und im Juni 1940 hielten die Vereinigten Stämme des Colville Reservats eine dreitätige „Zeremonie der Tränen“ ab, die das Ende der Fischgründe bei Kettle Falls besiegelte.
Das Columbia Basin Project beeinflusste nicht nur die Verbreitungsgebiete von Tieren wie Maultierhirsch (mule deer), Zwergkaninchen und Prärieeule (burrowing owl), sondern reduzierte auch ihre Anzahl. Andererseits hat es auch neue Feuchtgebiete und Korridore von Auwäldern geschaffen.
Da durch die neuen Umwelteinflüsse das traditionelle Leben der Ureinwohner schlagartig beendet wurde, wurden die Colville Indianer im Jahr 1990 mit 53m$, plus jährlich 15m$ entschädigt. Im Jahr 2011 kämpften die Spokane immer noch um Entschädigung.
Um die Abwesenheit einer Fischleiter zu kompensieren, wurden oberhalb des Damms Fischzuchten errichtet, die Fische ins obere Becken des Columbia River entlassen. Die Hälfte der Fische geht an die umgesiedelten Stämme, ein Viertel ist für die traditionelle Jagd reserviert.



Idaho - A Road Movie

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Woody Guthrie und der Grand Coulee Dam

Der Folksänger Woody Guthrie schrieb einige seiner berühmtesten Songs, während er in den 40er Jahren in diesem Gebiet lebte. Nach einem kurzen Aufenthalt in Los Angeles zog Guthrie mit seiner Familie 1941 in den Norden Oregons. Er bekam ein Angebot, in einem Dokumentarfilm über den Bau des Grand Coulee Dams als Erzähler mitzuwirken. Das Projekt sollte 12 Monate dauern und Guthrie sollte erzählen und seine Lieder im Film singen, aber weil den Filmemachern Woody Guthrie zu politisch war, wurde seine Rolle gekürzt. Dennoch engagierte das Innenministerium den Künstler für einen Monat. Während er durch das Tal des Columbia River und den pazifischen Nordwesten tourte, sagte er, er könne es nicht glauben, wie paradiesisch das Land ist. Die Gegend inspirierte ihn so stark, dass er in nur einem Monat 26 Songs schrieb, von denen 3 zu seinen berühmtesten wurden: „Roll On, Columbia, Roll On“, „Pastures of Plenty“ und „Grand Coulee Dam“. Der Film „Columbia River“ wurde wegen der Unterbrechung durch den Krieg erst 1949 fertiggestellt.
So eine kompetente Führung durch das Kraftwerk strengt an. Man ist überwältigt ob der Fülle an Zahlen und Informationen. Zu dumm, dass wir immer noch sehr weit fahren müssen. In der Nähe von Coeur d'Alene in Idaho machen wir den nächsten Stop. Übrigens: wer denkt, die Amerikaner sprächen den Namen der Stadt französisch aus, irrt. Es klingt eher wie "cordelayne".



Frühling in Idaho



Cataldo Mission

Kirche und Pfarrhaus

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Wäre man 1853 zur Mission des Heiligen Herzens gefahren, wäre man in einer Metropole des inneren pazifischen Nordwestens angekommen. Auf einem grasbewachsenen Hügel über dem Coeur d‘Alene River bestand die Mission aus 8 Holzhäusern, Scheune, Stall, Getreidemühle und Werkstätten und Läden für Schmid, Zimmermann und Bäcker. Alles wurde von einer imposanten Kirche überragt, die im gleichen Jahr vollendet wurde. Father Antonio Ravalli überwachte das dreijährige Bauprojekt in der Hoffnung, die Schönheit europäischer Kirchen zu treffen. In einer sehr rustikalen Art und Weise war er auch sehr erfolgreich, indem die Coeur d‘Alene Indianer eine Kirche mit einem Turm aus handbehauenen Holzbalken zimmerten.
Sie fabrizierten Wände, indem sie Gras durch Weidenschösslinge woben, die dann mit Erde und Lehm verputzt wurden. Sie sägten Bäume mit einem Durchmesser von 1,5m, um dem Altar eine Bodenplatte zu geben. Sie hielten das Gebäude zusammen mit Holzpflöcken. Ravallo tapezierte die Wände mit handbemalter Zeitung, entwarf Kronleuchter aus Blechbüchsen und schnitzte Statuen von Maria und Johannes aus Holz. Unterhalb der Mission, auf einer Niederung nahe des Flusses, lebte eine kleine Gemeinschaft von 40 Indianern in Holzhütten.
Das Gelände mag sich verändert haben, aber die Kirche sieht im Wesentlichen noch aus wie vor rund 160 Jahren. Die Missionare zogen schon 1877 nach DeSmet und die Gebäude durchlebten harte Zeiten. Aber Bemühungen um Restaurierung in den 1920er und 1970er Jahren retteten einige Gebäude. Heute ist die alte Mission nicht nur National Historic Landmark und ältestes Gebäude in Idaho, sondern auch ein Zeugnis für die Hingabe mehrerer Generationen von Einwohnern Idahos, die sich um die Bewahrung dieses schönen Ortes verdient gemacht haben.



Mission of the Sacred Heart



Missions-Mühlstein

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Father Pierre-Jean DeSmet

Der Jesuitenpriester Pierre-Jean DeSmet folgte dem Ruf der Indianer des pazifischen Nordwestens nach Bildung und Religionsunterricht und gründete mehrere Missionen in der Region. Wiederholte Überflutungen zwang die Jesuiten, ihre 1842 gegründete Mission am St. Joe River aufzugeben und sie nahe Cataldo wiederanzusiedeln. 1877 zog die Missionsleitung nach DeSmet um, eine Stadt, die nach ihrem Gründer benannt wurde. DeSmet verbrachte fast die Hälfte seines Lebens damit, Missionen auf dem Land der First Nations einzurichten, die zweite Hälfte seines Lebens als Friedensbotschafter für verschiedene Stämme im Auftrag der amerikanischen Regierung. Er starb 1873 in St. Louis im Alter von 72 Jahren.



Des Pfarrers Tafel

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Steamboat Transfer Point

Der Coeur d‘Alene River half dabei, die Mission des Heiligen Herzens bekannt zu machen. Für einen Dollar konnten Passagiere 40km vom Coeur d‘Alene Lake auf einem Dampfer hierher fahren und die Schönheit der Mission in der Wildnis geniessen. 1877 wurde die Anlegestelle der Mission zum Umschlagspunkt für Fracht und Passagiere vom Dampfschiff zur kürzlich errichteten Eisenbahnlinie, die die Silberminen von Kellogg und Wallace miteinander verband. Wenn man heute auf dem Hügel der Mission steht, ist von der Anlegestelle am Fluss nichts mehr zu sehen. Das Auto ist heute Transportmittel Nr. 1 und auf dem Fluss fahren nur noch ein paar verstreute Sommerfrischler.



Pfarrhaus der Cataldo Mission



Monarch Stove

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Nach einer Übernachtung in Missoula, Montana, fahren wir am frühen Morgen zügig weiter. Es strömt im Regnen, na ja, ihr wisst schon. Wetterumschwung. Die gestrige Hitze hätte uns warnen sollen. Ein Tief war im Anmarsch, das zunächst schwülwarme, später feuchtkalte Luft mit sich führte. Jetzt haben wir den Salat. Ausgerechnet so kurz vor Yellowstone gibt es einen Wetterumschwung. Wir befürchten Schnee und geschlossene Strassen. Aber wir haben unser Programm und müssen da durch.
PENG! Da schiesst jemand auf uns! Nein, so verrückt sind sie in Montana dann doch nicht. Ein Stein hat unsere Windschutzscheibe getroffen und einen kleinen Riss verursacht. "Noch mehr Probleme", denken wir, aber wenigstens hört es im Lauf des Vormittags auf zu regnen und wir erreichen den nächsten Halt im Trockenen.



Hepburn's Mesa

Hepburn's Mesa

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Der schwarzrandige Steilhang an der Ostseite des Yellowstone River wird Hepburn‘s Mesa genannt. Sie wird bedeckt von Basaltlava, die von einem kleinen Vulkanschlot stammt, der schon lange wegerodiert ist. Geologisch ist die Lava „jung“, wahrscheinlich „nur“ 2,2 Millionen Jahre alt. Grössere Mengen von Eisen im Basalt lassen ohn schwarz erscheinen. Ein Teil des Eisens kristallisierte als Magnetit und in grösseren Mengen kann es Kompasse stören. Der Basalt liegt auf lockerem Kies, der wiederum auf älterem, hellen, feingranulärem Sedimentgestein liegt, das in einem alten See abgelagert wurde, der hier einst lag. Das Sedimentgestein der Mesa enthält zahllose Fossilien aus dem Miozän, einschliesslich alter Nager, Maulwürfe und einem Urpferd namens Merychippus, dem Urvater der heutigen Pferde. Auf dem Basalt der Mesa liegt eine eiszeitliche Moräne aus dem Pleistozän. Die Oberfläche ist buckelig und übersät von Findlingen. Viele Generationen lang jagten Indianer Bisons über die Klippen, um Nahrung und Häute zu gewinnen. Hepburn‘s Mesa ist benannt nach John Hepburn, einem Viehzüchter und Hobby-Paläontologen. Er kam 1909 hierher, nachdem er viele Jahre im Yellowstone Nationalpark gearbeitet hatte. Von 1935 bis zu seinem Tod 1959 führte er ein Museum mit Fossilien und geologischen Ausstellungsstücken, die er in der Gegend fand.



Yellowstone River

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Geo-Facts

Die feingranulierten Sedimentgesteine wurden in einem alkalischen, flachen See abgelagert.
Die Fossilien, die nahe Hepburn‘s Mesa entdeckt wurden, zeigen, dass dieses Gebiet ein trockenes bis halbtrockenes Klima während des Miozäns vor 11-18 Millionen Jahren hatte.
Die Absaroka-Kette östlich der Strasse markiert das westliche Ende des Beartooth Plateaus und besteht überwiegend aus präkambrischem Grundgestein mit einer lokalen Decke aus Vulkangestein. Das Beartooth Plateau drückte sich vor etwa 55 Millionen Jahren durch Sedimentgesteine hoch und enthält einige der ältesten Gesteine der Erde.

Harmlos fliesst der Yellowstone River hier nach Norden, wo er in der Nähe von Gardiner, Montana, den Nationalpark verlässt. Er wendet sich dann nach Nordosten, wo er von rechts in den Missouri fliesst. Der Yellowstone River ist 1114 km lang. Nur unwesentlich länger ist der Rhein: 1233 km.


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Kommentare

  • Blula

    Lieber ULI !
    Auch ich gehöre, und da schäme ich mich gar nicht, zu jenen, die zu den Begriffen Coulee und Cataldo nichts, aber auch gar nichts zu sagen wüssten. In meinem Speicher gibt es nur die Caldera. Aber nun kommst Du mit diesem Bericht über eine dermaßen interessante Tour durch den Nordwesten der USA, die so wahrscheinlich auch noch niemand unternommen hat. Ich bin nicht nur begeistert von all den Highlights jeglicher Art, sondern auch von Weise, wie Du sie uns hier näherbringst... mit allen nur möglichen Hintergründen, geschichtlichen sowie geologischen Fakten und natürlich auch den ganz persönlichen Eindrücken.
    ULI, Du bist auf dieser Grand Tour auch technischen Meisterleistungen begegnet und ich behaupte, Dein Bericht hier ist ebenfalls eine Meisterleistung. Die Mühe, die ja bereits mit der ausgezeichneten Beschreibung aller Deiner Fotografien begann, hat sich wahrhaftig gelohnt. Ich kann nur DANKE sagen.
    LG Ursula

  • traveltime

    Ich mache es mal kürzer,
    der Bericht war sehr gut und umfangreich, ich habe viel gelernt.
    LG Rolf

  • u18y9s26

    Lieber Uli,
    großartige Bilder zu brodelnder Erde stellst du deinem Bericht zur Seite, den ich mir auf den Merkzettel zum Lesen gesetzt habe für eine ruhige Stunde. Vielleicht hast du den Reiseführer für unsere nächste Reise geschrieben. Dieser Teil der Erde ist von uns noch unentdeckt und auf der Wunschliste für die Zukunft.
    LG Ursula

  • Ginkgo

    Es sind sehr schöne Bilder dabei, weshalb ich auch Lust habe den Nationalpark zu besuchen. Danke für den Bericht.
    LG Ginkgo

  • astrid

    Das Warten hat sich gelohnt! Was für ein umfangreicher informativer Bericht gespickt mit Sehnsuchtsfotos, einfach schön! LG Astrid

  • bezi

    Ich habe hier selten einen so lehrreichen Reisebericht gelesen. Obwohl ich wahrscheinlich niemals dorthin kommen werde, hat mich diese Route total interessiert. Du hast hier eine Menge Arbeit reingesteckt und eigentlich verdienst du hier noch viel mehr als fünf Punkte. Außerdem hattest du ja auch schon deine Fotos alle schon so gut erklärt. So ein Bericht sollte unbedingt auch von der Redaktion empfohlen werden. Vielen Dank!
    LG Claudia

  • cablee

    Danke für den interessanten und so schön bebilderten Bericht!

    LG
    Gila

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  • Chrissi

    Ich habe deinen Bericht richtig studiert und bin ebenfalls total beeindruckt von all dem, was du hier für uns an Sehens- und Wissenswertem während dieser Reise zusammengetragen hast. Vielen Dank auch für die vielen guten Fotografien dazu.
    LG Christel

  • Anamcara

    Hi Uli,
    endlich hab ich mir die Zeit genommen, Deinen Bericht, der ja fast ein Taschenbuch ist, zu lesen!
    Kein Wunder, dass Du dafür sehr lange gebraucht hast, er hat ja schon ein wenig das Zeug zur Doktorarbeit!
    Sehr informativ und einladend bebildert, das muss eine tolle Reise gewesen sein.
    Bis demnächst in Tübingen,

    ganz liebe Grüße

    Marianne

  • matulr

    Hallo liebe Leute,
    ich danke Euch allen für die vielen, vielen guten Bewertungen und wohlwollenden bis begeisterten Kommentare!
    Ja, es ist tatsächlich eine Höllenarbeit, einen solchen Reisebericht zu erstellen, aber ich kann durch diese Arbeit eine unvergessliche Reise nochmal durchleben und sie durch zusätzliche Recherchen sozusagen abrunden. Dieser Bericht ist der zweite in einer Reihe von 3 Berichten (der erste war über Hawai'i). Ich teilte diesen Urlaub in 3 Teile, weil sonst überhaupt niemand mehr einen einzigen Text gelesen hätte wegen der erschlagenden Fülle an Informationen. Ich sehe auch, dass dieser Bericht hart an der Schmerzgrenze für einige Leser gewesen sein muss.
    Der nächste und letzte Bericht dieser Reihe trägt den Arbeitstitel "Moon, Malheur & Minidoka". Er wird wohl kaum kürzer werden als dieser Bericht hier und ich hoffe inständig, dass ich es schaffe, ihn vor meinem nächsten Urlaub (Ende Juni 2018) fertigzustellen. Neugierig geworden? Dann veröffentliche ich gleich schon mal ein Bild vorab... ;-)
    An Claudia: danke Dir für den Tipp an die Redaktion! Der Bericht erscheint am Freitag 26. Januar 2018 auf der Startleiste! :-)))
    Herzliche Grüsse,
    ULI

  • ursuvo

    Jetzt habe ich mir endlich auch die Zeit für Deinen wieder so interessanten und s e h r gut geschriebenen Bericht genommen - es hat sich gelohnt.
    Deine "Schreibe", die Infos und die Bilder - das war einfach Spitze!!!!!
    Der "technische Teil" ist besonders für meinen Mann interessant - der Rest des Berichts aber auch - ich werde ihn gleich "weitergeben" und bin sicher, dass er ihn genau so gut findet wie Deine bisherigen Leser!
    Ich freu' mich jedenfalls schon auf Deinen nächsten Bericht:-)))))
    Und wenn man hier mehr "Kameras" verteilen könnte - ich wäre dabei.
    Herzliche Grüße - Ursula

  • tumtrah

    Lieber Uli,.
    was für ein faszinierender Bericht ist dir da wieder - ich denke an Galápagos - gelungen! Nicht nur weil ich zeitlich auch anderweitig eingespannt war, habe ich den Bericht - was nötig ist - voll konzentriert in zwei Schüben gelesen. Dabei habe ich mich immer wieder gefragt, ist der Uli nun am Anatomischen Institut in Tübingen oder dem Geologischen beschäftigt? Wie du die geologischen Zusammenhänge und Erscheinungen beschreibst, kann nicht nur gegoogelt und/oder angelesen sein, man merkt, wie du mit der Materie "freihändig spielst". Manchmal wünschte ich mir beim Lesen, dass es dir auch einmal vergönnt sein möge, das Dallol Thermalfeld in der Danakilwüste besuchen zu können. Das wäre was für dich!!
    Ich selbst war 2003 im Yellowstone NP auf einer Selbstfahrerreise durch die Nationalparks des Westens. Erst jetzt habe ich erfahren, was mir alles verborgen geblieben und dadurch entgangen ist. Meine Erinnerungen an den Yellowstone sind leider eher davon geprägt, dass ich stundenlang durch verbrannte Wälder fuhr. Die in den Himmel ragenden schwarzen Baumruinen - quadratkilometerweise! - legten sich schwer auf mein Gemüt. Dein Bericht hat mich darin bestärkt, den Park unbedingt noch einmal aufzusuchen. Vielen Dank dafür!
    LG Hartmut

  • Wilfried_S.

    Hallo Uli,
    da ich ja immer wieder einmal eines Deiner großartigen Bilder, die dann in diesem Bericht verwendet wurden, gesehen hatte, habe ich heute eine mehrstündige Reise mit dem Zug genutzt, um auch diesen herausragenden Bericht zu lesen.
    Zunächst hatte der Bericht wegen des Yellowstone NP, den wir vor Jahren auch - aber wohl leider VIEL zu kurz - besucht hatten, mein Interesse geweckt. Ich wurde dann aber sofort gefangen genommen von Deiner eindrucksvollen Schilderung des Grand Coulee Dams und konnte den Bericht nicht mehr beiseite legen ohne ihn bis zum Ende geradezu zu verschlingen.
    Über die Qualität Deiner Bilder lässt sich ja kaum streiten, fasziniert hat mich vor allem aber auch Deine Beschreibung mit unzähligen Hintergrundinformationen. Und ganz nebenbei ist dieser Bericht auch so gut (und fehlerlos) geschrieben, dass es einfach ein Vergnügen ist, ihn zu lesen.
    Danke + LG Wilfried
    PS: Noch etwas zum Wetter. Schneefall im NP kann man als Pech oder auch als Glück betrachten. Wr hatten das große Glück, Ende Mai 2010 den Bryce Canyon mit seinen prächtig gefärbten Felsformationen mit Neuschnee zu erleben. Es gibt bei der RC auch "ein paar" Bilder davon :-))

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  • widix

    Lieber Uli,
    danke für diesen informativen und tollen Bericht. Geologie hat mich ja schon immer interessiert und so war es für mich sehr fesselnd, die vielen Details über Deine Reise und die spannenden Hintergründe zu erfahren. Das gilt natürlich auch für alle anderen Beschreibungen. Im Yellowstone NP war ich vor sehr vielen Jahren, damals noch als Jugendliche mit meinen Eltern und durch Deine wunderschönen Bilder sind viele herrliche Erinnerungen wiedergekommen. Danke dafür! Die Unvernunft einiger Touristen, die Du beschrieben hast, habe ich auch schon öfters erlebt. Bei uns haben Japaner in Kanada sich einem Grizzly für ein Selfie genähert.....Schade, dass Du mit dem Wetter etwas Pech gehabt hast, trotzdem sind viele fanastische Bilder dabei herausgekommen. Ich freue mich auf Deinen nächsten Reisebericht :-).
    Liebe Grüße
    Sabine

  • u18y9s26

    Es war ein Genuss, den Bericht in Ruhe zuende zu lesen. Eine Erkenntnis hat sich bei mir beim Lesen breit gemacht. Yellowstone-Teton bietet genug für einen Urlaub. Lieber intensiv wie du, als wie die Chinesen, die wir in China auch sehr liebenswert kennengelernt haben. Nur etwa 3 Millionen der riesigen chinesischen Bevölkerung bereisen das außerchinesische Ausland und andere Kontinente. 50% aller Reisenden bleiben als Touristen im Inland und drängeln sich wegen der Massen dort vor den Sehenswürdigkeiten. LG Ursula

  • matulr

    Nochmals danke an alle Kommentatoren! Das spornt mich an, den nächsten Bericht in Angriff zu nehmen. Der Einstieg ist oftmals der schwierigste Teil. Wenn es mal läuft, dann läuft es. Der letzte Teil dieser "Trilogie" wird von der Rückreise von Yellowstone an die Küste handeln. Eine Reise kreuz und quer durch die abgelegensten Winkel von Idaho und Oregon. Geologie wird dabei, lieber Hartmut, wieder eine wichtige Rolle spielen, aber es wird auch Einblicke in die amerikanische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts geben. Ein bedrückendes Highlight wird der Besuch eines amerikanischen Konzentrationslagers aus dem 2. Weltkrieg. Es gab im Krieg 11 Konzentrationslager auf dem Boden der U.S.A., aber nur ein einziges Aufnahmelager für Kriegsflüchtlinge aus Europa.
    Kurzer Nachtrag zu Yellowstone: ich wünschte, ich hätte viel mehr Zeit dort verbringen können! Es gibt mehrere hundert Kilometer herrlichste Wanderwege von 1,6 bis 34km Länge...
    LG ULI

  • Krosby01

    Ich denke, ich bin der Letzte, der den zweiten Teil des Vulkanologie-von-Amerika Berichts fertig las: Hawaii-Yellowstone-Paulina. Wartete ich zu lange? Nein, denn meine Erfahrung bewies das alte Sprichwort: Was lange währt, wird endlich gut.

  • Zeitreisende

    Lieber Uli,
    vielen Dank für Deinen Bericht: sehr informativ, sehr kurzweilig und sehr schön geschrieben. Ich habe viel gelernt und bin auch von den Fotos sehr begeistert. Der Yellowstone NP ist in meinen Augen etwas ganz Besonderes und ich habe schon viel darüber gelesen- aber von einigen Details, die Du sehr anschaulich und spannend beschrieben hast, hatte ich noch nie gehört. Ich fürchte, nun hat mich das Fernweh nach meinem Lieblingspark gepackt. Liebe Grüße aus Köln, Dani

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