342 Stunden durch Sri Lanka

Reisebericht

342 Stunden durch Sri Lanka

Reisebericht: 342 Stunden durch Sri Lanka

Im Sommer 2017 reisen wir im Kleinbus durch Sri Lanka. Arrangiert hat die Tour ein Reiseveranstalter aus Negombo, Sri Lanka Travel Partner, nach unseren Wünschen. In 14 Tagen erleben wir hautnah die Kultur- und Naturlandschaft des Inselstaats: antike Königsstädte, Festungen, Dschungeltempel, Zugfahrt durch die Teeplantagen, Wanderung auf der Hochebene, Esala-Vollmondfest in Kandy und Safari.

Informationen über mögliche Reiseziele zu bekommen ist in Zeiten des „www“ keine Kunst. Es ist eher eine Herausforderung, aus dem, was Google & Co so ausspucken, zu selektieren. Unsere Wahl fällt im Rahmen eines „Brainstormings“ schon auf Sri Lanka, bevor das Internet „befragt“ wird. Wir haben schließlich sogar „good old printed media“ zum Thema im Haus. Nun müssen wir „nur noch“ alles vorbereiten. Da wir als kleine 4er-Gruppe bereits seit 2006 gemeinsam die eine oder andere Reise in ferne Länder selbst organisiert haben – Flüge, Reiseabschnitte und Unterkünfte zusammengestellt –, ist das auch hier wieder unsere Intention. In Nordamerika beispielsweise haben wir als Mitteleuropäer keine Probleme, uns mit dem Mietwagen ohne Stress in den Straßenverkehr „einzufädeln“. In Südamerika und Asien hingegen kann das aufreibender werden. Was uns also schnell klar ist: Wer nicht abenteuerlich – mit entsprechenden Risiken – unterwegs sein will, sollte lieber einen Fahrer engagieren. Öffentlich zu reisen ist sicherlich auch eine Option, bei der jedoch mehr Zeit eigeplant oder das Programm reduziert werden muss. Bei den Internetrecherchen stoßen wir in der GEO-Reisecommunity auf einen Sri Lanka-Reisebericht, der uns veranlasst, bei dem darin genannten Veranstalter www.srilankatravelpartner.com direkt anzufragen. Der Kontakt verläuft von der ersten E-Mail an so vielversprechend, dass wir uns nach ein wenig Programm-Abstimmung über den Reiseverlauf schnell einigen. Und wir müssen diesmal weder Mietwagen noch Unterkünfte buchen, das ist alles im Paket des Veranstalters enthalten. Daraus wird dann eine spannende Reise …

Land der Kontraste

Nicht nur in der Antike gab es ständige Machtwechsel, Intrigen in den Herrscherdynastien und zerstörte Königsstädte. Auch die jüngere Geschichte von Sri Lanka war leider von Bürgerkrieg geprägt. 1983 eskalierte der Konflikt zwischen den hauptsächlich im Norden und Nordosten lebenden Tamilen und den Singhalesen. Die Unruhen schwelten viele Jahre. Die radikale Tamilenorganisation LTTE mit separatistischen Ambitionen fachte den Bürgerkrieg immer wieder an, bis sie im Mai 2009 besiegt wurde und das Land wieder zur Ruhe kam. Seitdem entwickelt sich auch der Tourismus von Jahr zu Jahr mehr und es wird emsig am Ausbau der Kapazitäten gearbeitet. Das Land hat für Besucher ja einiges zu bieten.

Das Klima in Sri Lanka ist durch die Nähe zum Äquator tropisch und typisch gemäßigt. Merkmal der Jahreszeiten ist der Monsunregen, der je nach Region einigermaßen heftig ausfallen kann. Bedingt durch die Monsunwinde des Indischen Ozeans und des Golfs von Bengalen und das zentrale Bergmassiv der Insel sind die Auswirkungen aber sehr unterschiedlich. Während der Westen und Südwesten immerfeucht sind, mit maximalen Niederschlagsmengen um den Mai, ist es im Norden und Nordosten vergleichsweise trocken, mit der höchsten Niederschlags-Wahrscheinlichkeit um den Dezember. Es ist aber abgesehen von manchen zentralen Bergregionen, wo es im Winter sogar schneien kann, immer relativ warm. Im Süden und Westen ist im Juli und August also nicht die ideale Reisezeit, doch sind wir dieses Mal einerseits an die österreichischen Ferienmonate gebunden und andererseits ist die Regenzeit bereits am Abklingen. Unsere Tour führt uns auch erst gegen Ende nach Süden und dann entlang der Südwestküste nach Negombo zurück. Aber der Reihe nach ...

Nach ca. 14 Stunden Reisezeit über Dubai kommen wir tatsächlich ziemlich müde am Nachmittag in Negombo an. Die Stadt mit über 120000 Einwohnern liegt ca. 30 Kilometer nördlich der Hauptstadt Colombo und nahe dem internationalen Flughafen Bandaranaike. Nach Osten reisend ist die Gefahr eines Jetlag erfahrungsgemäß meist etwas größer als in die Gegenrichtung und wir freuen uns nach der durchflogenen Nacht auf die nächstbesten Matratzen. Am Flughafen sammelt uns der für unsere Reise engagierte Fahrer ein und wir treffen wenig später in unserem ersten Hotel, dem „Maple Leaf“, das uns – nur dem Namen nach – an unsere gemeinsame Kanada-Reise erinnert, mit dem Reiseveranstalter zusammen. Noch können wir uns nicht zurückziehen. Zuvor gilt es, ein paar Formalitäten zu erledigen und, natürlich, die „Reisegage“ im Voraus zu bezahlen. Wir sind nicht undankbar über die Barzahlungsmethode, da wir bei einer früheren Reise mit einem deutschen Bankinstitut beim Geldtransfer nach Afrika ein Problem hatten, das die Reiseplanung maßgeblich gefährdete. Die Hälfte des in zwei Tranchen überwiesenen Geldes war damals nicht angekommen. Die Veranstalter der Safari waren aber so hilfreich, dass wir die nicht eingelangte Überweisung nachträglich abwickeln konnten. Natürlich birgt die Barzahlung auch Risiken … wir haben aber nach den E-Mail-Kontakten und dem motivierenden GEO-Bericht ein so gutes Gefühl, dass wir der Situation und dem Veranstalter „einfach“ vertrauen! Nach dem gemeinsamen Abendessen können wir dann endlich umfallen. Auf dass wir am nächsten Morgen erholt und hoffentlich Jetlag-frei unsere Tour starten können und der Fahrer und Guide tatsächlich auftaucht. Ersteres trifft zu und Letzterer ein!

Die antiken Königsstädte

Nach unserem ersten und von nun an „typischen“ Frühstück – im Wesentlichen Eier in gewünschter Form, weißes Brot samt Auflage, frische Früchte und natürlich Tee –, haben wir noch etwas Zeit für einen kurzen Strandspaziergang. Wir müssen quasi nur die Straße überqueren. Außer ein paar Fischern, die in aller Ruhe ihre Netze reparieren und einer Schar Raben, die auf Abfälle hoffen, ist dort nicht viel los. Es ist ja nicht Saison an der Westküste, außer für Moskitos, die Denguefieber übertragen. Und das in der Negombo-Region gerade akut! Am Vorabend haben wir beobachtet, wie Einheimische mit einem Gerät, das wie ein bei uns „berüchtigter“ benzinbetriebener Laubbläser aussieht, Rauch in die flach verlaufende Kanalisation – die Brutstätten der kleinen Blutsauger – neben der Straße blasen. Insektenschutz haben wir jedenfalls im Gepäck.

Sampath de Silva, unser Guide und Fahrer für die nächsten zwei Wochen, steht pünktlich mit dem Toyota-Bus vor dem Hotel. Einsteigen und los geht’s gen Norden, raus aus der „Moskito-Gefahrenzone“. Bereits die ersten Kilometer Fahrt auf Sri Lankas Landstraßen lassen uns aufmerksam werden. Die Fahrgewohnheiten sind nicht mit denen in Österreich vergleichbar. Und damit meine ich nicht den Linksverkehr, sondern das für uns im ersten Moment äußerst chaotisch wirkende Miteinander aller Verkehrsteilnehmer, von den Überlandbussen bis zu den Hunden. Und auch Letztere scheinen tatsächlich die Regeln zu verstehen, für sie durchaus überlebensnotwendig. Selbst fahrend hätte das für uns bedeutet: Entweder wären wir sehr vorsichtig gefahren und hätten für Fahrtstrecken wesentlich länger gebraucht oder die wilden Überholmanöver hätten uns einige Nerven gekostet, ganz zu schweigen vom Risiko.

Erste Station ist der Tempel am Berg, Mihintale. Dieser Ort gilt als Geburtsstätte des Buddhismus in Sri Lanka. Der Buddhist Mihinda Mahathera soll hier dem damaligen König begegnet sein und diesen in der Folge von seiner Lehre überzeugt haben. Allgemeine Anmerkung an dieser Stelle: Detaillierte Beschreibungen der kulturellen Sehenswürdigkeiten und historischen Stätten würden den Rahmen dieses Artikels sprengen. Im Internet findet man bei Bedarf entsprechende ausführliche Informationen. Wir finden Ruinen der antiken und eine neue Tempelanlage vor. Von einem Aussichtsfelsen aus haben wir einen überwältigenden Blick auf den Tempelberg mit dem riesigen weiß blitzenden Stupa am höchsten Punkt und die umliegende Landschaft. Unser Hauptziel des Tages ist Anuradhapura. Die älteste Hauptstadt Sri Lankas wurde im 4. Jahrhundert v. Chr. gegründet und war ca. 1300 Jahre lang politisches und religiöses Zentrum verschiedener Königsdynastien, bis sie im Jahr 993 von den Chola zerstört und daraufhin verlassen wurde. Heute ist sie Hauptstadt der Nord-Zentralprovinz. Die etwas längere Anfahrtszeit und Besichtigung der Tempel und Ruinen lässt uns diesen ersten Tag bis zur Dunkelheit unterwegs sein, so dass wir die letzten besichtigten Anlagen bei stimmungsvoller Beleuchtung erleben. Derart lange „Sightseeing-Tage“ sollen allerdings kein Dauerzustand werden, schließlich sind wir ja auch irgendwie in Urlaub.

Eine Dschungeltour ist angesagt, die Tempelruinen von Ritigala. Bereits bei der Zufahrt über die staubige Piste fühlen wir uns wie im Dschungel. Die im dritten Jahrhundert v. Chr. errichtete Tempelanlage führt dreistufig bis zum Ort der Erleuchtung den dicht bewaldeten Berg hinauf. Es sind vielfach nur Grundmauern erhalten und man erahnt angesichts der üppigen Vegetation rundherum, wie die Anlage ohne Freilegung und Wartung aussehen würde. Die Natur holt sich früher oder später alles zurück. Nach der entspannenden Wanderung steuert unser Guide Sigiriya an. Der Ort ist ein guter Ausgangspunkt für Besichtigungen der kulturellen Stätten in der Umgebung. Daher bleiben wir drei Nächte. Von hier aus besuchen wir antike Königsstadt Nummer zwei, Polonnaruwa, erklettern den Sigiriya Rock und besuchen den Dambulla Rock Tempel. Kultur pur!

Bei unserer Unterkunft in Sigiriya, Melrose Villas, handelt es sich um eine weitläufige Gartenanlage mit einem kleinen offenen Restaurant und dahinter mehreren zweistöckigen Häuschen mit jeweils vier getrennten Zimmern. Unerwartete Besonderheit: Beim Zugang zur Anlage sieht man über den Garten hinweg den Sigiriya Rock in der Nachmittagssonne leuchten. Unser erstes Ziel in der Region ist Polonnaruwa. Nachdem Anuradhapura zerstört worden war, baute der damalige König dieses nicht wieder auf, sondern übernahm die von den Chola gegründete Stadt Polonnaruwa. Aber bereits Ende des 13. Jahrhunderts wurde die Hauptstadt nach mehreren Invasionen wieder verlegt. Die in der heutigen Kleinstadt verstreuten Ruinen sind ebenso wie in Anuradhapura sehr weitläufig. Wir sind dankbar, dass wir das Gelände mit Guide und Auto so komfortabel erkunden können.

Sigiriya Rock. Den etwa 200 Meter hohen gigantischen Magmablock eines erodierten Vulkans mit den Ruinen einer Felsenfestung erklimmen wir am Vormittag bei herrlichem Wetter mit etlichen anderen Besuchern. Bevor wir oben ankommen, werden wir in einer Felswandnische von den farbenprächtigen Fresken der bekannten Wolkenmädchen umschwärmt und schließlich am Hochplateau belohnt uns ein grandioser Rundumblick. Die Festung wurde im 5. Jahrhundert n. Chr. von dem Königssohn Kassapa errichtet, der sich vor dem tatsächlichen Thronfolger, seinem Halbbruder Moggallana, fürchtete. Als dieser aus dem südindischen Exil zurückkehrt, wird Kassapa besiegt und der Königssitz zurück nach Anuradhapura verlegt. Von der Festung, die in mehreren Ebenen im Wesentlichen aus Holz gebaut war, sind nur noch die Grundfesten mit den Zisternen übrig. Um die Mittagszeit rattern wir auf einem Ochsenkarren zu einem kleinen See, Randeniya Wawe. Unerwartet können wir bei einer kurzen Bootstour einige Vögel beobachten, unter anderem Reiher, Kormorane und einen Eisvogel. Letzteren, der in Asien ebenso wie in Europa, auch Österreich, sein Verbreitungsgebiet hat, zum ersten Mal in freier Natur. Nach einer traditionellen Kochvorführung inklusive Verkostung in einer kleinen Lehmhütte geht’s anschließend nach Dambulla, berühmt für die ca. 80 Höhlentempel. Wie werden nicht alle besichtigen, tatsächlich nur die bedeutendste Anlage. Der beeindruckende Felsen- oder Höhlentempel wurde direkt unter einen gewaltigen Felsvorsprung gebaut und beherbergt in mehreren Höhlen, die mit Wandmalereien verziert sind, eine Unmenge an Buddha-Statuen.

Am nächsten Tag machen wir uns auf nach Kandy. Ein kurzer, natürlich von unserem Guide geplanter Zwischenstopp in dem kleinen Ort Matale gibt uns die Gelegenheit, den ca. 300 Jahre alten, größten Hindutempel Sri Lankas zu besichtigen. Der turmartige Gebäudeteil ist außen mit einer unzählbaren Menge – es sollen über 1000 sein ¬– Götterskulpturen und im Innenraum mit bunten Wandmalereien bestückt. Ein für uns ungewohnter aber interessanter Anblick. Die Region ist zudem bekannt für ihre ausgedehnten Plantagen mit Kautschuk, Zimt, Pfeffer, Chilis, Tee, Reis und Gemüse. Wir besuchen also mal eben einen Gewürzgarten, um noch ein wenig über den Anbau zu lernen. In Kandy treffen wir am späten Nachmittag ein, machen uns frisch und starten zur „Abendveranstaltung“.

Kandy Esala Perahera

Das von Hindus und Buddhisten gemeinsam gefeierte, insgesamt 15 Tage dauernde Fest des Esala-Vollmonds im Juli/August mit nächtlichen Prozessionen ist eines der bedeutendsten in Asien und in der Ausformung ist sicher weltweit nichts Vergleichbares zu finden. Wir erleben an diesem Abend das religiöse Leben in Sri Lanka hautnah im wahrsten Sinn des Wortes. Auf den Gehsteigen entlang der Prozessionsstraße drängen sich die Menschen stehend und sitzend aneinander. Zur Straße hin abgesperrt sind die Gehwege somit „unpassierbar“, was uns auch so angekündigt worden ist und jedenfalls nichts für jemanden, der größere Menschenansammlungen scheut. Um ca. 19.30 Uhr, eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang, tauchen die ersten Elefanten auf und ab 8 Uhr ist für einige Stunden Dauershow. Eine Unmenge an Feuerjongleuren, Musikanten, Fackelträgern und … natürlich prächtig geschmückten Elefanten ziehen an uns vorüber – ein unvergleichliches Erlebnis. Mit der Besichtigung des „Zahntempels“ Sri Dalada Maligawa am Vormittag des folgenden Tages endet unser „Sri-Lanka-Intensivkulturprogramm“. Der Tempel beherbergt unter anderem die heiligste Reliquie, einen Zahn Buddhas, den wir allerdings nicht zu Gesicht bekommen. Ein Nachmittagsspaziergang im Royal Botanic Garden in Peradeniya nicht weit von Kandy, unter Baumriesen und auf Tuchfühlung mit tausenden Flughunden, stimmt uns ein, bevor wir uns für die folgenden Tage der Natur und Bergwelt Sri Lankas zuwenden.

Teeberge, soweit das Auge reicht

Bis Kandy haben wir Glück mit dem Wetter, auch wenn es manchmal „unheilschwanger“ aussieht. Jetzt dringen wir jedoch quasi in den Regenwald vor und es wird wirklich unbeständig. Kurz gesagt, die als Nächstes geplante, ohne Frage herausfordernde nächtliche Wanderung auf den heiligen Berg, den Adam’s Peak (Sri Pada genannt), um bei Sonnenaufgang oben zu sein, sagen wir wegen Regens ab. Und die Morgendämmerung am Gipfel zu genießen, wäre neben dem Abenteuer an sich der wesentliche Zweck des Aufstiegs gewesen, denn außer dem „Fußabdruck Buddhas“ befindet sich nur ein kleiner Tempel am Gipfel. Und wie wir auch am Morgen beim Hotel unmittelbar am Fuß des Bergs feststellen, wäre die Sicht wohl gleich null gewesen. Im Sommer ist auch am Sri Pada nicht Saison. Wer die äußerst regen Pilgerströme erleben möchte, sollte nach dem Dezember-Vollmond dort sein. Dann gibt es auch Versorgung und Beleuchtung entlang des nicht ganz ungefährlichen, teilweise mit steilen Stufen versehenen Wegs und der Tempel ist sicher geöffnet. Jedoch müsste man für die 1000 Höhenmeter Aufstieg aufgrund der Menschenmengen noch mehr Zeit einplanen.

Der Adam’s Peak liegt etwas exponiert. Wir müssen aus dem Bergmassiv den gleichen Weg wieder hinaus, den wir gekommen sind, wenden uns anschließend aber nach Nordwesten in eine wunderschön grüne Landschaft. Gefühlt jeder Berghang und Hügel in der Region ist mit Tee bepflanzt. Also besichtigen wir auf dem Weg nach Nuvara Eliya eine Teefabrik. Von Nuvara Eliya aus starten wir auch zu unserer Wanderung in den Horton Plains, einem über 2000 Meter hoch gelegenen Nationalpark. Die Anfahrt über eine schmale Bergstraße, die auch von großen Bussen(!) befahren wird, ist eine Herausforderung. Wir kreuzen in Pattipola die Bahntrasse, auf der wir am Nachmittag nach Ella unterwegs sein werden. Nieselregen und Nebel erwarten uns im Nationalpark. Da es aber nicht kalt ist, absolvieren wir mit Regenjacken ausgerüstet „tapfer“ die dreistündige Wanderung durch eine wetterbedingt mystisch wirkende Landschaft samt Wasserfall, dem Baker’s Fall. Es regnet nicht durchgängig und die Lichtatmosphäre durch den Nebel hat durchaus ihren besonderen Reiz, der beeindruckende Ausblick am World’s End ist uns dadurch zwar nicht gegönnt, doch behalten wir die Wanderung in guter Erinnerung.

Mit der Bahn nach Ella

Wir fahren zurück nach Nanuoya, der Bahnstation kurz vor Nuvara Eliya, um dann mit dem Zug wieder nach Süden durch die Horton Plains und in der Folge nach Osten Richtung Ella zu schaukeln. Der Zeitspanne bis zur Abfahrt des Zugs ist relativ knapp bemessen, zumindest aus unserer Sicht in Anbetracht des langsamen Vorankommens auf den schmalen Bergstraßen. Sampath, unser Guide, teilt unsere Unruhe nicht und so ist es selbstverständlich, dass wir ohne jegliche Hektik und mit der Unterstützung von Sampath schließlich unsere Plätze einnehmen können. Das Auffinden der reservierten Sitze wäre für uns nicht ganz einfach gewesen. Nach anfänglich noch Nebel und gelegentlich leichten Regenschauern klart es immer mehr auf und wir genießen auf dem Großteil der Strecke den Blick über die von Teeplantagen überzogenen Hügel und Täler. Wir bewegen uns anfangs bis zur höchsten Bahnstation Sri Lankas, Pattipola, immerhin auf einer Höhe von fast 1900 Metern. Bis Ella „vernichten“ wir dann knapp 900 davon. Ella ist ein kleiner lebhafter Ort mit ein paar netten Bars und Restaurants und einem Ersatz für unsere gestrichene Wanderung auf den Adam’s Peak: Little Adam’s Peak. Nein, nicht wirklich Ersatz, wir haben nicht viele Höhenmeter zu bewältigen und Pilgerweg ist es auch keiner. Aber die Naturwanderung bei strahlendem Sonnenschein beschert uns am Gipfel einen herrlichen Ausblick in die Ella umgebende Berglandschaft und die Ebene nach Süden und Südosten, wo man bei besonders klarem Wetter bis zum Meer sehen können soll, immerhin wohl mindestens 90 km.

Elefantenbad

Uns nach Süden wendend vernichten wir nun nach und nach die 1000 Höhenmeter von Ella aus bis zum Meer an der Südküste. Der Ravana Wasserfall am Fuß des Ella Rock lässt uns noch einmal kurz halten. Der nächste Stopp wird erst einige Kilometer weiter südlich sein. Wir zweigen von der Hauptstraße ab und erreichen über eine Sandpiste einen weiteren kulturellen „Geheimtipp“: Die Felsenbuddhas von Buduruwagala Raja Maha. Das Ensemble besteht aus einem zentralen großen Buddha und links und rechts je einer Dreiergruppe, alle aus dem gewaltigen Felsblock herausgearbeitet. In der Riege der Buddha-Darstellungen sollen diese hier namentlich zugeordneten eine Besonderheit darstellen.

In unserer Unterkunft Tissamaharama nahe dem Yala Nationalpark angekommen, starten wir wenig später zu unserer geplanten Nachmittags-Safari. Der am Meer gelegene Naturpark ist der bekannteste und älteste Sri Lankas und daher wohl auch der am meisten frequentierte. Und er ist derjenige, in dem man mit etwas Glück am ehesten Sri Lanka-Leoparden sehen kann, wenngleich eine vermutete Population von etwa 30 Exemplaren in dem westlichen Teil des großen Parks die Wahrscheinlichkeit einer Sichtung nicht überaus hoch erscheinen lässt. Wir haben nicht das Glück, zumal wir auch nur wenige Stunden zur Verfügung haben. Dennoch ist der Nachmittag auf den roten Steppenpisten rund um die Wasserlöcher ein Erlebnis. Vom Adler und Marabu über unseren zweiten Eisvogel bis zu Krokodilen und Elefantenfamilien bekommen wir sogar eine ganz passable Würgeschlange vor ihrer Höhle zu Gesicht und einen Eindruck von der Fauna Sri Lankas.

Nun ist wirklich eine Verschnaufpause angesagt. Am folgenden Tag steuern wir unser Strandhotel für zwei Nächte in der Weligama Bay an. Der Nachmittag ist leider etwas regnerisch, sodass wir uns kaum am Strand aufhalten können. Umso perfekter ist der folgende Tag, ein voller Badetag, den wir mit einer abendlichen Strandwanderung in den nahen Ort und einem Abendessen am Strand abschließen. Viel zu schnell geht es weiter entlang der Südwestküste, langsam aber sicher auf das Ende der Reise zu und schließlich über die Hauptstadt Colombo wieder zum Flughafen. Auf der Fahrt zu unserem letzten wunderbaren Strandhotel an der Westküste in Hikkaduwa besichtigen wir das aus der Kolonialzeit stammende Galle Fort. Die 1663 von den Niederländern errichtete Festung an der Einfahrt zur gleichnamigen Bucht ist die größte erhaltene europäische Anlage in Südasien.

Ein Highlight erwartet uns noch: Der Einladung von Sampath zum Fisch-Berbecue folgend freuen wir uns, mit seiner Familie zu Abend zu essen, denn sie leben in Hikkaduwa. Wir besorgen unterwegs ein paar stattliche Fische und verbringen den sonnigen Nachmittag am Strand, während Sampath nach Hause fährt. An diesem Küstenabschnitt ist eindeutig zu beobachten, was an der Südküste noch nicht so ausgeprägt war, nämlich die raue See. Vom Baden, besonders dem Hinausschwimmen, wird aufgrund der Strömungen in dieser Jahreszeit dringend abgeraten. Auf unsere Frage nach dem schmalen Strandstreifen vor unserem Hotel und dem teilweise felsigen Grund im flachen Wasser erfahren wir, dass sich die gefährliche ablandige Strömung in den Wintermonaten ändert und der Strand mit angeschwemmtem Sand auf natürliche Weise erheblich verbreitert wird, wodurch auch die Felsen abgedeckt werden. Während eines Strandspaziergangs erahnen wir angesichts der vielen jetzt geschlossenen Bars und Hotels, dass in der Saison wohl die Post abgehen wird. Sampath holt uns zum Abendessen ab und wir verbringen einen netten Fisch-Barbecue-Abend mit seiner Familie.

Der letzte Tag in Sri Lanka

Wir starten entspannt am Vormittag ¬¬¬– bis Colombo sind es kaum mehr als 100 Kilometer – zu unserer letzten Fahrt, halten unterwegs bei einer kleinen Moonstone-Mine samt Schmuckstein-Schleiferei, einer Schildkröten-Zuchteinrichtung und einem Tsunami-Denkmal. Auch die Südwestküste Sri Lankas war noch vom gigantischen Tsunami am 26. Dezember 2004, der westlich von Sumatra seinen Ausgangspunkt hatte, betroffen. Ein riesiger Buddha und ein Denkmal erinnern an die ca. 2500 Opfer in dem kleinen Ort Pereliya ein paar Kilometer nördlich von Hikkaduwa. 1500 davon saßen in einem Zug, der weggeschwemmt wurde.

Die Besichtigung von Colombo absolvieren wir in relativ kurzer Zeit, gehen mit Sampath noch einmal in ein traditionelles Restaurant und abschließend in ein Café im „Dutch Hospital“. Der heutige Shopping- und Gastronomiekomplex im Bereich des ehemaligen niederländischen Forts stammt aus der Kolonialzeit und hat durch die Architektur ein eigenes Ambiente. Gleich daneben ragen die 152 Meter hohen „Twin Towers“ des World Trade Centers von Sri Lanka in den blauen Himmel. Auf dem Weg zum etwa 30 Kilometer nördlich gelegenen internationalen Flughafen werden wir noch einmal unruhig, als wir schon in Colombo in einen Stau geraten. Sampath scheint zwar nicht mehr ganz so gelassen zu sein, verliert aber nicht einen Moment die Contenance und ändert auch nicht seine besonnene Fahrweise – so wie wir uns während der gesamten Reise keinen Moment unsicher im Auto gefühlt haben. Wir erreichen den Flughafen „genial“ rechtzeitig.

Nun heißt es, von unserem Begleiter Sampath Abschied zu nehmen, zum einen wehmütig, weil die Reise schon wieder zu Ende ist und so wunderbare Eindrücke hinterlassen hat, aber natürlich auch mit „Heimweh“. Von Shiran, dem Reiseveranstalter, verabschieden wir uns aus Zeitgründen telefonisch. Es bleibt abschließend nur noch zu sagen, dass wir die Wahl des Veranstalters Shiran Saji von www.srilankatravelpartner.com keinen Moment bereut haben und dass es fast schon unglaublich ist, dass alles so planmäßig, reibungslos und vor allem erwartungsgemäß funktioniert hat. Und keinesfalls zu vergessen, dass unser Guide und Fahrer Sampath, der von Shiran für unsere Reise engagiert worden ist, einen ganz erheblichen Teil der Lorbeeren verdient. In diesem Sinne wünschen wir allen Sri Lanka-Reisenden ebenso schöne Erlebnisse.

Hilde, Margit, Josef und Matthias aus Niederösterreich



Mihintale, der Tempel am Berg

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