Am Kap der Guten Hoffnung

Reisebericht

Am Kap der Guten Hoffnung

Reisebericht: Am Kap der Guten Hoffnung

Ingrid Jonker und Kapstadt. Kapstadt und sein Kasteel die Goeie Hoop, Bloubergstrand und Seinheuwel, Waterfront, Bo-Kaap und sein Biesmiellah Restaurant, Cheapmans-Peak-Drive, Boulders Pinguine, Kampsbaai und selbstverständlich der weithin sichtbare Tafelberg. Spricht man von den Sehenswürdigkeiten der Kaphalbinsel, so sind das selten leere Floskeln. Die Sehenswürdigkeiten sind auch solche.

Als sich Ingrid Jonker am 19.Juli 1965 in der Drieankerbaai (Dreiankerbucht) von Kapstadt das Leben nahm, lagen stürmische Jahre hinter der jungen Frau. Die südafrikanische Dichterin, die für ihre lyrischen, in Afrikaans geschriebenen Werke enthusiastisch gefeiert wurde, gründete 1962 mit Chris Barnard, André Brink und Breyten Breytenbach die avantgardistische Künstlergruppe „Die Sestigers“ (Die Sechziger). Ingrid Jonker rebellierte gegen die bestehende Zensur und überwarf sich mit ihrem Vater, dem Vorsitzenden des Komitees für Zensurgesetze. Über Jahre gelang es ihr aufgrund ihrer apartheidkritischen Haltung nicht, ihre Werke zu veröffentlichen. Zwei Jahre vor ihrem Tod erschien dennoch ihr Gedichtband „Rook en oker“, für den sie mit dem Preis des „Afrikaanse Pers-Boekhandel“ bejubelt wurde.

Ingrid Jonker und Kapstadt. Kapstadt und sein Kasteel die Goeie Hoop, Bloubergstrand und Seinheuwel, Waterfront, Bo-Kaap und sein Biesmiellah Restaurant, Cheapmans-Peak-Drive, Boulders Pinguine, Kampsbaai und selbstverständlich der weithin sichtbare Tafelberg. Spricht man von den Sehenswürdigkeiten der Kaphalbinsel, so sind das selten leere Floskeln oder Touristenfallen. Die Sehenswürdigkeiten am Kap sind auch solche. Manche davon sind sehr bekannt und überlaufen, viele hingegen echte Geheimtipps. Die alte niederländische Versorgungsstation am Kap der Guten Hoffnung hat sich zur beliebten und entspannten Metropole entwickelt. R wusste um die spannendsten Orte und kannte die schönsten Blicke auf die schönste Tafel Afrikas. Unsere Übernachtung lag nicht weit von „Ons huisie“ am Bloubergstraand, einem schnuckeligen Restaurant mit unbezahlbarem Meerblick und Sonnenuntergang. Wir gönnten uns einige Tage, um Kapstadt zu entdecken. Die Moederstad meinte es gut mit uns und präsentierte sich quirlig und bunt, mondän, historisch, sonnig, sportlich, touristisch, nicht ganz so gefährlich, modern afrikanisch und nicht nur schwarz-weiß. Wir machten einen Abendspaziergang an der Waterfront, untersuchten die Überreste der ersten holländischen Festung und das Warenangebot im African Trading Port, einem alten Handelskontor der VOC.

Später entdeckten wir über dem steinernen Eingang vom Kastell die Zeichen der Niederländischen Ostindien-Kompanie. Das Kasteel de Goede Hoop war die Keimzelle des heutigen Südafrika und die Vereenigde Oostindische Compagnie VOC stand auf dem Höhepunkt ihrer Aktivitäten. Globalisierung im 17.Jahrhundert. Wir spendeten der niederländischen Geschichte nur eine knappe Stunde, da die Festungsanlage, die erst nach dem Weggang Jan van Riebeecks erbaut wurde, gerade renoviert wurde. Der beliebte Greenmarket Square liegt nur wenige Minuten Gehweg entfernt und bietet mit seinen originellen und handgefertigten Skulpturen, Figuren, Taschen, Schals und Straußenfedern alles was Herz und Geldbeutel zu befriedigen vermag. Auf halbem Weg zum modernen District Six Museum, neben den Company Gardens, befindet sich in der Adderly Street das ehemalige Sklavenhaus. Die Iziko Slave Lodge diente als Unterkunft für alle Sklaven, die die VOC als billige Arbeiter ans Kap holte und erzählt heute von deren Schicksal. Die belebte Long Street mit ihren Kneipen, Restaurant und Nachtclubs, die die Straße zur Vergnügungsmeile machen, nutzten wir nur als Parkgelegenheit.



Bo-Kaap, Kapstadt



Im Bo-Kaap, dem historischen Zentrum der muslimischen Kapmalaien, holten wir uns im Biesmiellah Restaurant leckere Samosa und süße Koeksister als Nachspeise. 1780 entstanden, ist das Stadtviertel, daß offiziell Schotschekloof heißt, mit seinen bunten Häusern und dem Blick zum Tafelberg heute eine der Hauptattraktionen von Kapstadt. Der etwas über eintausend Meter hohe Tafelberg hatte in jenen Tagen sein Tischtuch meist übergezogen. Schwere Nebelschwaden fegten über das Plateau. Wir unternahmen trotzdem den Versuch um auf den Berg zu kommen, nutzen den Komfort der modernen „Table Mountain Aerial Cableway“ Schweizer Fabrikation und tauchten hundert Meter unter dem Gipfel in den dichten Nebel ein. Wir wanderten auf der weitläufigen Hochfläche, genossen die Stille und die wenigen Touristen, die es wie uns trotz dichtem Nebel, leichtem Wind und winterlichen Temperaturen auf den Berg getrieben hatte. Ab und an riss der Wind eine freie Sicht in die Wolken und erlaubte uns einen spektakulären Blick hinunter aufs Kap. Die ehemalige Gefangeneninsel Robben Island hob sich als schmaler Streifen gegen den Horizont ab. Einen Tag später wurde der Berg aufgrund heftiger Windböen gesperrt.

Wir folgten in den nächsten Tagen den Empfehlungen unseres Reisehandbuchs und R’s Lieblingswegen wie Fish hoek, Muizenberg und Llandudno, unternahmen ausgedehnte Spaziergänge am Sea Point und in Camps Bay und ernannten die Pinguine von Boulders Beach zu unseren persönlichen Favoriten. Die seit 1985 geschützte Kolonie der Brillenpinguine ist der einzige Ort auf der Welt, an dem wir frei lebende Pinguine so problemlos beobachten konnten. Zwischen Seinheuwel und Noordhoek, Seepoint und Kampsbaai reihten sich erstklassige Ausblicke am laufenden Band. Hinter Seepoint streckten sich die 12 Apostel spektakulär in die vorbeiziehenden Wolken und wir genossen jede Kurve, jeden Ausblick und jede Minute. Jedoch war weniges auf unserer Kapentdeckung romantischer als auf dem Chapmans-Piek-Drive „I’ll be seing you“ zu hören.

Hier hatten also die alten Niederländer unter Jan van Riebeeck einen Stützpunkt gegründet, Handel mit den Einheimischen Khoisan getrieben und sich, geflüchtet vor den Kriegen und der Enge Europas, nach und nach eine neue Heimat gefunden. Aus den Flamen, Holländern, Deutschen, Engländer und Schotten wurden im Laufe der folgenden Generationen Afrikaner. Unter den vielen Einwanderern waren auch calvinistische Franzosen, die neben ihrem Glauben auch ihr besonderes Geschick für den Weinbau in den Süden Afrikas brachten.



Wrack von Meisho Maru 38 am Kap Agulhas



Franschhoek, der 1688 gegründete Franzosenwinkel, lud uns mit seinen Weingütern und urigen Gasthäusern, geschützt durch das Drakenstein-Gebirge, zu Weinproben und Flanieren ein. Am oberen Dorfende entdeckten wir das 1938 enthüllte Hugenottendenkmal. Statt billiger Massenweine und schwerem südafrikanischem Port kommen immer mehr moderne Weine vom Kap der Guten Hoffnung. Die Gegend um Paarl und Worcester gelten als Keimzelle des südafrikanischen Weinanbaus und heute erzeugen mehr als zwanzig Kellereien Spitzenweine entlang der Franschhoek-Weinroute. Während uns die Vorfahren nach Paarl führten, blieben Schafe und Wärmflaschen ein nicht enden wollendes Gesprächsthema.

Auf dem Weg zum südlichsten Punkt Afrikas fuhren wir meistens abseits der touristischen Hauptrouten. In Hermanus machten wir einen kurzen Stop und hielten nach Walen Ausschau. Der beliebte Fischerort ist dafür bekannt, dass in den südafrikanischen Wintermonaten die Wale ihre Jungtiere direkt vor der Küste zur Welt bringen. Doch wir hatten kein Glück, spazierten noch etwas die Strandpromenade entlang und investierten weiter in die Entdeckung des Hinterlandes. Hinter Franskraal bogen wir nordöstlich nach Elim ab. In den nächsten Stunden führte uns eine staubige Schotterpiste an endlosen Farmen und Windpumpen, vielen verlassenen Bauerngehöften, Springböcken, Paradieskranichen, den sogenannten Bloukraanvoël und Dutzenden Perlhühnern vorbei, die in Südafrika Tarentale heißen. Ab und zu hüllten uns Trucks bei kamikazeartigen Überholmanövern in eine dichte Staubwolke ein.

Elim, die kleine, 1824 von deutschen Brüdern der Herrnhuter Brüdergemeine unter der Leitung von Hans Peter Hallbeck auf dem Gebiet der Farm Vogelstruiskraal gegründete Siedlung, lag verschlafen in der Mittagssonne. Einige Einwohner schauten uns verwundert hinterher und schienen sich über den seltenen Besuch zu wundern. Die etwas überdimensionierte, reetgedeckte Kirche aus den frühen Gründungsjahren stand am oberen Ende der schnurgeraden Dorfstraße, die von reetgedeckten Steinhäusern flankiert wurde. Hinter Struisbaai hatten wir im Ocean View Guest House eine nette Übernachtung gefunden. Sarah, die mit ihrem Mann Jaap die kleine Unterkunft betrieb, war eine quirlige Frau in den Sechzigern, die uns mit einem herrlichen Frühstück und nicht enden wollenden Informationen versorgte. Wir folgten noch am Abend ihrem Ratschlag, zwei Kilometer nördlich von Kap Agulhas zu fahren und entdeckten dort das Wrack des chinesischen Frachters Meisho Maru 38, den wir herrlich kitschig im Sonnenuntergang versinken ließen.



Ausflug am Swartberg Pass



An dem flachen, felsigen Strand von Kap Agulhas treffen Atlantischer und Indischer Ozean aufeinander. Für Bartolomeu Dias war das Kap der Guten Hoffnung das Cabo Tormentoso, das Sturmkap. Die Küste mit ihren Felsriffen und gefährlichen Strömungen gehört zu den gefährlichsten Küsten der Welt, der seit 1550 mehr als 130 Schiffe zum Opfer fielen. Im urigen Zuidste Kaap Restaurant genossen wir einen Sundowner und stießen auf unsere ersten Photovoltaik-Sonnengläser. Die witzigen Fair-Trade Produkte waren eine originelle Erfindung und zeigten mir mal wieder, wie innovativ Südafrikaner sein konnten. Auf dem Weg nach Mossel Bay wählten wir wieder die Nebenstrecken und bogen hinter Bredasdorp nach Malgas ab. Die Straße schlängelte sich wieder endlos durch hügeliges Farmland, vorbei an Straußenfarmen, Springböcken und Vogelschwärmen. In Malgas führte uns die letzte handbetriebene Fähre abenteuerlich und sicher über den Breede River. Nach einem kurzen Picknick am Traumstrand von Arniston mussten wir, unserem engen Zeitplan geschuldet, auf den Abstecher nach Still Bay ebenso wie auf den Besuch von Witsand verzichten.

In den nächsten Tagen erkundeten wir Mossel Bay, die der portugiesische Seefahrer Bartolomeu Diaz während seiner Afrikaumrundung am 3. Februar 1488 entdeckte, fuhren über den Swartberg-Pass und tauschten mit R’s Onkel unzählige Geschichten aus. Eine der Episoden drehte sich um die Gamkaskloof und „die Hel“. Die erst 1962 gebaute und nur bei gutem Wetter befahrbare Schotterpiste führt in ein sanftes, seit 1840 landwirtschaftlich genutztes Tal, welches nur mit Lasttieren versorgt werden konnte. Den schweren Lebensbedingungen und der Abgeschiedenheit zum Trotz gab der letzte Farmer Anfang der 1990er Jahre auf.

Den Addo Elephant Park, Stormsriviermond mit seiner berühmten, 216 Meter hohen Bloukrans Brücke, Plettenberg Bay und das beliebte Fischerdorf Knysna hielten wir ebenso wie Oudtshoorn, das Herz der Südafrikanischen Straußenindustrie, für unsere nächste Reise offen. Totsiens, Suid-Afrika. Dit was ´n groot vreugde!


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Kommentare

  • Blula

    Ein sehr guter, konzentrierter Bericht, den ich mit Interesse gelesen und dabei mehr erfahren habe als von Freunden, die auch vor einigen Monaten eine Reise ans Kap unternommen hatten.
    Danke dafür.
    LG Ursula

  • lungta (RP)

    Hallo Ursula, vielen Dank. Das freut mich immer sehr, wenn meine Reportagen gern gelesen werden und die Informationen dazu weiterhelfen. Südafrika lohnt immer wieder eine Reise. LG Matthias

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