TANSANIA DECEPTION

Reisebericht

TANSANIA DECEPTION

Reisebericht: TANSANIA DECEPTION

Jeder glaubt nur was er glauben will. Manche Dinge sind so unglaublich, dass man sie nicht glauben kann. Doch unabhängig davon, ob man sie glauben kann oder will, spielt sich hinter der Tourismus-Fassade in Afrika eine Realität ab, die uns fassungslos machen würde, wüssten wir um ihre Ausmaße. Aber ich glaube nur was ich glauben will, was nicht zwangsläufig etwas mit der Wahrheit zu tun haben muss

Dunkle Wolken ziehen auf!



Was mir nicht mehr aus dem Kopf geht

Ich wünschte ich wäre wie die anderen Besucher in Tansania. Ich wünschte ich wäre wie die Tausend die sich mit mir an zwei Tagen im Ngorongoro Krater aufhielten. Ich wünschte ich könnte mich wie sie einfach nur über alles freuen und nichts hinterfragen. Das Augenfällige nicht sehen! Aber ich kann das nicht! Konnte ich noch nie.
Stunde um Stunde streifen wir den ganzen Tag über alle Wege durch den Ngorongoro Krater. Wir sehen Tüpfelhyänen und Löwen mit Jungen, Schakale, Hippos, Zebras, Gnus, wenige Büffel und noch weniger Elefanten. Von letzteren soll es laut dem aktuellen „Lonley Planet“ im Krater bis zu 260 Exemplare geben. Der Fahrer sagte, es seien maximal 58! Wir sahen aber nur einzelne Elefanten und davon auch an beiden Tagen nicht mehr als fünf. So müssten sich im Lerei-Forrest 53 Elefanten und 22 Nashörner verstecken. Nachdem wir den ganzen Nachmittag auf der Suche nach Nashörnern durch die letzten Winkel des Kraters streiften, sahen wir am Rand des Lerei-Waldes drei der seltenen Spitzmaulnashörner. Es gibt sie also doch noch. In welcher Zahl bleibt unklar. Der Lerei-Wald ist der größte von drei kleinen Wäldern am unteren Rand des Kraters. Alle drei Wälder haben wir mehrfach durchfahren und keinen Elefanten und nur die drei Nashörner gesehen. Die starken Abweichungen zwischen den Angaben im Reiseführer, den Aussagen des Guides und unseren Beobachtungen legen nahe, das auch letztere Zahlen schon nicht mehr der Realität entsprechen.
Der Ngorongoro Krater ist Weltnaturerbe und es fließen Gelder von der UNESCO nach Tansania. Tansania und die Reiseagenturen haben ein ökonomisches Interesse daran, den Mytos vom einzigartigen Artenreichtum in Ngorongoro Krater aufrecht zu erhalten. Der Ngorongoro Krater ist neben der Serengeti und Sansibar einer der wichtigsten touristischen Hot Spots. Hier wird das Geld gemacht! Doch finanzielles Interesse an Nashörnern, Elefanten und vielen anderen Tieren haben auch Menschen die weder Tourist noch Tansanier sind. Ausländische Firmen errichteten und errichten in Tansania eine funktionieren Infrastruktur. Im Gegenzug bekommen sie Rechte an Natur und Bodenschätzen. Wo das legal nicht möglich ist, kann es vorkommen, dass in der Nacht Hubschrauber im Nationalpark landen, abknallen was sie brauchen, Horn und Stoßzähne verladen und wieder abheben. Den Rangern obliegt es dann die Kadaver zu entfernen, damit es nicht so auffällt. Kaum ein Ranger wird sein Leben gegen eine solch technisierte und von behördlicher Seite gedeckte Macht einsetzen.

Viel Spaß auf Eurer nächsten Safari!

PS: der vollständige Bericht mit Tipps, Preisen und Erfahrungen zu Kenia, Tansania und Sansibar ist auf intertourist.de zu finden


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Kommentare

  • Sternensilber

    Hallo Jörg,
    ja, wo Geschäfte gemacht werden können, steht das Tierwohl und auch der Artenschutz oft an hinterster Stelle. Und je ärmer das Land um so schlimmer ist es. Darum ist es auch wichtig, auf solche Missstände aufmerksam zu machen. Jedem gesund denkenden Tourist sollten diese bewusst sein. Doch der Tourismus gehört zu den wichtigsten Einnahmequellen dieser Gegenden, was den Behörden wieder einen Grund für die Einhaltung des Artenschutzes gibt. So sind mir sorglose Touristen lieber, als die, die sich, wegen zu vieler Gedanken Machen, vertreiben lassen. Denn fällt dort der Tourismus weg, dann hat wohl auch der letzte Elefant keine Chance mehr. Und das nur wegen Irrglauben und Gier.
    LG
    Anne

  • doubleegg

    Hallo Jörg,
    ich gebe meine Bewertung für den ausführlichen Bericht auf deiner Webseite ab. Wie immer gut recherchiert und mit persönlichen Annekdoten elegant verfeinert. Die Fotos sprechen für diese Reise, ohne den Text wären sie nur ein weiterer Anlass, von Afrika zu träumen. Was da passiert ist tatsächlich ein Alptraum - nicht nur in Tanzania oder Kenia. Gerade las ich im SPIEGEL einen Artikel (Statisten für Touristen) über den Ka­hu­zi-Bié­ga-Na­tio­nal­park im Os­ten des Kon­go. Der wird mit deutschen Geldern gesichert, die Gorillas sterben trotzdem weg und die Ureinwohner wurden/werden vertrieben. Egal wer hier was in die Hand nimmt, es scheint zum Scheitern verurteilt und die Regierungen wirtschaften die afrikanischen Länder systematisch in den Ruin.
    Wir als Touristen freuen uns über die letzten Artgenossen von Nashorn, Giraffe, Gepard & Co, schnell noch ein Foto geschossen und wieder ab nach Hause (dahin wo die Artenvielfalt nicht minder bedroht ist). Höchste Zeit fürs Nachzählen, Nachdenken und Kritisieren. Einschließlich der Selbstkritik. Als Tourist wird man mit falschen Zahlen und Versprechungen betrogen. Die Einheimischen zahlen den wahren Preis mit einem menschenunwürdigen Leben. Wir sollten uns das öfter vor Augen halten - und wir sollten es den Verantwortlichen möglichst direkt sagen, auch wenn ich ganz und gar pessimistisch bin.
    LG Elke

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