Im Sommer in die Wüste!

Reisebericht

Im Sommer in die Wüste!

Reisebericht: Im Sommer in die Wüste!

Eine Wüstenreise fast ohne Sand im Hoggar-Gebirge mit Regenschauern, einem Wolkenbruch, interessanten Menschen mit Traditionen und tanzenden Kamelen.

Wenn man zum Tuareg Fest zu Ehren des Moulay Abdallah nach Tazrouk (Algerien) möchte , muß es im August (2017) sein.
Unsere Fahrt mit den Geländewagen begann in Tamanrasset. Es ist die größte Oase im Süden Algeriens. Im Heimatmuseum bekamen wir einen Überblick über die Vielfalt der Region.
Bald ließen wir die letzten Häusern hinter uns und die Straße wurde zur Piste. Auch im Dunst war der Iharen ein eindrucksvoller Basaltdom. Das Hoggar ist ein Gebirge vulkanischen Ursprungs und es gibt viele derart geformt Berge, da die harte vulkanische Schlotfüllung der Verwitterung widerstand. Wir fuhren durch Geröllwüsten (Serir) und Regionen mit zertrümmerten Felsen (Hammada) und immer wieder waren wir begeistert von den bizarren Bergformen und den gemischten Granitfarben und dem Lavagestein.
Wir übernachteten in Zelten und klatschten und tanzten abends zur Musik unserer Crew. Obwohl ich schon einige Wüstenreise erlebt hatte, gab es diesmal etwas Besonderes. Da ich kein Überzelt aufgebaut hatte, spürte und hörte ich den Regen. Regen in der Wüste!!!! Schnell zog ich innen das Überzelt über meine Matte und das Gepäck, aber es war ein kurzer Schauer.
Die Wasserquellen von Afilal mit ihrem üppigen Grün waren wie ein kleines Paradies. Die Wärme wurde mit einer längeren Mittagspause überbrückt.
Als wir in die Nähe von Tazrouk kamen, freuten wir uns riesig von weitem eine Karawane zu sehen, die wohl auch zum Fest zog.
In dem kleinen Ort Taberbert hatten sich Frau im Kreis zusammen gesetzt und sangen und trommelten. 5 meist weiße Kamele mit ihren traditionel gekleideten Reitern kamen an der Gruppe vorbei. Die Tiere hatten ihre Köpfe gehoben, stolz wie ihre Reiter. Die Sättel waren zum Teil silberbeschlagen und es gab viel schmückenden Behang. Die Gruppe defiliert vor den Frauen auf und ab und die Dromedare schwangen im Rhythmus, so daß man sagen kann, die Kamele tanzten.

Da der Inhaber der Reiseagentur (Desert Reisen), mit der wir unterwegs waren, ein Tuareg ist, machte wir uns auch etwas schick, denn wir gingen ja zu einem Tuareg Fest. Einige Herren der Begleitmanschaft sahen sehr fürstlich aus in ihren Gewändern. Am Abend schauten wir zu, wie viele Menschen sich festlich gekleidet im trockenen Flußbett trafen und sich zeigten. Morgens, als wir nach Tazrouk kamen, hörten wir schon das Tamtam von weitem. Männer in weißen Gewändern stampften in bestimmter Schrittfolge im Kreis zu Trommel und Flötenmusik und wiederholten gleichbleibend den kurzen Gesang. Manche Gruppen schwangen geschmückte Gewehr. Es war einfach atemberaubend, zumal es auch sehr heiß wurde. Am nachmittag sahen wir ein Kamelrennen und nochmal einen Kameltanz mit zwei Gruppen, die ihre Reitkunst und die edelen Tiere vor den singenden und trällernden Frau zeigten.
Es gab zwar unterwegs viel zu sehen, wie Gravuren, Agamen, kleine Blumen, die besonders schön im Gestein leuchteten und natürlich die Oasen. Aber ein weiteres wichtiges Ziel war der Assekrem. Der höchster Berg (2908 m) im Hoggar ist zwar der Tahat im Atakor-Vulkanfeld, aber der Asskrem (2780 m) wird gerne besucht, da dort Charles de Foucauld 1911 eine Einsiedelei errichtet hat. Und sich von dort wunderbare Ausblicke auf die bizarre Felslandschaft mit markanten Erhebungen und erodierten Vulkanschloten bieten. Obwohl wir die Standart Piste wählten, die zwischen Felsen hindurch bergan führte, wurde die Strecke immer beschwerlicher. Im Gewitter sah die Landschaft von Felstürmen und gezackten Graden etwas gespenstisch aus. Die Crew mußte auch schon mal Steine in tief ausgewaschene Rinnen werfen, damit die Fahrt weiter ging. Sicher haben die Fahrer “ alhamdulillah” gesagt, als wir oben an der Herberge waren. Da es bei eventuellem Regen, keinen Freude ist zu zelten, haben wir ein Matrazenlager bezogen. Am Morgen um 5 Uhr waren wir schnell auf den Beinen, um auf den Gipfel des Assekrem zu gehen. Das Farbspiel in Orangtönen bevor die Sonne sich über die Bergsilhoutte schiebt, ist besonders schön und läßt die Berge plastische wirken. Damit wir nicht wieder im Gewitter die Piste herunterschlittern mußten, fuhren wir früh los. Aber leider gab es so einen heftigen Regenguß, daß sich bald Ströme den Berg hinab ergossen, da die Landschaft kein Wasser aufnimmt. Und dann hatten wir auch noch einen platten Reifen, der aber auch bald gewechselt war. Oft mußten wir den reißenden Bach durchqueren. Als wir kurz vor Tamanrasset waren, regnete es wieder leicht und viele Menschen hatten sich an dem reißenden Wasser eingefunden und genossen die Besonderheit.
Wir erfuhren, daß es seid 40 Jahren nicht mehr so stark geregnet hatte. Da wir ja Regen gewohnt sind, hatten wir keine Lust zum Zelten. An zwei Tage hatten wir die Möglichkeit die Landschaft von Dromedaren aus zu genießen, aber das paßte nicht zu meiner Knieverletzung. Abends umrundeten die Kamelleute wieder die singenden Frauen und es wurde besonders fröhlich, weil auch Männer der Manschaft sich auf die Tiere schwangen und die Frauen beeindrucken wolten und sich auch mit ausgelassenem Tanz freuten.
Am letzten Tag hätten wir uns noch eine Herde von Schafen oder Ziegen oder Kamelen auf dem Viehmarkt kaufen können.
Eine Wüstenreise fast ohne Sand im Hoggar-Gebirge mit Regenschauern, einem Wolkenbruch, interessanten Menschen mit Traditionen und tanzenden Kamelen.



Tanzende Kamele

Keine Bildinformationen verfügbar

Teilen auf

Kommentare

  • Blula

    Danke für's Mitnehmen auf diese abenteuerliche Wüstentour. Deine lebendige Schilderung der Reise hat mir sehr gefallen.
    VG Ursula

  • RELDATS

    Hat mir gut gefallen, der Bericht.
    So eine Wüstentour könnte mir auch gefallen.
    Nette Grüße von Josef

  • widix

    Was für eine spannende und schöne Reise. Vielen Dank fürs Mitnehmen.
    LG Sabine

  • lidlamica

    Ganz toller Reisebericht, macht Lust darauf gleich loszufahren.
    Liebe Grüße von Karin

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Im Sommer in die Wüste! 4.83 6

Beliebte Community-Inhalte: AustralienNorwegenThailandVietnamItalienBarcelonaIndien ReiseführerIndien Tipps