Sieben Flüge und ein Todesfall

Reisebericht

Sieben Flüge und ein Todesfall

Reisebericht: Sieben Flüge und ein Todesfall

Kurzer Flug, lange Geschichte

Kurzer Flug, lange Geschichte



Sambava haben wir gesehen und erobert, für uns ein Erlebnis sicherlich auch für die Einheimischen. Mein Kumpel Thorsten Arndt - Edelstein Großhändler aus München und Mann meiner besten Freundin Gaby, ist nach 30 Jahren Bekanntschaft den Kummer mit mir gewöhnt und seit 20 Jahren auf Madagaskar unterwegs, manche Gegebenheiten gewöhnt. Meistens tiefen- entspannt und für jeden Blödsinn zu haben. Das ist aber eine der anderen Geschichten.
Am 17. 11. hatten wir den Rückflug von Sambava nach Tana, denn mit dem Auto die Strecke zu bewältigen hätte uns mindestens eine Woche gekostet, wobei es hier auch kluge Sprücheklopfer gab, die behauptet habe, die haben es in zwei Tagen geschafft. Genau, mit einem Hoverboard....

Da wir endlich auch Spiegeleier zum Frühstück hatten, was nicht immer der Fall war - die waren aus, Kaffee von einer jungen Dame serviert bekommen habe - die immer die Augen verdreht hat und ohne eine Spur von Freundlichkeit und den hingestellt hat, waren wir bereit den Flug anzutreten.

Wir kamen etwas früher an als beabsichtigt, denn der Hotelbesitzer Monsieur Michele hat uns hingefahren. Zu dem Herren ist zu sagen, dass ich ihn nie mit geschlossenen Mund erlebt habe. Hat wohl ein mächtiges Kommunikation-Defizit, dadurch sehr mitteilsam. Ist ja nicht schlimm, aber ich verstehe nur paar Brocken Französisch. Bin ein Magnet für Labertaschen!

Wir steigen aus, bedankten uns artig und betraten das Gebäude. Jetzt ging es darum, dass wieder so ein Zettel ausgefüllt werden musste und nach der Abgabe hieß es, wir müssten zum Arzt, Körpertemperatur messen. Mir ist das Gesicht eingeschlafen, denn ich habe uns wieder in einem Puss-Puss sitzen sehen und durch die Stadt irren, auf der Suche nach einem Arzt. Weit gefehlt. Hinter einem Verschlag und verstaubten Vorhang in der Wartehalle, die nicht großer ist als die Raucherlounge in Amsterdam, saß eine junge Dame die uns den elektronische Thermometerkanone als Hirn hielt und stellte fest: bei Thorsten 37 C bei mit 37,1 C. Thorsten ist ein Kaltblut! Brav auf dem Zettel notiert und gut ist.

Irgendwie ging die Botschaft herum, dass sich der Flieger verspätet und ich war froh, Wasser dabei zu haben, denn es war schon ziemlich warm. Thorsten hat sich am Fenster positioniert und die ankommenden Propellermaschinen beobachtet und kommentiert, ich war im Warteraum Gepäck bewachen. Der Raum fühlte sich langsam und ein paar Weißbrote waren auch dabei. Irgend wann ging so eine Unruhe durch den Saal und ein Rollstuhl wurde geholt. Auf dem Parkplatz wurde ein nicht gut aussehender Herr in den verfrachtet und gleich zum Arzt, Temperatur messen. Wenn ich sage, der Herr sah nicht gut aus meinte ich nicht sein Äusseres sondern seinen Zustand. Er war gelb/ grau im Gesichtet verzögerten Reaktionen auf die Ansprache. Hab mich schon gewundert, dass er mitfliegt, ist aber nicht mein Leben. Der Herr wurde dem Bodenpersonal überlassen, seine Familie hat sich wortreich von ihm verabschiedet und weg waren die. Bis hier, alles gut.

Thorsten kam auf mich zu und meinte, er hätte vernommen, dass der Flieger in 7 Minuten landet und wir danach gleich loslegen. Schon mal gut. Noch ein Schluck aus der Pulle mit Wasser und wir machten uns daran einzuchecken. Wunderbar! Er hatte den Sitz 1 und ich Sitz 5. Wir sitzen hintereinander.

Der Herr im Rollstuhl wurde zu erst in den Flieger getragen, danach kamen die frei Laufenden dran. Da wir ganz vorne sitzen, haben wir uns Zeit gelassen. Im Flieger habe ich den blässlichen Herren in der Mitte von der Kabine gesehen, etwas apathisch und blass mit einem besorgten Sitznachbar.

Nachdem jeder seinen Platz gefunden hat, habe ich gesehen, dass der Platz neben Thorsten noch frei ist. Offensichtlich sind das die Notsitze für Spätbucher. Hab mich ohne großen Federlesens zu ihm gesetzt, der Flugbegleiter, der den oberen Teil der Kabine betreut hat, hat es nicht interessiert. Noch besser. In der Luft kam die etwas gelangweilte Flugbegleiterin, der es sehr zuwider war an dem Tag zu arbeiten und ausserdem hat sie das Lächeln zu Hause vergessen, und bot uns erst mal Erfrischungstücher an. Danach gab es ein Blätterteig Stückchen - homöopathisch abgemessen, der versprochener Kaffee hat den Weg zu uns nicht mehr gefunden. Musste wahrscheinlich erst mal vom Markt geholt werden.

Allgemein ist das Service etwas träge und unfreundlich. Wahrscheinlich werden die nach zurückgelegten Weg bezahlt, denn es wird jedes Trumm einzeln an den Tisch getragen mit einer sehr gelangweilten und verdrossenen Miene. Die können nicht lächeln, oder es ist verboten. Das haben wir nicht heraus bekommen. Bis wir dazu kamen eine Bestellung abzugeben, mussten wir den schlürfenden Kellnerinnen Bein stellen, ansonsten wurden wir nicht unbedingt beachtet. Das war im Nordosten, im Süden fand ich die viel freundlicher.

Der Flugbegleiter saß uns gegenüber und ließ einen gepflegten Ratsch mit einem sonnenbebrillten Passagier raus, der wohl sehr wichtig war, den die Gestik von dem Herren war überheblich, arrogant und abwertend. Kann ich nicht leiden aber ich muß ihn ja nicht anschauen.

Landeanflug und die wunderbare Feststellung, es ist toll in der ersten Reihe zu sitzen. Kein Bein-Origami!

Wir haben abgewartet bis alle Passagiere soweit am Ausgang waren und ich stand auf, meinen Kamera Rucksack aus der Ablage zu holen. Und da sah ich es: der Herr aus dem Rollstuhl saß angelegt an die Kabinenwand mit einem Tuch überm Gesicht. Der Sitznachbar versuchte die Aufmerksamkeit von den ratschenden Flugbegleiter auf sich zu lenken, was ihn eine lange Zeit nicht gelang, er war mit den Sonnenbebrillten beschäftigt. Uffff.... und jetzt kommt's: der Herr ist tot! OMG!

Thorsten meine nur trocken, kann vorkommen. WAS! Kann vorkommen, dass einer auf dem Flug stirbt?!?!? Ich nehme an, dass ich jetzt auch gelb/ grau im Gesicht war, als ich an der armen Seele vorbei gegangen bin. Der fuchtelnde Sitznachbar und ich hätten als Zwillinge durchgehen können, der Gesichtsfarbe nach. Ja, jetzt war ich wieder ganz Mädchen und mir war schlecht.

In der Ankunftshalle habe ich jemand mit den Rollstuhl sausen sehen, bin aber nicht davon ausgegangen, dass die den toten Herren in den Stuhl setzten. Ja und ob die es gemacht haben! Der wurde aus dem Flieger heraus getragen in den Stuhl gesetzt und mit den Tuch auf dem Gesicht zum Parkplatz geschoben. Keiner schien es zu bemerken! Die Familie war wohl anwesend und hat ihn gleich in Empfang genommen. Auf dem Parkplatz zu einem PKW hingeschoben, an welchen wohl eine Ärztin oder Krankenschwester gewartet hat. Das Empfangskomitee stellte fest, dass da nichts mehr zu machen ist und setzte den kürzlich Verblichenen auf den Rücksitz. Er wurde angeschnallt und die Familie holte sich noch in dem Flughafengebäude paar Getränke vor der Abfahrt.

So, meine Lieben: wie hätte die Geschichte bei uns ausgeschaut? Kripo, Feuerwehr, Sanka, Bestattungsunternehmen und der ganze Flieger für paar Wochen unter Quarantäne.

Woran der Herr starb, ist uns nicht bekannt, wäre aber o.k. zu wissen ob wir auch zum Arzt müssen.

Das ist die erste von vielen Geschichten, die wir erlebt haben. Die sind aber bei weitem nicht so gruselig... obwohl …..


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Kommentare

  • gtrasher

    Eine irre Story, Nina! Da bin ich ja auf die Fortsetzungen gespannt...LG Gerd

  • Blula

    OMG... man muss sich das alles mal vorstellen !! Das ging mir jetzt auch richtig unter die Haut. Ich habe diesen Bericht fast in einem Atemzug lesen müssen, was mir bei Deiner Erzählweise sowieso nie schwerfällt. Nunja, Nina, das hier fing ja schon mal "gut" an und ich fürchte, es ging für Dich ähnlich abenteuerlich weiter auf dieser Reise.
    LG Ursula

  • bezi

    Einfach gruselig, was Du da erlebt hast. Sehr gute Schilderung davon.
    LG Claudia

  • NinaAngerer (RP)

    Danke, meine Lieben! Die ganze Reise war eine Herausforderung. Manche Gegebenheiten hätten wir uns sparen können, aber es wäre nicht so spannend geworden! Sobald ich wieder etwas mehr Zeit habe, lasse ich euch an den Erlebnissen teilhaben.
    LG
    Nina

  • Sternensilber

    Hallo Nina,
    das ist ja wirklich gruselig. Aber wie es so ist: andere Länder, andere Sitten!
    LG Anne

  • Chrissi

    Oh Schreck, oh Graus! Und du hast offenbar noch mehr von solchen Geschichten. Da kann man schon recht gespannt sein.
    LG Christel

  • suurisaari

    Ob das hier die richtige Plattform für Sensationsartikel ist? Sind die Buchungszahlen denn danach angestiegen? Grrrrrrrrrrr

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