von HH mit der AIDAcara über Schottland, Island bis zur Westküste von Grönland und zurück

Reisebericht

von HH mit der AIDAcara über Schottland, Island bis zur Westküste von Grönland und zurück

Reisebericht: von HH mit der AIDAcara über Schottland, Island bis zur Westküste von Grönland und zurück

Der erste Stopp war ein kleiner verschlafener Hafenort ... Invergordon im nordöstlich. Schottland, wo Ölplattformen ausgemustert, gewartet und repariert werden, Loch Ness und die Whisky-Destillerien Dalmore und Glenmorangie um die Ecke liegen. Von dort sind wir mit dem Bus 30 km am Ufer des Moray Firth in den nächstgrößeren Ort Inverness am River Ness (65.000 Einwh.) gefahren.

03.09. - 20.09.17 ... von HH mit der AIDAcara über Schottland, Island bis zur Westküste von Grönland

Mit dem PKW machen wir uns auf den Weg nach Hamburg und stellen unser Auto auf den Langzeit-Parkplatz in Steinwerder ab … gehen ein paar Schritte zum Anleger und checken auf der AIDAcara ein. Alles geht rasend schnell und unkompliziert … nur aus 18 Uhr "Leinen los" wurde 21 Uhr ... es mussten noch "Ersatzteile" geladen werden!!! Hamburg war bereits im Lichterdunkel getaucht mit den blinkenden Fahrgeschäften vom Dom am Horizont. Einige Villen in Blankenese verabschiedeten uns mit Morsezeichen per Lichtblitz.

Die AIDAcara gehört mit 1.200 (ausschließlich deutschsprachigen) Passagieren und ~370 Crewmitgliedern zu den kleineren Kreuzfahrtschiffen. Die Einrichtung ist neueren Datums ... funktional, schlicht und nüchtern. Unsere geräumige Außenkabine mit großem Fenster liegt Backbord (in Fahrtrichtung links), fast mittschiffs auf Deck 4. Das Wetter (bislang +13-16°) könnte sich noch mehr Mühe geben, aber zwischen Regenduschen und Starkwinden lassen die dunkelgrauen Wolken auch mal die Sonne durch. Der erste Morgen an Bord weckten mich mit höllischen Halsschmerzen ... Erkältung im Anmarsch! Statt wie sonst zur Schlussetappe nun gleich zu Anfang Schnupfen, Husten, Heiserkeit ... Toll!!!

Der erste Stopp war ein kleiner verschlafener Hafenort ... Invergordon im nordöstlich. Schottland, wo Ölplattformen ausgemustert, gewartet und repariert werden, Loch Ness und die Whisky-Destillerien Dalmore und Glenmorangie um die Ecke liegen. Von dort sind wir mit dem Bus 30 km am Ufer des Moray Firth in den nächstgrößeren Ort Inverness am River Ness (65.000 Einwh.) gefahren. In der Hauptstadt der Highlands geht es schon etwas städtischer zu ... Fußgängerzone, große Busstation u. Bahnhof, viele kleine Geschäfte und Cafés, eine Kathedrale sowie ein Schloss, das heute als Gerichtssitz fungiert. Mit Stolz verkündet, gibt es zwei Aldiläden, ein Lidl sowie ein Tescoladen ... überwiegend findet man viktorianische Häuser, niedrig geduckt, 1 1/2geschossig hoch, aus rosa Sandstein erbaut, mit schmalen Vorgärten und hinteren Gemüsebeeten. Zurück gehts wieder durch hügelige Landschaft im Wechsel mit Gerstenfeldern und Weideland, vorbei an Farmhäusern, herrschaftlichem Gemäuer, Golfplatz und Kleinindustrie. Zurück in Invergordon findet man an der langen Dorfstraße einen kleinen Sparmarkt, ein Café, ein Antiquitätenladen sowie ein Hotel mit Pub. Mancher Häusergiebel des Ortes ist kunstvoll mit Alltagsgeschichten bemalt. Während in der Schule noch Sport unterrichtet wird, werden wir in der Dorfkirche auf Deutsch bei KaffeeKuchen empfangen. Nach der Frage zum lokalen Bierausschank schaltet sich auch ein gälisch sprechender Mann ein, der nun mit Händen und Übersetzerhilfe näheres erklärt. Im Pub, ein paar Häuser weiter, bekommen wir unser Lokalbier. Die Einrichtung über Jahre mit einem Patinafilm überzogen, läuft hier alles stumm ab ... die meist ergrauten Herren kommen rein, der junge Mann hinter den Tresen hebt zur Begrüßung kurz die Hand und zapft ungefragt ein Bier oder schenkt einen Drink ein ... der Monitor an der Wand zeigt Videomusik der 70ger Jahre. Die Herren leeren zügig ihr Glas und verlassen die Gaststube wieder genauso grußlos. Wir bleiben und lassen uns über die gut 100 Schnapssorten aufklären, die man ordern kann. Trinken noch einen köstlichen Dalmore Whisky und lassen den Barkeeper von seinem Studium als Astrophysiker sowie seinen Zukunftsträumen erzählen.

Die Musik- und Tanzgruppe des Ortes verabschiedet uns auf dem Schiff mit fröhlicher Folkloredarbietung. Weiter geht es nach Island ... wackelig, mit Sturmgebraus und hohen Wellen. Reisedetails wie Historisches, Fauna, Flora und Sagenumranktes werden uns vom kundigen Lektor, Knut Edler v. Hofmann näher gebracht.

Der erste Hafen auf Island liegt am nordöstlichsten Zipfel und nennt sich Seyđisfjördur ... ein kleiner Zungenbrecher. Es soll 650 Einwohner geben und einen meist eisfreien Hafen im Winter, der die Fährverbindungen nach Dänemark und zu den Färöer Inseln hält. Man lebt vom Fischfang und Fähr-Tourismus. August 2009 waren wir das erste Mal auf Island ... touristisch sah es noch nach Neuland aus. Dann noch einmal eine Woche im Dezember 2015 um grüne Polarlichter zu gucken ... da war Island schon touristisch wachgerüttelt. Heute haben wir das Gefühl, die Preise haben sich verdoppelt (z.B. eine Baguettesemmel + 1 große Dose Pepsi im FastFoodImbiss = 1.560 Kr/12,60 €) und Reisende sind selbst in den einsamsten Ecken zu finden. Island ist weidegrün aber waldlos, hat kahle, mit leichten Grün bedeckte Hügel, blanke Felsen und schneebedeckte Berge (Vulkane) ... Gletscher, Wasserfälle, heiße Geysiere, Schwefelquellen und Thermalbäder mitten in der unbewohnten Pampa. Bäume gibt es oft nur ... mühsam großgezogen ... in Orten bzw. in bewohnten Gegenden. Die Täler strahlen im satten Grün und sind meistens mit glasklaren Bächen durchzogen. Es gibt Hochseefischfang, Lachse und Forellen ... wo man auch immer angeln kann, Schafe, Kühe und die kleinen Islandpferde ... aber kein Wild. Wichtig sind den Isländern die Fabelwesen ... knorrige Trolle und die vielen Elfen, um deren "Behausungen" auch Straßen drumherum gebaut werden.

Ein Tag später unsere nächste Hafenstadt Akureyri. Sie ist mit 16.500 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Islands. Die meisten Passagiere nehmen die Ausflugsbusse Richtung Mývatn-(Mücken)see, Gođafoss-Wasserfall und Thermalbad, fahren zur Walbeobachtung, nehmen das Mountenbike oder gehen zum Golfen oder Reiten. Da wir die wichtigsten Highlights der Gegend kennen, gehen wir lieber bei 18°C und schönstem Sonnenwetter zu Fuß in den Ort und wundern uns über die privaten Großtaxis im Hafen, die ab 730 € aufwärts für max. 7 Pers. und 4 Std. ihre Touren anbieten ... da geht es über das Schiffsausflugsangebot etwas preiswerter ... Die wenigsten Passagiere bleiben vor Ort und so trifft man sich bei den kleinen Sehenswürdigkeiten oder Cafes wieder. Die moderne protestantische Kirche bleibt wegen Beerdigung verschlossen in den Straßencafés sind die Sonnenplätze schnell belegt doch wir besuchen erst einmal den großen Botanischen Garten, der bereits 1912 als Experiment angelegt wurde ... und mopsen wo es geht Samen der bunten Blühwunder. Alles scheint gerade gleichzeitig zu (ver)blühen ... die Ebereschen hängen voller roter Früchte, Mohn und Pfingstrosen blühen noch, Akelei und Enzian, Rittersporn, Kornblumen und Rosen ... Treffen auf Schotten die Reiseempfehlungen zu ihrer Heimat geben. Die ältesten noch erhaltenen Häuser sind um 1850 erbaut, die neuesten Baustellenbauten kann man mit den hochaufragenden, hauchdünnen Betonwänden nur bewundern. Auf Energieverbrauch wird nicht groß geachtet. Diese Insel ist der pure Energielieferant ... Geothermie ... 85° heißes Wasser und klarste Wasserquellen, dampfender Schwefel ... Fußballfeldgroße Gewächshäuser mit Dauerbelichtung und "Bodenheizung" liefern auch in den dunkelsten Wintermonaten noch grüne Salate, Ananas oder Kartoffeln ... warum also auf den Energieverbrauch achten? Schließlich werden in Reykjavik auch die winterlichen Straßen beheizt ...

Es folgt ein trüber Seetag, an dem man nur die viele Wale zählen konnte, die leider nicht mehr als ihre Buckel oder Blasfontainen zeigen wollten. Es scheint wolkenlose Sonne als wir vormittags in den Prinz-Christian-Sund in Grönlands Süden einfahren. Schon vor Einfahrt in den 70 km langen Sund, schwimmen die ersten Eisbrocken in Schiffsgröße am Horizont. Landseits sind dafür die ersten alpinen Felsformationen zu sehen, die in den Senken und schattigen Ecken Schnee lagern. Das Meer ist fast spiegelglatt und schimmert im klaren blaugrün. Kleinere Eisbrocken dümpeln in Schiffsnähe vorbei. Wir sind für das Außendeck mit Mehrlagenkleidung gerüstet und warm verpackt. Das Schiff tuckert langsam voran, über Bordlautsprecher klingt leise Klassikmusik, die durch Ansagen und Hinweise unterbrochen wird. Der Sund ist eine schmale (200-500 m breite) Wasserstraße, die hier die Insel Christian IV. vom grönländischen Festland trennt. Rechts und links ragen steile, hohe Felswände auf. In allen Steinfarben ... zerfurcht, ausgefranzt, geschliffen oder abgerundet, bröselig oder glattpoliert, an den unteren Rändern und Nischen wachsen Moose und Flechten, selbst winzige Bodensträucher konnte man entdecken. Manche Berge ragen bis 2.000 m hinauf. Zwischen einigen quetschen sich Gletscher hindurch und entladen ihre Eisfracht samt Steingeröll direkt in die Wasserstraße oder enden in einem hohen Sattel und schicken statt Eisbrocken gleich einen Wasserfall hinunter. Nach wenigen Kilometern ist das Wasser von den mitgeführten Sedimenten bereits milchig eintrübt. Ab 13 Uhr fegt Wind durch die Schlucht und die Temperatur sinkt von warmen +9°C auf lausige +4° ... es wird frischlich. Die AIDA muss sich durch enge Passagen sowie scharfe Kurven schleichen und sich die schmale Wasserstraße mit gragengroßen Eisbrocken teilen. Gut vor einer hohen Bergwand versteckt, geduckt hinter niedrige Felshaufen, liegt die einsame Ansiedlung Aappilattoq mit bunten Holzhäuschen und geschätzten 150 Inuit-Bewohnern, die vom Fisch- und Robbenfang leben. Kaum heraus aus dem Prinz-Christian-Sund, sind wieder haushohe Eisberge zu sehen, das offene Meer beschert uns einen kräftigen Wellengang und der Wind gibt sein Bestes solange wir ums Kap Farvel kurven.

Nach einem Seetag kommen wir um 8 Uhr in Nuuk an ... der Hauptstadt (~16.000 Einw.) von Grönland. Wir müssen tendern, denn Frachter haben vorrang und die liegen gerade im Hafen. Das Wetter bietet sonnenklare aber windige, +10° C in der Mittagshitze. Der Ort liegt geschützt an einem Sund und ist auf hügeligen Fels gebaut. Die überwiegend bunten Holzhäuser stehen mit dem gemauerten Keller, der Höhenlage angepasst, auf blankem Fels. Ein wildes, steiles Treppengewirr verbindet Häuser, die nicht an der Straße liegen. In manchen Felsmulden wächst struppiges Gras oder blüht gelber Mohn. Alle Häuser sind mit oberirdischen verlaufenden Heizungsrohren verbunden, die zentral eingespeist werden. Zum Schrecken des Stadtbildes, erheben sich vom Meer weg zu viele 8-geschossige "Hochhausriegel" und im inneren Ortsbild stören weitere Riegel der Marke "OstPlatte".

Wir erkunden die Hauptstadt zu Fuß und nehmen Kurs auf das alte Lehrerseminar, wo sich die moderne Uni (500 Studis) anschließt. Gert findet gleich studentische Gesprächspartner aus Dänemark, Färöer und ein elfenhaftes Blondwesen aus Nuuk. Am Kunstrasen-Sportplatz vorbei gehts ins Art-Museum für zeitgenössischer Kunst. Auf der Straße sind kaum Inuits sichtbar. Da die Inuits sich durch die dänische Kolonialisierung gegängelt und unfrei fühlten und ihre alte, naturnahe Lebensweise aufgeben mussten, sind viele dem Alkohol verfallen, den sie nicht vertragen. Zur Fischhalle kommen wir viel zu spät ... es liegt neben einigen Heilbutts nur noch zerteiltes Robben- und tiefrotes Walfleisch in der Theke. KaffeeKuchen nehmen wir in der neuen, welligen Kulturhalle ein, wo am Nebentisch eine gewaltige Fischplatte mit allerlei Schalentieren verdrückt wird.

Im Einkaufszentrum gibt es zwei Supermärkte ... die Preise sind exorbitant ... eine 200g-Tüte Erdnüsse ~5€ / ein Pfund Butter ~6€ / ein kleiner Joghurt ~1,80€ ... Der Tourist wird auch nicht vernachlässigt. Geschäfte mit handgefertigten Wollstrickwaren, Miniskulpturen aus Walfischknochen u. Speckstein, Robben- und Polarfuchsfelle. Ein weiteres, naturkundliches Museum, gibt hochinteressante Einblicke in die alte (Über)Lebensweise der Eskimos und der ersten Europäer. Ich frage mich dennoch ... wie konnte man die 4.000 jährige Ansiedlung in den früheren Jahren überleben. Bislang habe ich noch keine einzige Weideflächen oder Gemüseanbau zu Gesicht bekommen.

06.09.17 ... Wir sind in der Disco Bucht (ein UNESCO Welterbe) angekommen und nehmen Kurs auf Ilulissat. Die AIDA bewegt sich nur noch schleichend voran. Immer mehr der bis zu 50 m hohen Eisbergklötze stellen sich in den Weg. Wenn man überlegt, dass nur 1/8 dieser Eisriesen aus dem Wasser herausschauen, so schwimmen hier unvorstellbare Massen herum.

Das Eis wird mit einer Geschwindigkeit von 40 m/Tag von einem Landesinneren Gletscher aus ins 1.200 m tiefe Meer geschoben. Die riesigen Eisbrocken, nicht selten 1.000 m dick, bleiben aber gleich an einer flachen Stelle von nur 200 m Meerestiefe hängen, schieben sich erneut krachend aufeinander, bis sie langsam abschmelzen, zerbröseln, sich freischwimmen und Richtung Süden abdriften.

Gegen 17 Uhr liegen wir in der Hafenbucht von Ilulissat auf Anker und bleiben über Nacht. Es muss an Land getendert werden. Neben uns ein Kreuzfahrtschiff der Crystal-Luxuslinie, das gerade zur Abfahrt bereit ist. Ilulissat (3. größte Stadt mit ~5.000 Einwh.) liegt mit seinen bunten Holzhäusern am steilhügeligen Hang. Auch hier hat man auf blankem Fels gebaut mit Verbindungstreppen und Laufstegen, mit offenen Versorgungsleitungen und wenigen Teerstraßen. Außerhalb von Ortschaften enden auf Grönland alle Straßen ... dann heißt es fliegen, zu Fuß gehen, das Boot oder den Schlitten nehmen.

Die Sonne steht flach über dem Wasser, die Temperatur liegt bei sparsamen +-0°C. Wir haben uns einen Tisch mit Aussicht im angesagtesten Grönlandhotel, dem ARCTIC, reserviert. Der gigantische Weitblick geht über die Disco-Bucht mit den schwimmenden Eisbergen und der untergehenden gelbroten Sonne, die kurz vor 22 Uhr im Meer versinkt. Es wurden grönländische Zutaten verwendet wobei die Gerichte mit jeder Sterneküche mithalten konnten ... als Appetizer gab es gefriergetrockneten Moschusschinken, geröstete Fischhaut auf Muschelbett und dunkle Brothäufchen auf Gerste mit Kräuterbutter auf Stein. Der erste Gang ... rohes Walfischtartar m. Kräutergrün sowie eine Lammsuppe m. Rentierfleisch, rohen Shrimps, Eidotter und Rübchen. Es folgten Heilbutt mit Wirsing auf Butterschaum bzw. Moschusochsensteak m. Lauch und zum Dessert eine EisTeeKugel im weissem Schockimantel auf Stachelbeermus sowie ein Beerensorbet mit Erikablüten u. Haselnuss ... dazu grönländisches Bier und ... welch ein Frevel ... italienischer Weißwein!!! Vieles ungewohnt in der Zusammenstellung und Geschmack ... aber durchweg eine Köstlichkeit. Gegen Mitternacht machen wir uns auf den Rückweg, können noch ein paar zarte Polarlichter am Himmel entdecken und tendern zurück zum Schiff.

Während die ersten Ausflügler am nächsten Tag längst verfroren von ihrer Tour "auf Fischerbooten durch die Eisberge" zurückkommen, gehen wir erneut an Land. Auch heute scheint wieder die Sonne bei nunmehr +2°C. Die klare Vollmondnacht hatte vereiste Wasserflächen hinterlassen. Selbst im Hafen waren einige Bootsanleger zugefroren. Wir laufen die gut 150 Höhenmeter statt einer Busfahrt quer durch den Ort und bestaunen den Straßenbau sowie Bauarbeiten mit Felsspengungen und Leitungsverlegung. Kommen an den Gras-/Felsflächen am Ortsrand vorbei, wo die meisten der gut 2.500 Schlittenhunde des Ortes unter freiem Himmel in kleinen Hundehütten und an langen Ketten gehalten werden. Kaum kommt nur einer der Hundebetreuer vorbei, wachen sie ALLE aus ihrer Schläfrigkeit auf, jaulen und kläffen drauflos und tanzen an den langen Ketten ... es könnte ja etwas zu Fressen geben.

Wir beginnen unsere kleine Wanderung ins Naturschutzgebiet zum Eisfjord Kangia über einen breiten Holzstegweg zum Schutz der empfindlichen Vegetation. Ringsum flacher Fels in deren sumpfigen Mulden Wollgräser und rotbunte Heidegewächse wuchern. Hinter Felshügel versteckt, luken schon die ersten Eisberge des Fjords hervor. Vorbei an den Grundmauerruinen der alten (2.000 v. Chr.) Sermermiut-Siedlung weiter zur Kællingekløften (der Altweiberschlucht). Zusammen mit einigen Wanderern standen wir am Ende des Holzsteges, oberhalb der steilen 35 m hohen Klippen und hörten den (indianischklingenden) Gesängen einer Inuitfrau zu. In früher Jahrhunderten hatten sich bei Hungersnöten, vor allem alte Frauen hier hinuntergestürzt. Der Freitod der Alten gewährleistete somit das Überleben der Jungen bzw. des Stammes. Wieder geht es nach oben ... Fast alle Wanderer gehen den bequemen Weg zurück, denn nun geht es unbefestigt und trittunsicher über Moos, Moorboden und Felsgestein weiter. Vorbildlich gekennzeichnet und immer entlang des Eisfjords kann man zwischen den riesigen Eisbergen noch einzelne Fischerboote sehen, die auf Fisch- und Robbenfang gehen. Wir laufen mittlerweile allein ... es ist absolut still ... die Sonne scheint, die Luft ist kühl, glasklar und vom Zerbersten der Eismassen mit reichlich Sauerstoff angereichert. Die Sonne hat mit der Zeit die Eisoberflächen der -10°C kalten Riesen angeschmolzen, die nun wie hochglanzlackiert dicht vor uns liegen. Dann hören wir das Geschnatter einiger Gänse am Himmel, die in Dreiecksformation schon Richtung Süden entfliehen??? Auch die vielen kleinen Flugzeuge, die scheinbar im Takt von Busverbindungen fliegen, stören ein wenig diese Stille.

Wieder im Ort angekommen gönnen wir uns KaffeeKuchen und treten den Heimweg an. Fast alle Häuser haben ihre Hundeschlitten vor der Tür stehen und an den oberen Balkonen hängt die Jagdbeute der vergangenen Tage ... mal ein Karibugeweih oder ein paar Fleisch-oder Fischstücke zum Trocknen.

Frischgegrillten Heilbutt gibt es für uns als Leckerbissen auf dem Außendeck bevor es um 18 Uhr heißt "Leinen los". Doch weit kommen wir nicht, denn ein zurückgelassenes Fischernetz hat sich im Anker verheddert. Befreit gehts in Kriechfahrt zwischen den Eisbergen hindurch wieder zur offenen See.

Einen sonniger Seetag lang gleiten wir entlang der sichtbaren, bis 2.000 m hohen, steilbergigen Küste bis Qaqortoq, wo wir um 8 Uhr früh in der sonnigen Hafenbucht vor Anker liegen. Qaqortoq heißt übersetzt "die Weiße". Der Name dürfte von den zahlreichen Eisbergen hergeleitet sein, die zwischen März und Juli oft das Anlaufen des Hafens verhindern. Die winzige Stadt hat ausschließlich bunte (auch Alte aus 1757) Holzhäuser die am steile Hang aus graubuntem Fels und satten Grün kleben ... Etwa 3.500 Einwohner zählt der Ort an der südlichen Küste, in dem viele Künstler unter dem Motto "Stein und Mensch" gut 30, in Stein gehauene Skulpturen bei ihren Besuchen zurückgelassen haben.

An der Fischhalle werden die letzten Reste des Tages verkauft ... Robbenteilstücke, Möven und getigerte Großkampffische??? ... von denen unser AIDA-Chefkoch einige aufkauft. Ein paar Inuits verkaufen selbstgefertigte Waren ... Glasperlenschmuck, Kleidung aus Mochuswolle gefärbte Robbenfelle und Schnitzereien aus Walrosszähnen oder Walfischknochen. Im einzigen Kaffee sitzt man bei +6,5°C in der Sonne und lässt den Vormittag dahinplätschern.
Gegen 14 Uhr tendern wir zurück zum Schiff ... und verlassen Grönland ... Alles klar? ... Ajunngila?
Die AIDA umfährt noch einmal das windige Cap Ferval und nimmt dann Kurs auf Reykjavik / Island ... Auf Wiedersehen! ... Takuss / Baaj!

11.09.17 Nach einem weiteren Schönwetterseetag kommen wir gegen 20 Uhr im Fährhafen ... außerhalb der Stadtmitte von Reykjavik an. Der Wind pfeift so kalt dass wir uns die abendliche Fahrt zur 5 km entfernten Altstadt verkneifen und sie auf den nächsten Tag verlegen. Der Tag begrüßt uns mit Graublau und Nieselregen bei +10°C ... nicht sooo lustig.

Unser letzter einwöchiger Aufenthalt in Reykjavik liegt erst 11/2 Jahre zurück ... da bleibt uns nur ein Wiedersehenseffekt. Denn die Stadt ist zwar flächenmäßig sehr ausgedehnt, jedoch mit teils unschönen niedrigen Schlichtbauten bepflastert. Entlang des alten Hafens und neben dem GlasKulturPalast "Harpa" sind mehrere Wohntürme ganz in Glasschwarz entstanden. Auch einige Geschäfte in der Fußgängerzone sind hinzugekommen die hauptsächlich den Touris das Geld aus der Tasche locken soll. Der alte und interessantere Innenstadtkern beschränkt sich auf nur wenige Highlights ... wie Traditionshäuser und Kulturbauten ... dazu eine Hand voll alter Wohnhäuser, die mit buntem Wellblech verkleidet sind sowie einiger Wandgemälde an Giebelwänden.

Bei diesem Nieselregenwetter bleibt uns nur Shophopping ... entlang der Fußgängerzone hüpfen wir von einem Geschäft zur nächsten Galerie ... bestaunen die Waren und ziehen weiter bis zum nächsten Café ... von denen es reichlich gibt.

Wir hatten den öffentl. Bus vom Industriehafen in die Stadt genommen, der Tickets nur gegen abgezähltes Kleingeld in Isländischen Kronen herausgibt. Ansonsten ersetzt die Kreditkarte fast schon jegliche Barzahlung. Für das wenige Restumtauschgeld wollten wir noch eine Rosinensemmel beim Bäcker kaufen ... doch 300 ISK (2.45€) !!!!! für die bierdeckelgroße Semmel ... dafür reichte unser Kleingeld dann doch nicht mehr.

Die Abfahrtzeit der AIDA war für 17 Uhr festgelegt, aber wieder einmal fehlen 2 Passagiere ... die mit dem Mietwagen gemütlich und fast 2 Std. später eintrudelten. Normaler Weise wartet ein Schiff nicht und fährt spätestens einige Minuten später trotzdem ab. Erhält das Schiff jedoch einen An-/Notruf vom Passagier kann der Kapitän entscheiden ob er länger warten kann/will. Teuer wird es wohl trotzdem, denn die Kosten für längere Liegezeiten im Hafen und die schnellere Fahrt zum nächsten Ziel ist nicht unerheblich.

Während der Sturm über Norddeutschland tobt, wackelt unser Schiff windumtost vom Atlantik in Richtung Nordsee. Einen ganzen Seetag lang putzen hohe Wellen hin und wieder unser Kabinenfenster auf dem 4. Deck ... Im Restaurant bleiben viele Tische leer, was nicht nur am übertragenen UEFA Champions League Spiel Dortmund-Tottenham liegt.

Einen Tag später legen wir gegen 13 Uhr in Lerwick auf Manland an ... die größte der rund 100 Shetlandinseln. Schottlandwetter mit diesiger Sicht, leichtem Wind, bei +11°C und Nieselregen ... Lerwick hat etwa 8.000 Einwohner, liegt am hügeligen Hang, hat neben einen neueren auch einen älteren Stadtteil aus 2-4stöckigen, victorianischen Sandsteinhäusern mit Schieferdeckung sowie eine alte Festung "Fort Charlotte" aus dem 17. Jh. Die Shetlands können auf eine 6.000jährige Besiedlungsgeschichte zurückblicken ... Pikten, Wikinger, Norweger, Dänen, Holländer ...

Wir machen uns auf den Weg in die Altstadt mit dem kleinen Fähr- u. Fischerhafen und steuern gleich einen Pub an ... 1x Fish & Chips mit Bier und Cider ... lecker! An der Theke stehen eine junge Frau und ein Grauhaarmann im Dauerplausch mit der Bardame ... die dabei aber nur selten das Bier aus der Hand lassen. Es werden für jeden 5 Halbe, bis wir den Pub verlassen und den Ort erkunden. Die Hügel durch schmale Treppengassen rauf und runter, die Umrundung des Forts ... und immer wieder Nieselregenhuschen. Der kleine Stadtkern hinter dem alten Hafen wird den Touristen überlassen, wo in der Minifußgängerzone Shetlandwolle, Pullover, Whisky, Tweetstoffe und allerlei Touristenkitsch verkauft wird ... Bevor wir aber im Nieselregen völlig aufweichen, steuern wir noch ein Cafés an ... Rosarot, blasse Blümchenmuster, Sammeltassen und lecker KaffeeKuchen.

Die abendliche Durchsage vom Kapitän ... die Weiterfahrt zu den nahen Orkney-Inseln könnte sehr wackelig werden. Mit unserer unten liegenden Kabine in Schiffsmitte haben wir wirklich Glück ... zentral gelegen, kein Geschaukel, keine Maschinengeräusche, RUHE! Trotzdem liegen einige Dinge auf dem Boden, als wir von der Durchsage des Kapitäns um 7:30 Uhr geweckt werden. Er hätte gerade versucht in Kerkwill auf den Orkneys anzulegen. Es sei ihm bei dem Sturmwind von 103 km/h missglückt. Da der Sturm im Laufe des Tages noch stärker würde, hätte er beigedreht und nehme nun Kurs Richtung Hamburg auf.

Erst gegen Mittag wird klar ... nach 1 1/2 Seetagen, werden wir 12 Std. zu früh, schon am Samstagabend in HH ankommen. Trotz Kurs Richtung SüdOst bleibt das Wetter bei 12° sehr wechselhaft und wackelig. Im abendl. Theater feiern die AIDA-Passagierfans Abschied ... Sektempfang, Lobesreden und Abschied durch die Crewmitglieder. Wie wir hören, haben viele längst ihre nächste Reise gebucht ... natürlich mit AIDA. Gegen Mittag biegt die AIDAcara in die Elbe ein ... Schleichfahrt bei +12°C und leider Nieselregennebel ... bis Altona. Zur Gewöhnung an festen Boden, noch ein später Rundgang im Hamburger Wochenendfeierabend ...

So. 17.09.17 Der Himmel über HH ist nach anfänglichem Sonnenschein um 9 Uhr schon wieder eingetrübt. Wir verlassen das Schiff und werden vom Anleger in Altona zum Parkplatz nach Steinwerder gebracht. Das Navi auf Heimatkurs eingestellt ... auf geht's!

Die Straßen sind noch weitestgehend autofrei bis es um die Lüneburger Heide herum voller wird. Ein Grund mehr, auf Höhe Undeloh die A7 zu verlassen um mal eine kleine Kurve zu drehen ... schmale Landstraßen, Birkenwälder, Klinkerfachwerkhäuser, Rieddächer, Pferdekutschen und leider schon fast verblühte Heide. Das Wetter kann sich bei 15° nicht für Sonnenschein entscheiden und der Sonntagsausflugverkehr drängelt aufs Land. Wir machen noch am Bauernverkaufsstand entlang der Straße halt, laden Äpfel, Pflaumen, Kartoffel ... und entschließen uns für den direkten Heimweg.



Qaqortoq


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Kommentare

  • Blula

    Obwohl ich keine 'Kreuzfahrerin' bin, hat es mir viel Freude gemacht, diesen schönen Bericht von Dir zu lesen. Bin nicht seetauglich und die Reise wäre mir wohl zumindest an einem dieser von Dir geschilderten Tage auch wieder nicht bekommen ;-) Dass aber Schottland, Island und Grönland unbedingt eine Reise wert sind, das kann ich auch Deinen Zeilen und den guten Fotos sehr wohl entnehmen.
    LG Ursula

  • u18y9s26

    Mit großem Interesse habe ich deinen Bericht gelesen. Selbst keine Kreuzfahrerin, kann ich mir jetzt viel besser vorstellen, wie diese Seereise verläuft. Ich hätte mir allerdings gewünscht zu deiner ausführlichen Reisebeschreibung noch mehr Bilder zur Veranschaulichung zu sehen. LG Ursula

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