KOLUMBIEN ... ist das nicht gefährlich?

Reisebericht

KOLUMBIEN ... ist das nicht gefährlich?

Reisebericht: KOLUMBIEN ... ist das nicht gefährlich?

Für deutsche Urlauber eher ein exotischer Geheimtipp und auch für mich zunächst ein völlig unbeschriebenes Blatt. Zu den Highlights zählen die Kolonialstadt Cartagena, präkolumbische Goldkunstwerke in Bogotá, das Amazonasbecken im Dreiländereck mit Brasilien und Peru sowie Strände und Inseln im Pazifik und in der Karibik. Hinfahren, anschauen!

Amazonas, Kanufahrt

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Die Vorgeschichte

Kolumbien... Ist das nicht gefährlich? Augenzwinkerndes „macht Ihr da Geschäfte?“ Wohlgemeintes „lasst Euch aber nicht von der FARC entführen!“ ... So und ähnlich sind die Kommentare, wenn man als Urlaubsziel Kolumbien angibt.

Oft ist auch ein leicht verständnisloser Gesichtsausdruck die einzige Reaktion, denn für viele ist das Land ganz einfach ein unbeschriebenes Blatt. Wie auch für mich. Was also tun? Hinfahren, anschauen! Schließlich wirbt die Tourismus-Kampagne: „Das einzige Risiko ist, dass du bleiben willst“!

Flächenmäßig ist das südamerikanische Land zwar ein Riese, etwa dreimal so groß wie Deutschland, für deutsche Urlauber jedoch ein eher exotischer Geheimtipp. Ein Entführungsrisiko für ausländische Staatsangehörige besteht insbesondere in den Grenzregionen zu Venezuela, so die aktuellen Reisehinweise (Mai 2017) des Auswärtigen Amtes. Zu den Highlights zählen die wunderbare Kolonialstadt Cartagena, das „Museo de Oro“ in Bogotá mit der weltweit wichtigsten Sammlung präkolumbischer Goldkunstwerke, das Amazonasbecken im Dreiländereck von Kolumbien, Brasilien und Peru sowie Strände und Inseln im Pazifik und in der Karibik.

Tauchen Sie ein in den Zauber eines Landes, in dem es viel zu entdecken & erleben gibt (www.koulumbien.de)

Unser ursprünglicher Gedanke war „einfach ein ganz anderes Reiseziel“. Anders als die letzten Urlaube. Anders als das, was man schon kennt. Etwas Neues, etwas Unverbrauchtes! Zu Hilfe kam rein zufällig Lufthansa mit Miles & More-Angeboten: Meilenspecial nach Bogotá. Juni. Perfekt!

Zwei Wochen später hatten wir uns ein wenig eingelesen und minimal geplant. Langstrecke nach Bogotá, eine Nacht Hotel, Weiterflug nach Leticia am Amazonas, wieder eine Nacht Hotel. Und dann drei Wochen „schauen“, sich ein wenig treiben und vor Ort inspirieren lassen.

Schnell noch ein Termin beim Reisemediziner (Brasilien hätte gerne Gelbfieber im Impfpass) und die üblichen Tipps („peel it, cook it. usw.“). Die Reisegarderobe ist auch schnell zusammengestellt. „Nicht auffallen“ ist die Devise, also simpel, schlicht, kein Chichi. Die simple 10€-Uhr aus dem Asien-Shop zeigt jedoch bereits am Frankfurter Flughafen keine mir bekannte Zeitzone mehr an und wird noch in der Airport-Apotheke entsorgt. Mit 17,8 kg geht mein Gepäck aufs Förderband. Das ist nun wirklich ohne Chichi!



Bogotá



Im Dreiländereck am Amazonas

Abends in Bogotá El Dorado. Einreise – Gepäckdurchleuchtung – Geldautomat! Geldautomat? Im International Terminal sind leider alle kaputt. Fußmarsch zum Domestic Terminal, Geld holen und ab zum Taxi! La Candelaria, Altstadt. 20 Minuten später fahren wir durch verwinkelte Gassen und während der Fahrer noch das Hotel sucht, warnt er auch, dass es hier abends zu Fuß nicht sicher sei.

Es ist 20 Uhr. Das Hotel hat eine 24-Stunden-Nachtglocke und die Eingangstüre ist vergittert. Der Rezeptionist empfiehlt ein peruanisches Lokal in der Nähe. Wir lassen mutig Ceviche und Pisco Sour servieren und überstehen alles völlig komplikationslos.

Schon am nächsten Morgen geht es ins Dreiländereck am Amazonas. Frühstückskaffee in Kolumbien, mittags gegrillter Fisch in Peru und zum Sonnenuntergang die Caipirinha in Brasilien - so stellt man sich „Reisen ohne Chichi“ vor! Dabei ist alles ganz einfach und durchaus erschwinglich. Sobald man Leticia erreicht hat!

Die südlichste Stadt Kolumbiens liegt am linken Amazonasufer und geht praktisch naht- und grenzenlos in das brasilianische Tabatinga über. Auf dem Landweg sind die Städte nicht erreichbar, doch ins peruanische Iquitos verkehren Schnellboote (angeblich ca. 10 Stunden), ins brasilianische Manaus fahren Amazonas-Schiffe in etwa 3 Tagen.

Leticia selbst ist überschaubar und gut zu Fuß zu erkunden. Viel gibt es allerdings nicht zu sehen, denn die Stadt ist in erster Linie Ausgangspunkt für Amazonas-Exkursionen.
Auch wir wollen unbedingt in eine Amazonas-Lodge und so geht es mit Taxi, Boot, Taxi und wieder Boot nach Palmarí. Zunächst muss man offiziell nach Brasilien einreisen, mangels Kontrolle an der Straße bedeutet das den Weg zur Einwanderungsbehörde in Tabtinga. Sobald das Schiff voll ist, geht es vom Anleger los. Für die nächste Strecke soll uns ein Taxi erwarten, das auch eine knappe Stunde später auftaucht. Es regnet in Strömen und die fehlende Heckscheibe des klapprigen Wagens wurde durch eine Plastikplane ersetzt. In Atalaia beginnt schließlich die letzte Etappe auf dem Yavari-Fluss in den Regenwald.

„Das Risiko eines Bisses durch Piranhas, eines Angriffes durch einen Kaiman oder Jaguar, sowie sich in Beute einer Boa oder Anaconda zu verwandeln, sind zu 99% nicht existent.“ (aus: Homepage Reserva Natural Palmari)

Nach einer kleinen Stärkung geht es zur ersten Dschungelwanderung. Gummistiefel sind in nahezu allen Größen vorhanden und erweisen sich auf dem matschigen Pfad als einzig taugliches Schuhwerk.
Bei Einbruch der Dunkelheit legen wir eine weitere Schicht Insektenschutz auf, denn die Mücken sind in der kurzen Dämmerungsphase wirklich aggressiv unterwegs. Mit den Guides Manuel und Jaime geht es im Dunklen auf „Kaiman-Jagd“. Und wirklich: mit geschulten Augen erspähen sie im Dickicht am Flussufer einen Alligator. Ein geschickter Griff und schon ist das Tier im Boot. Ich rutsche instinktiv eine Bank weiter.

Bei unserer Rückkehr in die Lodge läuft im Haupthaus noch der Generator. In unserer Cabana sorgen zwei Öllampen für schummriges Licht. Es reicht zum Zähneputzen. Die Taschenlampe hilft, doch vielleicht ist es auch besser, gar nicht alles so ganz genau zu erkennen.

Am nächsten Morgen sind wir mit den ersten Sonnenstrahlen wach. Ich hole Tee und genieße die Stille und Einsamkeit auf der kleinen Terrasse. Natur, soweit das Auge sehen kann! Wir unternehmen eine Bootsfahrt und halten im kleinen Dorf Santa Rita Yagua am peruanischen Ufer des Flusses. Der Versuch, Piranhas zu fischen, gelingt an diesem Tag leider nicht. Vermutlich hätte man einen richtig blutigen Köder gebraucht, das blasse Hühnchen geht nicht weg. Nachmittags paddeln wir mit Kayaks hinaus und sehen rosa Delphine. Zum Sonnenuntergang erklimmen wir mit einem Krug Caipirinha den Mirador und genießen das Farbenspiel.

CAIPIRINHA "Palmarinha"
• 1 Liter Zuckerrohrschnaps (Cachaça) “Ypióca” oder “Pirassununga”
• 40 halbgrosse, saftige Lemonen
• 6 Eiswuerfelbehaelter
• Circa 250 gr. feiner, weisser Zucker
(aus: Homepage Reserva Natural Palmari)

Vor unserer Abreise steht noch die Baumwipfeltour auf dem Plan, doch man kann die Zeit auch ganz wunderbar mit einem Buch in der Hängematte verbringen. Es ist unheimlich entspannt in der Lodge, alles scheint unendlich weit weg. Der perfekte Ort zum Abschalten!

Leticia erscheint uns bei der Rückkehr aus dem Dschungel laut und schmutzig. Doch das geflieste Bad in unserem kleinen Hotel ist herrlich luxuriös, auch wenn die Dusche ebenfalls kalt ist.
Auf dem Markt am Flussufer ist schon am frühen Morgen reger Betrieb. Wir entdecken eine sehr appetitliche Präsentation frisch gefangener Piranhas, im größten Supermarkt hingegen liegen Fisch- und Fleischstücke einzeln und unverpackt im Tiefkühler. Kleiner Gaumenkitzel gefällig? Der Mojojoy wird lebend in einem Körbchen präsentiert. Wir lehnen dankend ab. Man könnte den Wurm auch gegrillt bekommen, aber auch das fanden wir nicht sehr attraktiv (z.B. im Tierras Amazonicas).

Bei einer Dose Aguila Bier auf der Terrasse unseres Bungalows klingt der Aufenthalt am Amazonas aus. Unter dem Sternenhimmel geben die britischen Nachbarn Restauranttipps für unsere nächste Station: Cartagena.




Amazonas, Bootsfahrt



Reserva Natural Palmari

Caipirinha

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Die Lodge am Javari-Fluss im Amazonas Becken liegt in Brasilien und ist von Leticia bzw. Tabatinga in mehrstündiger Boots- und Taxifahrt erreichbar (aufgrund des unterschiedlichen Wasserstandes können keine genauen Zeiten angegeben werden, wir brauchten jeweils 3-4 Stunden). Die Lodge fügt sich perfekt in die herrliche Landschaft ein, ist jedoch sehr einfach ausgestattet. Auf Komfort verzichtet man während des Aufenthaltes weitgehend, aber gerne! Die Mahlzeiten werden von den anwesenden Gästen gemeinsam an einem langen Tisch im offenen Hauptgebäude eingenommen. Hier stehen tagsüber Tee, Kaffee und Wasser bereit. In den Abendstunden läuft im Hauptgebäude ein Generator (bis ca. 21 Uhr), so dass man auch Kamera-Akkus laden kann. Handy-Empfang gibt es nicht. Die Unterbringung erfolgt in den 3 Hütten (je 3-4 Stockbetten) oder in einem großen Schlafsaal. Nur die erste Hütte (vom Hauptgebäude aus) hat ein Doppelbett („Queen Size“). Raul und die beiden Guides Manuel und Jaime stellten das Programm ganz nach unseren Wünschen zusammen, Spanischkenntnisse sind dabei hilfreich. Es sind immer wieder Schulklassen in der Lodge, wer es etwas ruhiger mag, sollte ggf. im Vorfeld nachfragen.

www.palmari.org



Baumwipfeltour

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Cartagena: koloniale Altstadt & karibische Lebensfreude

Ich sitze auf dem Balkon des Boutique Hotels Casa La Fe in Cartagena. Draußen klappern die Pferdekutschen und ich lese „Die Liebe in den Zeiten der Cholera" von Gabriel García Márquez. Das Hotel liegt an der Plaza Fernandez de Madrid, der kleine Park vor meinem Fenster soll einer der Schauplätze des Romans und das Haus der jungen Fermina direkt gegenüber gewesen sein.

Wer von der Karibik träumt, denkt selten an Kolumbien. Doch während der Kolonialzeit war Cartagena der wichtigste Hafen an der karibischen Küste. Von hier aus wurden Silber, Gold und Edelsteine nach Spanien verschifft. 1984 zum Weltkulturerbe erklärt, ist die Stadt mit der wunderbaren Kolonialarchitektur heute eine der schönsten Städte in Kolumbien, wenn nicht ganz Südamerika. Hier kann man stundenlang durch die kleinen Gassen und über sonnige Plazas schlendern, Stadtpaläste bestaunen und in hübschen Restaurants einkehren. Eine gemütliche Fahrt mit der Pferdekutsche verschafft einen ersten Überblick. Die Stadt gilt als relativ sicher, doch die übliche Vorsicht ist vernünftig.

Gegen Abend lockt das Café del Mar auf der gegen die häufigen Piratenangriffe erbauten alten Festungsmauer. Auf der weitläufigen Terrasse gibt es zum Rum-Cocktail einen farbenprächtigen karibischen Sonnenuntergang.

Wie immer auf Reisen wollten wir den größten Markt der Stadt besuchen. Die Frau an der Hotelrezeption wurde schon etwas einsilbig, als wir von unserem Vorhaben erzählten. Und tatsächlich ist der Mercado Bazurto kein Ort für Empfindliche. Natürlich hat man keine Wertsachen dabei. Flipflops sind ebenso wenig angebracht, denn die Wege zwischen den Ständen sind sehr schmutzig und teilweise schlammig. Die genaue Zusammensetzung will keiner kennen, besser ist festes und abwaschbares (!) Schuhwerk. Das Angebot ist jedenfalls vielfältig: mal ein Korb frischer Limetten, daneben vergammeltes Obst zum Schnäppchenpreis.

Schlammig ist auch die Tour zum Volcán de Lodo, der etwa eine Stunde Taxifahrt von Cartagena entfernt ist. Über eine hölzerne Treppe gelangt man auf den 15 Meter hohen Vulkankegel, in dessen Becken man im Schlamm baden und sich von Einheimischen (nicht professionell aber immerhin) massieren lassen kann. Vollkommen mit Schlamm bedeckt läuft man anschließend zum reinigenden Bad im nahen See.

Ein entspannter Tagesausflug mit dem Boot (ab Muelle Turístico la Bodeguita) führt zu den Islas del Rosario. Unterwegs werden zwei Stopps gemacht, das Mittagessen wird auf der Isla Barú eingenommen. Danach hat man Zeit, den langen Sandstrand und das türkisfarbene Meer ausgiebig zu genießen.



Cartagena

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TIPPS in Cartagena

Casa La Fe
In einem hübschen Kolonialgebäude an der Plaza Fernandez de Madrid gelegen, ist dieses kleine Hotel idealer Ausgangspunkt für einen ausgedehnten Spaziergang durch die malerische Altstadt von Cartagena. Die Zimmer sind in Ordnung, jedoch ist darauf zu achten, dass alle „Standardzimmer“ zum Innenhof liegen und nur wenige Balkon haben. Die Zimmer haben Klimaanlage, Deckenventilator, Safe und WLAN, die Badezimmer (Dusche) sind allerdings winzig. Das Frühstück wird im Innenhof serviert, ist allerdings etwas einfach (z.B. keine frischen Früchte). Zur Happy Hour wird ein Glas Wein angeboten, das man auch auf der Dachterrasse am kleinen Pool trinken kann.
Calle segunda de Badillo #36-125 | Centro, Cartagena 123
www.kalihotels.com

Cafe del Mar Cartagena
Centro Historico, | Baluarte Santo Domingo, Cartagena,
Die große Terrasse ist ein wunderbarer Platz für einen entspannten Drink zum Sonnenuntergang.

Blue House
Centro Historico, Calle del Curato No. 38-08 Esquina, Cartagena 130004
Im Prinzip mehr "Hostel" als Hotel, denn es wird Übernachtung im Schlafsaal angeboten. Allerdings gibt es ein Doppelzimmer und eine "Suite". Das Doppelzimmer ist relativ klein, einfach ausgestattet und hat ein Bad (kalte Dusche) sowie einen kleinen Balkon. Die Suite gefiel uns auf Anhieb, da sie über eine schöne und große Terrasse verfügt. Wir blieben 2 Nächte und waren zufrieden. Die sog. Suite ist natürlich nicht luxuriös, hat jedoch eine komfortable Größe, das Mobiliar ist eher einfach (Bett, Nachttisch, Schrank, Kommode mit TV, 2 Stühle), das Bett ist gut und der Ventilator funktioniert. Auf der Terrasse hatten wir einen Tisch mit Sonnenschirm und 4 Stühle - der perfekte Platz, um nach einem Besichtigungstag bei einem kühlen Bier* zu entspannen!
Das Blue House liegt sehr zentral in der Altstadt, direkt an der Plaza de Madrid. Es wird ein nettes Frühstück angeboten, der Wäscheservice ist günstig (es wird nur gewaschen und zusammengelegt, nicht gebügelt, für unterwegs ist es ausreichend). Wifi funktioniert, das Personal ist nett und hilfsbereit. Alles in allem: gutes Preis-/Leistungsverhältnis! (Achtung, im Internet werden bisweilen höhere Zimmerpreise angeboten)
(* Bier gibt es aus dem Kühlschrank im Empfangsbereich zu kaufen)

Quebracho
Calle Baloco No 2-69 - Centro Historico Amurallado, Cartagena
Wir hatten vor unserem Besuch einige Bewertungen gelesen und freuten uns auf ein Abendessen mit tollem Fleisch. Das Restaurant selbst ist schön, nettes Ambiente, man sitzt angenehm und es war – Freitagabend - auch sehr gut besucht. Dennoch bekamen wir ohne Reservierung schnell einen Tisch. Das Servicepersonal war aufmerksam und freundlich. Wir bestellten eine Flasche Wein (Santa Rita und mit 65.600 COP nicht ganz billig!) und zur Vorspeise Ensalada Cesar (24.900 COP, mittelmäßig) und Chinchulines (Kutteln, 8.800 COP). Dann zwei Fleischgerichte (jeweils mit Gemüsebeilage): Solomillo und Punta Anca (je 48.500 COP), beides sollte „medium" sein. Das Fleisch kam blutig auf den Tisch und wurde zurückgeschickt. Beim zweiten Versuch war es immer noch blutig und innen kalt. Danach wurde es offensichtlich in der Mikrowelle fertig gegart und war leider „well done"...Insgesamt eher unglücklich für ein argentinisches Steak-Lokal auf diesem Preisniveau.



Cartagena

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San Andrés

Wir hatten uns lange Gedanken gemacht, ob der Strandaufenthalt am Ende unserer Reise besser auf dem Festland oder auf den Inseln San Andrés und Providencia verbracht werden soll. Dann fiel die Wahl auf San Andrés, der mit 12 km Länge größten Insel in dem nur 190 km von der nikaraguanischen Küste entfernten Archipel. Die Insel gilt als Taucherparadies, doch Sandstrände findet man lediglich an der Ostküste. Für eine Inselumrundung auf der etwa 30 km langen asphaltierten Straße mietet man ein Golf Cart und tuckert mit 25 km/h ganz gemütlich rundherum. Ein schöner Stopp ist dabei West View (La Piscinita), wo man mit in herrlich klarem Wasser zwischen Schwärmen tropischer Fische schwimmen und schnorcheln kann.

Das Städtchen San Andrés („El Centro“) an der Nordspitze der Insel ist keine Schönheit. Recht neu ist die Strandpromenade, vielleicht belebt sie auch das gastronomische Angebot. Hier entdeckten wir „Majia”, ein im Vergleich wirklich stylishes Lokal, das eine junge Italienerin seit gut zwei Jahren mit ihrem Verlobten (wie sie sagt) betreibt. Wie kommt man nur auf die Idee, aus der zauberhaften Stadt Florenz auf eine gottverlassene Insel auszuwandern und Pasta zu kochen? Aber: sie machen es wirklich gut und nach all dem frittierten Fisch war die Pasta ein echtes Vergnügen!
(Restaurante Majia, Av. colombia peatonal, San Andrés)

Ein Katamaran-Ausflug mit Schnorcheln führt zum “Acuario” bei Haynes Cay an der Ostküste. Man schwimmt tatsächlich in einem Aquarium bunter Fische, allerdings hatten die Organisatoren den genialen Einfall, alle Teilnehmer an einem langen Seil hinter dem Boot durchs Wasser zu ziehen. Die anderen Gäste, allesamt Lateinamerikaner, finden es lustig, also trinken wir in der letzten Nachmittagssonne zusammen Bier und freuen uns an der herrlichen Landschaft. Einer der Guides entdeckt einen Stachelrochen, hüpft wieder ins Wasser und ein Teil der Gruppe hinterher. Jeder möchte ihn anfassen.
(Ausflüge gibt es ab El Centro bzw. Royal Decameron Marazul Hotel).

An der einen oder anderen Stelle hatte man offenbar begonnen, Hotels zu bauen, dann die Lust verloren (oder das Material ging aus, oder das Geld?) und nun steht die Ruine und rottet vor sich hin. Häuser ohne Dach? Einfach stehen lassen. Auf Grund gelaufene Schiffe? Liegen lassen (davon gibt es erstaunlich viele). Algen am Strand? Wie anstrengend. Bei der Hitze! Jede Müllhalde wird von einem ermahnenden Schild geziert, man möge keinen Müll abladen. Wer war wohl zuerst da? Plastikflaschen, Dosen und noch mal Plastikflaschen.

Tourismus ist hier noch recht unterentwickelt, was ich gar nicht negativ finde, mich aber gleichzeitig frage, wie man bei LTU auf die sonderbare Idee kommen konnte, hierher zu fliegen. War auch nur ein kurzes Gastspiel. Positiv ist jedenfalls der Mangel an „Gringos“, man trifft eigentlich nur Urlauber aus Lateinamerika - Brasilianer (muito legado!! und diese superknappen Bikinis), Argentinier etc. Auch Jamaika ist sehr präsent - hurra, Bob Marley LEBT! Besonders cool ist ein Typ mit der Jamaika-Flagge auf den Fußnägeln.

Die Sonne taucht langsam ab, wir trinken Gin Tonic und draußen verschwinden die verrosteten Überreste eines Schiffes langsam in der Dunkelheit...



San Andres

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Kommentare

  • Sternensilber

    Vielen Dank für den tollen Bericht. Kolumbien steht bei uns für nächstes Jahr auf dem Plan. Genaueres haben wir noch nicht geplant. So haben wir schon mal schöne Anhaltspunkte.
    LG Anne

  • Blula

    Besten Dank für diesen überaus anschaulich formulierten Bericht über das Land Kolumbien, das natürlich auch für mich ein recht unbeschriebenes Blatt ist bzw. war. Nun aber hat sich dieses Blatt schon recht gefüllt und das auch gleich noch mit einer ganzen Reihe von interessanten Informationen und Tipps, die man so in keinem herkömmlichen Reiseführer nachlesen kann. Bei allem Risiko bekommen Reisende hier sicher alles geboten: herrliche Landschaften, Dschungel, Natürschönheiten, wunderbare Kolonialstädte und natürlich auch karibische Strände.
    Ein wirklich lesenswerter, ehrlicher Bericht mit sehr guten Fotografien. Wer sich auch auf etwas Abenteuer bzw. Entdeckerfreude einlassen will, für den scheint Kolumbien wirklich ein exotischer Geheimtipp zu sein.

    LG Ursula

  • shootingstar

    Für mich die nächste Reise, wenn alles klappt! Sein interessanter Bericht, bestätigt mir, eine gute Wahl getroffen zu haben.
    LG Claudia

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