Bosnien Herzegowina - Im Orient Europas

Reisebericht

Bosnien Herzegowina - Im Orient Europas

Reisebericht: Bosnien Herzegowina - Im Orient Europas

Über Bosnien Herzegowina wusste ich vor dieser Reise recht wenig, außer dass es das Nachbarland von Kroatien ist und man von Dubrovnik aus, auch Ausflüge in einige Städte machen kann. Nach etwas Recherche stellte ich fest, dass Teile des Landes von der osmanischen Besatzung stark geprägt blieben und viele Städte auch eine schöne orientalische Atmosphäre mit sich tragen. Das weckte mein Interesse.

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Sonnenuntergang über Sarajevo



Sonntag, 29.10.17 – Anreise

streets of Sarajevo

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An diesem Wochenende war es so stürmisch, dass die Deutsche Bahn ihren Zugverkehr größtenteils einstellte und auch ich war mir nicht so sicher, ob die Flugzeuge überhaupt vom Boden abheben würden.
Katrin und ich starteten gegen halb vier morgens per Auto Richtung Prag. Die Fahrt verlief recht gut, keine umgekippten Bäume versperrten den Weg.
Am Flughafen erwartete uns ein Mitarbeiter des Parkunternehmens, wo ich vorher einen Parkplatz reserviert hatte und nach einer kurzen Inspektion nahm er mein Auto entgegen und fuhr damit zum eigentlichen Firmenparkplatz. Ich hoffte einfach, dass ich es unversehrt wiederbekommen würde.
Der Sturm war in Prag keineswegs weniger stark, wir wurden regelrecht über das Gelände geweht und ich hatte wirklich Zweifel, ob das heute mit dem Fliegen was werden würde. Doch an den Anzeigetafeln im Flughafengebäude stand nichts von „canceled“, also checkten wir guter Dinge ein und verbrachten die restliche Wartezeit mit Schlafen.
Unsere Maschine nach Wien entpuppte sich als eine kleinere Propellermaschine, in welcher man natürlich jede Windböe hautnah miterleben konnte. Ich war schon kurz vor der Benutzung der berühmten Tüte, aber irgendwie konnte ich mich doch heldenhaft gegen meinen Magen behaupten. Auf der kurzen Flugzeit von 45min erreicht man leider keine ruhigen Luftschichten, somit war der Flug eine einzige Achterbahnfahrt.

In Wien kam noch waagerechter Regen zum Sturm dazu, der sogar große Kabeltrommeln über das Rollfeld pustete.
Während wir bei McD frühstückten, wurden einige Flüge dann doch gestrichen. Unser nach Sarajevo war zum Glück nicht dabei.
Nach einem weiteren holprigen Flug landeten wir gegen 14Uhr in Sarajevo.
Am Flughafen konnten wir gleich unser Geld in Konvertible Mark, wie die bosnische Währung heißt, tauschen.
Auch die Mietwagenübergabe war kein Problem.
Schließlich verließen wir mit heulenden Motor (es waren meine üblichen Anfahrtsprobleme bei Mietwagen) den Flughafenparkplatz und machten uns mithilfe des Navis auf die Suche nach unserem Hostel am Rande der Altstadt von Sarajevo.



streets of Sarajevo



Sarajevo

Pita

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Die Fahrt durch die engen Straßen war für mich als frischer Mietwagenbesitzer recht beängstigen, denn teilweise passte nur ein Auto durch und der eventuelle Gegenverkehr kam nicht gerade langsam um die Kurve.
Irgendwann erklärte unser Navi, wir hätten unser Ziel erreicht, doch es war nur eine Art bemaltes Garagentor zusehen. Also stellten wir das Auto erst einmal ab, um das Ganze genauer unter die Lupe zu nehmen. Während wir vor dem Tor standen und uns fragten, ob wir hier richtig sind, wurde dieses von einer jungen Frau Anfang 30 geöffnet, die uns vermutlich durch die Videoüberwachung an der Hauswand entdeckt hatte. Sie begrüßte uns freundlich und mit ihrer Hilfe schaffte ich es kratzerfrei auf dem schmalen Gehweg vor dem Tor zu parken, auch wenn dadurch das Ein- und Aussteigen mehr zur gymnastischen Übung wurde.
Das Hostel wirkte mehr wie eine Wohnung mit zwei Badezimmern, einer Gemeinschaftsküche und mehreren Schlafräumen. Wir hatten das einzige Doppelzimmer, was recht gemütlich über dem Eingang lag. Im Wohnzimmer, der gleichzeitig der Aufenthaltsraum war, erklärte uns unsere Gastgeberin, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf einer Karte und hatte noch zahlreiche Tipps, was das Essen und Trinken in der Stadt angeht. Zum Schluss kam noch die Bemerkung, dass wir am besten vor 11 Uhr abends duschen sollten, denn danach wäre meistens das warme Wasser alle oder es gibt gar kein Wasser mehr. Zum Trinken standen Wasserkanister bereit. Das konnte ja interessant werden, aber wir hatten sowieso nicht vor bis nachts durch die Straßen zu ziehen.

Mit der Karte in der Hand brachen wir zu unserem ersten Rundgang durch Sarajevo auf. Sarajevo besitzt etwa 200 Moscheen. Das sind mehr als in Teheran. Somit stolpert man gefühlt an jeder Ecke über ein Minarett, was schon ein orientalisches Flair vermittelt. Ich fühlte mich dabei stark an Istanbul erinnert. Viele Gebäude sind im osmanischen Stil erbaut, andere erinnern mehr an die österreichische Zeit Sarajevos.
Wir überquerten den Fluss Miljacka, um in das Gassengewirr der Altstadt einzutauchen.

Die Sonne verabschiedete langsam hinter den Bergen, als wir an einem der muslimischen Friedhöfe vorbei den Berg zu den Ruinen der „Gelben Bastion“ erklommen.
Von hier aus war der Blick über Sarajevo wirklich traumhaft. An zahlreichen Stellen stieg Rauch zwischen den Häusern auf, was die Stadt in einen mystischen Schein versinken ließ.

Zurück in der Altstadt schlenderten wir über den Baščaršija, dem Basar, und ließen das Treiben auf uns wirken.
In einem kleinen Imbiss verkosteten wir Pita, ein bosnisches Gericht, bestehend aus einer Art Blätterteig mit verschiedenen Füllungen wie Schafskäse, Spinat oder Fleisch. Es war sehr lecker und für ca. 1,20€ pro Person preislich schon fast ein Witz.
In einem ‚Konzum‘ kauften wir Cornflakes und Milch für das Frühstück, bevor wir uns im angekündigten Regen auf den Rückweg zum Hostel machten.



Baščaršija


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Kommentare

  • SchroedingersKatze

    Hoi Luna,
    Dein Bericht weckt Erinnerungen an vergangene Zeiten, war 1973 oder 74 in der Gegend, bin allerdings nur entlang der Neretva von der Mündung bis Mostar gekommen. Damals hieß das Ganze noch Jugoslawien....
    Mostar und Pocitelj scheinen nach den Kriegsschäden gut restauriert worden zu sein, die Perspektiven decken sich mit meinen alten Dias. Auch die Moschee Koski Mehmed Pascha von innen.
    In Dubrovnik war ich erst Jahre später, nach dem Krieg, Spuren noch deutlich zu sehen. Auch da war man wohl sehr aktiv. Die Preise waren - wohl kreuzfahrtschiffbedingt - damals schon dreimal so hoch wie 10 km weiter. Völlig normale Marktwirtschaft eben, wer die Gelegenheit hat, greift zu.
    Nur in einem Punkt bin ich deutlich anderer Meinung: Ein Frühstück bei McD würde meinen Magen deutlich mehr belasten als jeder noch so turbulente Flug ;-)))))
    LG und merci fürs Mitnehmen
    Ulf

  • Blula

    Mir geht es im Grunde ähnlich wie ähnlich wie Ulf, denn auch ich war vor dem Balkankrieg dort und habe die Reise noch in bester Erinnerung. Gerade darum hat mich Dein Bericht so ganz besonders interessiert. Sicher war vor 30 - 40 Jahren noch vieles ursprünglicher, trotzdem würde ich die Tour heute durchaus noch einmal machen wollen. Danke für Deinen lesenswerten Bericht und v.a. auch für die hervorragenden Fotografien, mit denen Du in umrahmt hast. Ich werde sie mir noch nach und nach mit Muße betrachten.
    LG Ursula

  • LunaFeles

    Hallo Ulf, danke für deine Rückmeldung

  • LunaFeles

    Hallo Ursula,
    Es ist sicher spannend zu vergleichen, von früher und heute.
    Ich muss sagen, selbst Städte wie Mostar, die so arg zerstört wurden und wieder aufgebaut wurden, wirken heute so als wäre nie was gewesen, die Häuser wirken nicht übermäßig neu sondern entsprechend “alt“ wenn man das so ausdrücken kann

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