Äussere Hebriden (via Amsterdam, Newcastle und Edinburgh)

Reisebericht

Äussere Hebriden (via Amsterdam, Newcastle und Edinburgh)

Reisebericht: Äussere Hebriden (via Amsterdam, Newcastle und Edinburgh)

Eine aussergewöhnliche Anreise trägt viel zum Erleben aussergewöhnlicher Orte bei. Ebenso kann eine aussergewöhnliche Reisezeit das Erlebnis massgeblich prägen. Wir haben die Entscheidung ausserhalb der Hauptsaison über Umwege auf die äusseren Hebriden zu reisen nicht bereut.

1. Amsterdam

Die Stadt ist uns bereits bestens bekannt und so fällt es auch nicht ganz so schwer, dass wir diesmal nur für eine Nacht hier bleiben. Wir geniessen die unzähligen Fressbuden, die aufgedrehte Stimmung der Cannabistouristen die vom Bahnhof kommen und ihre entrückten Gesichtszüge wenn sie den Weg in die Innenstadt und den erstbesten Coffeeshop gefunden haben. Dazwischen die Einheimischen die eine Mischung aus Freundlichkeit und stoischer Ruhe verströmen.

Auch wir stürzen uns – ein Bisschen – ins Nachtleben und lassen uns mit der Menge durch die engen Gässchen treiben.



2. Amsterdam nach Newcastle

Erst verwirrt uns der Busbahnhof, von wo aus auch wir zum Fährhafen Ijmuiden gebracht werden sollen. Der Page eines nahen Hotels kann uns aber weiterhelfen: Der Bus halte genau hier. Das ist der Fall und ohne weiteres können wir um 15:00 die rund vierzigminütige Fahrt antreten.

Am Fährhafen heisst es erst einmal im frischen Wind Schlange stehen. Die zahlreich vorhandenen Rentner drängen sich wie Pinguine zusammen. Offensichtlich aber weniger wegen der Kälte, sondern aus schierer Angst zurückgelassen zu werden. Es gibt schönere Ferienmomente.

Im Schiff klart die Stimmung schnell auf. Unsere Doppelkabine hat auch ein richtiges Doppelbett und ist einfach nur urgemütlich. Vorerst schlendern wir aber durch alle Decks und schauen uns Bars und Restaurants an. Am Buffet, das wirklich fantastisch aussieht bleiben wir hängen.

Da liegt alles ausgebreitet, was man sich wünschen kann: Kleine, schön zurechtgemachte Häppchen, Fisch und Schalentiere in allen Varianten, diverse Fleischsorten, Salate, Gemüse ein Dessertbuffet samt Früchten. Eine endlos scheinende Fülle an Köstlichkeiten. Nur die heranwogende germanische Rentnerhorde fürchtet offensichtlich verhungern zu müssen, fordert sie doch lautstark von allen Buffetbeteiligten sich gefälligst in Reih und Glied hinten anzustellen.

An einem Zweiertischchen direkt am Fenster mit Blick aufs abendliche Meer finden wir ein ruhiges Plätzchen und speisen wie auf einer Luxuskreuzfahrt.

Danach ist Schiffskino angesagt! Bewaffnet mit einem im Bordladen ersteigerten Scotch Probiersetz der Jura Destilliere nehmen wir Platz und „schauen“ the Revenant, d.h. ich halte es mit Mühe und Not bis zum Ende durch, die bessere Hälfte hat sich auf dem Stuhl eingerollt und rund ein Drittel der anderen Schiffscineasten ist nach und nach davongeschlichen.

Wir verziehen uns in die gemütliche Kabine und lassen uns vom angenehmen Geschaukel in den Schlaf wiegen.



3. Newcastle

Newcastle

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Am nächsten Morgen um 9.30Uhr treffen wir in Newcastle ein. Ein gigantischer Gangway-Arm schwebt auf das Schiff zu. Wenig später schwappen wir mit dem Rest der Menschenmeute auf der anderen Seite heraus und finden uns auf dem Hafengelände wieder.

Wir machen uns auf Richtung Innenstadt. Newcastle scheint aus drei Schichten zu bestehen. Einerseits ragen die typisch englischen massiven Repräsentativbauten ohne viel Geschnörkel als steinerne Monumente aus den restlichen Gebäuden heraus. Andererseits ist da Spürbar die Zeit der Industrialisierung und das Flair einer Arbeiterstadt, unter anderem repräsentiert durch die riesigen Brücken aus Stahl und Stein und zuletzt finden sich die modernen Architekturprojekte wie etwa die Millenium Bridge und das Sage Centre, die einen weiteren Kontrast setzen. Alles wirkt auf eine angenehme Weise etwas düster, die Pubs mit ihren verwinkelten Sitzecken und den durch die glasigen Scheiben flackernden Kaminfeuern dadurch umso einladender.

Aber erst suchen wir unsere Bleibe. Diese ist ein Zufallsfund in Form eines Apartments. Eigentlich erwarten wir etwas wie bei Air BnB. Stattdessen ist in dem Haus an der Adresse eine Rezeption wo uns eine sehr nette Dame mitteilt, wir dürften gerne das Gepäck hier lassen, das Zimmer sei aber erst gegen Mittag bereit. Das ist verständlich und wir machen uns – etwas leichtfüssiger – wieder auf um die Stadt zu erkunden. Lange können wir uns den gemütlichen Pubs allerdings nicht entziehen und sitzen schon bald neben einem der prasselnden Feuer. Von dort aus kontaktieren wir Michael und Karen, die ich meinerseits bei einer Kurzvisite in Edinburgh ein paar Monate zuvor bei einem feucht fröhlichen Umtrunk kennengelernt habe. Höflich aber bestimmt wird auf das anstehende Fussballspiel zwischen Newcastle und Sunderland hingewiesen. Das heisst entweder wir schauen mit oder müssen warten. Bei allem Respekt vor lokaler Kultur - wir warten.

Wir schlendern dem Fluss entlang wo allerlei Fressbuden ihre Waren feilbieten, während sich die Stadt merklich mit Fussballwütigen füllt. Man könnte meinen es sei mindestens Europameisterschaft. Nach einer Vorspeise aus Geordie-Bangers (dt. Schweinsbratwurst) suchen wir das nächste Pub auf und essen dort.

Danach gehen wir zurück zu unserem „Zimmer“, das sich als riesige, frisch renovierte Wohnung mit Küche, Esstisch, Sofaecke, King-Size Bett und einem ebenso grossen Flachbildschirmfernseher herausstellt. Das ist bisher das unschlagbarste Preis-Leistungsverhältnis das ich je erlebt habe. Ziemlich jedes verfügbare reguläre Hotel wäre fast doppelt so teuer gewesen (gefunden auf: Roomzzz) Ausnahmsweise gönnen wir uns unter diesen Umständen eine kleine Zwischenrast und überlassen die Stadt den Fussballfans, während wir uns stilecht Blackadder anschauen und das letzte Scotch Fläschchen degustieren.

Dann treffen wir Karen und Michael in einem Pub in der Stadt. Wir erfahren viel über den Erzfeind Sunderland, lernen viele Geordies kennen und werden von einer Taverne in die nächste eskortiert. Ein sehr gelungener Abend an dem wir mehrmals Tränen lachen müssen. Zum Abschied müssen wir versprechen, dass wir einmal wieder kommen und uns dann etwas mehr von der Gegend anschauen. Nur zu gerne willigen wir ein und stolpern in unseren Palast zurück.



Newcastle



4. Edinburgh

Edinburgh Castle

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Gegen Mittag schaffen wir es zum Bahnhof. Von dort fahren wir rund 1.5 Stunden mit dem Zug nach Edinburgh, wo wir um 14:00 Uhr ankommen.

Auch hier ist das Wetter wenig frühlingshaft, sondern eher wie in einem Englischen Klischee-Krimi: Düster und regnerisch. Gerade Edinburgh bekommt diese Stimmung aber sehr. Auch hier kommt die Gemütlichkeit im Inneren der mächtigen Steinhäuser nur noch mehr zur Geltung. Wir können diesmal direkt einchecken, verweilen aber nicht lange im ebenfalls wunderschönen Hotel, das in einem Eindrücklichen Gebäude aus dem achtzehnten Jahrhundert untergebracht ist und offensichtlich – wie scheinbar fast alles in dieser Stadt – eine reiche Geschichte hat. Zu Fuss schlendern wir am Scott Monument und der National Gallery vorbei Richtung Castle. Weiter den Lawn Marekt hinab zum Cowgate und schliesslich über die High Street zum Calton Hill. Ab und zu zwinkert sogar die Sonne zwischen den Wolken hindurch und die Stadt wirkt im Licht zusammen mit den fernen Hügeln noch spektakulärer.

Heute lassen wir es nach der wilden gestrigen Nacht ruhig angehen. Bei einem kurzen Schlummertrunk in der riesigen und wunderschönen Hotelbar besiegeln wir den Tag.



Edinburgh



5. Edinburgh - Stornoway

Landeanflug auf Stornoway

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Bevor wir uns auf zum Flughafen machen besichtigen wir das riesige anatomische Museum. Dieses birgt eine einmalige Sammlung von Tausenden von Präparaten, die wie in einer Bibliothek in Wandregalen ausgestellt sind. Ausserdem bringt einem eine wirklich sehr informative Ausstellung die Geschichte der Medizin, in der Schotten immer wieder eine herausragende Rolle spielten, nahe.

Mit einer zweimotorigen Propellermaschine heben wir um 17:00 Uhr ab in Richtung Stornoway auf der Insel Lewis, wo wir um kurz nach 18:00 landen. Lange warten wir vor dem überschaubaren Flughafen auf eine Fahrgelegenheit ins ein paar Meilen entfernte Städtchen. Einer Geschäftsfrau aus London geht es gleich. Als sich schliesslich ein Taxi zu uns verirrt teilen wir uns dieses.

Vor unserem Bed and Breakfast abgeladen finden wir erst einmal die richtige Tür nicht. Stornoway scheint so klein zu sein, dass es nicht lohnt die Bewohner der Häuser auch noch an der Tür zu vermerken. Schliesslich klingeln wir auf’s Geratewohl und haben Glück. Eine nette Dame öffnet uns und aus dem mittlerweile sehr kühlen Grau treten wir in das gemütliche und warme Haus ein. Wie oft in Grossbritannien und Irland sieht dieses von innen etwa fünfmal so gross aus wie von aussen. Man zeigt uns unser wunderschönes Zimmer und gibt uns Zettel mit, um unser Frühstück auszuwählen. Diese sollen wir dann einfach ausgefüllt im Esszimmer deponieren.

Das tun wir und machen dann einen Abendspaziergang durch das beschauliche Städtchen. In einem sehr gemütlichen Pub wärmen wir uns am Torffeuer bei Guinness und schottischen Whisky auf. Im Zuge unserer weiteren Erkundung entdecken wir schliesslich ums Eck eine Treppe hinunter und mässig angeschrieben das Pub, in dem sich die Einheimischen verstecken. Der Laden besteht aus einem Thresen und zwei Tischchen aus Whiskyfässern. „I’m Charles“ stellt sich ein älterer Herr an der Bar vor „the Butcher“. Schnell kommen wir im gut besuchten Laden ins Gespräch. Charles the Butcher schenkt uns im Verlauf sogar einen seiner „weltberühmten“ Black Puddings, die er eigentlich seiner „Auntie“ mitbringen wollte, aber nun immer noch in der Jacke hat. Die Leute sind herzlich und selbst im volltrunkenen Zustand gesprächig, aber nicht aufdringlich. Ein sehr angenehmer erster Abend auf den äusseren Hebriden.



Mc Neill's Pub, Stornoway



6. Stornoway - Tarbert

Stones of Callanish

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Das Frühstück ist üppig und schmeckt hervorragend. Die B&B in Grossbritannien sind ein sicherer Wert und ob vorher übers Internet oder spontan vor Ort gebucht, es war immer eine sehr herzliche und positive Erfahrung. Auch diesmal.

Mit dem Bus fahren wir von Stornoway auf der Insel Lewis auf die Insel Harris – eigentlich nur eine Halbinsel von Lewis – ins kleine Örtchen Tarbert. Im einzigen Hotel und Pub im Ort haben wir ein Zimmer gebucht. Obwohl Tarbert aus gefühlten zehn Häusern besteht, ist das Hotel sehr schön und das Pub im Untergeschoss ist nicht nur hübsch eingerichtet, sondern bietet auch beste lokale Spezialitäten. Unser Zimmer ist erneut eine Wucht, unglaublich gross, gemütlich und stilvoll, wie man es hier am äussersten Ende Schottlands nicht erwartet hätte.

Nur einen Mietwagen können wir in Tarbert nicht auftreiben. Wir müssen mit dem Bus wieder rund eineinhalb Stunden zurück nach Stornoway. Immerhin beschwert uns das Wetter beim zweiten Abklappern der Route wunderschöne Regenbögen und die vereinzelt durchbrechende Sonne sorgt für eine ganz eigene Stimmung.

In Stornoway unterschreibe ich in einer kleinen Autogarage zwei- dreimal und erhalte direkt nach Zahlung von 50 Pfund die Schlüssel zu unserem Boliden für die nächsten Tage ausgehändigt – einem Toyota Fire der aussieht wie die kleine inzestdeformierte Schwester von einem Smart. Trotzdem lernen wir das kleine Vehikel die nächsten zwei Tage lieben. Vorerst geht es aber ans links Fahren. Daran muss man sich erstmal gewöhnen und der Chauffeur ist eigentlich ganz froh, dass die meisten Strassen der Insel einspurig verlaufen.

Die Callanish Stones bilden unser erstes Ziel. Die Orientierung auf der Insel ist trotz der kleinen Strässchen nicht sehr schwer. Die Landschaft, die an uns vorbeizeiht bleibt eindrücklich. Die torfigen Grashügel scheinen zwischen den Wolkentürmen, Nebelschwaden und grauen Wasserflächen rötlich-gold-braun zu leuchten. Ab und an tauchen riesige Sandstrände auf, direkt gefolgt von Felsklippen, an denen sich die windgepeitschten Wellen brechen. Weiter von der Küste wird das Land von zahllosen Lochs – Seen oder Fjorden – durchzogen. Die Steinformation der Callanish Stones Megalithkultur passt in diese Landschaft, als ob es gar keiner Menschen bedurft hätte um diese zurück zu lassen.

Direkt bei Tarbert nutzen wir die dort verglichen mit dem Rest der Insel herrschende Windstille für einen Spaziergang. Die Sonne überzieht die Landschaft mit einem bronzegoldenen Glanz, was einen starken Kontrast zum Blau-Grau des Meeres bildet. Wir stellen fest, dass der holprige Pfad zum örtlichen Notfall Helikopter Landeplatz führt. Schliesslich wird es trotz aller Sonne kalt und wir machen uns auf in unser gemütliches Zimmer.



Nahe Tarbert, Isle of Harris



7. Isle of Harris

Isle of Harris

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Heute wird der kleine Toyota an seine Grenzen getrieben. Vorbei am Amhuinnsuidhe Castle, das überraschend hinter einer der scharfen Kurven auftaucht, geht es in wildem auf und ab an den Strand von Huisinis. Der riesige Sandstrand liegt ebenfalls plötzlich und unerwartet vor einem. Wäre es nicht so feuchtkalt und stürmisch und würden keine Schafe am Strand seegrasen, man käme sich vor wie irgendwo in Italien. Wieder sind es die zwar nicht gerade bunten, aber durch das Licht umso intensiveren Farben und Kontraste, welche die Hauptwirkung dieses Ortes ausmachen. Wir spazieren durch die Dünenwiesen. Es sind kaum andere Leute unterwegs. Man spürt, dass es hier im Sommer wohl ganz anders aussieht und so bereuen wir es nicht, zu einer wetterbezogen fast schon absurden Zeit hierhergereist zu sein.

Da es denn auch an den meisten Orten vor allem wegen dem alles durchdringenden Wind sehr schnell sehr kalt wird, kehren wir zum Auto zurück. Wenngleich man kaum je über den zweiten Gang hinauskommt macht das Herumgetucker in dem kleinen Kabinenmoped ordentlich Spass. Auf dem Rückweg von Huisinis queren plötzlich imposante Damhirsche die Strasse und sind durch unser Vehikel offenbar dermassen irritiert, dass sie sogar ihren Fluchtreflex vergessen.

Wir umrunden die Halbinsel Harris in Richtung Leverburgh mit einigen Zwischenhalten an der wilden Küste. In Leverburgh am Hafen wo auch die Schiffe auf das einsame und mittleweile verlassene St. Kilda ablegen, holen wir uns in einem zum Imbiss umfunktionierten Minibus eine Stärkung. Finsby, Manish, Grosebay sind einige der Namen der kleinen Örtchen, durch die sich die nun wieder schmale Strasse schlängelt. Sie duckt sich immer wieder in die schärenartige Landschaft und schlängelt sich dann wieder Hügel hinauf, wo die Sicht frei auf das Meer wird.

Gegen 18:00 Uhr geben wir das tapfere kleine Gefährt - zumindest äusserlich - unbeschadet an die Autogarage in Stornoway zurück. Bevor wir in den Bus steigen wärmen wir uns in einem kleinen Café auf und erstehen eine Flasche des einzigen lokalen Whiskys in einem Krämerladen der aussieht wie vor 150 Jahren. Ein Kumpel von Charles, dem „Butcha“ aus dem Pub plaudert eine Runde mit mir, als er mir beim Kaufrundgang zufällig über den Weg läuft.

Bei der Rückfahrt mit dem Bus zeigt die Sonne dann nochmals eindrücklich was sie zusammen mit ein paar Hügeln und dem Meer an Atmosphäre zaubern kann. Zur besseren Verkraftung erst mal ein Ale und einen Whisky im Hoteleigenen Pub. Aus dem Fenster unseres Hotelzimmers sehen wir direkt gegenüber die Fähre liegen, mit der es morgen weiter auf die Isle of Skye gehen wird.



Isle of Harris



8. Isle of Skye

Am nächsten Morgen brauchen wir nur kurz über die Strasse und in die Fähre zu stolpern. Auch auf der Fähre scheinen eher Einheimische denn Touristen unterwegs zu sein. Ein buntes Gewusel aus herumrennenden Kindern, Frühschoppen schlürfenden Papas und Mamas die am Kaffee nippen füllen den - wie könnte es anders sein – wie ein Pub aussehenden Passagierraum. Teppich, dunkles Holz, Kupferstiche mit Nationalhelden unter altmodischen Lampen bestimmen das Design. Vervollständigt wird das Bild von den vereinzelt auf den Sofas schnarchenden Herrschaften die entweder zu viel gearbeitet oder gebechert haben.

Die Überfahrt dauert rund zwei Stunden und führt erst durch einige Schäreninseln und nach einiger Zeit auf See hinein ins Meerbecken von Uig. Von dort geht es mit dem Bus nach Portree. Dort organisieren wir uns erst im Tourist Office eine Schlaf- und eine Fahrgelegenheit, was sich etwas schwieriger gestaltet als auf den äusseren Hebriden. Der Tourmismus scheint hier Saisonunabhängiger zu sein. Schliesslich finden wir aber eine bleibe. Für den fahrbaren Untersatz werden wir an den örtlichen Baumarkt verwiesen. Da dieser ein paar Kilometer ausserhalb liegt, nehmen wir ein Taxi dorthin. Erstaunlicherweise klappt alles ohne Probleme und am Kundendienst erhalten wir den Schlüssel für ein nagelneues Citroen-Van-Raumschiff ausgehändigt. Der Motor hat geschätzt die zehnfache Leistung des kleinen Toyotas und der Inneraum fühlt sich an wie eine Kathedrale. Ich komme mir vor wie Snowman von Smokey and the Bandit. Fehlt eigentlich nur noch das Funkgerät. Ich muss mich anstrengen das links Fahren nicht zu vergessen.

Wir fahren durch die verregnete, wolkenverhangene Landschaft. Verschneite Berge ragen in der Ferne auf. Die Farben und das Licht zusammen mit dem rauen Wetter schaffen eine wahre schottische Bilderbuchatmosphäre. Wir legen einen Halt ein beim Castle des MacLeod Clans, das noch heute deren Sitz und entsprechend auch bewohnt ist. Einige Räume können aber besichtigt werden. Da keine Hochsaison herrscht, ist der Andrang glücklicherweise übersichtlich. Die Atmosphäre im Schloss erinnert an einen Edgar Wallace Film und es würde einem nicht wundern, würde man in einem der verschachtelten Räume mit dem Grünen Bogenschützen zusammenzustossen. Es sind einige Gegenstände ausgestellt, welche die Familie über die Jahrhunderte angesammelt hat. Darunter die Rüstung eines Samurai Kriegers oder das magische Banner, das der Legende nach dem Clan zum Sieg verhilft, sobald es entfaltet wird.

Eigentlich eine Hauptattraktion bildet der Garten des Schlosses. Aufgrund der Jahreszeit gibt der aber nicht viel her. Zusätzlich regnet es einmal mehr in Strömen. Dennoch ist es interessant, dass man inmitten des wilden und ursprünglichen Landes die Anstrengung unternahm eine solch vielfältige Anlage zu schaffen – inklusive halb-künstlichem Wasserfall. Wir verziehen uns in ein grosses Gewächshaus, das etwas Schutz vor dem Wetter bietet. Eigentlich gibt es in dem Loch unter dem Castle Robben zu sehen. Allerdings fahren bei dem Wetter die Boote nicht raus. Der Reiz im strömenden Regen auf dem Loch herumzuschippern um Robben auf die witterungsgeplagten Nerven zu fallen ist ohnehin nicht allzu gross. Also zurück zum Raumschiff und zurück nach Stornoway.

Dort parken wir im Zentrum des kleinen Städtchens. Der Regen wurde tatsächlich noch stärker und in anderen Gegenden der Welt wäre das Wetter wohl durchaus Anlass zur Besorgnis gewesen – hier scheint das der Normalzustand. Wir flüchten uns in ein gemütliches Lokal das wir über eine verwinkelte Treppe erreichen. An einer Schüssel heisser Suppe können wir uns aufwärmen. Das lokale Skye Ale schmeckt hervorragend. In einem kleinen Gemischtwarenladen ums Eck besorgen wir uns direkt Nachschub und fahren zurück zum Bed & Breakfast wo wir einmal mehr herzlich willkommen geheissen und in unser kleines aber feines Zimmer geführt werden. Eigentlich wollten wir noch die Pubs des Örtchens erkunden. Da draussen aber weiter Weltuntergangsstimmung herrscht, bleiben wir lieber im Trockenen.



Überfahrt von Harris und Lewis nach Skye



9. Isle of Skye - Inverness

Old Man of Storr

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Nach einem ausgiebigen Frühstück wollen wir heute einiges an Strecke hinter uns bringen. Erster Halt ist der Old Man of Storr. Da wir einigermassen früh dran sind, hält sich der Ansturm in Grenzen. Das Wetter hat sich zwischenzeitlich beruhigt. Zwar hängen die Wolken noch immer tief und Nebelschwaden hängen in den Felszacken und über den Moorteichen, aber das erzeugt eine geradezu perfekte Schottland-Stimmung. Rund eineinhalb Stunden vertreten wir uns die Beine und steigen den hang hinauf. Der Weg würde zwar noch weiter zur spitzen Felsnadel des Old Man führen, aber da dieser von Weitem ohnehin eindrücklicher aussieht und die Nebelschleier uns einzuhüllen beginnen, kehren wir lieber in die warme Kapsel unseres Gefährts zurück. Wir umrunden die Halbinsel Trotternish und halten bei den imposanten Cliffs von Staffin, von denen Wasserfälle in die Tiefe stürzen. Ein weiterer Halt folgt bei den Ruinen von Duntulm Castle, die sich an eine ins Meer ragende Felsnase klammern. Schmalspurige Inlandsträsschen führen uns zu den Fairy Pools. Dort herrscht trotz der wieder schlechter gewordenen Witterung ein beachtlicher Ansturm. Wir überholen Grüppchen um Grüppchen aus aller Herrenländer, während wir dem plätschernden Bach folgen. Dieser ist immer wieder von Stufen mit Wasserfällen und eben Wasserwannen durchzogen. In einem Halbkreis ragen rundherum Berge auf. Je weiter wir kommen, desto weniger Volk ist unterwegs. Doch nach knapp einer Stunde lässt uns auch hier das Nieselwetter umdrehen. Wir kämpfen uns an den uns entgegenstolpernden Gestalten in Plastikregenmänteln vorbei.

Wir navigieren das Raumschiff zurück in den Baumarkt in Portree. Wiederum im Taxi gelangen wir zurück in die Innenstadt wo wir in einem Hotel und Pub am Hauptplatz essen, da dort auch direkt unser Bus nach Inverness fährt. Rund dreieinhalb Stunden sind wir unterwegs und geniessen es dann doch für einmal wieder gefahren zu werden. Es ist dunkel als wir ankommen. Ein Taxi bringt uns zu unserem Bed & Breakfast, das wir im Voraus gebucht haben.

Ein netter älterer Herr zeigt uns unser makelloses Zimmer und lässt es sich nicht nehmen einen kleinen Schwatz mit uns zu halten. Dann meint er, dass wir sicher das wilde Nachtleben sehen wollen und gibt uns einige Pub-Empfehlungen ab. Zu Fuss spazieren wir durch das hübsche Städtchen in die nahe Innenstadt. Inverness ist im Verhältnis zu den beschaulichen Inselorten eine regelrechte Grossstadt. Das Nachtleben pulsiert und aus vielen der Pubs schallt handgespielte Musik, wenn die Gäste eine Zigarette im Mundwinkel zum Rauchen nach draussen strömen. Wir steuern das Hoothananny Pub an, das eine grossartige Folk Session abhält. Allerdings ist das Gedränge von Menschen dann doch schnell zu viel und wir verziehen uns in ruhigere Gefilde, wo man den Allerwertesten auf einer gemütlichen Eckbank parken kann. Die letzten Pints und Whiskys werden ausgekostet.



Aussicht von den Ruinen des Duntulm Castle,...



10. Inverness - Amsterdam

Am nächsten Morgen schliesst sich der Kreis. Von Inverness fliegen wir nach Amsterdam, wo wir den Nachtzug in die Heimat besteigen. Einmal mehr haben wir in wenigen Tagen eine Vielzahl bleibender Eindrücke sammeln können. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir wieder nach Schottland zurückkehren werden um weitere Winkel, Inseln, Pubs und Whiskies auszukundschaften. Am liebsten wieder mit einer Anreise mit einem Abstecher bei den ebenso liebgewonnen Geordies, die uns sicher auch noch so einiges zeigen können.


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Kommentare

  • ouzo

    Danke für einen schönen Bericht. Ein echter Appetitanreger, trotz des Wetters.

  • SchroedingersKatze

    gerade dieses Wetter sorgt doch für die richtige Stimmung und gute Fotos.
    LG Ulf

  • Blula

    Auch ich sage Danke für's Dabeiseindürfen. Der Bericht hat gut gefallen.
    LG Ursula

  • INTERTOURIST

    Deiner Einleitung kann ich nur zustimmen. Die Bilder tragen beim Leser natürlich auch einen nicht unwesentlichen Teil zum Einfühlen und Vorstellen bei. So dunkel und kühl wie die Bilder wirken, bekommt man wenig Lust dort hin zu reisen, obwohl die Äußeren Hebriden auch immer noch auf meiner Bucket List stehen.

    Viele Grüße Jörg

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