Abenteuer Danakil. Teil 2: Zum Erta Ale - "Werkstatt des Hephaistos"

Reisebericht

Abenteuer Danakil. Teil 2: Zum Erta Ale - "Werkstatt des Hephaistos"

Reisebericht: Abenteuer Danakil. Teil 2: Zum Erta Ale - "Werkstatt des Hephaistos"

Auf geht's in eine der unwirtlichsten Regionen der Erde - die Danakil-Wüste. Eine der Wiegen der Menschheit! Hitze und die abweisende Haltung der Bevölkerung der Afar-Nomaden waren lange abschreckend. Die Afar sind offener geworden, die Hitze ist geblieben. Geologen können hier wie nirgends sonst das Wirken der Plattentektonik studieren. Höhepunkt ist der aktive Vulkan Erta Ale.

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Jetzt soll es also so richtig beginnen, das Abenteuer Danakil! Wir sind von Harar die gleiche Strecke durch die Ahmar Berge bis Awash zurückgefahren und unsere Vierer-Jeep-Kolonne wendet sich nun - zurück auf der N 1 - nach Norden, hinein in die Danakil-Senke.
Da sind sie wieder meine Zweifel und Skrupel. Drei Tage lang war ich davon verschont geblieben. Jetzt aber wird's ernst. Hab ich wirklich recht daran getan, das Wagnis Danakil-Wüste auf mich zu nehmen? Warnt nicht das Auswärtige Amt noch immer vor Reisen in diese Gegend?! Nicht weil sie eine der heißesten Regionen der Welt ist, nein, damit kann man klarkommen. Das Problem sind nicht die Fremden gegenüber nicht immer wohl gesonnenen Bewohner, die Afar, weit mehr ist es die Gefahr, von Rebellen, Banditen oder Terroristen aus dem benachbarten Eritrea überfallen zu werden. So ein Überfall endete im Januar 2012 schließlich für fünf europäische Touristen sogar tödlich.

So gut es geht, verscheuche ich diese Gedanken, rede mir ein, dass es schon gut gehen werde, und konzentriere mich auf die Landschaft.



Nach Allopad, den "Hot Springs" bei Semera.

Fußbad

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Wir sind mittlerweile schon viele Stunden unterwegs und je tiefer wir gelangen, desto heißer wird es. In den Bergen herrschten noch angenehme 24 Grad, jetzt am frühen Nachmittag ist das Thermometer auf 35 Grad gestiegen. Es wird höchste Zeit, eine Pause einzulegen. Unser Fahrer Johnny - eigentlich heißt er Johannes, zieht aber wohl die englische Anrede vor - zeigt bereits deutliche Ermüdungserscheinungen. Bei einem Truck Stop mit Tankstelle und einigen Hütten entlang der Straße finden wir ein Plätzchen für eine Tasse Kaffee.



In einer Kaffeestube.



Kaffeezeremonie in Addis

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(Fast) Nichts geht über äthiopischen Kaffee. Die Landschaft Kaffa im Hochland des Südwestens ist seine Urheimat. Sämtliche Pflanzen der Gattung caffea arabica auf der ganzen Welt stammen von dortigen Sträuchern ab. "Zum Trost" lebt wenigstens der Name der Heimat in dem Getränk fort. Ehrlicher wäre gewesen, die Pflanze caffea ethiopica zu nennen. Den Ruhm heimsten aber die Araber ein. Sei es ihnen gegönnt, denn über sie gelang der Kaffee zu den Türken und über die zu uns nach Mitteleuropa - "dank" der Belagerung von Wien 1683.

Selbst in den kleinsten Dörfern findet man in Äthiopien Kaffeestuben und überall wird er in einer Art Zeremonie zubereitet. Nun, hier sind wir am Rande der Wüste und da geht es nicht ganz so rituell und fein wie in den Restaurants der Städte zu. Auch ist die Zubereiterin nicht so hübsch wie die in Mekele (s. Foto), doch schmecken tut er ebenso. Auch mit Fußbad!



Kaffeezubereiterin in Mekele



Erholt und gestärkt setzen wir schließlich bei etwas tiefer stehenden Sonne unsere Fahrt fort. Dass wir uns jetzt in der Region Afar befinden, erkennen wir an der Regionalfahne, die an einem Mast im heißen Wind flattert. Das Volk der Afar, das heute etwa eineinhalb Millionen Menschen zählt, lebt schon seit Urzeiten - zumeist als Ziegen- und Kamelnomaden - in der unwirtlichen Senke zwischen dem Äthiopischen Hochland und dem Roten Meer. Durch die europäischen Kolonialmächte widerfuhr ihnen das gleiche Schicksal, wie es für so viele Völker und Stämme Afrikas typisch ist: Durch die Grenzziehung am Kartentisch gelangten sie in den Herrschaftsbereich von Äthiopien, Eritrea und Dschibuti. Vereinigungsbestrebungen wurden stets unterdrückt, sind aber bis heute noch ein Thema. Die große Mehrheit der Afar lebt auf äthiopischem Gebiet. Ihm wurde eine gewisse Autonomie zugestanden. Eine neue Hauptstadt entstand im Wüstenboden. Dort in Semera (auch Samara genannt) werden wir morgen das letzte Mal für einige Tage in einem Hotelbett schlafen dürfen.



Flagge der Afar-Region



Einer unserer...

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Zur Selbstverwaltung der Afar-Region gehört auch, dass wir uns polizeilich melden müssen. Ab hier wächst unser Team um zwei weitere Personen an, die wir auf unsere Fahrzeuge verteilen. Zwei Polizisten werden uns - bewaffnet mit Kalaschnikows - die nächsten Tage begleiten, bis wir die Danakil-Senke in Richtung Mekele wieder verlassen. Sie werden Tag und Nacht um unsere Sicherheit besorgt sein, bei jedem Fotostopp immer mit von der Partie sein, um bei Gefahr sogleich eingreifen zu können. Wenn ich mir die beiden recht zierlich gebauten Männer so anschaue, frage ich mich allerdings schon, ob sie nicht u.U. die ersten wären, die davon laufen.



Dschibuti-Highway bei Gewane



Eine gute Viertelstunde vor Sonnenuntergang erreichen wir den für heute Nacht vorgesehenen Rastplatz nahe der Ortschaft Gewane. Unser Küchenteam war voraus gefahren, so dass wir unsere Zelte sogleich beziehen können. Es ist ein wunderbarer Platz mit Blick auf einen Vulkan weiter östlich.



Unser Camp Site bei Gewane 1



Die Stimmung wird von Minute zu Minute romantischer, je tiefer die Sonne im Westen sinkt. Die leichte Bewölkung über dem Vulkan nimmt jetzt zartrosa Töne an. Eine halbe Stunde später sitzen wir auf unseren Klappstühlen an der "Abendtafel" und genießen ein vorzügliches 3-Gänge-Menü. Das zarte Rindfleisch würde so manchem deutschen Restaurant gut zu Gesicht stehen! Unseren kräftigen Applaus hat sich das Küchenteam wahrlich verdient.
Müde von der achtstündigen reinen Fahrtzeit und der noch ungewohnten Hitze falle ich in meinem Zelt schnell in den Schlaf.



Unser Camp Site bei Gewane



Brillentaube (Streptopelia...

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Um 7 Uhr bin ich wieder auf den Beinen und begebe mich wie am Awash River auf Vogelpirsch. Nicht zu überhören waren ja bereits die Laute von Brillentauben, die in ganz Ostafrika den Morgen einläuten. So mancher Safari-Reisende hat sie in den Savannen Kenias und Tansanias kennen gelernt. Manchmal können sie einem mit ihrem Gegurre ganz schön auf den Nerv gehen.



Hellauf begeistert bin ich, als ich einen Perlenbartvogel (Trachyphonus margaritatus, engl. Yellow-breasted Barbet) in einer Akazie entdecke. Einen Verwandten von ihm, den Flammenkopf-Bartvogel, der - wie sein Name aussagt - mit seinem roten Kopf noch ein wenig prächtiger ist, hatte ich einst in der Serengeti gesehen und fotografiert.



Perlenbartvogel (Trachyphonus margaritatus)



Danach schmeckt das Frühstück natürlich umso besser. Dazu trägt auch die einzigartige Atmosphäre bei - um uns herum die ergrünten Akazien, aus der Ferne grüßt der einzeln stehende Vulkan herüber. Natur pur. Niemand von uns hat mitbekommen, was in der Nacht passiert ist. Oder passiert sein soll. Die Polizisten berichten, sie hätten zwei Hyänen vertrieben. Wahrheit oder Legende?



Frühstück in der Danakil



Bienenfresser 1

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Da sich das Team irgendwie verkalkuliert hat und zur angedachten Abfahrtszeit noch nicht fertig ist, macht Reiseleiterin Christine einen schönen Vorschlag. Wir laufen an der Straße schon mal voraus und lassen uns später wieder aufnehmen. So erhalte ich die Gelegenheit, noch weiter nach Vögeln Ausschau zu halten. Und ich werde nicht enttäuscht. Auf der Stromleitung, die etwas versetzt neben der Straße verläuft, hocken mehrere Bienenfresser. Es sind wohl Blaubrustspinte (Merops variegatus) - die haben nämlich entgegen ihrem Namen gar keine blaue Brust. Einer von ihnen tut mir noch den Gefallen und dreht sich mit einem Hopser um die eigene Achse. Seine Rückenpartie ist grün; das passt zum Blaubrustspint.



Bienenfresser 2



Die Stromleitung ist offenbar ein beliebter Ausguck für die Vögel. Da sitzt auch noch eine langschwänzige Taube, höchstwahrscheinlich ist es ein Kaptäubchen (Oena capensis). Auch hier ist der Name verwirrend, kommt diese kleine Taube doch bis hinauf nach Äthiopien und in einem Streifen quer durch Nordafrika bis zum Senegal vor.



Kaptäubchen (Oena capensis)



Einige Minuten bleiben wir alle bei einem Weberpärchen stehen, das direkt neben der Straße an seiner neuen Behausung bastelt. Vielleicht ist es ihre erste gemeinsame. Die Zwei sind so emsig in ihre Arbeit vertieft, dass sich von uns nicht im Geringsten stören lassen.



Fleißig bei der Arbeit.



Nach einer guten halben Stunde haben uns unsere Fahrzeuge eingeholt und wir steigen auf. Das tut gut, denn obwohl es noch früh ist, zeigt das Thermometer schon 31 Grad.
Zu einem kurzen Anhalten werden wir etwas später gezwungen, als zwei Afar-Mädchen eine größere Ziegenherde über die Straße treiben. Hier finden die genügsamen Tiere noch ausreichend Nahrung, denn die Buschvegetation ist noch grün und verhältnismäßig dicht. Das wird sich sicherlich bald ändern.



Ziegen - immer wieder Ziegen



Genau so kommt es. Der Busch geht in eine völlig offene Graslandschaft über, die man weit einsehen kann. Unsere Fahrer wissen wohl, dass man hier auch auf Tiere treffen kann. Johnny schaut beim Lenken jedenfalls immer wieder mal nach rechts in die Grasebene. Wir haben Glück. "Gazelles!" sagt er und auch die Wagen vor uns haben bereits gehalten. Leider ist der Abstand zu den grazilen Tieren recht groß, doch mit meinem Tele kann ich sie ganz gut "heranholen". Die Gruppe besteht aus neun Tieren, wobei ein Muttertier noch ein Kitz führt.



Sömmerringgazellen (Nanger soemmerringii) 1



Es sind Sömmerringgazellen (Nanger soemmerringii), die am Horn von Afrika endemisch sind. Bevölkerten sie einst auch die Grasebenen der Danakilsenke, so kommen sie heute nur noch in kleineren Gruppen und begrenzten Gebieten vor. Da sie ein gutes Fleisch liefern, wurden sie bejagt und durch die übermäßige Beweidung der Grasebenen durch das Vieh der Nomaden dermaßen dezimiert, dass sie nach der IUCN-Liste als gefährdet eingestuft werden. Man hat versucht, Schutzgebiete für sie einzurichten, doch ist das an der unruhigen Lage in dieser Region bisher gescheitert.



Sömmerringgazellen (Nanger soemmerringii) 2



Herr Strauß

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Strauße hätte ich ja auch nicht gerade in der Danakilsenke erwartet. Das schwarze Gefieder eines Männchens hebt sich "verräterisch" gut gegen das gelbliche Gras ab. Sein Frauchen ist dann auch leicht auszumachen. Gerne hätte ich sie zusammen auf einem Foto, doch den Gefallen tun sie mir nicht. Wer hätte gedacht, dass sich unsere Fahrt in die Wüste noch zu einer kleinen Safari entwickeln würde!



Straußendame und Sömmerringgazelle



Weiter im Norden steht der nächste Landschaftswechsel an. Es ist noch trockener und damit noch karger geworden. Steinige Flächen bestimmen nun das Bild.



Die Käufer warten vergebens...

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Die Hitze, die Monotonie der Landschaft - und wer weiß, was sonst noch - haben auch hier auf dem Weg von und nach Dschibuti ihren Tribut verlangt, wie wir es vor ein paar Tagen bereits zwischen Addis und Awash so zahlreich erlebt haben. Auch hier wieder LKW-Wracks, um die sich niemand mehr zu kümmern scheint. Vielleicht warten in Addis immer noch ein paar Leute auf ihre neuen Fahrzeuge. Die allerdings stehen verbrannt am Straßenrand auf den Überresten eines Autotransporters. Ob diese hässlichen Relikte der "Zivilisation" jemals weggeschafft werden?



Die Wasserknappheit dieser Region wird schnell ersichtlich an der Zahl der Frauen, die in einer kleinen Ortschaft dabei sind, aus großen blauen Behältern Wasser in ihre gelben Kanister umzufüllen.



Anstehen für Wasser



Direkt gegenüber zieht ein neues Zeitalter herauf in Form eines Bauwerks, das schon erkennbar ein Wasserturm werden soll. Er ist noch in der typisch äthiopischen Weise mit Eukalyptus-Stangen eingerüstet. Mit Sicherheit wäre eine deutsche Bauaufsicht angesichts der Holztreppe, die ohne Brüstung außen herum hoch nach oben führt, einem Herzinfarkt nah. Diese Art der Einrüstung wird sogar an hohen Büroneubauten im Zentrum der Hauptstadt angewandt.



Ein Wasserturm entsteht.



Dann kommen wir in dieser Einöde zum ersten Mal an den armseligen Behausungen von Afar-Nomaden vorbei. Mir ist es rätselhaft, was Ziegen oder erst recht Kamele hier an Fressbarem finden sollen. Weit und breit ist keine Menschenseele, ist kein Tier zu sehen. Wer weiß, ein wie großes Areal die Nomaden mit ihren Tieren tagtäglich ablaufen müssen, bis sie einigermaßen gesättigt sind.



Behausung inmitten weiter Leere



Um 14 Uhr steht links von uns - als wäre es mitten in der Wüste - ein Flugzeug. Keine Fata Morgana! Wir fahren an einer Landepiste und einem Flughafengebäude vorbei und erreichen Semera, das seit ca. 20 Jahren die neue Hauptstadt des Bundeslandes Afar ist. Die Stadt hat sogar eine Universität erhalten. Konzipiert ist sie für 6000 Studierende. Wie in dieser Einöde, wo es weit und breit keine anderen Städte gibt, diese Zahl erreicht werden soll, ist mir ziemlich schleierhaft. Die Einwohnerzahl von Semera wird für 2007 mit 2.600 angegeben. Viel mehr werden's auch 8 Jahre später wohl nicht sein..

Auch unser Hotel ist nagelneu. Wir erhalten die Gelegenheit, uns etwas frisch zu machen, dann soll es schon wieder weiter gehen. Unser Ziel für den Nachmittag ist das Geothermalfeld Allopad, heiße Quellen, einige Kilometer südlich der Stadt. Doch wir warten vergeblich auf unsere Fahrzeuge. Irgendetwas muss schief gelaufen sein. Erteilt uns die zuständige Behörde keine Erlaubnis, das Gebiet zu besuchen?



Pirolweber-Männchen

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Die Hitze und die Warterei lassen sich jedoch auf der überdachten Hotelterrasse recht gut verkraften, vor allem weil es eine große Freude bereitet, einem Webervogel beim Nestbau zuzuschauen. Er "häkelt" und knüpft an den Hälmchen, die er im Schnabel herbeiträgt, bis er mit seinem Werk zufrieden ist und Nachschub holt. Die kastanienfarbene Gesichtsmaske weist ihn als ein Pirolweber-Männchen aus (Ploceus galbula, engl. Rüppell's Weaver). Ist er womöglich noch auf Brautschau und möchte seine Zukünftige mit einem fix und fertigen Häuschen beglücken?



Pirolweber-Männchen beim Nestbau



Nach zwei Stunden - es ist schon fast 16 Uhr - endlich grünes Licht! Head Driver Tesfaye und Reiseleiterin Christine haben länger und zäher verhandeln müssen als geplant. Auch die Erlaubnis zum Besteigen des Erta Ale musste eingeholt werden. Nun dürfen war also fahren! Hoffentlich ist es nicht zu weit und wir erleben die "Hot Springs" noch bei gutem Licht! Die Hitze ist enorm. 38 Grad zeigt das Thermometer im Schatten. Zunächst geht es auf dem "Dschibuti Highway" ein paar Kilometer zurück, dann biegen wir auf eine Piste nach Osten ab. Einige Zeit fahren wir auf einem Damm einen kerzengeraden Wasserlauf entlang.

Es ist ein breiter Bewässerungskanal, in den man Wasser des Awash River abgeleitet hat. Mit diesem Wasser wird die Wüste fruchtbar gemacht: Weiter östlich beginnt in einiger Entfernung ein riesiges Baumwoll-Anbaugebiet, das wir allerdings nicht zu Gesicht bekommen. Äthiopien hat sich ein ehrgeiziges Programm vorgenommen - das Bangladesch Afrikas in der Textil- und Bekleidungsindustrie zu werden. Dazu wird die Produktion eigener Baumwolle forciert.

Den Damm des Bewässerungskanals nutzen auch Mädchen, die ihre Ziegenherden irgendwo hinführen, vielleicht an eine Tränke, vielleicht aber auch nach Hause, denn in einer guten Stunde wird es dunkel.



Jetzt geht's heim.



Es kommt mir so vor, als würde unsere Wagenkolonne jetzt durch die Gegend irren, einziger Bezugspunkt ist ein dunkler Höhenzug in der Ferne, hinter dem sich die Sonne bald verstecken wird. Eine begrenzte Piste ist überhaupt nicht mehr zu erkennen.



Abstand halten!



Freundlich trotz Staub!

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Ich bin froh, dass mein Fahrer Johnny zu den vorausfahrenden Fahrzeugen einen gebührenden Abstand hält, so dass wir nicht so viel Staub schlucken müssen und auch noch etwas von der Gegend um uns herum erkennen können. Hin und wieder begegnen wir Menschen, die mit ihrem Vieh vor uns in einer Staubwolke verschwinden. Schemenhaft kann man sie gerade noch erkennen, so dass auch niemand "über den Haufen gefahren" wird. Knapp genug ist es manchmal.



Vorsicht! Rind von rechts!



Dann hat plötzlich der Sand unter uns ein Ende und der Untergrund wird steinig. Sogleich ist die Sicht besser und so kann ich aus dem fahrenden Auto trotz der Hoppelei ein recht ordentliches Bild von einer langen Kolonne Kamele machen, die uns ohne menschliche Begleitung entgegen kommen. Sie finden ihren Weg alleine nach Hause.



Im Gänsemarsch heimwärts am Abend.



"Pünktlich" zu unserer Ankunft an den Hot Springs schauen die letzten matten Sonnenstrahlen über den Bergrücken. Schnell steigen wir aus und laufen über das Geothermalfeld, das trotz der späten Stunde eine ganze Palette von Farben hervorbringt.



"Hot Springs" 1



Erklärungen bekommen wir nicht, jeder macht sich halt so seine eigenen Gedanken über dieses Naturschauspiel. Ich fühle mich an den Yellowstone Nationalpark in den USA erinnert. Natürlich ist alles eine Nummer kleiner. Eigentlich fehlt hier nur noch der Old Faithful Geysir.



"Hot Springs" 2



"Hot Springs" 3

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Das Wasser soll bei Austritt 70 Grad heiß sein. Einen Finger hineinzuhalten, um zu testen wie heiß es noch danach ist, verkneife ich mir lieber. Dampf wabert über der offenen Wasserfläche und an einigen Stellen blubbert es in kleineren Schlammtöpfen. Es werden neben dem reinen Wasserdampf aber auch andere vulkanische Gase ausgestoßen. Sie oxidieren an den Austrittsstellen und ernähren wärmeliebende Bakterien. Aus solchen soll ja überhaupt das erste Leben auf der Erde entstanden sein.



Algen- und Mineralfärbung in den "Hot...



Wir sind gut bewacht.

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Während wir uns unseren Weg durch diese bunte Welt suchen, halten unsere beiden Polizisten wieder Wache. Es scheint, als wären sie auch noch nie hier gewesen, denn zumindest einer von ihnen beobachtet weniger die Außenzone, von wo ja eine mögliche Gefahr kommen müsste, sondern hält das Szenarium mit seiner kleinen Kamera zur Erinnerung fest.



Es ist schon bedenklich dunkel, als wir losfahren, und wenige Minuten später können wir nur noch in den Lichtkegel starren, den unsere Scheinwerfer in den Wüstenstaub hinaus strahlen.
Zwei-, dreimal wendet unser Führungsfahrzeug, alle anderen hinterher. Wo ist denn der Kanal? Sind wir von da gekommen? Oder doch von da? Es sieht ja in der Dunkelheit auch alles gleich aus. Gänzlich unvermittelt bleibt einer der Wagen vor uns plötzlich stehen. Was ist passiert? Reifenpanne! Wie konnte das nur geschehen, wo wir doch wieder über feinen Sand fahren?! Die Boys fackeln nicht lange und montieren ruck, zuck ein Ersatzrad.

Irgendwann spüren wir wieder den glatten Asphalt des "Highways" unter uns. Heute Abend wird so spät zu Abend gegessen wie noch nie. In meinem Zimmer herrschen noch 33 Grad, gegen die der mickrige Ventilator vergeblich ankämpft. Aber was am wichtigsten ist, wir haben Strom! Und so kann ich meine vier Akkus bis an die Halskrause aufladen. Das letzte Mal, bis wir die Danakil-Wüste wieder verlassen haben werden! Hoffentlich werde ich nicht mit dem Fotografieren haushalten müssen!!



Reifenpanne! Und das auf Sand!!



Wie ich noch einmal den Tag für mich Revue passieren lasse, will mir kaum in den Kopf, dass in der Gegend um Semera eine der Wiegen der Menschheit stand. Ganz in der Nähe fand der amerikanische Paläoanthropologe Donald Johanson am 24. November 1974 die berühmte Lucy. Genauer gesagt 47 Knochen von ihr. Sie war ein Mädchen von 107 Zentimetern Größe. Mit aufrechtem Gang war sie hier vor 3,2 Millionen Jahren umher gelaufen.
Unfassbar! Lucy auch eine Vorfahrin von uns! Welches Klima mag hier damals geherrscht haben, welche Vegetation? Wie hat sie sich mit ihrer Sippe ernährt? Streiften ihre Leute durch eine Savannenlandschaft auf der Jagd von Gazellen und Antilopen? Oder waren sie doch eher Vegetarier und auf ihrem täglichen Speiseplan standen Wurzeln und Früchte? Der Fragen sind unendlich viele.



Lucy (Australopithecus afarensis)



Lucy (Rekonstruktion)

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Das Fundgebiet Lucys, das Afar-Dreieck, lebt in ihrem wissenschaftlichen Namen fort: "Australopithecus afarensis". Die Äthiopier nennen das Mädchen "Dinknesh", amharisch für "Du Wunderbare". Ihren Namen "Lucy" verdankt sie dem Umstand, dass Johanson und seine Mitarbeiter am Abend des Fundtages mehrfach das Beatles-Lied "Lucy in the Sky with Diamonds" im Radio gehört hatten und ihr Fossil deshalb spaßeshalber so benannten. Dieser Name ging dann sogar in die Wissenschaft ein.

Bewundern kann man "die Wunderbare" im Nationalmuseum in Addis Abeba. Dort steht auch eine Rekonstruktion des Mädchens.



Lucy wurde im Jahre 2000 noch "getoppt", als ein äthiopischer Paläoanthropologe gar nicht weit entfernt Teile des Skeletts eines dreijährigen Mädchens fand, das sogar noch 150.000 Jahre älter ist. Dieses Mädchen gehörte ebenfalls zur Spezies Australopithecus afarensis. Sie erhielt den Namen "Selam" (Frieden). Auch dieser Fund wird in Addis Abeba gezeigt.



"Selam"



An den Afrera-Salzsee.

Pavian-Sit-in 1

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Als wir am nächsten Morgen um 9 Uhr aufbrechen, ist es bereits 33 Grad heiß. Zunächst fahren wir noch ein Stück weiter in Richtung Dschibuti. Wie schon am Awash-Nationalpark kommen wir auch hier an einer Gruppe Mantelpaviane vorbei, die sich am Straßenrand niedergelassen haben, um etwas Fressbares zu ergattern. Wenn man sich in der Landschaft so umsieht, kann man das sogar verstehen. Wo es wenig zu holen gibt, sucht man nach Auswegen. So haben die Affen wohl gelernt, dass der Hunger entlang der Straße leichter gestillt werden kann.



Pavian-Sit-in 2



Aber was ist denn das? Ich hatte mich darauf eingestellt, dass wir ab heute nur noch über Pisten fahren würden, doch als wir von der N 1 im rechten Winkel nach Norden abbiegen, erblicke ich vor mir ein Asphaltband, das nagelneu zu sein scheint. Mit Mittel- und Begrenzungsstreifen! Ist das noch die Danakil-Wüste, wie sie der Abenteurer und Überlebenskünstler Rüdiger Nehberg 1977 zu Fuß unter Strapazen durchquert hatte? Muss ich nun vergangenen Zeiten nachtrauern und mich fast schämen, die Danakil-Wüste so "gezähmt" zu erleben? Nun ja, ich werde es erheblich bequemer haben, aber dennoch wird es für mich ein Abenteuer bleiben.



"Wüste, wir kommen!"



Das Afar-Dreieck

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Wir merken, dass das Gelände, das wir durchfahren, langsam, aber stetig immer weiter abfällt. Kein Wunder, denn wir fahren hinab in die Danakil-Senke, eine der tiefsten Depressionen der Welt. Sie kommt zwar bei weitem nicht an das Tote Meer heran, aber mit ihren 115 Metern unter dem Meeresspiegel übertrifft sie das Death Valley in den USA beträchtlich. Das Afar-Dreieck und in ihm die Danakil-Senke sind Teil des Grabenbruchsystems, das vom Jordan-Graben über das Rote Meer an dieser Stelle in den afrikanischen Kontinent eintritt und im Rift Valley des Ostafrikanischen Grabens bis nach Mosambik seine Fortsetzung findet. In einigen Millionen Jahren, so nimmt man an, könnte sich der Ostteil Afrikas an dieser Nahtstelle innerhalb der Afrikanischen Platte zu einer eigenen Landmasse abgetrennt haben. Das Rote Meer wird sich dann hierher, wo wir jetzt stehen und in die Leere einer eindrucksvollen Landschaft schauen, hinein ergossen haben.

Auf einer physischen Karte (Abbildung bitte vergrößern!) ist das Afar-Dreieck innerhalb des steil aufragenden Grabenrands gut zu erkennen.



Leeres, stilles Land



EINSCHUB:
An dieser Stelle meines Berichts füge ich als kleine Orientierungshilfe einen Kartenausschnitt ein. Blau markiert ist unsere Route von Semera nach Norden zum Lake Arfrera und weiter zum Vulkan Erta Ale. Das nach Norden folgende blaue Stück bis Dallol ist als Fahrtstrecke vorgesehen, stattdessen aber benutzen wir aus noch zu erklärenden Gründen den rot markierten Umweg. Auf dem blauen Abschnitt im Norden werden wir die Danakil-Wüste wieder in Richtung Wukro im Hochland verlassen. Parallel zu unserer Fahrtstrecke ist die Grenze zu Eritrea erkennbar.



Unsere Route durch die Danakil-Wüste



Afar-Gräber 1

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Setzen wir nun unsere Reise fort.
Aus dem dunkelbraunen Gesteinsuntergrund erheben sich an mehreren Stellen merkwürdige kleine Türmchen oder Pyramiden, die von Menschenhand aufgeschichtet worden sein müssen. Was kann das nur sein, fragen wir uns und unseren Fahrer Johnny. "Afar graves", meint er. Die Afar sind Moslems, die aber auch noch an einigen uralten animistischen Vorstellungen festhalten. Dazu gehört die Art und Weise, wie sie ihre Toten in Einzel- oder Familiengräbern bestatten.



Afar-Gräber 2



In der Wüste freut man sich ja immer über Begegnungen mit Kamelen. Das passiert uns nur ganz selten. Ist es sogar für die hier zu karg? Oder sind die wenigen Menschen, die es hier überhaupt gibt, einfach zu arm, um sich Kamele leisten zu können? Es ist aber auch schwierig, sie in dem Gelände zu erkennen, mit dem sie farblich verschmelzen. Als sie einmal unsere Straße queren, ist das dann kein Problem für uns.



Vorsicht! Kamele von links!



Ziegenherde in der Danakilwüste

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Leichter haben wir es da mit den Ziegen. Sie heben sich gut von den Felsen ab. Verstärkt wird das noch durch die buntgekleideten Mädchen, die bei ihrer Hütearbeit behende von Stein zu Stein hüpfen und springen, als wären sie selbst Ziegen.



Afar-Mädchen mit Ziegen



Und das tun sie barfuß! Über heiße und scharfkantige Steine! Ihre Fußsohlen müssen sich im Lauf der Jahre in hartes Leder verwandelt haben!



Bunt in monotoner Umwelt



Muss das sein?

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Die Hitze ist jetzt gegen Mittag so stark, dass unsere Fahrer für sich und uns eine Pause einlegen wollen. Ohne diese Pause würden wir aber auch "zu früh" am Afrera See ankommen. "Zu früh" hieße in diesem Falle, es wäre einfach noch zu heiß. Der See liegt 102 Meter unter dem Meeresspiegel.

Etwas abseits der Straße hat eine Afar-Familie eine Art Mini-Truck Stop eingerichtet. In einer aus hartem Schilfrohr errichteten Hütte finden wir Schutz vor der brennenden Sonne. Allzu lange halte ich es allerdings nicht aus, dann treibt es mich mit der Kamera wieder hinaus.
Der Anblick einer Kuhle, in die man unzählige leere Plastikflaschen geworfen hat, stößt mich eher ab, halte die Szene aber dennoch im Bild fest, denn auch so etwas gehört zur (traurigen) Realität.
Wenige Schritte daneben hockt im Schatten einer ausladenden Akazie eine ganze Gruppe weißer Geier. Es sind Schmutzgeier (Neophron percnopterus). Ihr englischer Name "Egyptian Vulture" gefällt mir eigentlich besser, klingt er doch um einiges "wertfreier".



Schmutzgei​er suchen Kühlung.



Seinen deutschen Namen hat sich der Vogel dadurch eingehandelt, dass er - sofern er kein Aas oder Insekten und kleinere Reptilien finden kann - gerne in der Nähe menschlicher Siedlungen oder sogar in den Dörfern auf Müllkippen nach Genießbarem sucht. Bekannt ist der Schmutzgeier auch durch seinen "Werkzeuggebrauch". Etwa 50 Gramm schwere Steine schleudert er so lange gegen Straußeneier, bis sie aufbrechen und er die darin enthaltene Flüssigkeit oder das Embryo verschlingt.



Schmutzgei​er (Neophron percnopter​us)



Ein Jungvogel - sein Gefieder ist noch braun - übt sich schon mal. Ich beobachte eine Weile, wie er mit seinem kräftigen Schnabel Steine aufhebt und wieder wegwirft. An Straußeneiern wird er in dieser Gegend allerdings nie sein Geschick anwenden können.



Früh übt sich der Jungvogel.



Dann gelingt es mir, in einer anderen Akazie einen hübschen kleinen, grau-braunen Vogel mit schwärzlichem Kopf zu fotografieren. Es ist ein Graubülbül (Pycnonotus barbatus), der in Afrika weit verbreitet ist.



Graubülbül (Pycnonotus barbatus)



Nach zwei Stunden brechen wir wieder auf. Weiter geht es durch eine Mondlandschaft aus Asche und Lavageröll, begleitet von terrassenartig gestaffelten Höhenzügen. Ich bin froh, dass ich es nicht Rüdiger Nehberg gleichtun muss....



Auf guter Straße in die Danakil-Wüste



Trotz dieser Kargheit und Leere ist die Landschaft grandios, vielleicht sollte ich besser sagen WEGEN dieser Kargheit und Leere. Wenn wir Vulkane passieren, wird es selbst für Nicht-Geologen wie mich geradezu aufregend, wenn man sich bewusst macht, welche Urkräfte hier am Wirken sind - auch wenn man es nicht sieht und wenn es auch Äonen dauert.



Vulkan im Afar-Dreieck



Um 16 Uhr halten wir bei noch immer 39 Grad auf einer Anhöhe und blicken auf unser Tagesziel, den Afrera See, hinunter. Zwischen seinem blauen Wasser und dem von brauner Lava überzogenen Hang erstreckt sich eine blendend weiße Zone. Salinen! Die ersten Salinen, die ich sehe, die nicht Meereswasser, sondern - es klingt verrückt - salziges Süßwasser verarbeiten.



Salinen am Lake Afrera



Da unten werden wir irgendwo die Nacht verbringen. Ich bin gespannt, wo das sein wird. Etwa zwischen den hochaufgetürmten Salzhalden? Auf der Fahrt abwärts gelingt mir aus dem Auto noch gerade ein Schnappschuss von einem kleinen Jungen, der mit einem Stock ein großes Kamel vor sich her treibt. Hüte-Arbeit? Oder sollten etwa Kinder unter der unglaublichen Hitze in der Saline schuften müssen?
Diese Befürchtung wird sich später zum Glück als unbegründet erweisen.



"Nun mach schon!"



Zwischen Salzbergen und weißen Becken steuern unsere Fahrzeuge schließlich direkt auf das Seeufer zu - und dort warten bereits unter ein paar zerzausten Palmen unsere Zelte auf uns! Was für ein wunderbarer Platz! Ein Hoch auf unsere Boys, die schon wieder so fleißig waren! Wir brauchen uns nur noch häuslich einzurichten. Dann heißt es, Kleidung vom Leib und hinein ins Vergnügen! Ganz so salzhaltig wie das Tote Meer ist dieser See nicht. Sich auf den Rücken legen und Zeitung lesen, das funktioniert hier deshalb nicht. Wie aber das Salz nach dem Bad von der Haut bekommen? Kein Problem! Mit warmem Süßwasser! Wie das? Kein Problem! An beiden Seiten unseres Zeltplatzes tritt in zwei Bächlein leicht dampfendes Wasser aus dem Boden und fließt in den See! Es ist zwar etwas mühsam, das Wasser mit den Händen zu schöpfen, doch das ist Klagen auf hohem Niveau.



Unser Camp Site am Afrera Salzsee



Nur wenige Schritte von unseren Zelten entfernt steht ein Reiher und fixiert die Wasseroberfläche. Er erhofft sich ein paar der kleinen Fische - Danakilia genannt, die im See leben können.

Der Afrera See liegt 102 Meter unter dem Meeresspiegel und hat eine Fläche von 100 km². Seine Tiefe beträgt maximal 160 Meter. Gespeist wird er hauptsächlich durch unterirdische Zuflüsse.



"Wo bleiben nur die Fische heute?"



Der Tag neigt sich jetzt schnell dem Ende zu. Für einen Spaziergang entlang der Becken ist es mir schon zu spät. Das Weiß des Salzes ist für gute Fotos einfach nicht mehr weiß genug. Auch die jungen Burschen, die Schubkarren mit Salz beladen und diese auf die Halden hinaufschieben, hebe ich mir für den Morgen auf. Aber ein Scherenschnittfoto soll es dann doch noch sein.



Salzarbeiter-Silhouette



Die tiefer sinkende Sonne verzaubert See und Himmel in Pastelltöne; blau hebt sich auf der Ostseite der 800 Meter hohe Vulkan Borawli ab. Nur noch wenige Minuten und unsere Zelte verlieren in der Dunkelheit ihre Konturen .



Abend am Afrera Salzsee



Es ist angerichtet!

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Die Salz-Arbeiter packen jetzt besonders zu, denn es ist nicht mehr so heiß. Wie von Geisterhand bewegt, erklimmen sie eine Salzhalde neben unserem Rastplatz und kippen ihre Last aus. Als das letzte Licht im Westen verschwindet, setzen sie ihre Arbeit mit Taschen- und Stirnlampen fort. Währenddessen sitzen wir bereits an unserer "Abendtafel" und lassen uns wieder einmal von den Kochkünsten unseres Küchenteams verwöhnen.

Als wir mit dem Essen fertig sind und unsere Zelte aufsuchen, ackern die Männer noch immer im Salz.....



Noch kein Ende des Tageswerks!



Um 6 Uhr stecke ich meinen Kopf aus dem Zelt und greife sofort nach meiner Kamera. Eine Minute später entsteht das folgende Foto. Was für ein Morgen! Wobei ich doch eigentlich ein Morgenmuffel bin und immer so schlecht aus den Federn komme. Hier bin ich wie umgewandelt. Das war auch schon bei meinen morgendlichen Vogel-Pirschgängen so.



Tagesanbruch am Lake Afrera



In den Tropen geht die Sonne ja nicht nur steil unter, sie geht natürlich genauso steil auf und das bedeutet einen schnellen Farbwechsel, bevor die Sonne wieder ihr gleißendes Licht zur Erde sendet. Schnell also noch ein Foto durch die Zelte hindurch auf die goldene Lichtbahn auf dem See.



Sonnenaufgang am Lake Afrera



In diese Szenerie tritt von hinten langsam und leise unsere Reiseleiterin Christine, um ihr Morgenbad zu nehmen. Sie kommt mir in dem Moment vor wie Eos, die griechische Göttin der Morgenröte, die auf ihren Bruder, den Sonnengott Helios, zuschreitet.



"Göttin der Morgenröte"



Weniger poetisch, doch für ein Foto ähnlich reizvoll, empfinde ich die Bemühungen von drei der jungen Salzarbeiter, die ein engmaschiges Netz durch das flache Wasser ziehen und dann neugierig nachsehen, ob ihr Fischzug von Erfolg gekrönt war. Ich schaue natürlich auch und - tatsächlich! - mehrmals zappeln darin einige der fingergroßen Danakilia. Ob das für drei hart arbeitende junge Männer zum Frühstück reichen wird? Ich habe da so meine Zweifel.



Fischzug am Morgen



In den Salinen am Lake Afrera.

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Um 7 sind die Jungs bereits wieder an ihrer Arbeit im Salz. Die Aufgaben sind geteilt: Die einen brechen mit der Spitzhacke die harte Salzschicht in dem zum Abbau freigegebenen Becken auf, die anderen schippen das lockere Salz in Schubkarren und transportieren es auf die mit der Zeit immer höhen wachsenden Halden. Von dort wird es bei Bedarf in Säcke abgefüllt und mit LKWs zum Verkauf fortgebracht. Das ist heute Morgen allerdings nicht der Fall. Früher galt das Salz sogar als Zahlungsmittel. Irgendwo in den Städten im Hochland wird es sicherlich noch weiter behandelt. Es heißt, das Salz von den Seen in der Danakil-Wüste sei ein sehr gutes Speisesalz. Auch als Badesalz findet es Verwendung.



Arbeit in der Saline



Salinen-Arbeiter

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Ich frage die jungen Kerle, ob sie etwas dagegen hätten, wenn ich ein paar Bilder machte. "Nur zu!" wird mir bedeutet und es kommt dabei noch zu ein paar Clownerien auf beiden Seiten, so dass wir viel Spaß miteinander haben. Für sie ist dies wahrscheinlich eine nicht ganz ungelegene Abhaltung von ihrem Knochenjob. Erst gegen Mittag werden sie wohl der Hitze wieder Tribut zollen müssen und dürfen eine längere Pause einlegen.



Mein "Opfer" zeigt mir bei seinem strahlenden Lächeln seine weißen, makellosen Zähne. Für den ungewöhnlich guten Zustand ihrer Zähne sind die Afar in Äthiopien bekannt. Wann immer es irgendwie geht, stochern sie mit einem dünnen Hölzchen in ihrem Mund herum. Es ist ihnen geradezu zu einem Bedürfnis geworden. Dazu kommt, dass Süßigkeiten mangels Angebots kein Thema sind.



Frohsinn trotz Knochenjob!



Salinen am Lake Afrera

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Ich schaue mir noch einige Becken an, in die über Rohre Wasser aus dem See gepumpt wird. In anderen Becken ist die Verdunstung des Wassers und die Auskristallisierung des Salzes so weit fortgeschritten, dass auch hier bald die Arbeiter mit dem Abbau ansetzen werden. Manche braune Hügel entpuppen sich, da sie "geöffnet" worden sind, als ältere Halden, deren Inhalt jetzt in Angriff genommen wird. Ob die braune Farbe auf Oxidation zurückzuführen ist oder darauf, dass Sandstürme feinen Staub darauf abgelagert haben, kann ich nicht sagen.



Saline


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Kommentare

  • Blula

    Hartmut, ich kann mir kaum vorstellen, dass außer Dir schon mal jemand von uns RC'lern in der Danakil-Wüste gewesen ist. Du hast es gewagt. Schon allein deshalb ist Dein Bericht so lesenswert.
    Danke für's Mitnehmen auf diesen außerordentlich spannenden, abenteuerlichen ... und auch noch dazu lehrreichen 'Höllentrip". Deine Fotodokumentation ist wie immer hervorragend und manche der Aufnahmen sind geradezu atemberaubend.
    LG Ursula

  • Sternensilber

    Hallo Hartmut, abenteuerlich und gefährlich, auch wenn die Gefahr (zum Glück) eher vom Kamel ausgeht, auf dem man sitzt. Herrlich! Äthiopien haben wir ja bereits bereist, doch nicht in dieser Ecke. Berichte wie Deiner locken mich aber doch immer mehr in die Danakil-Wüste. Neben den atemberaubenden Vulkanbildern finde ich aber auch Deine Webervögel richtig entzückend.
    LG Anne

  • ouzo

    Ein spannender Reisebericht, einmalige Bilder. Ich komme mir vor, als hätte ich gerade stundenlang eine lange Episode von "Länder, Menschen, Abenteuer" geschaut. Vielen Dank dafür!

    LG

    Pete

  • tumtrah

    Hallo Pete,
    du warst das "Sesam öffne dich!" für mich, soll heißen, dein Kommentar hat mich diese Seite endlich öffnen lassen, so dass ich jetzt auch den anderen danken kann. Es war mal wieder zum "Mäusemelken", denn obwohl ich angemeldet war, erhielt ich stets die Meldung "Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben." Anscheinend ist die Redaktion nicht imstande, dieses Problem abzustellen. Ich habe es heute erneut vorgebracht.

    Doch nun zu deinem Kommentar. Ich freue mich natürlich ganz besonders darüber, in welche Worte du dein Lob verpackt hast. Dein Vergleich ehrt mich überaus! Das Schreiben hat mir diesmal aber auch besonders Spaß gemacht, weil ich anstelle von mehr oder minder trockener Faktenvermittlung reales, ungewöhnliches Erleben erzählen konnte. Das geht ja nicht immer.
    LG Hartmut

  • tumtrah

    Liebe Ursula,
    in meiner Danksagung an Pete habe ich erklärt, welches Problem ich wieder mal hatte. Jetzt kann ich mich also auch bei dir ganz herzlich bedanken. Als ich sah, dass der erste Kommentar eingegangen ist, war für mich klar: "Der ist sicherlich von der Blula-Ursula". Volltreffer! Du hattest dich ja schon beim Kommentieren etlicher Fotos im Vorfeld enorm engagiert. Ich hoffe, du begleitest mich auch noch auf die nächste Etappe dieser Reise. Ich nehme dich wieder gerne mit!
    LG Hartmut

  • tumtrah

    Liebe Anne,
    schmunzel, schmunzel über deinen Hinweis auf die von Kamelen ausgehende Gefahr. Dir zumindest hat mein "Outing" diesbezüglich offensichtlich gefallen. Ich war mir da nicht so sicher, ob die Ausführlichkeit der Schilderung meines Malheurs goutiert würde. Dank deines Kommentars habe ich mich auch schon auf deiner HP umgeschaut. Dein Schreibstil gefällt mir sehr und ich werde mich mit deinen Berichten noch intensiver beschäftigen.
    Nochmals vielen Dank!
    LG Hartmut

  • globetrotter

    Lieber Hartmut,
    ich bin schwer beeindruckt von deinem Mut, dich in diese Gegend aufzumachen!!!Deine atemberaubenden BIlder zeigen, warum es sich trotz allem lohnt:))))
    Ich bin schon seh rgespannt auf die Fortsetzung.
    LG Ute

  • nach oben nach oben scrollen
  • tumtrah

    Liebe Ute,
    vielen Dank, dass du mir auf meine Reise in den "Höllenpfuhl der Schöpfung", wie die Danakil-Wüste auch schon genannt wurde, gefolgt bist. Es war mir ja schon seit langem eine Herzensangelegenheit und auch ich werde ja nicht jünger. Also wurde es höchste Zeit für mich. Als "Globetrotter" solltest du auch mal daran denken. Hitze und Kälte machen dir doch nichts aus, wie man aus deinen bereits "abgehakten" Reisezielen ablesen kann. Und Kälte gibt's dort nicht.
    LG Hartmut

  • ursuvo

    Das war ja ein total interessanter und super geschriebener Bericht über ein Land aus dem man sonst wenig hört. Und dazu die vielen Bilder - ich bin begeistert mitgereist - und warte nun ganz gespannt auf den nächsten Teil!!!
    LG Ursula

  • tumtrah

    Auch bei dir, liebe Ursula, möchte ich mich herzlich bedanken. Du hast ja im Vorfeld schon so überaus eifrig meine Bilder begutachtet und viele kommentiert, dass ich schon befürchtete, du würdest dir gar nicht mehr die "Mühe" machen, den Bericht auch noch zu lesen. Ich freue mich, dass du das Lesen nicht als Mühe betrachtet hast. Die Fortsetzung kommt - wenn alles klappt - in etwa drei Wochen.
    LG Hartmut

  • Schalimara

    Welch ein Abenteuer - Danke für diesen interessanten Reisebericht und die schönen Fotos.
    Es ist toll, das Du Dir immer wieder so viel Mühe gibst, uns an Deinen wunderbaren Reisen teilhaben zu lassen.
    LG Schalimara

  • tumtrah

    Liebe Verena,
    DIE Mühe mache ich mir gerne! Vor allem wenn ich dann sehe, dass ich meine Leserinnen und Leser damit erreicht habe. Solche Rückmeldungen wie deine sind dann immer wieder Ansporn zu einem weiteren Bericht.
    LG Hartmut

  • astrid

    Ich stimme den Kommentaren der anderen gern zu - was für eine Reise! Es ist immer wieder schön, etwas von Dir zu lesen. DANKE!

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  • Chrissi

    Entdeckerfreude, Abenteuer und noch viel mehr steckt in diesem spannend geschriebenen Reisebericht. Und damit noch nicht genug, denn du bietest wie gewohnt auch noch tolle, aussagekräftige Fotografien dazu.
    LG Christel

  • tumtrah

    Liebe Christel,
    vielen, vielen Dank! Ich freue mich über dein Urteil!
    LG Hartmut

  • SchroedingersKatze

    Lieber Hartmut,
    bin eben aus einer angenehm warmen, aber feuchten Gegend zurück, und habe mit großem Interesse Deinen spannenden Bericht aus dieser "angenehm warmen" und trockenen Gegend gelesen. Als Vulkanfan muße ich diese Region wohl mal auf die Liste nehmen....
    LG Ulf
    p.s. Kannst Du bitte die Kraterfotos mit der Gruppe "Vulkane der Welt" verlinken?

  • tumtrah

    Vielen Dank, lieber Ulf, für dein Interesse! Die besagten Bilder werde ich gerne in die Gruppe verlinken. Für Vulkanfans ist der Erta Ale sicherlich eines der größten Erlebnisse, die man sich vorstellen kann. Das kann man auch bestens an dem Beitrag ablesen, dessen Lektüre ich mit dem angegebenem Link ans Herz gelegt habe.
    LG Hartmut

  • wildwassercamera

    Lieber Hartmut,

    Dein bericht ist wie ein Krimi, man kann es kaum erwarten das nächste kapitel zu lesen.

    Hut ab vor dir und deiner reise. Und nochmals Hut ab vor deiner schreibweise. Du schafst es spannung und informationen außer ordentlich gut zu beschreiben, dazu noch die Fotos, da passt einfach alles.

    ich freu mich schon auf teil 3

    liebe grüsse
    alex

  • tumtrah

    Lieber Alex,
    vielen Dank für die Lorbeeren! Ich muss allerdings dazu sagen, dass der Bericht nur deswegen so unterhaltsam und spannend werden konnte, weil eben Spannendes und Unvorhergesehenes passiert ist. Aus einer Senioren-Kaffeefahrt mit Stopps an diversen Kirchen und einer Einkehr im Gasthof mit Lamadecken-Verkauf könnte ich auch keinen "Krimi" machen. -:))))
    Der letzte Teil ist in Bearbeitung. Er wird ebenfalls Interessantes bringen, doch wird er kein "Krimi". Ich hoffe, dass du mir dennoch als Leser treu bleibst.
    Vielen Dank auch für deine guten Bewertungen vieler Bilder!
    LG Hartmut

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  • caragh

    Lieber Hartmut,
    habe öfters einen " stop over" einlegen müssen, während ich Dich auf Deiner abenteuerlichen Reise begleitet habe. Ich kann mich dem vorgeschriebenen nur anschließen, ein sehr eindrucksvoller Bericht über ein Land, von dem man nur wenig hört und vielleicht auch wenig weiß. Ich bin beeindruckt mit welchem Mut und Enthusiasmus Du diese Reise gemacht hast.
    LG Imelda

  • tumtrah

    Liebe Imelda,
    vielen Dank für dein gutes Urteil! Ja, wer rastet, der rostet. Vielleicht nehme ich auch daher den "Mut und den Enthusiasmus", um gegen meine ausgefuchste GEO-Städtequiz-Meisterin einigermaßen mithalten zu können. -:))))
    LG Hartmut

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Abenteuer Danakil. Teil 2: Zum Erta Ale - "Werkstatt des Hephaistos" 5.00 16

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