Ein paar Tage in Siargao/Cloud 9

Reisebericht

Ein paar Tage in Siargao/Cloud 9

Reisebericht: Ein paar Tage in Siargao/Cloud 9

Die philippinische Insel Siargao ist so richtig schön, längst kein Geheimtipp mehr und beherbergt die weltberühmte Surferwelle Cloud 9.

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Die Anreise

Etwas verwirrt stehe ich am Ferry-Pier in Dapa, der Hafenstadt der Insel Siargao und warte auf eine der vielen Fähre Richtung Mindanao. Die Aussicht auf die umliegenden Inseln ist atemberaubend. Doch der Abschied von Siargao fällt mir leicht. Nicht, dass es mir nicht gefallen hätte, im Gegenteil, die Insel ist traumhaft schön. Ich wage es sogar zu behaupten, dass sie zu den schönsten Inseln gehört, die ich abgeklappert habe.

Angefangen hat alles am Flughafen von Cebu. Das Flugzeug von Cebu nach Siargao ist randvoll. Fast ausnahmslos Touristen, vorallem aus Europa. Früher flog hier ein paar Mal pro Woche ein kleines Flugzeug auf die Insel mit der berühmten Surferwelle. Heute fliegt zwei bis dreimal am Tag ein etwas grösseres Propeller-Flugzeug mit rund 100 Plätzen in den Südosten der Philippinnen.

Am Flughafen von Siargao wird das Gepäck in den Raum gebracht. Koffer um Koffer, nur ein Rucksack - meiner. Das überrascht mich so ziemlich. Offenbar ist dies hier eine Insel für Touristen, die länger bleiben und einen gewissen Komfort schätzen. Ich rechnete eher mit einfachen Unterkünften und von Touristen unberührtem Dorfleben und dass sich aufgrund der fehlenden Infrastruktur die anspruchsvolleren Reisenden fernbleiben.

Nach meinen Quellen ist es nicht so einfach, vom Flughafen wegzukommen, wenn man den Transport nicht vorgängig organisiert hat. Auch hier werde ich des besseren belehrt. Eine Armada von Minibussen steht bereit und jeder fährt ein bestimmtes Ziel an. Natürlich bin ich der einzige Passagier an Bord des Busses nach General Luna, wo ich das "Epizentrum" des Tourismus vermutete. Der Rest ginge zur Cloud 9, der berühmten Welle, meint der Fahrer, aber was genau unter Cloud 9 zu verstehen ist, erschliesst sich mir nicht. Dort hat es ja nur ein wenige Unterkünfte und die Welle, sonst praktisch nichts.

Aber alles wunderbar, alle sind zufrieden und glücklich und der Bus fährt durch den Regenwald Richtung General Luna, einer Stadt südlich der Surferwelle. Siargao ist einfach traumhaft schön. Diese hohen Palmen, dieses saftige grün, immer wieder Wasserläufe. Kühe und Ochsen, Schweine und Hühner, kleine Dörfer, nichts wurde da gerodet, sie stehen direkt unter den Palmen. Ich kann mich kaum sattsehen.



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General Luna

General Luna ist eine geteilte Stadt. Im Süden wohnen die Einheimischen. Im Norden ist der Touristenstrip. So kommt es, dass man kaum einen Touristen im Süden sieht, dabei übt der Ort durchaus seine Faszination aus. Wenn auch vielleicht nicht auf den ersten Blick.

Denn der Ort wirkt nicht sehr einladend. Staubige Strassen, einfache Hütten, das Wasser wird mit Handpumpen gewonnen, die Läden sind einfach, das Angebot überschaubar. Bei Regen bilden sich grosse Pfützen in den Strassen, die grösstenteils ungeteert und uneben sind. Auf den zweiten Blick erkennt man aber die Schönheiten, mir gefällt "das Kaff". Alles scheint auf den Strassen unterwegs zu sein, die Häuser sind zweckmässig gebaut, sie stehen mitten im Regenwald unter Palmen, Schweine und Hühner leben in den Gärten, Hunde achten darauf, dass diese kein Unbefugter betritt.

Auf meinem Rundgang entdecke ich neben einem einfachen Kiosk eine Frau, die in Plastikbecken an der Strasse die Wäsche macht. Die Jugend spielt von früh bis spät Basketball, am Pier warten Fischer auf Beute und Bootsführer auf Touristen. Davon müsste es mehrere hundert geben, doch sehen tue ich keinen.

Im Norden beginnt es touristisch zu werden. Aber alles sehr bescheiden. Ein paar Souvenirstände, eine grosse Auswahl von Früchten sehe ich, Kleider werden feilgeboten, zahlreiche Restaurants säumen die Strasse. Dass sich hier Reisende aufhalten, die etwas mehr von den Ferien erwarten, wird schnell klar. Neben Bruschetta und diesem Zeug entdecke ich Frückstücksangebote, die nichts mit den Philippinen zu tun haben. Nicht dass ich etwas dagegen habe, ich habe es nur wesentlich lokaler erwartet.



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Cloud 9 und die berühmte Welle

ÖV ist in Siargo inexistent. Hier fährt man Motorrad. Allerdings ist die Insel ja auch nicht gerade klein und wer will schon 50 Kilometer auf einem Motorradtaxi sitzen. Selber ein Töffli mieten, ist nicht mein Ding. Fahrräder suche ich vergebens, soll es aber geben. Also geht mein Tagesausflug zu Fuss zur Cloud 9, der weltberühmten Surferwelle. Ich laufe gern, alles ist wunderbar.

Der Marsch entlang der Strasse zur Cloud 9 ist unfassbar langweilig. Daher biege ich irgendwann ab und gehe am Strand entlang. Der Strand gehört nicht zu den schönsten, dafür sieht man weit draussen riesige Wellen und ein paar wagenmutige Surfer stehen auf dem Riff und tun das, was sie auch immer dort tun. Im Moment stehen sie dort und das tun sie auch noch 10 Minuten später.

Kurz vor der Cloud 9 endet der Strand und ich gehe zur Strasse zurück. Es hat wenige Unterkünfte, wenige Restaurants und kaum Menschen. Und dann endlich sehe ich sie! Die Welle! Eine Wahnsinnswelle! Ein langer Steg führt hinaus zur Brandung und es braucht da schon gehörig Mut, sich mit den Surfbrett in diese riesige Welle zu werfen. Zu meiner Enttäuschung tut dies auch niemand. Kein Surfer nichts. Nichteinmal ein anderer Mensch. Seufz. Es hat aber eine coole Kneipe gleich um die Ecke, ein guter Platz um auf die Surfer zu warten, finde ich. Nur kommen tun sie nicht. Auch die Kneipe bleibt leer. Sie kommen, wenn die Flut hereinbricht, meinen die lustigen Angestellten. Die Flut kommt, die Sonne geht. Aber Surfer? Fehlanzeige. Seufz. Also trotte ich wieder zurück. Voller Rätsel.



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Am Abend

Zahllose Restaurants, vorallem mit italienischer und französcher Küche, und diverse Resorts, von einfach bis anspruchsvoll, prägen den Norden von General Luna. Dazu das Unvermeidliche: Tapas, Nachos, Pizzas und Burger und alles sonst noch, was gewisse Touristen für unverzichtbar halten. Man muss ganz schön aufpassen, wo man sich hineinsetzt. Teilweise bekommt man ausschliesslich europäische Küche. Man kann auch in einem Restaurants mit sehr exklusive Menues und gesalzenen Preisen landen, da kann man schon mal 40 Euro hinlegen für ein einfaches Mal. Ich esse lieber einheimisch, aber eben, dafür muss man etwas suchen. Offenbar setzt Siargao auf gut betuchte Gäste, vielleicht deshalb der neue Golfplatz. Warum auch nicht. Billig ist hier jedenfall nichts.

Wie dem auch sei und wo ich auch bin, ich bin immer der einzige Gast. Es ist seltsam. Das Resort, das mich beherbergt, total nett, scheint ziemlich voll zu sein, überall brennt Licht, nur die Gäste sieht man nie. Im Restaurant des Resorts war ich wohl der einzige Gast des ganzen Tages. Auch während meinem längeren, erfolglosen Schnorchelausflug (nicht ein Fisch, Grrrr) am "Hotelstrand" zeigt sich keine Menschenseele. Nun sitze ich bei einem Bier in einem Restaurant, das noch am soetwas wie eine Theke hat. Es wimmelt von Hunden, die sind ganz lieb, ab und zu spüre ich einen Nasenstupser am Fuss, fast kommt es mir vor, wie sie mich begrüssen wollen. Manchmal setzt sich noch eine Katze auf den Nachbarsstuhl. Doch andere Gäste? Fehlanzeige.

Das sitze ich und frage mich, wo alle die Menschen sind, als sie plötzlich einfallen und die Restaurants füllen. Plötzlich scheinen alle Kneipen bis auf den letzten Platz gefüllt zu sein. Ich habe gerne Menschen um mich rum und geniesse den Lärm, die Atmosphäre, lese weiter im Buch und eine Stunde später ist wieder alles leer. Alle weg! Was war denn das? 20.30 Uhr!

Da sitze ich wieder allein vor meinem Bier. Auch die anderen Kneipen leeren sich komplett, die nine-bar, den Treffpunkt der Surfer gibt es nicht mehr und einen neuen Treffpunkt scheint es nicht zu geben. Es hat noch eine Diskobar, wo ich mit ein paar Filippino-Touristen den Abend beende. In Sachen Karaoke sind sie unschlagbar.



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Ein Erdbeben

Jeweils Dienstag und Freitag wird in der Jungle Bar das Leben genossen. Es ist ein wunderschöner Ort, nicht leicht zu finden. Mitten unter Palmen geniesse ich mein Bier, es wird so richtig voll - voller Filipinos. Ich bin der einzige Ausländer. Wo sind sie nur alle?

Die Bässe dröhnen, als die Musik plötzlich unterbricht und ein schriller, extrem lauter Ton durch die Palmen schallt. Zuerst habe ich den DJ in Verdacht, der Ton tut richtig weh in den Ohren. Alle sitzen ruhig da, ein Mann schaut noch kurz die Holzkonstruktion an, dann fängt es an zu rütteln. Huiui, das rüttelt aber! Und es wird immer stärker! Ich fange an, das Bier zu verschütten. Also jetzt werde ich langsam ärgerlich und finde, dass es reicht. Aber das Beben kennt kein Erbarmen. Bald klammere ich mich an die Lehne der Holzbank, denn es wird immernoch immer heftiger und langsam passt mir das gar nicht mehr. Doch dann ist es plötzlich vorbei. Alles geht weiter, als ob nicht gewesen wäre. Als ich gehe, schwanke ich doch ziemlich und ich frage mich, ob mir echt das Bier zu Kopfe gestiegen ist. "Nachbeben!" meinen die Locals lachend. Man haben die Nerven. Es ist zwar nicht mein erstes Erdbeben, aber das heftigste und das längste.

Der nächste Tag bringt Klarheit. Die Sirene war ein Tsunami-Alarm und in meinem Resort rannte offenbar alles aus ihren Zimmern ins Freie. Dort waren sie also.

Siargao wurde verschont, Surigao nicht. Hier gab es ein paar Tote und viel Zerstörung. Spass macht es nicht, in einer verletzten Stadt anzukommen. Strassen und Flughafen hat es auch erwischt hat. Man kommt nur noch mit der Fähre raus. Also finde ich mich auf der Fähre Richtung Cebu wieder. Wiedermal bin ich der einzige Ausländer. :)

Surigao ist wunderschön. Vielleicht nicht gerade was für Alleinreisende, aber zu zweit oder in einer Gruppe sicherlich ein Highlight.



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