Rumänien - Land der Geschichten und Traditionen

Reisebericht

Rumänien - Land der Geschichten und Traditionen

Reisebericht: Rumänien - Land der Geschichten und Traditionen

Rumänien ist ein sehr vielseitiges und äußerst abwechslungsreiches Reiseland. Bezaubernde Natur, lebendiges Brauchtum, kulturelle Sehenswürdigkeiten, und stets freundliche Menschen zeichnen das Land aus.

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Wir starten unsere Reise durch Rumänien in der Stadt Cluj, die wir nachmittags nach einem circa 1 1/2-stündigen Direktflug mit der empfehlenswerten rumänischen Fluglinie TAROM erreichen. Am überschaubaren Flughafengelände erwartet uns schon der Mietwagenverleih mit einem nagelneuen Opel Mocca. Wie wir in den nächsten Wochen immer wieder feststellen werden, ist ein 4WD Antrieb essenziell für Fahrten ins Hinterland.



Zuerst jedoch fahren wir auf gut ausgebauten Straßen in südliche Richtung zur Mina Turda. Hier haben schon die Römer Salz abgebaut. Im Laufe der Zeit wurde die Saline auf 3 riesige Stollen ausgeweitet. 1932 wurde die Gewinnung wegen Verunreinigung durch Lehm schließlich eingestellt. Wiedererweckt wurde die Anlage 1992 als unterirdischer Vergnügungspark. Ein gläserner Aufzug führt seitdem 13 Stockwerke in die Tiefe. 110 Meter unter der Erde gibt es die Möglichkeit, auf einem Salzsee Boot zu fahren, in einer weiteren Halle Fußball und Tischtennis zu spielen oder im Amphitheater Konzerten zu lauschen. Wir entscheiden uns für eine Runde mit dem Riesenrad, wo wir immer wieder die überwältigende Größe der Mine und die Salzablagerungen an den Wänden bestaunen. In der Saline herrschen konstante 10 Grad Lufttemperatur, daher gut, dass wir bei der großen Hitze draußen auch an etwas Warmes zum Überziehen gedacht haben.



Salzmine Turda



Wieder zurück an der frischen Luft versuchen wir, die nahe Schlucht Cheile Turzii zu erreichen. Leider wird der vom Navigationsgerät berechnete Weg immer schlechter. Zuerst endet der Straßenbelag, dann kommen die Schlaglöcher, zu guter Letzt liegen faustgroße Steine auf dem karrenbreiten Feldweg. Schließlich wenden wir, um eine bessere Verbindung zu finden. Das Gerät berechnet endlich neu - schlussendlich stellen wir fest, dass es auf Touren mit dem Fahrrad eingestellt war.
Am Anfang der Schlucht befindet sich ein großer Parkplatz, wo wir unser Mietauto stehen lassen. Ein verrostetes Schild weist auf ein Eintrittsgeld hin, ein Tickethäuschen finden wir jedoch nicht.
Die Cheile Turzii liegt inmitten des gleichnamigen Naturschutzgebiets. Eindrucksvolle Felswände erheben sich über 200 Meter über dem schmalen Canyon. Darin gibt es - zur Freude unseres Sohnes- auch mehrere kleine Höhlen zu entdecken.
Ein gut befestigter Wanderpfad mit zahlreichen Brücken führt durch den etwa zwei Kilometer langen Talgrund, immer wieder wandern unsere Blicke auf die majestätische Bergkulisse über uns.
Leider - das muss gesagt werden - liegt bei unserem Besuch viel zu viel Müll auf dem Wanderweg. Die Mistkübel am Anfang der Schlucht sind mehr als übervoll, und der Wind verteilt alles in die umliegenden Äste, sogar im Wasser schwimmen Plastikteile.



Cheile Turzii



Holztor

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Am nächsten Tag durchqueren wir die liebliche Region Maramures. Diese befindet sich im Norden des Landes und ist für Touristen vor allem wegen der schönen Holzkirchen sehenswert. Acht dieser Bauwerke wurden von der UNESCO zum Welterbe der Menschheit ernannt. Auch die mächtigen, filigran geschnitzten Holztore, die das Böse außerhalb des Hauses halten sollen, sind eine eingehende Besichtigung wert.



Blick durchs Schlüsselloch

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Unser nächster Stopp ist das Dorf Budesti. Hier steht die wunderschöne Holzkirche aus dem Jahr 1643. Im Kreis Maramures war es früher verboten, orthodoxe Kirchen aus Stein zu errichten, daher verwendeten die Erbauer Holz. Fast 200 Jahre lang wurden mehr als 60 Holzkirchen errichtet und mit hohen, schlanken Kirchtürmen versehen. Die Dekoration der Gotteshäuser erfolgte durch zierliche Malereien und feine Schnitzereien.

Erst trauen wir uns nicht so recht, denn die alte Holzkirche von Barsana steht auf einem Hügel mitten in einem umzäunten Anwesen. Da wir jedoch freundlich hinein gewunken werden, durchqueren wir schließlich das Hofgelände und erreichen nach einem kurzen Aufstieg das alte Gotteshaus. Es war im 18. Jahrhundert Teil einer Klosteranlage, die am anderen Ende des Ortes stand. Diese wurde jedoch 1786 zur Zeit der Katholisierung komplett zerstört und erst zwei Jahrhunderte später wieder aufgebaut. Heute zählt der Klosterkomplex zu den schönsten von ganz Rumänien. Aber dazu später mehr. Die alte Kirche wurde jedenfalls verschont und 1806 an ihren heutigen Standort versetzt. Besonders schön sind die farbenfrohen Innenmalereien anzusehen. Eine Dame versucht uns hilfsbereit mit Händen und Füßen die dargestellten Bibelszenen, unter anderem die Schöpfungsgeschichte, das letzten Abendmahl etc. zu erklären.
Auf dem Weg zurück zu unserem Auto staunen wir wiederum über die unglaubliche Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit der Rumänen. Eine alte Frau hat anscheinend unseren Kirchenbesuch beobachtet und in der Zwischenzeit in ihrer Schürze Äpfel für uns gesammelt. Wir wissen gar nicht wie wir uns am Besten bedanken sollen und nehmen das Geschenk gerührt an.



Holzkirche in der Region Maramures



Frisch gestärkt fahren wir weiter ans südliche Ortsende und besichtigen die oben erwähnte Klosteranlage von Barsana. Der wunderschöne Klosterkomplex wurde 1993 wieder erbaut und liegt in einer bunt blühenden, sehr gepflegten Gartenanlage.
Das Kirchengebäude mit dem imposanten Turm ist 57 Meter hoch und zählt damit zu den höchsten Holzbauwerken Europas. Doch nicht nur die Eichenholzkirche, auch die Wohnhäuser der Nonnen, der Sommeraltar und das Museumsgebäude zeugen von der großen Kunstfertigkeit der Erbauer.



Klosteranlage Barsana



Wassertalbahn

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Für den folgenden Tag haben wir uns wieder etwas Besonderes ausgedacht. Die Wassertalbahn "Mocanita", bringt uns in die tiefen Wälder Rumäniens. Bevor wir jedoch in Viseu de Sus den Schmalspur-Dampfzug besteigen, decken wir uns noch mit genügend Proviant ein. Denn wer weiß, ob es mitten in den Karpaten Verpflegung gibt?
Die Wassertalbahn wurde zwischen 1930 und 1933 für den Holztransport erbaut. Da es bis heute kaum Straßen in diesem Gebiet gibt, fahren mehrmals täglich die Züge mit den Forstarbeitern etwa 60 Kilometer in die Wälder und transportieren das geschlägerte Holz zu den Sägewerken.
In den Sommermonaten können auch Touristen Fahrten mit der letzten Waldbahn Rumäniens unternehmen. Die Strecke führt durch eine einsame, schluchtartige Landschaft und folgt dem Fluss "Wasser". Langsam ruckelt und dampft der Zug durch die Wildnis. Links von uns rauscht der Fluss, rechts undurchdringlicher Wald. Nun wundern wir uns nicht mehr, dass Rumänien auch das Land der Sagen und Mythen genannt wird. An diesem Ort beginnen wir an alles zu glauben.
Schließlich stoppt der Zug auf einer Waldlichtung. Hier erwarten uns ... Nein, keine Waldfeen, sondern Musiker und Tänzer! Sogar ein kleines Buffet wurde aufgebaut um die hungrigen Reisenden zu bedienen. Unser Gefährt mit dem Namen "Bavaria" dreht um und lässt uns noch Zeit für einen Spaziergang bevor es schließlich wieder zurück nach Viseu de Sus geht.


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Kommentare

  • Blula

    Liebe Tamara,
    nun ist er da, Dein von mir bereits mit Spannung erwartete Rumänienbericht. Ein ganz klein wenig habe ich ja vor ca. 40 (!) Jahren auch einmal gesehen von diesem Land, das war damals im Rahmen einer Donaukreuzfahrt. Aber Rumänien mal so komplett wie Du zu bereisen, das reizt mich eigentlich schon lang und nun, nach dem Studium Deines ausgezeichneten und so informativen Berichts erst recht. Wenn's mal wahr wird, dann wird er ausgedruckt und mein 'Reisebegleiter' sein. Das ist mal ganz sicher ;-)
    Danke !
    LG Ursula

  • therese

    Rumänien ist so ein interessantes Reiseland und hat viel mehr Besucher verdient. Dein Reisebericht hat mir sehr gut gefallen, er ist ausführlich und die Fotos ergänzen ihn bestens. LG therese

  • bezi

    Ich kann nur sagen : Erstklassig. Das ist auch ein Bericht für alle, die Rumänien als Reiseland bisher vielleicht unterschätzt haben.
    LG Claudia

  • Elaira

    Vielen herzlichen Dank für eure tollen Bewertungen und die netten Kommentare! Nun weiß ich wieder, dass es sich lohnt, die Reiseerinnerungen aufzuschreiben, auch wenn es lange dauert ;-)
    Schönes neues Jahr, LGTamara

  • Blula

    Es lohnt sich immer, liebe Tamara, letztendlich profitiert man ja auch selber davon. Ich weiss recht genau, wieviel Mühe und Zeit man für einen guten Reisebericht investieren "muss".
    Ich wünsche Dir ebenfalls ein glückliches Neues Jahr mit weiteren schönen Reisen.
    LG Ursula

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