Føroyar

Reisebericht

Føroyar

1. Freitag – Zürich bis Kopenhagen

Wir fliegen spät abends von Zürich nach Kopenhagen. Dort soll es eigentlich direkt weiter nach Aalborg gehen, wo wir ein Hotel am Flughafen gebucht haben, um am nächsten Tag pünktlich zur Fähre im ca. 40 Autominuten entfernten Hirtshals zu gelangen. Der Flug hat jedoch Verspätung und mit steigender Nervosität müssen wir in Kopenhagen angekommen feststellen, dass unser Anschlussflug bereits weg ist.
Zum Glück ist alles bestens organisiert: Wir werden auf den 09:00 Uhr Flug am nächsten Tag gebucht, werden ins Radisson Scandinavia einquartiert und erhalten sogar Gutscheine für je eine Taxifahrt zum Hotel und von dort zurück zum Flughafen. Das Hotel liegt ausserhalb von Kopenhagen. Da es bereits spät ist und wir direkt von der Arbeit abgereist sind, macht uns das nichts aus. Wir gönnen uns einen Schlummertrunk und verziehen uns in unser geradezu luxuriöses Zimmer.



2. Samstag – Kopenhagen, Aalborg, auf See

Norröna

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Nach einem überaus reichhaltigen Frühstück geht es um ca. 07:00 Uhr per Taxi zurück zum Flughafen. Der Flug ist pünktlich und wir kommen um ca. 10:30 Uhr aus dem Flughafen in Aalborg. Da die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Hafen in Hirtshals mit diversen Umstiegen verbunden ist, riskieren wir lieber nichts und fahren per Taxi direkt an den Fährterminal. Dieser liegt ausserhalb des eigentlichen Ortes. Zwar gibt es einen Warteraum mit Snackautomaten, ansonsten ist aber tote Hose. Einzig die Norröna überragt alles und wir können es kaum erwarten jenes Schiff wieder von innen zu sehen, das uns vor Jahren bereits einmal auf die Färöer gebracht hat – damals noch von Hanstholm aus. Man teilt uns mit, dass das Schiff erst um 14:00 Uhr bezugsbereit ist. Zu Fuss bräuchte man ca. 45 Minuten bis in den Ort. Der raue Wind und die düsteren Wolken laden nicht gerade zu einem Spaziergung durch die wüstenartige Hafengegend ein. Wir packen unser Lesematerial aus und blicken immer wieder auf den stürmischen Atlantik hinaus. Schliesslich können wir doch bereits um 13:00 auf’s Schiff.

Unsere Doppelkabine übertrifft alle Erwartungen. Ein bequemes Doppelbett direkt am Fenster, zwei Stühle und ein kleines Schreibpult, ein Schrank – und ein Fernseher mit knapp 20 Kanälen, davon sogar einige Deutsche.

Wir erkunden das Schiff, auf dem sich seit unserem letzten Besuch einige Details verändert haben. Alles in allem ist es aber Dasselbe geblieben. Da Winterbetrieb ist haben nicht alle Lokale geöffnet. Als die Leute nach und nach eintrudeln fällt auf, dass kaum Touristen an Bord sind. Man spricht in erster Linie Färöisch und Isländisch. Bald tummeln sich Grüppchen in Bademänteln, bierseelige Grüppchen und Familien in den Gängen und der grosszügigen Bar. Dort haben auch wir einen Tisch direkt am Fenster bezogen und geniessen die ersten paar Gläser Faröja Bjor, von dem seit unserer letzten Reise anstatt einer gleich vier Sorten gezapft werden. Wir bemerken fast nicht wie wir gegen 16:00 ablegen und in die Weiten des Atlantiks schaukeln.

Am Abend bestellen wir ein Menue im hübsch zurechtgemachten Steakhouse. Suppe, Steak mit Kartoffeln und Dessert munden bestens. Da es früh dunkel wird und wir noch immer noch recht müde von der Anreise sind, ziehen wir uns früh in unsere Kabine zurück, kosten das Fernsehprogramm aus und lassen uns nach einem guten Tropfen Whisky in den Schlaf schaukeln.



3. Sonntag – Auf See, Unst

Auf der Norröna vor Shetland

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Wir kosten das behäbige Leben an Bord aus. Monsieur schläft aus, während Madame sich unter die Wassermarke ins Fitnessstudio begibt. Danach gibt es einen grosszügigen Brunch im Steakhouse. Am späten Nachmittag passieren wir die Ausläfer der Shetland Inseln. Auf unserer letzten Fahrt waren wir noch mitten durch diese hindurch gefahren und konnten die Häuschen beinahe in Griffnähe sehen. Diesmal sind im Gewölk nur einige Klippen und Hügel zu sehen. Das Wetter ist überaus rau. Verlässt man die schützende Stahlhülle des Schiffs und geht an Deck, bläst einem der Wind beinahe von den Füssen. Wagt man sich gar die Treppe zum Bug hinauf, ist Festhalten angesagt. Der mächtige Koloss kämpft sich durch die Wellen, nimmt aber immer grössere Sprünge, so dass die Gischt bis an die oberen Fenster heranreicht. Dennoch ist die Fahrt nicht ungemütlich und die Biergläser stehen sicher auf den Tischen. Wir legen uns nach einem Abendessen am kantinenmässigen, aber währschaften Buffet – es gibt Braten, panierten Fisch und Gratin – früh schlafen, da wir bereits um 05:00 in Torshaven das Schiff verlassen müssen.



4. Montag – Tórshavn, Saksun, Kirkjubøur, Suðuroy

Tórshavn

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Beim Ausstieg in Tórshavn sind diverse Einheimische noch in bester Feierlaune. Üppige junge Damen in knappen Kleidchen schwanken zwischen Familien mit Kinderwagen herum. Die zum Abholen angereisten halten ein Schwätzchen. Fast alle scheinen sich irgendwie zu kennen. Auf einer Bank im kleinen Fährterminal können wir dem bunten Treiben zuschauen, bis wir uns um 07:00 zu einem Hotel aufmachen, das auch Autos vermietet. Dort hatte ich per E-Mail einen Wagen reserviert. Die Nette ältere Patronin, die mit aufwändiger Frisur und gekonnt geschminkt eher wie ein gealterter Filmstar aussieht, raucht gerade noch ihre Morgenzigarette als wir beim Hotel ankommen. Sie selbst wisse nichts von einem Auto, das mache ihr Mann und der sei noch nicht da. Sie offeriert uns erst mal einen Kaffee, bittet uns doch auf dem gemütlichen Sofa Platz zu nehmen und versucht ihren Mann anzurufen. Der schläft aber wohl noch, meint sie. Gegen 08:00 Uhr klappt es dann doch mit dem Anruf: Der Wagen sei um 10:00 abholbereit. Da der Preis massiv günstiger ist als bei den einschlägigen Autovermietern der Inseln, die ausserdem das Fahrzeug auch erst vom Flughafen herbringen lassen müssten, stören uns die drei Stunden Verzögerung nicht weiter. Wir machen bis dahin einen Spaziergang durchs Städtchen und zu einer Filiale der isländischen Ladenkette Bonus, die mittlerweile hier Fuss gefasst hat.

Um kurz nach 10:00 Uhr kommen wir zurück zum Hotel. Ein freundlicher älterer Herr entschuldigt sich, der Wagen habe erst am Flughafen abgeholt werden müssen. Das Geflunker verzeihen wir gerne. Nachdem man unsere Fahrausweise kopiert hat und die Kreditkarte eingespiesen wurde, erhalten gegen Unterschrift den Autoschlüssel. Unterseetunnel sind dann bei Rückgabe des Autos fällig. Alles elektronisch, informiert uns der nette Herr. Der neue Ford Kombi fährt sich prächtig. Als erstes machen wir uns auf in Richtung Saksun im Norden der Insel Streymoy, wie auch Tórshavn. Wir umfahren den Tunnel über die Hochlandstrasse in Richtung Norden, die uns erste wunderschöne Ausblicke über Fjorde, Bäche und Klippen gewährt. Nach ca. einer halben Stunde zweigen wir bei Hvalvik auf ein schmales Einbahnsträsschen ab, das sich durch ein malerisches Tal einem wilden Bach entlang nach Saksun schlängelt. Saksun selbst besteht aus wenigen Häusern. Ein grosser Parkplatz lässt erahnen, dass hier im Sommer einige Leute herkommen. Heute ist alles wie ausgestorben. Das Café hat geschlossen. Nur zottlige Schafe trotten herum. Von den die Häuser umringenden Hängen fliessen viele Wasserströme, teils als Wasserfälle ins Tal und in die sandige Bucht, die durch eine enge Schlucht mit dem offenen Meer verbunden ist. Eine kleine Kirche mit dem örtlichen Friedhof steht etwas abseits. Es regnet zwar kaum, aber es geht ein steifer Wind, der einem trotz angemessener Kleidung nach rund einer halben Stunde frieren lässt. Wir steigen also wieder ins Auto. Bevor unsere Fähre auf die südlichste Insel Suðuroy Tórshavn verlässt haben wir aber noch genug Zeit um uns Kirkjubøur, den ehemaligen Bischhofssitz an der Südspitze von Streymoy anzuschauen. Dort finden sich neben dem kleinen Ort selbst die Überreste einer Kathedrale und das älteste noch bewohnte Holzhaus Europas, der Königsbauernhof aus dem 11. Jahrhundert.

Nachdem wir uns im Hafengebäude erkundigt haben stellen wir uns schliesslich in Tórshavn in die Autoschlange – vier Autos sind schon da – nach Suðuroy. Die Fahrt muss erst auf dem Rückweg bezahlt werden. Alles läuft sehr simpel und geordnet. Aus dem Auto geht es auf der Fähre direkt über eine Treppe ins gemütliche Bordrestaurant. Die Fähre ist erstaunlich gross und fasst eigentlich 200 Fahrzeuge. Auch der Aufenthaltsbereich ist sehr grosszügig und die wenigen Passagiere kommen sich nicht in den Weg. Auf der nur zweistündigen Überfahrt wird eine Vielzahl an Getränken und Speisen angeboten. Draussen sinkt die Sonne zwischen Wolkenschwaden hinter die Hügel der Inseln, die aus der stürmischen See aufragen und blitzt hervor, wenn ein Eiland Endet um kurz darauf hinter dem nächsten wieder zu verschwinden und aus dem Verborgenen in die Wolken zu leuchten. Das Schiff nimmt immer grössere Sätze. Die Gischt spritzt an die Scheiben. Die Nase taucht beinahe unter die Wellen und reckt sich dann wieder denn vorbeieilenden Wolkenfetzen entgegen. Dennoch herrscht im Innern eitle Gemütlichkeit. Auch wir Süsswasserpiraten bleiben von der Seekrankheit verschont. Kurz bevor wir Suðuroy erreichen passieren wir die mächtig aus dem Meer ragende, unbewohnte Insel Litla Dimun; ein Kranz aus Klippen gefolgt von konisch aufragenden Grasflanken die abrupt in einem Plateau enden.

Es ist Nacht geworden als wir im Hafen Krambatangi gegenüber von Tvøroyri im Trongisvágsfjørður einlaufen. Nur einige hundert Meter davon liegt unsere über Air BnB gebuchte Bleibe. Der Schlüssel hängt, wie via E-Mail mitgeteilt, unter dem Briefkasten hinter dem Haus. Als wir die Türe öffnen sind wir von der einladenden Gemütlichkeit überwältigt. Wir kannten Fotos vom Haus, aber diese werden durch was wir sehen noch übertroffen. Alles ist aus Holz und Stein gefertigt. Ledersofas mit Bärenfell, eine voll ausgestattete Küche, eine urtümliche steile Holztreppe mit geschnitzten Haltegriffen in den oberen Stock – kurzum: es könnte besser nicht sein. Wir überwinden nochmals unsere Müdigkeit und fahren die wenigen Kilometer nach Trongisvágur um uns ein Frühstück zu kaufen. Im Ort ist nicht viel los, dennoch: der örtliche Bonus hat bis 22:00 Uhr geöffnet und wir können uns mit allem Nötigen eindecken.

Dann machen wir es uns bei einem guten Scotch gemütlich, während draussen der Wind ums Haus pfeift.



Tórshavn



5. Dienstag - Suðuroy

Fährüberfahrt von Tórshavn nach...

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Wir lassen es ruhig angehen und frühstücken erst einmal gediegen, während draussen noch immer Wind und Regen an den Scheiben rütteln. Dann wagen wir uns hinaus und sind froh direkt wieder ins Auto schlüpfen zu können. Trotz oder vielleicht auch wegen des abenteuerlichen Wetters bleibt es spannend. Wir fahren nach Sumba (kurz für Sunnbøur), an den südlichsten Rand der Färöer. Durch einen eindrücklichen Tunnel erreicht man den kleinen Ort, wo ein Denkmal an ertrunkene Seefahrer erinnert. Eine kleine einspurige Strasse zweigt aus dem Ort ab und führt über den untertunnelten Berghang zurück. Das Wetter ist zumindest ein Bisschen besser und so überblicken wir von der „Passhöhe“ beinahe den ganzen Rücken von Suðuroy. Allerdings ist der Wind so stark, dass man sich dagegen lehnen kann ohne umzufallen. So machen wir uns bald auf die Abfahrt über die schmalen Serpentinen in Richtung Lopra. Von dort aus fahren wir zur entgegengesetzten Nordspitze der Insel. Durch einen ersten Tunnel gelangen wir erst nach Hvalba und durch einen zweiten nach Sandvik. Dort erkunden wir den weiten Sandstrand und stossen auf zahlreiche Muscheln inmitten der armdicken Algenäste, welche von den heranrollenden Wellen herangespült wurden. Sogar ein Horn, vielleicht von einem verunglückten Schaf, findet sich im dunklen Sand.

Von dem zwischen zwei Tunneln im Norden gelegenen Hvalba aus fahren wir einem schmalen Strässchen entlang zur Küste nach Hvalbiareiði, einem für die Färöer typischen Naturhafen (sog. Fiskieiði). Hier wurden die Boote über eine Steile Felsrampe zu Wasser gelassen. An einem Tag wie dem heutigen dürften aber selbst die mutigsten Fischer an Land geblieben sein. Die Wellen donnern mächtig gegen die Felsen und die Gischt spritzt meterhoch. Der Ausblick auf die Klippen und die Wasserfälle, die auf ihrem Weg ins Meer zur Hälfte bereits vom Wind hinausgetragen werden ist beeindruckend.

Wir fahren zurück Richtung Trongisvágsfjørður um die knapp bemessene Öffnungszeit des einzigen Ladens der Alkohol verkauft nicht zu verpassen und bei Gelegenheit auch ein Abendessen zu besorgen. Als wir uns mit verschiedensten Sorten einheimischen Bieres eingedeckt haben, drückt plötzlich die Sonne aus den Wolken. Für einen Marsch nach Hvannhagi, den wir eigentlich geplant hatten, trauen wir dem Wetter noch nicht. Kurz vor dem Tunnel in Richtung Süden zweigt aber ein kürzerer Weg ab, der den Blick auf die Klippen im Westen freigeben sollte. Der Wind lässt uns kaum die Autotüren öffnen, als wir losmarschieren. Es geht sich wie durch Wasser, da der Widerstand der Brise ständig gegenhält. Schafe kommen uns entgegen. Nach ca. zehn Minuten erreichen wir ein Plateau und die Aussicht ist tatsächlich grandios. Nur können wir sie nicht lange geniessen. Von einer Sekunde auf die andere wird der Wind doppelt so stark und trägt messerscharfe Eishagelkristalle wie Schrotkugeln mit sich. Wir werden regelrecht zurück Richtung Auto geschoben während uns Beine und Rücken von eisigen Gerten gegeisselt werden. Man kann kaum mehr etwas sehen und der Boden um uns wird innert Sekunden von einer zentimeterdicken Schicht aus gefrorenen Kügelchen bedeckt. Plötzlich spüre ich, wie Madame, die sich an meiner Rechten festhält, regelrecht in die Luft gehoben wird und unsanft auf dem moorigen Boden landet. Ich helfe ihr auf und wir setzen die Flucht fort. Nachdem wir eine Anhöhe hinter uns haben, können wir zumindest wieder einigermassen sicher gehen, aber noch immer fauchen die Eiskristalle um uns herum. Als wir das Auto erreichen sind wir trotz guter Trekkingkleidung bis auf die Unterwäsche nass. Froh darüber, das Experiment Hvannhagi nicht gewagt zu haben und so einigermassen sicher einen der legendären abrupten färöischen Wetterwechsel erlebt zu haben, ziehen wir uns in die gemütlichen vier Wände zurück. Das Bier schmeckt erstklassig. Ein simples Mahl aus Tütenfischsuppe mit Krebsfleischeinlage aus der Dose und gekochte Kartoffeln mit Fischrogen bringt etwas Wärme in die durchgefrorenen Körper, die danach bei einer warmen Dusche restlos auftauen. Der Abend endet geruhsam vor dem Fernseher, während um das Haus der Wind tobt, dass die Scheiben zittern.



Fährüberfahrt mit der "Smyril" nach...



6. Mittwoch – Fähre nach Tórshavn, Vágar, Klaksvik, Tórshavn

Vágar

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Bereits um 07:00 Uhr legt die Fähre zurück nach Tórshavn ab. Wiederum ist die Fahrt stürmisch. Während der Stahlbug sich durch die Wellen pflügt frühstücken wir in der Bordcaféteria. In Torshavn angekommen beziehen wir unsere ebenfalls über Air BnB gebuchte Bleibe. Auf uns wartet ein traditionelles schwarzes Häuschen mit Grasdach in einem kleinen alten Quartier mit Pflastersteingässchen direkt am Hafen. Wiederum dürfen wir ein kleines Juwel bewohnen, schieben aber den gemütlichen Teil auf den Abend hinaus. Erst einmal fahren wir durch den Unterseetunnel auf die Insel Vágar. Weitere Tunnel, teils einspurig mit Ausweichstellen, führen uns ins kleine Örtchen Gásadalur. Eine Traktorenschotterpiste führt zu Fuss zu einem Aussichtspunkt, von wo aus man einen Wasserfall über die Klippen ins Meer stürzen sieht. Darüber thronen die Häuschen des kleinen Ortes, wiederum überragt von Schroffen Berghängen.

Auf dem Rückweg wird der Blick frei auf den Tindhólmur, eine steile, spitze Felspyramide die sich aus dem schäumenden Meer erhebt. Zwischen Tindhólmur und Vagar ragen die Drangarnir, zwei einzeln stehende Felssäulen in der Bucht vor uns auf. Diese Inseln bieten wirklich nach jeder Kurve, nach jedem Tunnel und jedem Hügel den man Überquert einen Ausblick auf etwas Einmaliges.

Wir müssen nun aber zurück nach Tórshavn um unseren Helikopter nicht zu verpassen. Denn ebenfalls einmalig an den Färöern ist, dass man zum Preis einer Bustour einen Helikopterflug buchen kann. Der Helikopter stellt die Verbindung zwischen den abgelegenen Inseln und den Hauptorten her, weshalb dessen Nutzung einmalig günstig ist. Allerdings kann der Helikopter nur kurz vor dem Flugdatum und nicht für Rundflüge gebucht werden. Auch fliegt er nur sonntags, montags, mittwochs und freitags.

Der Helikopter-„Flughafen“ besteht aus zehn Parkplätzen, einer kreisförmigen Landeplattform und einem kleinen Häuschen. In diesem sitzt ein älterer Herr, der die gesamte Groundcrew darstellt. Er hält Funkkontakt mit dem Helikopter, erledigt den Check in der Passagiere, nimmt das Gepäck entgegen und geleitet die Fluggäste zum Gefährt. Bevor wir uns anmelden rufen wir aber noch bei der Fähre nach Kirkja, unserem Ziel auf der östlichsten Insel Fugloy an. Man informiert uns, dass die Fähre wegen dem extremen Seegang die Insel nicht anfahren könne. Da Fugloy nur per Fähre oder Helikopter erreichbar ist, bedeutet das für uns eine Planänderung.

Bei der Groundcrew im Häuschen erkundigen wir uns, ob und wenn ja wie der Flug umgestaltet werden kann. Nachdem auch er mit dem Fährmann telefoniert und mit dem Helikopter Rücksprache gehalten hat, bietet er uns einen Flug bis Klaksvik an, von wo aus wir ca. eine Stunde später wieder zurückfliegen können. Das ist für uns eine passable Alternative. Im winzigen Warteraum nehmen wir anschliessend Platz und montieren die uns überreichten Gepäcksschriftbänder. Über einer Filterkaffeemaschine auf einer kleinen Ablage läuft in einem Flachbildschirmfernseher das Sicherheitsvideo in färöischer Sprache mit englischen Untertiteln im nonstop Durchlauf. An der Wand hängt sauber laminiert der Zugangscode zum „Heliport-W-Lan“. Es mag hier alles etwas kleiner und uriger sein, perfekt organisiert und vorbildlich aufgezogen ist es aber dennoch. Vom sauberen Klo an der abgelegensten Bushaltestelle bis eben hin zum W-Lan im vier Quadratmeter Terminal.

Mit Ohrenbetäubendem Lärm schwebt schliesslich der Helikopter heran. Die Groundcrew schiebt einen Sackkarren mit Post und Gepäck vor sich her und bedeutet uns mit einer Armbewegung mitzukommen. Wir sind insgesamt vier Fluggäste. Plätz gäbe es für zwölf.

Kaum ist der Gehörschutz montiert schweben wir trotz dem unverändert starken Wind erstaunlich sanft in die Höhe und gleiten dann über die Ausläufer Tórshavns über die schäumende See und die wie Finger ins Meer greifenden Felskämme. Der Ausblick ist Atemberaubend. Teilweise nur ein paar Meter von den steilen Hängen entfernt schweben in viel zu kurzen zwölf Minuten nach Klaksvik. Der Heliport dort gleicht jenem in Tórshavn, ist aber noch ein wenig winziger und etwas weiter ausserhalb gelegen. Kaum haben wir den Heli verlassen, schwebt dieser über die nächste Felsklippe in Richtung Ostinseln davon.

Wir spazieren durch hübsche Wohnquartiere hinter denen Schneebestäubte Gipfel aus den Fjorden aufragen hinunter nach Klaksvik. Vor ein paar Jahren waren wir von hier aus mit dem Schiff hinüber auf die Insel Kalsoy und dort mit dem Bus bis an deren Nordspitze gefahren. Dafür fehlt uns diesmal aber die Zeit und wir stapfen den Hügel wieder hinauf zum kleinen Häuschen bei der Landeplattform. Einer der Piloten öffnet die Tür und meint, wir sollen doch reinkommen, das sei doch gemütlicher. Er bietet uns einen Kaffee an und flucht lauthals, als die Thermoskanne nur noch für jeden einen Schluck hergibt. Dann fragt er uns woher wir kommen und meint erstaunt, dass es in der Schweiz doch viel schöner sei als auf den Färöern. Wir einigen uns darauf, dass beide Orte durchaus ihre Vorteile haben. Der Pilot erklärt uns, dass sie uns nicht nach Fugloy hätten mitnehmen können, da sie dort alle gestrandeten hätten evakuieren müssen, die eben nicht mehr mit der Fähre zurückgekommen waren. Fast entschuldigend fügt er hinzu, dass es sonst natürlich kein Problem gewesen wäre uns auch bis dorthin und wieder zurück zu fliegen. Wir versichern unser Verständnis für die Umstände und bekommen daraufhin auf einer Karte an der Wand noch die Windverhältnisse auf den äusseren Inseln erklärt, die grundsätzlich bei Ostwind im Windschatten der anderen Inseln liegen, aber eben bei starkem Wind aus Nord wie heute vom Wasser aus praktisch unerreichbar seien. Dann geht es mit der gleichen atemberaubenden Aussicht zurück nach Tórshavn. Neben uns fliegt diesmal nur eine ältere Dame mit Hund mit, wobei der Hund die Reise in einem Käfig im Gepäckraum ohne Aussicht ausstehen muss.

Wir winken nach dem Aussteigen den Piloten zu, fahren zurück zu unserer Bleibe und gönnen uns dort noch eine Verschnaufpause bei einem lokalen Bier. Im Hafen hat die Norröna wieder angelegt und wir können aus dem Stubenfenster zuschauen wie sie beladen wird.

Zum Abendessen haben wir uns das Restaurant Barbara, wenige hundert Meter vor unserer Haustür ausgesucht. Das Lokal liegt in einem kleinen alten Quartier, das aussieht wie unseres. Auf den Pflastersteintreppen sind Kerzen in Glaskästchen aufgestellt die den Weg zum Eingang beleuchten. Das Restaurant ist urgemütlich. Ein Fels ist in die Gaststube mit eingebaut und mit Fischernetzen und bunten alten Schwimmglaskörpern dekoriert. Darum verlaufen den Wänden entlang Holzbänke mit Kissen und Tische mit Niederländischen Emaillekacheln stehen auf den Holzdielen. Das kulinarische Konzept orientiert sich an spanischen Tapas – nur eben mit färöischen Zutaten. Wir lassen uns überraschen und bestellen das aktuelle Menu. Dieses entpuppt sich als schlicht hervorragend. Pferdemuscheln auf geröstetem Brot mit Spinat, Lachssalat, Dorsch mit Paprikamousse, Miesmuscheln in einem Weisswein-Chorizosud, eine reichhaltige Fischsuppe und zum Dessert Limonenpanacotta mit Nusscrumble und hausgemachter Zitroneneiscrème. Ein absoluter Traum. Wir haben selten so gut und dann noch in einem so schönen Ambiente gegessen. Und sogar ein hervorragendes Hefeweissbier wird auf der Insel gebraut. Völlig zufrieden gehen wir die wenigen Meter in unser gemütliches Häuschen und fallen ins Bett.



Vágar



7. Donnerstag – Tórshavn, Eiði, Gjógv, Runavik, Nes, Viðareiði, Norðtoftir

Risin og Kellingin

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Madame tobt sich bereits frühmorgens im örtlichen Fitnesscenter aus, während Monsieur sich vom Fahren erholt und beim Morgenkaffe die Aussicht auf den Hafen geniesst, wo gerade eine Übung für den Ernstfall auf See mit riesigen Rettungsinseln stattfindet.

Dann brausen wir wieder dem Koldbaks- und Kollafjord entlang und überqueren in Oyrarbakki den Atlantik – der hier gerade einmal ein paar Meter breit ist. Dem Sundini Fjord entlang gelangen wir nach Eiði wo wir auf die Bergstrasse Richtung Gjógv abbiegen. Das Wetter ist heute sonnig, dafür aber Kälter als die Tage zuvor. Nach ein paar Kurven wird die Sicht frei auf Risin og Kelligin (Riese und Weib), zwei sagenumwobene Felstürme vor der Steilen Klippe die hinter Eiði mehrere hundert Meter aufragt. Über uns thront der Slættaratindur, der höchste Berg der Färöer. Bald schon weist ein Schild darauf hin, dass auf dem schmalen Strässchen das sich in die Höhe schlängelt kein Winterdienst verrichtet wird. Das bemerken wir ein paar Kurven weiter, als die Fahrbahn gänzlich mit Eis bedeckt ist. Wir sind noch nicht ganz oben angelangt und wissen erst recht nicht, wie es auf der anderen Seite aussieht. Da es auch eine geräumte Fahrbahn nach Gjógv gibt, beschliessen wir umzudrehen und diese zu nehmen. Für einen prächtigen Ausblick hat die Bergsackgasse allemal gereicht. Wir kommen schliesslich durch den Funnsifjord über die kleine Ortschaft Funningar von der anderen Seite angefahren. Durch Funningur stolziert ein Gänsepaar auf der Hauptstrasse vor unserem Auto herum und macht nur sichtlich genervt nach einigen Minuten Schrittempofahrt Platz. Als wir die den Serpentinen den Berg hinauf Folgen sehen wir in der Ferne die Norröna von Island kommend vor den steilen Felsen von Kalsoy vorbeifahren.

Die Strasse zum Örtchen Gjógv führt schliesslich durch ein wunderschönes Tal, durch das ein wilder Bach Richtung Meer fliesst, wo auch die Häuschen stehen. Davon sind auffallend viele noch in traditionellem Stil erbaute Holzhäuser mit Grasdach vertreten. Sogar getrocknete Fische schaukeln wie annodazumal von einer Stange an einer Holzfassade hängend im Wind. Wir flanieren durch die Strässchen des Ortes, der malerisch an einem schluchtartigen Naturhafen liegt, durch den die Wellen rollen. Ein geteerter Weg führt bis an die Spitze. Die Sonne scheint prächtig, aber noch immer geht eine heftige Brise und das Meer bricht sich rauschend und sprühend an der schroffen Küste und dröhnt im Felsspalt. Man sieht hinüber an den langgezogenen Bergkamm der Insel Kalsoy und die dahinterliegenden Kuppe der Insel Kunoy. Die obersten Spitzen der Berge sind weiss getüncht und lassen die auffälligen Querstreifen des Felsreliefs wie Höhenkurven hervortreten. Wir geniessen den Ausblick. Da das einzige Café im Ort aber geschlossen ist brechen wir auch von hier bald wieder auf.

Auch auf dem weiteren Weg ist die Aussicht schlicht spektakulär und es freut das Auge die Landschaft auch einmal im Sonnenschein bestaunen zu dürfen. Wir machen einen Schwenker über die dichter besiedelte Südspitze von Eysturoy via Runavik und Nes, fahren dann wieder zurück nach Leirvik, wo wir in den Subatlantiktunnel hinüber zur Insel Borðtoy tauchen. Dieser ist am tiefsten Punkt in verschiedenen Farben ausgeleuchtet und lässt einem einmal mehr darüber staunen, was diese knapp 50‘000 Menschen mitten im Atlantik so alles auf die Beine stellen. Da wir Klaksvik bereits kennen, fahren wir ohne Halt via Hvannasund (wo die Fähre uns am Vortag von Kirkja kommend planmässig hätte abladen sollen) nach Viðareiði dem einzigen Ort im Norden der Insel Viðoy. Erst müssen wir aber zwei einspurige Tunnel mit Ausweichstellen und schliesslich noch einen zweispurigen Tunnel zwischen Hvannasund und Viðareiði passieren. Auf der Hinfahrt haben wir noch Vortritt – die Rückfahrt wird spannender. Die Sonne hat sich mittlerweile zurückgezogen und es der Abend kommt in nordisch langsamen Schritten, aber stetig näher. Hier imponieren vor allem die wie mit Puderzucker überzogenen Berge und die geometrischen Querlinien und das senkrecht gefrorene Eis das von in die Senken reicht wie Säulen aus Glas. Von Hvannasund aus lassen wir uns noch zu einem Abstecher auf der Schotterpiste Richtung der mittlerweile verlassenen Ortschaft Norðtoftir hinreissen.

Dann aber ist selbst der begeistere Herr Chauffeur müde und überwältigt von den Eindrücken – und die sind ja auch auf der eineinhalbstündigen Rückfahrt nach Tórshavn noch reichlich vorhanden. Die sinkende Sonne leuchtet zwischen den Bergpyramiden die aus den glitzernden Fjorden und Sunden ragen.

In Tórshavn angekommen liegt die Norröna praktisch vor unserer Haustür im Hafen. Wir machen einen Whisky-Apéro in den gemütlichen vier Wänden und schauen zu wie die Lastwagen im und um die Fähre rangieren.

Danach gehen wir ins Café Etika, wiederum nur ein paar Meter von unserem Häuschen entfernt. Mittlerweile SEHR hungrig bestellen wir in dem Sushilokal eine grosse Sashimiplatte, Misosuppe mit Lachs und ein Menu für zwei Personen. Die lokalen Köstlichkeiten direkt aus dem Meer um die Inseln sind unglaublich gut und wunderschön präsentiert. Das bisher beste Sushi das wir jemals gegessen haben und zurecht auch in einschlägigen Online Plattformen gepriesen. Dazu eine sehr freundliche Bedienung die einem jeden Happen selbstverständlich erklärt, was bei den vielen lokalen Fisch-, Muschel- und Langustensorten durchaus Sinn macht. Satt und zufrieden fallen wir ins Bett.



Slættaratindur



8. Freitag – Tórshavn, Vestmanna, Vágar

Helikopterflug von Klaksvik...

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Ausgeschlafen aber etwas verpeilt beschliessen wir den letzten Tag noch zu einem Abstecher auf die Insel Sandoy zu nutzen. Dazu müssen wir auf die Autofähre bei Kirkjubøur. Allerdings verplempern wir zu viel Zeit während unserem Frühstück im Auto an der Tankstelle, so dass wie die 09:45 Fähre verpassen. Die nächste Fähre geht erst um 11:00 Uhr. Schliesslich fährt Monsieur auch noch Richtung Norðrudalur – das zwar auf der richtigen Seite der Insel liegt, aber dummerweise nicht durch eine Strasse mit den anderen Orten an der Küste verbunden ist. Da der Ausblick vom Parkplatz bei der Strasse hinab ins winzige Norðrudalur an diesem frostigen Morgen dennoch wunderschön ist, machen wir uns nichts draus. Dann klingelt das Mobiltelefon und die Dame von der Helikopterfluglinie gibt uns Bescheid, dass der Flug zum Flughafen Vágar um mehr als eine Stunde vorverschoben wurde. Das macht den Plan nach Sandoy überzusetzen endgültig zunichte – die Fähre braucht 30 Minuten für die Überfahrt und Fährt zu spät zurück, als wir den Hubschrauber noch erwischen könnten. Wir beschliessen also nach Vestmanna im Westen von Streymoy gegenüber der Insel Vágar zu fahren, einfach weil wir dort noch nicht waren. Wiederum bewahrheitet sich unsere Vermutung, dass es auf den Färöern keine nicht sehenswerten Orte gibt. Die Aussicht auf der Fahrt ist wiederum einmalig. Bei Leynar halten wir an einem schwarzen Strand auf dem ein Schaf umherzottelt und offenbar seegrast. Die Sonne drückt als silberne Scheibe durch die Wolken, wirft ein mystisches Licht auf die weiss hinter den grünbraunen Ausläufern aufragenden Berge und lässt den feuchten Sand leuchten. Über eine gut ausgebaute Strasse die sich an die steile Küste schmiegt gelangen wir bis Vestmanna. Stahlröhren die von den Hängen herabführen weisen auf die hiesigen Wasserkraftwerke hin. Der Ort ist mit über 1‘000 Einwohnern verhältnismässig gross für hiesige Verhältnisse. Der Wind ist mittlerweile eisig. Im Hafen des weiten Fjords wird gerade ein grosses Fischereischiff seeklar gemacht. Weiter draussen gibt es Fischzuchtanlagen. Der Ort wirkt eher wie ein industrielles Zentrum wo gearbeitet wird. Dennoch dominiert auch hier die allgegenwärtige Natur: Bäche fliessen von den Hängen, verschneide Felskämme thronen über dem weiten Fjord. Auf dem Rückweg wird der Blick frei auf den kleinen Ort Kvivik der malerisch in einer Senke an der Küste liegt und hinter dem der weite Sund von nahen und fernen Inselbergen fast gänzlich umschlossen wird.

In Tórshavn laden wir erst unser Gepäck am Heliport aus. Dann bringen wir unser Auto zurück und zahlen den Wegzoll für die Unterseetunnel und marschieren zum Heliport zurück. Dort können wir im kleinen, angenehm beheizten Flughafenhäuschen Zuflucht suchen, bis der Helikopter pünktlich zur gemeldeten Zeit bereitsteht. Diesmal sind wir immerhin sechs Fluggäste. Einer verlässt uns auf der kleinen Insel Koltur verlässt – ob es sich dabei um den einzigen Einwohner der Insel oder einen Besucher handelt erfahren wir nicht. Kaum wieder in die Höhe gestiegen gilt die Aufmerksamkeit wieder den weissumschäumten, grasbewachsenen Klippen die aus der stürmischen See ragen. Trotz des heute noch stärkeren Windes verläuft der Flug praktisch ohne Turbulenzen. Der Leitisvatn an dem der Flughafen liegt kommt in Sicht, hinter dem die Landebahn des Flughafens liegt. Wenige Sekunden später setzen wir auf, fahren aber diesmal zur Parkposition. Dort holt uns ein Minibus ab und bringt uns, nachdem wir unser Gepäck selbst vom Helikopter ausladen vom Rollfeld zum Flughafengebäude.

Von dort sind es wenige hundert Meter bis zu unserem Hotel. Der immer stärker werdende kalte Wind lässt einem selbst auf der kurzen Strecke trotz guter Kleidung frieren. Auf der Landebahn macht sich bei waagrecht stehendem Windsack ein Airbus zum Abflug bereit. Nicht im Geringsten vom Wetter gestört erhebt sich dieser selbstverständlich in den Himmel und verschwindet innert Sekunden aus dem Blickfeld. Wir suchen das warme Hotel auf. Unser Zimmer ist zweckmässig und sauber. Da das Wetter draussen von Minute zu Minute immer noch heftiger wird, verziehen wir uns ins warme Bett und sehen fern. Dann essen wir im Hotel zu Abend. Der Speisesaal ist zwar ebenso zweckmässig wie der Rest des Hotels, wurde aber sehr ansprechend dekoriert. Nur wenige andere Gäste verteilen sich an den rund vierzig Tischen. Die den Raum zu drei Seiten umgebenden Fenster sind alle so Nass, dass das Wasser in Bächen daran hinunterläuft. Draussen tobt jetzt der durch den Wetterbericht vorausgesagte Orkan. Die Scheiben Zittern wenn eine Windböe dagegenprescht und lassen das Spiegelbild des Raumes flirren. Wir wissen nicht, ob der Flieger, der uns morgen früh nach Kopenhagen bringen soll, heute überhaupt landen kann – es ist auch nicht zu sehen, da der Sturm draussen nicht einmal die Sicht auf das wenige Dutzend Meter entfernte und eigentlich hell erleuchtete Rollfeld mehr freigibt. Das Lamm mit gebratenen ganzen Kartoffeln schmeckt aber so gut, dass wir uns keine weiteren Gedanken machen. Ändern lässt sich sowieso nichts.

Während der Sturm eine Regengischt nach der anderen an den Fenstern vorbeischleudert schlafen wir gemütlich ein.



Leitisvatn



9. Rückflug

Das Wetter hat sich am frühen Morgen kaum gebessert. Bei einem erstaunlich vielfältigen Frühstück aus Rührei, Speck, Bohnen verschiedenen Wurst und Käsesorten etc. stellen wir fest, dass der Weg zum Flughafen schwer zu schaffen ist. An der Rezeption wird eigentlich ein Flughafenschuttle für 50 Kronen angepriesen – die nette Dame meint aber, dass die sich immer blöd anstellen kurz vor den Flügen und bietet uns spontan an uns kurz mit ihrem Privatwagen rüberzufahren. Die Färinger mögen im täglichen Umgang reserviert erscheinen (was wir beide sehr schätzen), aber immer wenn Bedarf besteht ist eine helfende Hand und eine unkomplizierte Lösung zur Stelle. Wir bedanken uns herzlich und möchten gerne die 50 Kronen als Dankeschön überreichen, was kategorisch abgelehnt wird.

Im Flughafen stellen wir fest, unser Flug – der einzige heute – als pünktlich angezeigt wird. Es gibt keinerlei Anzeichen für eine Verspätung, obwohl draussen Weltuntergang herrscht. Direkt vor der Glasfassade steht denn auch der Flieger bereit. Er muss als gestern mitten im Sturm sicher gelandet sein – auf einer der schwierigsten Landebahnen der Welt. Respekt. Wir checken das Gepäck ein und staunen über das grosszügige Dutyfree-Angebot. Eine ganze Auswahl an Japanischem Whisky hätte Monsieur hier nicht erwartet.

Das Flugzeug hebt exakt zur vorgesehenen Zeit um 08:15 Uhr ab. Trotz des Wetters verlaufen Start und Flug ohne jegliche Turbulenzen. Im Bordmagazin ist denn auch zu lesen, dass die Landeseigene Airline (Bordsprache Färöisch!) zu über 96% pünktlich ist. Berücksichtigt man dabei noch das Wetter und den schwierigen Anflug wächst der Respekt vor dieser kleinen Nation mitten im wilden Atlantik umso mehr. Eine Rückkehr, am besten bei Wanderwetter im Sommer, scheint unvermeidbar.


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Kommentare

  • ouzo

    Ein interessanter und lebhafter Reisebericht, der mich kurzweilig über die mir noch völlig unbekannten Inseln aufklärt. Ein paar Bilder wären schön, trotzdem habe ich jetzt wieder mal Lust auf den Norden bekommen. Vielen Dank fürs Mitnehmen!
    LG
    Pete

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